Geilmann: Goldene Partien
Die Weltmeisterschaften sind zweifelsohne sportliche Höhepunkte des Schachkalenders. Dabei wurden diese Wettkämpfe in höherem Sinne manchmal nur durch eine einzige Partie entschieden. Diese goldenen Partien sind daher mehr als nur großartige Siege oder tragische Niederlagen. Sie sind Meilensteine, die oft auch entscheidende Wendepunkte in der Entwicklung der Theorie und der Spielpraxis markieren. Sie zeigen, wie kreative Ideen, innovative Strategien und tiefes Verständnis für das Spiel zu Momenten führen können, die in die Schachgeschichte eingehen. Diese Partien sind daher nicht nur für die Spieler selbst von Bedeutung, sondern auch für die gesamte Schachgemeinschaft, die bis heute aus ihnen lernt und inspiriert wird. In diesem Buch werden einige der herausragenden Partien untersucht. Wir analysieren gemeinsam die strategischen Ideen und brillanten Züge, die von den größten Schachmeistern ihrer Zeit gespielt wurden. Jede dieser Partien erzählt dabei auch eine Geschichte von Rivalität, psychologischem Druck und der stetigen Suche nach Perfektion. Darüber hinaus wird die Bedeutung dieser Partien im Kontext ihrer Zeit betrachtet. Wie haben sie die Schachtheorie beeinflusst? Welche neuen Ideen und Konzepte wurden geboren? Wie haben sie das Verständnis des Spiels verändert und die nächste Generation von Schachspielern geprägt? Die Antworten auf diese Fragen geben einen tiefen Einblick in die Evolution des Schachs und die Rolle, die diese Meisterwerke dabei gespielt haben. Lassen Sie uns also auf eine Reise durch die faszinierende Welt der Schachweltmeisterschaften gehen und Partien erkunden, die nicht nur die Schachgeschichte geprägt haben, sondern auch weiterhin Generationen von Spielern und Schachenthusiasten inspirieren werden. Der Autor, Ulrich Geilmann, wurde 1963 in Essen geboren und wohnt am Niederrhein. Er ist diplomierter Raumplaner und im öffentlichen Dienst tätig. Als profunder Hobbyschachspieler, ehemaliger Schachfunktionär sowie Mitglied der Emanuel Lasker Gesellschaft kennt sich Geilmann in der Schachszene gut aus und hat inzwischen mehrere Schachbücher veröffentlicht.300 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Andreas Wittek im April 2025 Das Buch „Goldene Partien – Entscheidende Momente der Schachweltmeisterschaften“ von Ulrich Geilmann verfolgt die Idee, die überragende historische Bedeutung einzelner Weltmeisterschaftspartien herauszustellen. Dies gelingt ihm meiner Meinung nach ziemlich gut, weil Geilmann jeder dargestellten Schachpartie jeweils Kurzbiographien der beiden Kontrahenten voranstellt. Eine große Anzahl von Schachpartien ist in dieser Sammlung sehr ausführlich analysiert und erklärt worden, wodurch sowohl langjährige Schachspieler aus einem Verein als auch ambitionierte Schachanfänger mit guten Grundkenntnissen angesprochen werden. Nach meinem Dafürhalten eignet sich dieser fast dreihundertseitige Text von Geilmann ebenfalls exzellent dazu, eine Neugier bei Menschen mit eher wenig schachlichem Interesse bezüglich der Schachkunst zu wecken, denn Geilmann lässt die Protagonisten / die „Schachhelden“ auf den Seiten seines Buches in einer angenehmen, menschlichen Weise lebendig werden. Das „Historische Schachlehrwerk“ ist in die folgenden fünf Kapitel gegliedert: Kapitel 1 – Schachhistorische Meisterleistungen Kapitel 2 – Neuzeitliche Schachwettkämpfe Kapitel 3 – Moderne Weltklasse Kapitel 4 – Perlen der Neuzeit Kapitel 5 – Hypermoderne Schachzeiten Mir persönlich haben in diesem Lehrbuch die Erklärungen zu der zehnten Partie des Weltmeisterschaftskampfes 2016, Spanische Partie (C65), zwischen Sven Magnus Øen Carlsen und Sergei Alexandrowitsch Karjakin am besten gefallen. Geilmann legt in einem detaillierten Text von Seite 253 bis zu der Seite 263, welcher ebenso vier Schachdiagramme beinhaltet, die Pläne / die Konzepte / die Ideen, die hinter einem einzelnen speziellen Zug jeweils von Carlsen und Kajarkin stehen, für die Leser / die Leserinnen in einer ausgezeichneten, nachvollziehbaren Weise dar, so wie ich es vorher in noch keinem anderen Buchtext habe lesen können. Auf den Seiten 295 bis 297 thematisiert Geilmann in einem Abschnitt mit dem Titel „Nachwort, Danksagungen und Widmung“ seine Beweggründe zu diesem Schachbuch, dass heißt, er erzählt dessen genaue Entstehungsgeschichte. Für Geilmann waren vor allem solche Partien berichtenswert, „die einerseits eine besondere sportliche Bedeutung hatten und andererseits zugleich eine gewisse schachtheoretische Relevanz aufwiesen.“ (Seite 296, Geilmann) Bei den „Weltmeisterschaften“ war der Autor dann fündig geworden und untersuchte insbesondere Partien, die zum einen wettkampfentscheidend gewesen waren und zum anderen schachlich herausragend. In der vorliegenden Form vom Verfasser aufbereitet, eignen sich die sechzig kommentierten Schachpartien ausgezeichnet als Trainingsmaterial. Rezension von Jörg Palitzsch im April 2025 In seinem neuen Buch widmet sich Ulrich Geilmann einem der faszinierendsten Kapitel der Schachgeschichte: den herausragenden Partien der Schachweltmeisterschaften. Dabei gelingt ihm nicht nur eine eindrucksvolle Sammlung legendärer Spiele, sondern auch eine tiefgründige Reflexion über die kreative und historische Dimension des königlichen Spiels. Geilmann geht es nicht allein um die Analyse brillanter Züge oder das Nachzeichnen glorreicher Siege. Vielmehr versteht er die sogenannten „goldenen Partien“ als Meilensteine – als Momente, in denen sich nicht nur der sportliche Wettkampf entschied, sondern auch die Theorie, das Verständnis und die Praxis des Spiels nachhaltig veränderten. Jede Partie, die in diesem Buch behandelt wird, steht exemplarisch für die Genialität und Innovationskraft ihrer Zeit und birgt zugleich universelle Lehren, die über das konkrete Spiel hinausgehen. Bemerkenswert ist die Herangehensweise des Autors: Mit Leidenschaft bringt Geilmann sowohl die technischen Feinheiten als auch die psychologische Tiefe der Duelle zur Geltung. Die Leser werden nicht nur Zeugen brillanter Kombinationen, sondern auch der inneren Kämpfe großer Meister – Rivalitäten, Drucksituationen und der ewige Drang zur Perfektion werden eindrucksvoll nachgezeichnet. Dabei ist der Autor kein distanzierter Chronist. Als erfahrener Schachspieler, ehemaliger Funktionär und Mitglied der Emanuel Lasker Gesellschaft bringt Geilmann seine persönliche Perspektive mit ein, ohne jemals ins Subjektive abzudriften. Sein Fachwissen und seine Begeisterung für das Spiel schlagen sich in einer lebendigen, gut verständlichen Sprache nieder, die auch ambitionierten Laien den Zugang zu komplexen Zusammenhängen ermöglicht. Ein besonderes Plus ist die historische Einordnung der Partien. Geilmann beleuchtet, wie einzelne Spiele die Entwicklung der Schachtheorie beeinflusst haben, welche Konzepte daraus hervorgingen und wie sie die nächste Generation von Schachspielern prägten. So wird das Buch zu einem wertvollen Beitrag zur Schachliteratur – nicht nur als Sammlung großartiger Partien, sondern als Gesamtschau eines lebendigen kulturellen Erbes. Fazit: Ulrich Geilmann legt mit diesem Werk eine kenntnisreiche und zugleich inspirierende Reise durch die Geschichte der Schachweltmeisterschaften vor. Wer sich für Schach interessiert – sei es als Spieler, Historiker oder einfach als Bewunderer menschlicher Genialität – wird in diesem Buch fündig.
34,80 €*
Geilmann: Veras Vermächtnis
Vera Menchik-Stevenson (1906 – 1944) war die erste Schachweltmeisterin. Sie konnte den Titel im Jahre 1927 erringen und 17 Jahre lang verteidigen. Außerdem gelang es ihr, namhafte Meisterspieler wie Max Euwe, Samuel Reshevsky, Frederick Yates, Edgar Colle, Karel Opocensky, Sir George Thomas, Akiba Rubinstein und Sultan Khan in hochklassigen Turnieren zu besiegen. Sie war insoweit die mit großem Abstand stärkste Spielerin ihrer Zeit und ist bis heute ein großes Vorbild. Heute kennen Vera, die im Alter von nur 38 Jahren einem Luftangriff auf London zum Opfer fiel, aber nur wenige Schachexperten. Dieses Buch soll hier ein wenig abhelfen. Die Biografie zeichnet die wesentlichen Stationen ihres Lebens nach und dokumentiert einige wichtige Partien. Ulrich Geilmann wurde 1963 in Essen geboren und wohnt am Niederrhein. Er ist diplomierter Raumplaner und im öffentlichen Dienst tätig. Als profunder Hobbyschachspieler, ehemaliger Schachbundesligafunktionär sowie Mitglied der Emanuel Lasker Gesellschaft kennt sich Geilmann in der Schachszene gut aus und hat inzwischen mehrere Schachbücher geschrieben. Es ist bereits das siebente Schachbuch im Joachim Beyer Verlag. 254 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Jörg Palitzsch im Januar 2026 Ulrich Geilmann widmet sich in seinem Buch „Veras Vermächtnis“ dem Leben und der Bedeutung von Vera Menchik-Stevenson, der ersten Schachweltmeisterin der Geschichte. Die Biografie zeichnet ihren Weg von der Kindheit in Russland über den Neuanfang in England über ihre internationalen Turniererfolge und ihrem Tod während des Zweiten Weltkriegs nach. Der Autor folgt auf rund 150 Seiten einer klaren chronologischen Struktur, die es erleichtert, sowohl die persönliche Entwicklung als auch die schachliche Laufbahn Menchiks nachzuvollziehen. Neben den biografischen Stationen wird auch der historische Kontext ausführlich berücksichtigt, ergänzt durch unzählige Fotos. Geilmann stellt dar, unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen Menchik aufwuchs und wie ungewöhnlich ihre Karriere in einer von Männern dominierten Schachwelt war. Gleichzeitig vermeidet er eine rein symbolische Darstellung und betont stattdessen ihre spielerische Stärke und ihre konstanten Erfolge auf hohem Niveau, angereichert mit zahlreichen Diagrammen. Menchik dominierte nicht nur den Frauenschach, sondern gewann auch zahlreiche Partien gegen führende Meister ihrer Zeit. Dies wird anhand konkreter Turnierergebnisse und ausgewählter Partien belegt. Ein wesentlicher Bestandteil des Buches ist die umfangreiche Partiensammlung, die auf 100 Seiten einen großen Raum einnimmt. Diese richtet sich vor allem an schachlich interessierte Leser mit Spielerfahrung und bleibt insgesamt gut verständlich und nachvollziehbar. Die Partien ergänzen die biografischen Kapitel und verdeutlichen die praktische Stärke Menchiks am Brett. Leser, die sich ausschließlich für die Lebensgeschichte interessieren, können diesen Abschnitte auch getrennt vom Haupttext lesen, eine kleine Aufgabensammlung führen weiter in den Stil von Vera Menchik-Stevenson ein. Der Schreibstil ist sachlich und zurückhaltend, Geilmann verzichtet auf Dramatisierungen und konzentriert sich auf überprüfbare Fakten, was dem Buch einen dokumentarischen Charakter verleiht. Ergänzt wird die Biografie durch einen Ausblick auf den heutigen Stand des Frauenschachs, der Menchiks historische Rolle in einen größeren Zusammenhang einordnet. Insgesamt bietet „Veras Vermächtnis“ eine fundierte und gut recherchierte Darstellung einer bedeutenden, heute weniger bekannten Schachpersönlichkeit. Das Buch eignet sich sowohl für Schachspieler, die sich für die Geschichte interessieren, als auch für Leser, die sich mit den Lebenswegen von Frauen in außergewöhnlichen gesellschaftlichen Positionen beschäftigen. Es leistet einen Beitrag dazu, Vera Menchiks Leistungen angemessen zu würdigen und sie wieder stärker ins Bewusstsein der Schachöffentlichkeit zu rücken.
27,80 €*
Palitzsch: Zerbrechliche Genies
Das Spiel der Könige, der Genies und der Tragödien Dieses Buch erzählt von Persönlichkeiten, deren Leben ebenso dramatisch war wie ihre Partien. Von Genies, die im Licht aufstiegen – und im Dunkel verschwanden. Paul Morphy, das Wunderkind, das in Einsamkeit verstummte. Harry Nelson Pillsbury, ein Stern, der früh verglühte. Bobby Fischer, der nach seinem historischen Sieg aus der Schachwelt einfach verschwand. Von Eva Moser, die viel zu früh starb. Und von vielen anderen, die nicht nur Gegner, sondern auch ihre eigenen Dämonen besiegen mussten. Politik und Geschichte prägten ihre Schicksale. Der Kalte Krieg, die Weltkriege, politische Verfolgung – sie bestimmten Karrieren und Leben. Alexander Aljechin, Viktor Kortschnoi und Michail Tal: Namen, die Schachgeschichte schrieben und zugleich Opfer ihrer Zeit wurden. Doch nicht nur Männer litten. Schachspielerinnen kämpften zusätzlich gegen Unsichtbarkeit. Ihre Talente blieben oft ungewürdigt, ihre Namen vergessen. Diskriminierung, fehlende Ressourcen und gesellschaftliche Zwänge hielten viele zurück. Dieses Buch ist keine Sammlung von Erfolgsstorys. Es ist ein Mosaik aus Schicksalen, gezeichnet von Ruhm und Leid. Es zeigt, wie verletzlich Genies sind – und wie sehr äußere Mächte ihr Leben bestimmen. Schach ist nicht nur ein Spiel. Schach ist auch ein Spiegel des menschlichen Dramas. 146 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Claudia Mocek im Februar 2026 (Erschienen in der Bietigheimer Zeitung am 24. Februar 2026) „Zerbrechliche Genies. Das Spiel der Könige, der Genies und der Tragödien“ lautet der Titel des neuen Buchs von Jörg Palitzsch. Auf 146 Seiten zeichnet der ehemalige stellvertretende BZ-Redaktionsleiter und Ingersheimer Autor die Biografien von über 45 Schach-Genies nach – vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Wilhelm Steinitz, Alexan der Aljechin und Levon Grigori: den Autor interessieren nicht nur die Siege, Titel und erfolgreichen Strategien der meist männlichen Protagonisten, die dem Leser anhand von ausgewählten Spielzügen aufzeigt. Überblicksartig rekonstruiert er deren Karriereentwicklungen vor dem Hintergrund der jeweiligen politischen und historischen Ereignisse. Psychische Belastungen Darüber hinaus interessiert er sich für die psychischen Belastungen des Schachspiels: „Schach fordert außergewöhnliche mentale Fähigkeiten, die in die Isolation oder mentale Instabilität treiben“, schreibt der Autor. Als tragische Beispiele führt er etwa Wunderkind Paul Morphy, Harry Nelson Pillsbury und Reuben Fine an. Außerdem geht Palitzsch der Frage nach, ob die geistige Anstrengung zum Beispiel beim Blindschach Geisteskrankheiten ausgelöst haben kann. Dabei spielt mindestens einer der Spieler aus dem Gedächtnis ohne das Schachbrett anzuschauen. Die Züge werden angesagt. Der Autor beschäftigt sich auch mit den stillen Heldinnen – Frauen in der Männerdomäne Schach: Ljudmila Rudenko, Vera Menchik und Eva Moser. Sie hatten nicht den gleichen Zugang zu Ressourcen wie Männer, wurden auch medial weniger wahrgenommen. „Viele Frauen in der Schachwelt wurden oft im Schatten der männlichen Spieler übersehen“, schreibt Palitzsch. Ein weiteres Hindernis seien auch die sozialen Erwartungen gewesen, gesellschaftliche Normen hätten Frauen daran gehindert, sich ganz dem Schach zu widmen. Mit seinem neuen Buch will der passionierte Schachspieler Palitzsch, nach seiner kulturgeschichtlichen Liebeserklärung ans Schach („64 Felder erobern die Welt“) und seinen 20 Kurzgeschichten (20 Antworten auf d2- d4) rund um das Spiel der Könige, zeigen, „wie zerbrechlich und verletzbar Genies sein können“. Für Jörg Palitzsch steht fest: „Schach ist nicht nur ein Spiel.“ Rezension von Stefan Liebig im Februar 2026 Zerbrechliche Genies von Jörg Palitzsch ist mehr als nur eine Sammlung von Porträts berühmter Schachspieler: Es ist eine einfühlsame und facettenreiche Auseinandersetzung mit dem oft schmalen Grat zwischen Brillanz und Tragik im Leben herausragender Talente des 64-Felder-Spiels. Der Autor versteht es, das Schachspiel in einen größeren biografischen und gesellschaftlichen Kontext zu stellen, indem er die Lebenswege von Persönlichkeiten beleuchtet, deren Karrierehöhepunkte und privaten Abgründe gleichermaßen faszinieren. Palitzsch nimmt den Leser mit auf eine Reise durch das Schach des 19., 20. und frühen 21. Jahrhunderts, indem er Geschichten von Spielern wie Paul Morphy, Harry Nelson Pillsbury oder Bobby Fischer aufblättert - Figuren, die durch ihre Partien oder ihre Persönlichkeit Legendenstatus erlangten, zugleich aber oft unter dem Druck ihrer Zeit oder inneren Konflikten litten. Ein besonderer Reiz des Werks liegt in der Spannweite der behandelten Schicksale: Von einem Wunderkind, das früh verstummt, über einen Weltmeister, der nach seinem Triumph in die Isolation ging, bis zu weniger bekannten Spielern, deren Namen im Schatten der Geschichte verblassen - Palitzsch zeigt, dass Schach nicht nur ein Spiel der Züge ist, sondern auch tief im persönlichen Drama verwurzelt sein kann. Die Kapitel sind dabei erzählerisch so aufgebaut, dass sie sowohl strategisch denkende Schachbegeisterte als auch Leser ansprechen, die weniger mit der Materie vertraut sind, aber Interesse an menschlichen Geschichten haben. Besonders gelungen ist die Balance zwischen historischem Überblick und individueller Nähe: Der Autor bietet genügend Hintergrund, um die Einflüsse politischer und gesellschaftlicher Umfelder zu verstehen, lässt dabei aber die persönlichen Emotionen und inneren Kämpfe seiner Protagonisten niemals aus dem Blick. Die Geschichten werden so nicht nur zu Anekdoten großer Partien, sondern zu Reflexionen über Genialität, Ambition, Scheitern und menschliche Verletzlichkeit Aspekte, die oft im Schatten der reinen Gewinn- oder Verluststatistik stehen. Insgesamt ist — “Zerbrechliche Genies —“ein reichhaltiges und nachdenklich stimmendes Buch, das klassischen schachhistorischen Stoff mit psychologischer Tiefe verknüpft. Es eignet sich für Leser, die neben strategischen Einsichten auch ein Verständnis für die Persönlichkeit hinter der Figur suchen, und bietet sowohl Kennern als auch neugierigen Einsteigern eine lohnenswerte Lektüre, die das Schachspiel als Spiegel menschlicher Lebenswege reflektiert.
22,80 €*
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Müller: Bobby Fischer 60 mejores partidas
Probablemente no exista otro jugador que haya cambiado el mundo del ajedrez en tantos ámbitos y de forma tan radical como Robert James Fischer; a quien se debe que los ajedrecistas de todo el mundo se hayan acostumbrado al nombre de Bobby Fischer. De entre sus espectaculares éxitos, sobresalen las contundentes victorias contra tres grandes maestros soviéticos a principios de la década de 1970, una especie de cambio de guardia en la lucha por el título mundial, al que los soviéticos se habían abonado, por así decirlo, durante más de dos décadas. Esto desencadenó un boom en el ajedrez mundial, o más exactamente: desencadenó un boom del ajedrez sobre todo en el mundo occidental, porque en la Unión Soviética, con millones de jugadores de club, ese boom no parecía tan necesario. Muchos jugadores de todos los niveles se sintieron atraídos por el juego en sí, en especial por los acontecimientos de aquella época. Sus partidas son legendarias y, puesto que no cabe duda de que ya han sido analizadas y comentadas en profundidad en varias obras, surge la pregunta: ¿Qué se supone que se consigue con un nuevo libro? El gran maestro alemán Karsten Müller ha seleccionado las que considera las 60 partidas más instructivas de Fischer y las ha revisado con algunos de los motores más actuales. Aunque ha detectado bastantes errores en los análisis antiguos, las partidas de Bobby siguen brillando con el mismo esplendor de antaño o incluso más. Como incluso los mejores programas casi nunca encuentran errores en sus partidas, el lector puede aprender más que nunca de ellas para mejorar su fuerza de juego y encaminarse al éxito. Además, incluimos numerosas fotos, pero sobre todo son las citas que incluimos en muchas partidas las que transportan al lector a los "viejos tiempos del ajedrez". Por eso, hasta los jugadores más jóvenes se harán una idea de cómo era el mundo del ajedrez cuando, por ejemplo, aún existían las "partidas aplazadas" y las "jugadas selladas", y cuando ningún jugador podía eludir el duro trabajo de análisis simplemente delegando esta tediosa tarea a su ordenador. 222 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag
29,80 €*
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Müller: Bobby Fischer 60 best Games
There is probably no other player who has changed the chess world in so many areas and so radically – like Robert James Fischer, for whom the name Bobby Fischer has become common among chess players worldwide. Of his spectacular successes, his downright declassifying victories against three Soviet grandmasters in the early 1970s are particularly noteworthy – a kind of changing of the guard in the fight for the world title, to which the Soviets had subscribed, so to speak, for more than two decades. This triggered a worldwide chess boom, or more precisely: it triggered a chess boom especially in the western world, because in the Soviet Union with millions of club players such a boom was apparently hardly necessary. Many players of all levels were drawn to the royal game specifically because of the events of that time. Fischer's games are legendary, and since they have of course already been extensively analyzed and commented on in a number of works, the question arises: What is another book supposed to achieve anyway? German grandmaster Karsten Müller has selected what he considers to be Fischer's 60 most instructive games and checked them with various newer engines. Although he noticed numerous errors in the old analyses, Bobby's games still shine in their former glory or even brighter. Since even top programs rarely find errors, every reader can learn more than ever from these games in order to improve their own playing strength in a success-oriented manner. In addition to the numerous photos, it's above all the quotations contained in many games that take the reader back to the 'old days of chess'. Therefore, even younger players can get a good impression of what the chess world was like when, for example, there were still 'adjourned games' and 'sealed moves' – and when no player could dodge the hard analysis work by simply delegating this tedious task to his computer. 222 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag
29,80 €*
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Konikowski, Bekemann & Müller: World Chess Championship 2021 – Ian Nepomniachtchi vs. Magnus Carlsen
Whenever the world champion has to defend his crown against a challenger, it's not only chess fans who are watching, but the whole world. This exciting scenario was originally planned for December 2020, when the Russian Ian Nepomniachtchi was supposed to meet the Norwegian title holder Magnus Carlsen in Dubai. The Covid-19 pandemic, however, caused a stalemate situation and the whole event had to be postponed for one year. On November 24, 2021, the match, which was scheduled for 14 classical games, finally took off. For the defending champion – still 31 years old on the opening day - this was already the 5th title fight, while his opponent of the same age was going to play at the highest level for the first time. As number 1 in the world rankings with an Elo rating of 2856, Carlsen went into the match as a favorite. Nepomniachtchi was listed as number 5 with the slightly lower Elo 2782. Even so, some experts believed he was capable of winning the chess crown. Their opinion was based on the fact that Nepo was after all the only player in the world with a positive score against Carlsen in classical chess. Should the scheduled 14 classical games not lead to a decision, the winner would have to be determined in a tie-break. First four rapid games, possibly followed by blitz games and, as a last resort, by an Armageddon. In some publications it was said that Nepo could also have a chance in these disciplines. As it quickly turned out, however, a tiebreak was not necessary. The authors have analyzed all match games in detail and written entertaining and understandable comments. In addition, the first chapters portray the protagonists using biographical sketches, previous personal encounters and some highlights from their way to the final. Some Interviews, predictions before the fight and exercises complete the book. 162 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag
23,00 €*
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Müller: Bobby Fischer 60 beste Partien (gebunden)
Es gibt wohl keinen anderen Spieler, der die Schachwelt in so vielen Bereichen und derart einschneidend verändert hat – wie Robert James Fischer, für den sich unter den Schachspielern der Welt der Name Bobby Fischer eingebürgert hat. Von seinen spektakulären Erfolgen sind besonders seine geradezu deklassierenden Siege gegen gleich drei sowjetische Großmeister Anfang der Siebziger hervorzuheben, eine Art Wachablösung im Kampf um den Weltmeistertitel, den die Sowjets seit mehr als zwei Jahrzehnten quasi abonniert hatten. Dies löste einen weltweiten Schach-Boom aus, obwohl es genauer heißen muss: Es löste einen Schach-Boom speziell in der westlichen Welt aus, denn in der Sowjetunion mit Millionen von Vereinsspielern war ein solcher Boom ja offenbar kaum noch erforderlich. Viele Spieler aller Klassen haben wegen der damaligen Ereignisse rund um Bobby Fischer überhaupt erst mit dem königlichen Spiel begonnen. Seine Partien sind legendär, und da sie natürlich schon in etlichen Werken ausgiebig analysiert und ausführlich kommentiert wurden, liegt die Frage nahe: Was soll ein weiteres Buch da überhaupt noch bringen? Der Hamburger Großmeister Karsten Müller hat die seiner Meinung nach 60 in- struktivsten Partien Bobby Fischers ausgewählt und diese einmal mit verschiedenen neueren Engines geprüft. Dabei sind ihm zwar zahlreiche Fehler in den alten Analysen aufgefallen, aber Bobbys Partien strahlen ungeachtet dessen immer noch im alten Glanz oder sogar noch heller. Denn selbst der strenge Blick von Spitzen-Programmen stößt nur selten auf Fehler, und entsprechend kann jeder Leser mehr denn je aus diesen Partien lernen, um seine eigene Spielstärke erfolgsorientiert zu verbessern. Nicht allein die zahlreichen im Buch gebotenen Fotos von fast allen Gegnern Fischers versetzen den Leser zurück in ‚alte Schachzeiten' sondern auch die in vielen Partien eingefügten Zitate. So erhalten selbst jüngere Spieler einen guten Eindruck davon, wie es in der Schachwelt zuging, als es beispielsweise noch Hängepartien gab und kein Spieler sich vor der Analyse drücken konnte, indem er diesen Job einfach an seinen Computer delegiert.232 Seiten, gebunden, Joachim Beyer Verlag Rezension von Christian Hoethe im September 2022 Den meisten Schachspielern ist Fischers Klassiker „Meine 60 denkwürdigen Partien“ natürlich ein Begriff. – Wozu braucht es also ein Buch, das auf den ersten flüchtigen Blick nur eine Wiederholung dessen darstellt? Als definitiver Fan von Fischers Spielweise muss ich gestehen, dass ich mich genau das fragte, als mir das Buch vorlag. Fasziniert war ich sogleich, als ich das Vorwort Karsten Müllers las und er dort dieselbe Frage stellte und sie direkt selbst beantwortete. Dabei hat sich der bekannte Hamburger Großmeister und Autor Dr. Karsten Müller nicht nur die Mühe gemacht, das gesamte Schaffen Fischers neu zu beleuchten und die seiner Meinung nach 60 instruktivsten Partien des ehemaligen Weltmeisters einer kritischen Analyse zu unterziehen. Dabei hat er, unterstützt von den modernsten Computer-Engines der Welt, bemerkenswerte Entdeckungen zutage gefördert und interessante Schlussfolgerungen gezogen, die er mit seinen Lesern und allen Fischer-Fans teilen möchte. Vielmehr bestand die erweitere Absicht des Autors auch darin, den Leser - frei nach Vidmar - in „goldene Schachzeiten“ zurückzuversetzen, in eine Zeit, in der Hängepartien üblich waren und sich kein Spieler mit einer Engine bewaffnet vor einer eigenständigen Analyse drücken konnte. All dies gelingt ihm anhand der zahlreichen im Buch enthaltenen Fotos überraschend gut, darunter nicht nur viele unbekannte Aufnahmen von Fischer selbst, sondern auch insbesondere von seinen durchweg namhaften Gegner. Ich muss gestehen, dass mir diese Art der schachhistorischen Nostalgie und persönlichen Note überaus gefallen hat. Dieser Eindruck verstärkte sich zusätzlich beim Lesen des Geleitwortes von Großmeister Dr. Robert Hübner, das sich einerseits kurz mit dem „Mythos Fischer“, aber auch mit der Partienauswahl und -kommentierung durch Karsten Müller befasst. Die Entscheidung Karsten Müllers für ein „reines Schachbuch“ über Fischer wird dabei zu Recht als Kompliment Hübners an den Autor ausgedrückt. Wer sich nun die Frage stellt, wie groß die Anzahl der Partien-Überschneidungen zu Fischers „Meine 60 denkwürdigen Partien“ ist, kann sich entspannt zurücklehnen, denn es gibt nur 16 derartige Fälle. Die übrigen 44 Partien hielt Karsten Müller aus anderen Gründen für instruktiver, zumal Fischers Werk auch im Jahr 1967 endet und Müller somit aus einem anderen Fundus auszuwählen vermochte. Die Partiekommentare bleiben in der überwiegenden Zahl der Fälle angenehm auf das Wesentliche reduziert, so dass der rote Faden des Spielgeschehens nie verlorengeht und der Leser sich hervorragend von Müller durch die Partien geleitet fühlt. Das Buch aus dem renommierten Joachim Beyer Verlag macht dank seiner Übersichtlichkeit und dem Hardcover einen sehr hochwertigen Eindruck. Wer sich einzelne oder gar alle Partien „to go“, sprich unterwegs, ansehen möchte, vermag dies anhand der QR-Codes, die sich über jeder Partie befinden. Etwas schade und damit der einzige Kritikpunkt von mir ist, dass sich aufgrund des Druckbildes vereinzelt leere Seiten im Buch finden. Hier wären ggf. Kurzbiographien ausgewählter Fischer-Gegner möglich gewesen. Vielleicht ist das eine Anregung für die Zweitauflage? Insgesamt ein ebenso gutes wie überraschendes Buch zu Fischer, das mit einer leichten und angenehmen nostalgischen Note daherkommt! Rezension von Jörg Palitzsch im August 2022 Bobby Fischer war und ist eine Projektionsfläche und regt immer noch dazu an, sich mit ihm zu beschäftigen. 2014 kam der Film „Baueropfer – Spiel der Könige“ in die Kinos, Thema war der Kampf um die Weltmeisterschaft 1972 in Reykjavik, und im Knesebek-Verlag erschien jüngst eine Graphic Novel unter dem Titel „Bobby Fischer, Eine Schachlegende zwischen Genie und Wahnsinn“. Auch in zahlreichen Büchern steht Fischer im Mittelpunkt, er selbst hat unter anderem Lehrbücher veröffentlicht und das Werk „Meine 60 denkwürdigen Partien“ von 1957 bis 1967, noch vor seinem Sturm auf die WM-Krone. Mit seinem Buch „Bobby Fischer, 60 beste Partien“ hat Schachgroßmeister und Autor Karsten Müller nun ein weiteres Werk dem Fischer-Universum hinzugefügt. Er hat 60 der instruktivsten Partien Fischers ausgewählt und mit verschiedenen neueren Engines geprüft, heißt es im Vorwort. Dabei seien zwar Fehler in alten Analysen aufgefallen, aber Fischers Partien würden ungeachtet dessen immer noch im alten Glanz oder noch heller strahlen. Denn selbst der strenge Blick von Spitzen-Programmen sei nur selten auf Fehler gestoßen, dementsprechend könne jeder Leser aus diesen Partien lernen, um seine eigene Spielstärke zu verbessern. Hilfreich sind QR-Codes, mit denen man jede der Partien, die von 1963 bis 1992 reichen, auf das Handy holen und nachspielen kann. Sieben der Partien sind aus dem Jahre 1972 gegen Boris Spasski in Reykjavik und sechs gegen Spasski von 1992 in Sveti Stefan/Belgrad. Im Geleitwort betont Schachgroßmeister Robert Hübner, Müllers Arbeit sei vorzüglich dazu geeignet, einen ersten Zugang zu Fischers Meisterschaften zu gewinnen. Die Kommentare sind kurz und knapp gehalten, die wichtigsten Angaben der Rechner mitgeteilt und man wird nicht durch eine Unmenge von Varianten abgelenkt. Gleichwohl gibt es an einigen Stellen eine vertiefte Analyse, mit denen man die Gedankengänge hinter der Zügen nachverfolgen kann. Ein zusätzliches Plus sind die im Buch verteilten, rund 50 zum Teil ganzseitigen Fotos von Fischers Gegnern. Dazu kommen Zitate, die Fischers Spiel kommentieren. Dies lässt eine große Schachepoche mehr als erahnen, im Zusammenspiel mit den Partien kann man sich in eine Schachwelt vertiefen, die mit ihren Protagonisten und Bobby Fischer an der Spitze bis heute von ihrer Faszination nichts eingebüßt hat.
38,00 €*
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Konikowski & Bekemann: World Chess Championship 2018 - Fabiano Caruana vs. Magnus Carlsen
The duel for the crown of the world's best player has been the absolute highlight of international chess since the beginning of tournament chess. In November the world champion was determined in London in a match over 12 games and a tie-break – between the title defender Magnus Carlsen from Norway and his challenger Fabiano Caruana from the USA. In the run-up there was no doubt that an interesting showdown was to be expected, as the two protagonists were holding the first two places in the world rankings. Accordingly, the chess world was feverishly awaiting this event. After winning the Candidates Tournament in Berlin earlier this year, the American Grandmaster had also shown great form at numerous other top events, and his accomplishments left no doubt that he was an absolutely worthy opponent for the defending champion. In this book all the games are analyzed in detail and commented in an entertaining and understandable way. In addition, it also offers a close look at the framework conditions and the events that led to the finale. So you will find, for example, chapters like 'The Opponents in Short Portrait' and 'The Previous Fights of the Protagonists'. Then there are interviews with various top players and experts under the title 'Predictions Before the Fight' – rounded off by a playful opportunity to compete with the champions: 'Try to Find Combinations Like Carlsen and Caruana!' 190 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag
19,80 €*
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Müller & Konikowski: The best Combinations of the World Champions Vol 1 - from Steinitz to Tal
Since every world champion was the most outstanding player of his time, it makes sense to study the various aspects of the royal game using the world champions' games – and of course to enjoy them. In this first of two volumes on the world champions' art of combination, the authors (both recognized experts in the field of chess literature) offer the reader the opportunity of trying to find plenty of these best combinations themselves – and thus to assess and improve their own tactical skills. But that's not all. In addition to often breathtakingly spectacular sample games, which are thoroughly analyzed and commented on in a comprehensible way, individual pet topics are highlighted in which the world champions have created particularly outstanding works. So you are invited to take a closer look at how Steinitz handled the 'Steinitz King' – at Lasker's phenomenal art of defense and Capablanca's mastery of 'small combinations' (for which the French term 'petite combinaison' has become common in chess language). Furthermore, at Alekhine's dashing attacks, at Euwe's seventh sense for dynamic transformations, Botvinnik's tactical solutions to strategic problems, Smyslov's virtuosity even in tactical endgames and – last but not least – at Tal's downright magical tactical works of art with which he not only bewitched his opponents, but the entire chess world. Thanks to the QR-codes above the diagrams, you can download the position directly to your smartphone and watch or analyze the game, so that the laborious and error-prone input by hand is no longer necessary. Volume 1 contains 260 combinations and many fully annotated sample games. 192 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag
27,80 €*
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Müller & Konikowski: Die besten Kombinationen der Weltmeister Band 1 - von Steinitz bis Tal
Da ein jeder Weltmeister zu seiner Zeit der herausragendste Spieler war, liegt es nahe, die verschiedenen Aspekte des königlichen Spiels anhand von 'weltmeisterlichen Partien' zu studieren – und natürlich auch zu genießen. In diesem ersten von zwei Bänden über die weltmeisterliche Kombinationskunst bieten die Autoren (beide anerkannte Experten im Bereich der Schachliteratur) dem Leser vorneweg die Möglichkeit, eine große Anzahl der besten Kombinationen der Weltmeister selbst aufzuspüren – und somit die eigenen taktischen Fähigkeiten zu ermessen bzw. zu verbessern. Aber damit nicht genug, denn von jedem Weltmeister werden nicht nur taktisch brisante und spektakuläre Beispielpartien gründlich analysiert und verständlich kommentiert, sondern darüber hinaus wird zu jedem einzelnen ein Spezial- gebiet unter die Lupe genommen, auf dem er ganz besondere Leistungen her- vorgebracht hat. Dies ist bei Steinitz der Umgang mit dem quasi nach ihm benannten 'Steinitz-König' – bei Lasker ist es dessen phänomenale Verteidigungskunst und bei Capablanca die Meisterschaft im Bereich der 'kleinen Kombination' (wobei sich diesbezüglich der französische Begriff 'petite combinaison' in der Schachsprache eingebürgert hat). Bei Aljechin geht es speziell um seine schneidigen Attacken, bei Euwe – um sein Gespür für dynamische Transformationen, bei Botwinnik – um seine taktischen Lösungen strategischer Probleme, bei Smyslow – um seine Virtuosität auch in taktisch geprägten Endspielen und bei Michail Tal – um seine geradezu magischen taktischen Kunstwerke, mit denen er nicht nur seine Gegner verzauberte, sondern die ganze Schachwelt. Mittels QR-Codes bei jedem Diagramm können Sie die Stellung direkt auf Ihr Smartphone holen und diese analysieren oder nachspielen. Band 1 enthält 260 Kombinationen und zahlreiche vollständig kommentierte Beispielpartien. 192 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Uwe Bekemann im August 2022 „Die besten Kombinationen der Weltmeister“ ist ein aus 2 Bänden bestehendes Gesamtwerk der beiden renommierten Autoren Karsten Müller und Jerzy Konikowski. Erschienen ist es 2022 als Imprint des Schachverlags Ullrich im Joachim Beyer Verlag. Dem Leser dieser Zeilen, bei dem sich jetzt die Erinnerung meldet und anzeigt, etwas Ähnliches erst vor nicht allzu langer Zeit gelesen zu haben, kann zu seinem Gedächtnis gratuliert werden. Tatsächlich weist diese Neuerscheinung verschiedene Parallelen zu „Die Endspielkunst der Weltmeister“ auf, das 2021 im selben Verlag und aus der Feder von GM Karsten Müller erschienen ist. Dies beginnt bereits mit dem Einband, der in seiner Abbildung identisch ist, allerdings mit einem diesmal roten statt blauen Hintergrund. Wer die beiden Bände zur Endspielkunst kennt, wird mehrere damals hervorzuhebende Gestaltungselemente in „Die besten Kombinationen der Weltmeister“ wiedererkennen. Über die beiden Bände hinweg haben die Autoren allen bisherigen offiziellen Weltmeistern ein eigenes Kapitel gewidmet. Band 1 befasst sich mit den Titelträgern von Wilhelm Steinitz bis Michail Tal, Band 2 von Tigran Petrosjan bis zum amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen. Allen Weltmeistern sind zahlreiche Kombinationen gelungen, deren Nachspielen einerseits ein Genuss ist, die aber andererseits – entsprechend genutzt – auch die Spielstärke des Lesers steigern können. Genau dies ermöglicht „Die besten Kombinationen der Weltmeister“. Jeder Weltmeister war oder ist nicht nur der beste Spieler seiner Zeit allgemein, sondern auch für ganz besondere Fähigkeiten in bestimmten Disziplinen innerhalb von Strategie und Taktik anerkannt. Und auch genau dies greift das neue Werk auf. So geht es beispielsweise bei Alexander Aljechin zusätzlich um seine Fähigkeiten im Rahmen von kombinatorischen Angriffen und bei Bobby Fischer um die kombinatorische Verwertung von Endspielvorteilen. Die Kapitel sind gleichartig aufgebaut. Zunächst wird der jeweilige Weltmeister auf einer Doppelseite kurz vorgestellt, links mit einem Porträtbild und rechts mit zentralen Informationen zu seiner Person, zu seinen Weltmeisterschaftskämpfen und zum Spielertyp, dem er nach Einschätzung der Autoren zuzurechnen ist. Sie unterscheiden in Aktivspieler, Theoretiker, Reflektoren und Pragmatiker und greifen dabei auf Klassifizierungen zurück, die Karsten Müller und Luis Engel in „Spielertypen“, Joachim Beyer Verlag 2020, herausgearbeitet haben. In den Vorbemerkungen werden diese Spielertypen kurz charakterisiert, so dass auch der Leser, der das genannte Spezialwerk nicht besitzt, die zur Einschätzung erforderlichen Informationen erhält. Kommentierte Partien mit gelungenen Kombinationen ergänzen diese Vorstellung, wobei die Autoren sowohl aus dem Partienpool des Weltmeisters allgemein ein gelungenes Beispiel ziehen als auch zum jeweiligen Spezialthema ein Juwel anbieten. Ist der Leser bis hier in den einzelnen Kapiteln eher Konsument des ausgebreiteten Stoffes, wird er in der Folge zum Akteur. Er hat zahlreiche Kombinationsaufgaben zu lösen, die der Praxis des jeweiligen Weltmeisters entnommen sind. Im Bereich der allgemeinen Aufgaben erfährt er dabei nur die Ausgangsstellung über ein entsprechendes Diagramm und wer gewinnt, für welche Seite er also den Kombinationsweg zum Erfolg suchen soll. Die „Spezialaufgaben“ wenden sich, das Stellungsdiagramm ergänzend, mit individuellen und konkreten Aufgabenstellungen an ihn. Die Lösungen auf beide Aufgabenarten schließen das Kapitel ab. „Die besten Kombinationen der Weltmeister“ wartet in beiden Bänden mit einer Besonderheit auf. Alle Aufgabenstellungen sind mit einem QR-Code versehen, den der Leser mit Smartphone oder Tablet einscannen kann. Er kann dann ins Internet springen und die Aufgabe online lösen bzw. auch nachspielen. Hierzu wird er auf Seiten von Chessbase eingeladen. Diese Möglichkeit eröffnete auch bereits „Die Endspielkunst der Weltmeister“, so dass sie manchem Leser bereits vertraut sein wird. Im Lösungsteil arbeiten die Autoren regelmäßig mit einer Mischung aus Varianten und Erläuterungen, wobei der Schwerpunkt auf den Varianten liegt, was bei Aufgaben zu Kombinationen gewissermaßen aber auch auf der Hand liegen dürfte. Am Ende jedes Buches findet der Leser ein weiteres Kapitel, das sich nicht konkret mit einem Weltmeister befasst. Es trägt jeweils die Überschrift „Kombiniere wie die Weltmeister“, enthält zahlreiche weitere Aufgaben nach dem beschriebenen „allgemeinen“ Muster und möchte praktische Tipps zum Lösen von Kombinationen vermitteln. Alles in allem kommt jeder Band auf deutlich mehr als 250 Übungsaufgaben. Jeweils über das Buch hinweg können sie ab einer Spielstärke im unteren Klubniveau jeden Spieler erreichen. Zudem kann jeder Leser mit dem Lösen der Aufgaben und dem Durcharbeiten der Lösungen „am Werk wachsen“. Das Geleitwort in beiden Bänden hat Mihail Marin geschrieben. Es liest sich fast schon wie eine erste Einführung in die Thematik, so substantiell hat er es gestaltet. In beiden Fällen hat er es um die Erörterung eines Beispiels aus der Praxis ergänzt. Fazit: „Die besten Kombinationen der Weltmeister“ ist ein aus 2 Bänden bestehendes Spezialwerk, das einerseits sehr unterhaltsam und auch informativ ist, andererseits zudem durch das Lösen von Aufgabenstellung die kombinatorischen Fertigkeiten des Lesers stärken wird. Spielstärkemäßig sind jenseits des Anfängers keine Vorgaben zu machen. Ich kann beide Bände, die natürlich auch einzeln genutzt werden können, ohne Einschränkung zum Kauf empfehlen. Rezension von Jörg Palitzsch im Juni 2022 Emanuel Lasker vermerkte in seinem „Lehrbuch des Schachspiels“ schon 1925: „Auf dem Schachbrett der Meister gilt Lüge und Heuchelei nicht lange. Sie werden vom Wetterstrahl der schöpferischen Kombination getroffen, irgendwann einmal, und können die Tatsache nicht wegdeuteln, wenigstens nicht für lange, und die Sonne der Gerechtigkeit leuchtet hell in den Kämpfen der Schachmeister.“ Nach zwei Bänden über die Endspielkunst der Weltmeister (erschienen im Joachim Beyer Verlag) sind jetzt zwei Nachfolgebände über die besten Kombinationen der Weltmeister erscheinen (Joachim Beyer Verlag, Band 1, 192 Seiten, kartoniert, 29,80 Euro). Band 1 reicht von Wilhelm Steinitz bis zu Michail Tal und tatsächlich leuchtet die Sonne der Gerechtigkeit hell in den Kämpfen der besten Schachspieler seit Ende des 19. Jahrhunderts. Und es wäre schade, wenn der reiche Schatz, den die Weltmeister hinterlassen haben, in Vergessenheit geriete, wie Großmeister Michail Marin in seiner Einleitung anmerkt. Vertreten ist auch, wie sollte es anders sein, Emanuel Lasker. Bislang der einzige deutsche Träger des Weltmeistertitels, den er 27 Jahre lang bis 1921 innehatte. Vor allem wird seine zähe Verteidigungskunst unter die Lupe genommen, ein Schachspieler, der weit vorausrechnen und schneidige Angriffe führen konnte. Ihm folgt José Raúl Capablanca, der solide und mit großer Leichtigkeit seine Kombinationen ausführte und sich in strategischen Endspielen profilierte. Weltmeister Alexander Aljechin gilt als Angriffsgenie, Max Euwe war ein hervorragender Theoretiker und Schachautor, Michail Botwinnik, ein Meister der Willensstärke, war in seiner Methodik und Kombination richtungsweisend. Wassili Smyslow, ausgestattet mit einem feinen Gespür für Harmonie und Koordination, sowie Michail Tal, dessen Kombinationen Zauberkräfte nachgesagt werden, runden den ersten Band ab. So werden von jedem Weltmeister bemerkenswerte Kombinationen gezeigt, mit denen man die eigenen taktischen Fähigkeiten verbessern kann, so die Autoren, Großmeister Dr. Karsten Müller und FIDE-Meister Jerzy Konikowski. Dem Leser und vor allem dem Übenden wird viel geboten. Band 1 enthält allein 260 Kombinationen und zahlreiche vollständig kommentierte Beispieldateien. Man kann die Stellungen auch direkt über einen QR-Code auf das Smartphone laden und ist so bei der Analyse und beim Nachspielen unabhängig. Band 2 (Joachim Beyer Verlag, 228 Seiten, kartoniert, 29,80 Euro) steht mit seinen Inhalten, den Möglichkeiten, die eigene Spielstärke zu festigen und in der Auswahl der Kombinationen Band 1 in nichts nach. Der Armenier Tigran Petrosjan, ein ausgewiesener Defensivspieler, pflegte einen ganz eigenen Spielstil, der nur durch gelungene Kombinationen zum Erfolg führte. Ganz anders Boris Spasski, der oft die Initiative ergriff und den Gegner mit Angriffskombinationen überrollte. Mit Bobby Fischer zeigte sich ein Weltmeister, der bei immer gleichen Eröffnungen zwar wenig kombinierte, im weiteren Verlauf einer Partie, bis hin zum Endspiel, jedoch mit taktischen Manövern brillierte. Anatoli Karpow dominierte seine Gegner, während sein großer Widersacher Garri Kasparow mit Angriffskombinationen siegte. Mit dem Powerplayer Wladimir Kramnik, dem dynamischen Viswanathan Anand und dem Endspielstrategen Magnus Carlsen rundet sich auf über 400 Seiten das Bild von 16 Weltmeistern, die, jeder zu seiner Zeit, ihre Stärken und ihre großen Talente zu Kombinationen hatten. Beide Bände streichen diese Fähigkeiten heraus und ordnen die Spieltypen ein. Aktivspieler wie Aljechin und Kasparow, Theoretiker wie Steinitz und Botwinnik, Reflektoren wie Carlsen und Capablanca, sowie Pragmatiker wie Fischer und Euwe. Die Nennung von Stärken und Schwächen der einzelnen Spielertypen dienen auch der Einordnung zur Abschätzung des eigenen Spielertyps – falls man dies noch nicht weiß. Jedes Kapitel ist in mehrere Abschnitte aufgeteilt. Zum Auftakt gibt es immer ein ganzseitiges Weltmeisterfoto mit einem kurzen biografischen Text. Dem schließt sich ein ausgewähltes Partiebeispiel mit Diagrammen an, das von den Autoren kommentiert wird. Es folgen die Kombinationsaufgaben, die auch gescannt werden können und in der Regel ein erneutes Partiebeispiel, in dem auf die Stärken des jeweiligen Weltmeisters eingegangen wird. Als letzter Teil gibt es Spezialaufgaben, denen sich die Lösungen anschließen. Der Vorteil: Jeder Schachspieler kann, je nach Vorliebe, ein ganz individuelles Weltmeistertraining absolvieren, in dem er seine eigene Stärke vertiefen und sich auch seinen Schwächen widmen kann. Somit sind die zwei Bände weit mehr als Nachschlagewerke. Die Biografien der Weltmeister zeigen sich zum allergrößten Teil in ihren Kombinationen, die beim Nachspielen Zug um Zug ihre ganzen Schönheiten entfalten. Und in Ergänzung mit den beiden Büchern über die Endspielkunst nach einer Fortsetzung rufen. Rezension von Christian Koschetzki im Juni 2022 Nachdem sich Karsten Müller erst vor Kurzem ausführlich mit dem Thema „Spielertypen“ und „Endspielkunst der Weltmeister“ auseinandergesetzt hat, erfolgt nun die logische Fortsetzung zum Thema Kombinationen der Weltmeister. Während zahlreiche Lehr- und Übungsbücher zum Thema „Kombinationen“ erschienen sind, lag mein Fokus mit hoher Erwartung besonders auf den Kombinationen der „Weltmeister“. Die aus zwei Bänden bestehenden Schachbücher von Karsten Müller und Jerzy Konikowski zum Thema „Die besten Kombinationen der Weltmeister“ aus dem Joachim Beyer Verlag, erschienen in 1. Auflage im Februar 2022, basieren auf den taktischen Fähigkeiten jedes Weltmeisters. Jeder Weltmeister hatte aufgrund seiner Eigenart und unterschiedlichen Spielstils herausragende Kombinationen. Die Bände enthalten auf insgesamt 420 Seiten Partien, Stellungsbeurteilungen und Spezialaufgaben, die mit Diagrammen und wertvollen Analysen versehen sind. Im Vorwort geht der bekannte Schachautor Michail Marin bereits mit zwei Partien von Fischer auf das Thema Taktik ein. Danach werden Kurz die Spielstile der Weltmeister beleuchtet, so erhält der Leser den notwendigen Background für die weitere Beurteilung der kombinatorischen Fähigkeiten. Die Autoren laden den Leser dazu ein, neben den kombinatorischen Fähigkeiten der Weltmeister, sich ausführlich mit den 16 Weltmeistern und deren Spielstilen zu beschäftigen. So erfährt der Leser zum Beispiel, dass Laskers Fähigkeiten als Virtuose auf dem Gebiet der Verteidigungskunst lag, Tal seiner Gegner mit phänomenalen Kombinationen verzauberte und Petrosjans Spürsinn auf der genialen Stellungsverwertung nach erfolgtem Qualitätsopfern lag. Ganz besonders haben mir die die Themen der Weltmeister Euwe mit dem Gespür für dynamische Transformationen und Fischer mit der kombinatorischen Verwertung von Endspielvorteilen gefallen. Von den Partien hat mir am Meisten die von Botwinnik gegen Capablanca aus dem AVRO Turnier 1938 gefallen. Die Bände enthalten auch mit dem Thema“ Praktische Tipps zum Lösen von Kombinationen“ Hinweise an die Herangehensweise von Kombinationen. Neu sind zahlreiche QR-Codes, durch die man mit dem Handy analysieren kann. Dieser schnelle mobile Zugang zu den Schachpartien ermöglicht dem Leser ein bequemes Nachspielen der Varianten und damit ein besseres Verständnis der analysierten Beispiele. Mein Fazit ist, dass beide Bände zum Lesen sehr empfehlenswert sind. Durch die Kombinationen von Partien, Stellungsbildern und Diagrammen werden neben weiteren Erläuterungen zu den 16 Weltmeistern und deren Charakterisierung ihrer Spielstile auf die Besonderheiten taktischer Elemente ausführlich eingegangen. Der Leser erfährt neben den lehrreichen Kombinationen der Weltmeister weitere Informationen z. B. zu den Themen Transformation von Vorteilen, strategische Endspiele oder dynamische Angriffsmöglichkeiten. Rezension von Christian Hoethe im Juni 2022 "Die besten Kombinationen der Weltmeister" 1 und 2 Großmeister Karsten Müller kombiniert! Nachdem er sich zuletzt literarisch mit den zwei Bänden "Die Endspielkunst der Weltmeister" seinem Spezialgebiet, dem Endspiel, gewidmet hatte, widmet er sich nun der Taktik und spricht damit eindeutig ein breiteres Publikum an! Wessen Schachspieler-Herz schlägt bei dem Wort "Kombination" nicht automatisch höher? Zusammen mit dem bekannten Fide-Meister Jerzy Konikowski thematisiert das Autorenduo nun in zwei Bänden und damit insgesamt mehr auf mehr als 400 Seiten "Die besten Kombinationen der Weltmeister". Dabei geht es in Band 1 um die besten kombinatorischen Leistungen von Steinitz bis Tal - also auch Lasker, Capablanca, Aljechin, Euwe, Botwinnik, Smyslov - während sich Band 2 mit den Weltmeistern Petrosian bis Carlsen und damit auch Spassky, Fischer, Karpov, Kasparov, Kramnik, Anand beschäftigt. Nach einem überaus lesenswerten und recht ausführlichen Vorwort von Grossmeister Michail Marin geht es ans Eingemachte: Dabei wird zuerst jeder Weltmeister mit einer Kurzbiographie und einer für ihn und seinen Spielstil bzw. Spielertyp charakteristischen Partie vorgestellt. Dies vermittelt einen guten ersten Gesamteindruck des jeweiligen Schachkönigs. Anschließend geht es in den doch recht umfangreichen reinen Arbeitsteil des Buches - hier finden sich jeweils über zwanzig Kombinationsaufgaben pro Weltmeister, die zweifellos fortgeschrittene und damit durchaus geübte Kombinationslöser ansprechen. Besonders gefallen hat mir an dieser Stelle, dass beide Bücher gleichermassen absolute Highlights der Schachgeschichte beinhalten, so beispielsweise meine Lieblingspartien Byrne-Fischer 1956, Karpov-Topalov 1994, Kasparov-Topalov 1999 oder Aronian-Anand 2013. Nach wie vor einmalig in der Schachliteratur ist meines Wissens nach die Möglichkeit, die Partien und Kombinationen beider Bände allesamt mit Anmerkungen - wenn gewünscht - mittels QR-Code-Scanner einzulesen und parallel am Handy nachzuspielen. Damit entfällt die Notwendigkeit, permanent ein reales Schachbrett dabei zu haben und man kann das Training beispielsweise auch während der Bus- oder Bahnfahrt oder mal zur Abwechslung gemütlich auf der Couch liegend angehen. Insgesamt zwei gute Bücher zu einem vernachlässigten Thema. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass es sich in erster Linie um Arbeitsbücher handelt, die aktive Auseinandersetzung und Mitarbeit voraussetzen.
29,80 €*
Tipp
Konikowski & Bekemann: World Chess Championship 2016 - Sergey Karjakin vs. Magnus Carlsen
In 2013 Magnus Carlsen became world champion after his victory over Viswanathan Anand. He has been dominating the top of the international chess scene ever since – and almost at his liking. Now, defending his title against the not much older Russian Sergey Karjakin was on the agenda. All their prior match-ups were ‘teeth and claws’ affairs with the Norwegian only scoring a slight plus. However, Sergey Karjakin surely did his best to push his opponent off the throne. From November 11th to 30th the Fulton Market Building in New York became the arena of the fight for the crown of the world chess champion. Exciting games, played at the highest level and thoroughly annotated, will guarantee the reader’s delight. 141 pages, Paperback, Joachim Beyer Verlag
19,80 €*
Tipp
Müller & Konikowski: Die besten Kombinationen der Weltmeister Band 2 - von Petrosjan bis Carlsen
Da ein jeder Weltmeister zu seiner Zeit der herausragendste Spieler war, liegt es nahe, die verschiedenen Aspekte des königlichen Spiels anhand von 'weltmeisterlichen Partien' zu studieren – und natürlich auch zu genießen. In diesem zweiten Band über die weltmeisterliche Kombinationskunst bieten die Autoren (beide anerkannte Experten im Bereich der Schachliteratur) dem Leser vorneweg die Möglichkeit, eine große Anzahl der besten Kombinationen der Weltmeister selbst aufzuspüren – und somit die eigenen taktischen Fähigkeiten zu ermessen bzw. zu verbessern. Aber damit nicht genug, denn von jedem Weltmeister werden nicht nur taktisch brisante und spektakuläre Beispielpartien gründlich analysiert und verständlich kommentiert, sondern darüber hinaus wird zu jedem einzelnen ein Spezialgebiet unter die Lupe genommen, auf dem er ganz besondere Leistungen hervorgebracht hat. Als Leser sind Sie also eingeladen, einen genaueren Blick auf Petrosjans tief angelegte Qualitätsopfer zu werfen, auf Spasskis taktisch stets hellwache Angriffskunst und auf Fischers oft kombinatorische Verwertung von Vorteilen im Endspiel. Des Weiteren auf die taktischen Aspekte von Karpows Dominanz- und Restriktions-Methoden, von Kasparows dynamischem Druckspiel, Kramniks positionellem Powerplay, Anands feinem Gespür für Dynamik und – last but not least – auf Magnus Carlsens kombinatorische Krönung seiner exzellenten Endspielstrategie. Mittels QR-Codes bei jedem Diagramm können Sie die Stellung direkt auf Ihr Smartphone holen und diese analysieren oder nachspielen. Band 2 enthält 288 Kombinationen und zahlreiche vollständig kommentierte Beispielpartien. 228 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Uwe Bekemann im August 2022 „Die besten Kombinationen der Weltmeister“ ist ein aus 2 Bänden bestehendes Gesamtwerk der beiden renommierten Autoren Karsten Müller und Jerzy Konikowski. Erschienen ist es 2022 als Imprint des Schachverlags Ullrich im Joachim Beyer Verlag. Dem Leser dieser Zeilen, bei dem sich jetzt die Erinnerung meldet und anzeigt, etwas Ähnliches erst vor nicht allzu langer Zeit gelesen zu haben, kann zu seinem Gedächtnis gratuliert werden. Tatsächlich weist diese Neuerscheinung verschiedene Parallelen zu „Die Endspielkunst der Weltmeister“ auf, das 2021 im selben Verlag und aus der Feder von GM Karsten Müller erschienen ist. Dies beginnt bereits mit dem Einband, der in seiner Abbildung identisch ist, allerdings mit einem diesmal roten statt blauen Hintergrund. Wer die beiden Bände zur Endspielkunst kennt, wird mehrere damals hervorzuhebende Gestaltungselemente in „Die besten Kombinationen der Weltmeister“ wiedererkennen. Über die beiden Bände hinweg haben die Autoren allen bisherigen offiziellen Weltmeistern ein eigenes Kapitel gewidmet. Band 1 befasst sich mit den Titelträgern von Wilhelm Steinitz bis Michail Tal, Band 2 von Tigran Petrosjan bis zum amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen. Allen Weltmeistern sind zahlreiche Kombinationen gelungen, deren Nachspielen einerseits ein Genuss ist, die aber andererseits – entsprechend genutzt – auch die Spielstärke des Lesers steigern können. Genau dies ermöglicht „Die besten Kombinationen der Weltmeister“. Jeder Weltmeister war oder ist nicht nur der beste Spieler seiner Zeit allgemein, sondern auch für ganz besondere Fähigkeiten in bestimmten Disziplinen innerhalb von Strategie und Taktik anerkannt. Und auch genau dies greift das neue Werk auf. So geht es beispielsweise bei Alexander Aljechin zusätzlich um seine Fähigkeiten im Rahmen von kombinatorischen Angriffen und bei Bobby Fischer um die kombinatorische Verwertung von Endspielvorteilen. Die Kapitel sind gleichartig aufgebaut. Zunächst wird der jeweilige Weltmeister auf einer Doppelseite kurz vorgestellt, links mit einem Porträtbild und rechts mit zentralen Informationen zu seiner Person, zu seinen Weltmeisterschaftskämpfen und zum Spielertyp, dem er nach Einschätzung der Autoren zuzurechnen ist. Sie unterscheiden in Aktivspieler, Theoretiker, Reflektoren und Pragmatiker und greifen dabei auf Klassifizierungen zurück, die Karsten Müller und Luis Engel in „Spielertypen“, Joachim Beyer Verlag 2020, herausgearbeitet haben. In den Vorbemerkungen werden diese Spielertypen kurz charakterisiert, so dass auch der Leser, der das genannte Spezialwerk nicht besitzt, die zur Einschätzung erforderlichen Informationen erhält. Kommentierte Partien mit gelungenen Kombinationen ergänzen diese Vorstellung, wobei die Autoren sowohl aus dem Partienpool des Weltmeisters allgemein ein gelungenes Beispiel ziehen als auch zum jeweiligen Spezialthema ein Juwel anbieten. Ist der Leser bis hier in den einzelnen Kapiteln eher Konsument des ausgebreiteten Stoffes, wird er in der Folge zum Akteur. Er hat zahlreiche Kombinationsaufgaben zu lösen, die der Praxis des jeweiligen Weltmeisters entnommen sind. Im Bereich der allgemeinen Aufgaben erfährt er dabei nur die Ausgangsstellung über ein entsprechendes Diagramm und wer gewinnt, für welche Seite er also den Kombinationsweg zum Erfolg suchen soll. Die „Spezialaufgaben“ wenden sich, das Stellungsdiagramm ergänzend, mit individuellen und konkreten Aufgabenstellungen an ihn. Die Lösungen auf beide Aufgabenarten schließen das Kapitel ab. „Die besten Kombinationen der Weltmeister“ wartet in beiden Bänden mit einer Besonderheit auf. Alle Aufgabenstellungen sind mit einem QR-Code versehen, den der Leser mit Smartphone oder Tablet einscannen kann. Er kann dann ins Internet springen und die Aufgabe online lösen bzw. auch nachspielen. Hierzu wird er auf Seiten von Chessbase eingeladen. Diese Möglichkeit eröffnete auch bereits „Die Endspielkunst der Weltmeister“, so dass sie manchem Leser bereits vertraut sein wird. Im Lösungsteil arbeiten die Autoren regelmäßig mit einer Mischung aus Varianten und Erläuterungen, wobei der Schwerpunkt auf den Varianten liegt, was bei Aufgaben zu Kombinationen gewissermaßen aber auch auf der Hand liegen dürfte. Am Ende jedes Buches findet der Leser ein weiteres Kapitel, das sich nicht konkret mit einem Weltmeister befasst. Es trägt jeweils die Überschrift „Kombiniere wie die Weltmeister“, enthält zahlreiche weitere Aufgaben nach dem beschriebenen „allgemeinen“ Muster und möchte praktische Tipps zum Lösen von Kombinationen vermitteln. Alles in allem kommt jeder Band auf deutlich mehr als 250 Übungsaufgaben. Jeweils über das Buch hinweg können sie ab einer Spielstärke im unteren Klubniveau jeden Spieler erreichen. Zudem kann jeder Leser mit dem Lösen der Aufgaben und dem Durcharbeiten der Lösungen „am Werk wachsen“. Das Geleitwort in beiden Bänden hat Mihail Marin geschrieben. Es liest sich fast schon wie eine erste Einführung in die Thematik, so substantiell hat er es gestaltet. In beiden Fällen hat er es um die Erörterung eines Beispiels aus der Praxis ergänzt. Fazit: „Die besten Kombinationen der Weltmeister“ ist ein aus 2 Bänden bestehendes Spezialwerk, das einerseits sehr unterhaltsam und auch informativ ist, andererseits zudem durch das Lösen von Aufgabenstellung die kombinatorischen Fertigkeiten des Lesers stärken wird. Spielstärkemäßig sind jenseits des Anfängers keine Vorgaben zu machen. Ich kann beide Bände, die natürlich auch einzeln genutzt werden können, ohne Einschränkung zum Kauf empfehlen. Rezension von Jörg Palitzsch im Juni 2022 Emanuel Lasker vermerkte in seinem „Lehrbuch des Schachspiels“ schon 1925: „Auf dem Schachbrett der Meister gilt Lüge und Heuchelei nicht lange. Sie werden vom Wetterstrahl der schöpferischen Kombination getroffen, irgendwann einmal, und können die Tatsache nicht wegdeuteln, wenigstens nicht für lange, und die Sonne der Gerechtigkeit leuchtet hell in den Kämpfen der Schachmeister.“ Nach zwei Bänden über die Endspielkunst der Weltmeister (erschienen im Joachim Beyer Verlag) sind jetzt zwei Nachfolgebände über die besten Kombinationen der Weltmeister erscheinen (Joachim Beyer Verlag, Band 1, 192 Seiten, kartoniert, 29,80 Euro). Band 1 reicht von Wilhelm Steinitz bis zu Michail Tal und tatsächlich leuchtet die Sonne der Gerechtigkeit hell in den Kämpfen der besten Schachspieler seit Ende des 19. Jahrhunderts. Und es wäre schade, wenn der reiche Schatz, den die Weltmeister hinterlassen haben, in Vergessenheit geriete, wie Großmeister Michail Marin in seiner Einleitung anmerkt. Vertreten ist auch, wie sollte es anders sein, Emanuel Lasker. Bislang der einzige deutsche Träger des Weltmeistertitels, den er 27 Jahre lang bis 1921 innehatte. Vor allem wird seine zähe Verteidigungskunst unter die Lupe genommen, ein Schachspieler, der weit vorausrechnen und schneidige Angriffe führen konnte. Ihm folgt José Raúl Capablanca, der solide und mit großer Leichtigkeit seine Kombinationen ausführte und sich in strategischen Endspielen profilierte. Weltmeister Alexander Aljechin gilt als Angriffsgenie, Max Euwe war ein hervorragender Theoretiker und Schachautor, Michail Botwinnik, ein Meister der Willensstärke, war in seiner Methodik und Kombination richtungsweisend. Wassili Smyslow, ausgestattet mit einem feinen Gespür für Harmonie und Koordination, sowie Michail Tal, dessen Kombinationen Zauberkräfte nachgesagt werden, runden den ersten Band ab. So werden von jedem Weltmeister bemerkenswerte Kombinationen gezeigt, mit denen man die eigenen taktischen Fähigkeiten verbessern kann, so die Autoren, Großmeister Dr. Karsten Müller und FIDE-Meister Jerzy Konikowski. Dem Leser und vor allem dem Übenden wird viel geboten. Band 1 enthält allein 260 Kombinationen und zahlreiche vollständig kommentierte Beispieldateien. Man kann die Stellungen auch direkt über einen QR-Code auf das Smartphone laden und ist so bei der Analyse und beim Nachspielen unabhängig. Band 2 (Joachim Beyer Verlag, 228 Seiten, kartoniert, 29,80 Euro) steht mit seinen Inhalten, den Möglichkeiten, die eigene Spielstärke zu festigen und in der Auswahl der Kombinationen Band 1 in nichts nach. Der Armenier Tigran Petrosjan, ein ausgewiesener Defensivspieler, pflegte einen ganz eigenen Spielstil, der nur durch gelungene Kombinationen zum Erfolg führte. Ganz anders Boris Spasski, der oft die Initiative ergriff und den Gegner mit Angriffskombinationen überrollte. Mit Bobby Fischer zeigte sich ein Weltmeister, der bei immer gleichen Eröffnungen zwar wenig kombinierte, im weiteren Verlauf einer Partie, bis hin zum Endspiel, jedoch mit taktischen Manövern brillierte. Anatoli Karpow dominierte seine Gegner, während sein großer Widersacher Garri Kasparow mit Angriffskombinationen siegte. Mit dem Powerplayer Wladimir Kramnik, dem dynamischen Viswanathan Anand und dem Endspielstrategen Magnus Carlsen rundet sich auf über 400 Seiten das Bild von 16 Weltmeistern, die, jeder zu seiner Zeit, ihre Stärken und ihre großen Talente zu Kombinationen hatten. Beide Bände streichen diese Fähigkeiten heraus und ordnen die Spieltypen ein. Aktivspieler wie Aljechin und Kasparow, Theoretiker wie Steinitz und Botwinnik, Reflektoren wie Carlsen und Capablanca, sowie Pragmatiker wie Fischer und Euwe. Die Nennung von Stärken und Schwächen der einzelnen Spielertypen dienen auch der Einordnung zur Abschätzung des eigenen Spielertyps – falls man dies noch nicht weiß. Jedes Kapitel ist in mehrere Abschnitte aufgeteilt. Zum Auftakt gibt es immer ein ganzseitiges Weltmeisterfoto mit einem kurzen biografischen Text. Dem schließt sich ein ausgewähltes Partiebeispiel mit Diagrammen an, das von den Autoren kommentiert wird. Es folgen die Kombinationsaufgaben, die auch gescannt werden können und in der Regel ein erneutes Partiebeispiel, in dem auf die Stärken des jeweiligen Weltmeisters eingegangen wird. Als letzter Teil gibt es Spezialaufgaben, denen sich die Lösungen anschließen. Der Vorteil: Jeder Schachspieler kann, je nach Vorliebe, ein ganz individuelles Weltmeistertraining absolvieren, in dem er seine eigene Stärke vertiefen und sich auch seinen Schwächen widmen kann. Somit sind die zwei Bände weit mehr als Nachschlagewerke. Die Biografien der Weltmeister zeigen sich zum allergrößten Teil in ihren Kombinationen, die beim Nachspielen Zug um Zug ihre ganzen Schönheiten entfalten. Und in Ergänzung mit den beiden Büchern über die Endspielkunst nach einer Fortsetzung rufen. Rezension von Christian Koschetzki im Juni 2022 Nachdem sich Karsten Müller erst vor Kurzem ausführlich mit dem Thema „Spielertypen“ und „Endspielkunst der Weltmeister“ auseinandergesetzt hat, erfolgt nun die logische Fortsetzung zum Thema Kombinationen der Weltmeister. Während zahlreiche Lehr- und Übungsbücher zum Thema „Kombinationen“ erschienen sind, lag mein Fokus mit hoher Erwartung besonders auf den Kombinationen der „Weltmeister“. Die aus zwei Bänden bestehenden Schachbücher von Karsten Müller und Jerzy Konikowski zum Thema „Die besten Kombinationen der Weltmeister“ aus dem Joachim Beyer Verlag, erschienen in 1. Auflage im Februar 2022, basieren auf den taktischen Fähigkeiten jedes Weltmeisters. Jeder Weltmeister hatte aufgrund seiner Eigenart und unterschiedlichen Spielstils herausragende Kombinationen. Die Bände enthalten auf insgesamt 420 Seiten Partien, Stellungsbeurteilungen und Spezialaufgaben, die mit Diagrammen und wertvollen Analysen versehen sind. Im Vorwort geht der bekannte Schachautor Michail Marin bereits mit zwei Partien von Fischer auf das Thema Taktik ein. Danach werden Kurz die Spielstile der Weltmeister beleuchtet, so erhält der Leser den notwendigen Background für die weitere Beurteilung der kombinatorischen Fähigkeiten. Die Autoren laden den Leser dazu ein, neben den kombinatorischen Fähigkeiten der Weltmeister, sich ausführlich mit den 16 Weltmeistern und deren Spielstilen zu beschäftigen. So erfährt der Leser zum Beispiel, dass Laskers Fähigkeiten als Virtuose auf dem Gebiet der Verteidigungskunst lag, Tal seiner Gegner mit phänomenalen Kombinationen verzauberte und Petrosjans Spürsinn auf der genialen Stellungsverwertung nach erfolgtem Qualitätsopfern lag. Ganz besonders haben mir die die Themen der Weltmeister Euwe mit dem Gespür für dynamische Transformationen und Fischer mit der kombinatorischen Verwertung von Endspielvorteilen gefallen. Von den Partien hat mir am Meisten die von Botwinnik gegen Capablanca aus dem AVRO Turnier 1938 gefallen. Die Bände enthalten auch mit dem Thema“ Praktische Tipps zum Lösen von Kombinationen“ Hinweise an die Herangehensweise von Kombinationen. Neu sind zahlreiche QR-Codes, durch die man mit dem Handy analysieren kann. Dieser schnelle mobile Zugang zu den Schachpartien ermöglicht dem Leser ein bequemes Nachspielen der Varianten und damit ein besseres Verständnis der analysierten Beispiele. Mein Fazit ist, dass beide Bände zum Lesen sehr empfehlenswert sind. Durch die Kombinationen von Partien, Stellungsbildern und Diagrammen werden neben weiteren Erläuterungen zu den 16 Weltmeistern und deren Charakterisierung ihrer Spielstile auf die Besonderheiten taktischer Elemente ausführlich eingegangen. Der Leser erfährt neben den lehrreichen Kombinationen der Weltmeister weitere Informationen z. B. zu den Themen Transformation von Vorteilen, strategische Endspiele oder dynamische Angriffsmöglichkeiten. Rezension von Christian Hoethe im Juni 2022 "Die besten Kombinationen der Weltmeister" 1 und 2 Großmeister Karsten Müller kombiniert! Nachdem er sich zuletzt literarisch mit den zwei Bänden "Die Endspielkunst der Weltmeister" seinem Spezialgebiet, dem Endspiel, gewidmet hatte, widmet er sich nun der Taktik und spricht damit eindeutig ein breiteres Publikum an! Wessen Schachspieler-Herz schlägt bei dem Wort "Kombination" nicht automatisch höher? Zusammen mit dem bekannten Fide-Meister Jerzy Konikowski thematisiert das Autorenduo nun in zwei Bänden und damit insgesamt mehr auf mehr als 400 Seiten "Die besten Kombinationen der Weltmeister". Dabei geht es in Band 1 um die besten kombinatorischen Leistungen von Steinitz bis Tal - also auch Lasker, Capablanca, Aljechin, Euwe, Botwinnik, Smyslov - während sich Band 2 mit den Weltmeistern Petrosian bis Carlsen und damit auch Spassky, Fischer, Karpov, Kasparov, Kramnik, Anand beschäftigt. Nach einem überaus lesenswerten und recht ausführlichen Vorwort von Grossmeister Michail Marin geht es ans Eingemachte: Dabei wird zuerst jeder Weltmeister mit einer Kurzbiographie und einer für ihn und seinen Spielstil bzw. Spielertyp charakteristischen Partie vorgestellt. Dies vermittelt einen guten ersten Gesamteindruck des jeweiligen Schachkönigs. Anschließend geht es in den doch recht umfangreichen reinen Arbeitsteil des Buches - hier finden sich jeweils über zwanzig Kombinationsaufgaben pro Weltmeister, die zweifellos fortgeschrittene und damit durchaus geübte Kombinationslöser ansprechen. Besonders gefallen hat mir an dieser Stelle, dass beide Bücher gleichermassen absolute Highlights der Schachgeschichte beinhalten, so beispielsweise meine Lieblingspartien Byrne-Fischer 1956, Karpov-Topalov 1994, Kasparov-Topalov 1999 oder Aronian-Anand 2013. Nach wie vor einmalig in der Schachliteratur ist meines Wissens nach die Möglichkeit, die Partien und Kombinationen beider Bände allesamt mit Anmerkungen - wenn gewünscht - mittels QR-Code-Scanner einzulesen und parallel am Handy nachzuspielen. Damit entfällt die Notwendigkeit, permanent ein reales Schachbrett dabei zu haben und man kann das Training beispielsweise auch während der Bus- oder Bahnfahrt oder mal zur Abwechslung gemütlich auf der Couch liegend angehen. Insgesamt zwei gute Bücher zu einem vernachlässigten Thema. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass es sich in erster Linie um Arbeitsbücher handelt, die aktive Auseinandersetzung und Mitarbeit voraussetzen.
29,80 €*
Tipp
Müller & Konikowski: The best Combinations of the World Champions Vol 2 - from Petrosian to Carlsen
Since every world champion was the most outstanding player of his time, it makes sense to study the various aspects of the royal game using the world champions' games – and of course to enjoy them. In this first of two volumes on the world champions' art of combination, the authors (both recognized experts in the field of chess literature) offer the reader the opportunity of trying to find plenty of these best combinations themselves – and thus to assess and improve their own tactical skills. But that's not all. In addition to often breathtakingly spectacular sample games, which are thoroughly analyzed and commented on in a comprehensible way, individual pet topics are highlighted in which the world champions have created particularly outstanding works. So you are invited to take a closer look at Petrosian's deeply thought out exchange sacrifices, at Spassky's always tactically alert attacking skills and Fischer's often combinatorial exploitation of advantages in the endgame. Furthermore, at the tactical aspects of Karpov's dominance and restriction methods, Kasparov's dynamic pressure play, Kramnik's positional power play, Anand's fine sense for dynamics and – last but not least – Magnus Carlsen's combinatorial conversion of his excellent endgame strategy. Volume 2 contains 288 combinations and many fully annotated sample games. 240 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag
27,80 €*
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Müller & Konikowski: Die besten Kombinationen der Weltmeister - Bundle (2 Bücher)
enthalten sind:1) Die besten Kombinationen der Weltmeister Band 1 - von Steinitz bis Tal2) Die besten Kombinationen der Weltmeister Band 2 - von Petrosjan bis Carlsen420 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag.
54,80 €* 59,60 €* (8.05% gespart)
Voggenauer & Peters: 64 Unsterbliche Schachpartien
In Zeiten, in denen nahezu alle jemals gespielten und einigermaßen bedeutsamen Schachpartien auf Knopfdruck digital zur Verfügung stehen, und beliebig verästelte, rechnergenerierte Analysen – inklusive weitreichender Kommentare – per Mausklick abrufbar sind, schlägt dieses Buch einen anderen Weg ein: Den Nachspielenden soll die Ästhetik des königlichen Spiels in überschaubarer Art und Weise vor Augen geführt werden. 64 Unsterbliche Schachpartien ist eine Sammlung schachlicher Kunstwerke aus 400 Jahren Schachgeschichte: Von den alten Meistern aus der Zeit eines Ruy López im Spanien des 16. Jahrhunderts – bis in die Gegenwart des aktuellen Weltmeisters Ding Liren aus China findet man hier nachvollziehbar kommentierte Partien, die allesamt Geschichte geschrieben haben. Diese stammen nicht immer aus den Wettkämpfen der Giganten des Schachsports, denn Glanzpartien wurden über die Jahrhunderte nicht nur in den großen Turniersälen auf die Bretter gezaubert. Aber selbstverständlich finden sich hier auch fast alle Weltmeister der Geschichte, neben den weithin bekannten Heroen wie Lasker, Capablanca oder Fischer auch die oft vom Vergessen bedrohten Genies wie Anderssen, Morphy oder Steinitz. Abgerundet wird die Sammlung durch historische Abrisse der jeweiligen Schachepochen und Einblicke in die Biographien der Meister und Meisterinnen hinter den Partien und an den Brettern. Die Autoren, Roland Voggenauer und Carsten Peters, zählen sich zu der Masse der schachbegeisterten Amateure, denen sie mit dieser Sammlung einen soliden Überblick über die Perlen des Schachsports geben wollen. 220 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Jörg Palitzsch im November 2024 Roland Vogenauer und Carsten Peters präsentieren mit „64 unsterbliche Schachpartien“ ein Werk, das sowohl Schachliebhaber als auch Historiker in Interesse entfacht. Die Autoren haben eine Sammlung von Partien zusammengestellt, die die Entwicklung des Schachspiels über 400 Jahre hinweg dokumentiert. Jede Partie steht nicht nur für sich als kunstvoller Höhepunkt, sondern erzählt auch von den jeweiligen Epochen, den prägenden Spielern und dem Wandel des Denkens in der Schachwelt. Das Buch ist chronologisch aufgebaut und nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Schachgeschichte, beginnend mit den klassischen Partien der alten Meister wie der Begegnung zwischen Smith und Philidor in London 1790. Diese frühen Beispiele zeigen, wie das strategische Verständnis der Zeit aussah und wie Schach sich als intellektuelle Kunst etablierte. Mit den Kapiteln über die ersten Schachprofis, darunter Wilhelm Steinitz und Harry Nelson Pillsbury, dokumentieren die Autoren den Übergang zu einer systematischen Herangehensweise an das Spiel. Hier erfährt man, wie Steinitz die Grundsätze der Positionslehre einführte, die bis heute das Fundament des modernen Schachs bilden. Besonders aufschlussreich ist der Abschnitt über die Spieler der „neuen Schulen“ und die technischen Revolutionen, die mit Persönlichkeiten wie Botwinnik und Capablanca verbunden sind. Die Partie Botwinnik gegen Capablanca 1943 in Montevideo ist ein Paradebeispiel für die aufkommende Wissenschaftlichkeit im Schach. Das Buch endet mit den modernen Giganten wie Fischer und Spasski, deren Duell in Reykjavik 1972 eines der berühmtesten Schachereignisse überhaupt ist, und schließlich mit den neuen Meistern wie Magnus Carlsen. Dessen Partie gegen Boris Gelfand 2014 in Zürich demonstriert, wie weit die Schachwelt seit den Tagen von Philidor gekommen ist. Ein großer Pluspunkt des Buches sind die historischen Einordnungen und Abrisse, die jeder Partie vorangestellt sind. Vogenauer und Peters verknüpfen die Partien geschickt mit den Zeitumständen und den Biografien der Spieler. So entsteht ein lebendiges Bild der Entwicklung des Spiels und der Persönlichkeiten, die es geprägt haben. Die größte Stärke des Buches liegt in seiner Vielseitigkeit. Es ist gleichermaßen ein Lehrbuch, ein Geschichtsbuch und eine Sammlung ästhetischer Höhepunkte. Jede Partie wird detailliert kommentiert, wobei die Autoren eine Balance zwischen technischen Analysen und narrativen Erläuterungen finden, die sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Spieler ansprechen. Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass einige der Kommentierungen für absolute Neulinge im Schach etwas anspruchsvoll sein könnten. Für Leser, die keine Erfahrung mit Schachnotation oder strategischen Konzepten haben, wäre ein einleitendes Kapitel zu den Grundlagen des Spiels hilfreich gewesen. Trotzdem: „64 unsterbliche Schachpartien“ ist ein bemerkenswertes Werk der Schachliteratur. Es verbindet kunstvolle Partien mit einem tiefen historischen Verständnis und würdigt die Meister, die das Spiel geprägt haben. Für jeden, der sich für die Geschichte des Schachs interessiert, ist dieses Buch ein absolutes Muss. Es wird den Leser inspirieren, die Schönheit und Tiefe des Schachspiels neu zu entdecken. Eine wahre Schatzkammer schachlicher Kunstwerke – eine Reise durch die Epochen, die nicht nur das Spiel, sondern auch die Spieler selbst unsterblich macht. Rezension von Stefan Liebig im November 2024 Liebhaber von Partiesammlungen kommen mit diesem Buch voll auf ihre Kosten. Es möchte den Lesern die Schönheit und Tiefe des Schachspiels auf eine zugängliche und ästhetische Weise näherbringen. Und ob man es glaubt oder nicht, die Auswahl beginnt mit folgenden Zügen: 1.e4 e5 2. Lc4 Sc6 3.Df3?! d6? 4.Dxf7 matt, gespielt zwischen „irgendwer“ und „irgendwer“, überall, jederzeit. Dem Schäfermatt, folgen dann das Narrenmatt sowie die zweifelhafte Damiano-Verteidigung. Doch keine Sorge – das Niveau der Partien steigert sich rapide, denn „64 Unsterbliche Schachpartien“ ist eine Sammlung von Meisterwerken aus 400 Jahren Schachgeschichte. Ergänzt wird die Sammlung durch historische Einblicke in die jeweiligen Epochen der Schachgeschichte sowie Portraits der Meister und Meisterinnen hinter den Partien. Die Auswahl der Partien reicht von den frühen Aufeinandertreffen der Schachmeister der Renaissance, wie Ruy López im Spanien des 16. Jahrhunderts, bis hin zu Partien vieler berühmter Weltmeister wie Lasker, Capablanca und Fischer und dem (noch) amtierenden chinesischen Weltmeister Ding Liren. Die Partien sind sorgfältig kommentiert und mit Kurzporträts der Meister versehen, sodass ihre historische Bedeutung und strategische Tiefe für den Leser verständlich werden. Die Autoren, Roland Voggenauer und Carsten Peters, sind selbst begeisterte Amateure, die mit diesem Werk allen Schachinteressierten einen umfassenden Überblick über einige der größten und faszinierendsten Partien der Schachgeschichte bieten möchten.
27,80 €*
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Brustkern & Wallet: 100 Jahre Schachturniere in Hastings
Keine Schachveranstaltung der Welt kann auf eine solch lange und wechselreiche Tradition zurückblicken wie das seit einem ganzen Jahrhundert regelmäßig zum Jahreswechsel stattfindende Turnier im englischen Seebad Hastings. Wie sich eine solche Tradition herausbilden konnte, zu welch immenser Bedeutung es Hastings in der Welt des Schachs brachte, warum das Turnier selbst in der Zeit des Kalten Krieges als Treffpunkt der Spitzenspieler aus Ost und West diente – all diese Fragen beantworten die Autoren Jürgen Brustkern und Norbert Wallet in diesem Buch. Es gibt einen historischen Überblick über die äußerst wechselvolle Turniergeschichte und stellt die namhaften Protagonisten mit ihren berühmtesten in Hastings gespielten Partien vor. So wird im Laufe der Lektüre klar, warum dieses Turnier von der Schachwelt mit dem Ehrentitel „das Wimbledon des Schachs" ausgezeichnet wurde.296 Seiten, gebunden, Joachim Beyer Verlag Rezension von Uwe Bekemann im Juni 2022 Wenn ein Schachturnier eine 100-jährige Tradition aufweist, dann ist es schon allein deshalb ein Leuchtturm in der Schachgeschichte. Wenn es sich dann von bereits eindrucksvollen Anfängen bis zu seiner Blütezeit zu den größten Turnierveranstaltung auf der Welt entwickelt hat, zu dem massenhaft begeisterte Schachspieler und Besucher pilgerten und in dem sich die Schachelite jährlich die Hand gab, dann ist es Hastings. Es ist ein Glücksfall für die Schachwelt, wenn ein Insider, der seit 1977 jedes Jahr als Spieler oder als Besucher vor Ort war, in Zusammenarbeit mit einem kompetenten Partner ein Buch über dieses Turnier schreibt. Der „Insider“ Jürgen Brustkern und Norbert Wallet haben im Jahr des Hastings-Jubiläums ihr Werk „100 Jahre Schachturniere in Hastings“, Joachim Beyer Verlag 2021, in die Schachwelt gegeben. Heutzutage ist der Stern von Hastings verblasst, die bedeutendsten Turniere werden anderswo ausgetragen. Dies zeigen die Autoren auch selbst in ihrem etwas melancholischen Schlusswort auf. Sie fragen nach dem Glanz der glorreichen Schachtage und antworten mit „verweht, vergangen, vergessen“. Ich möchte ihnen aber widersprechen, denn vergessen ist er nicht. Untergegangen ist der Stern von Hastings nicht und die Autoren tragen mit ihrer Arbeit dazu bei, dass auch die Erinnerung an Duelle auf dem Brett, besonders aber auch an die Geschichten und Geschichtchen drum herum nicht in Vergessenheit geraten. Das Buch ist informativ und die Autoren haben erkennbar eine große Recherchearbeit geleistet, was übrigens auch das umfangreiche Quellenverzeichnis erkennbar machen. Es widmet sich zunächst den Stationen, die „Hastings“ genommen hat, um zum „Wimbleton des Schachs“ zu werden. Es lebt aber ganz besonders auch von den Erzählungen zu Personen, von der Beschreibung von Hintergründen, von der packenden Schilderung von Vorkommnissen, guter und schlechter Beziehungen und mehr. Es sind die teilweise einfachen Informationen, die Hastings als Ereignis charakterisieren und sein besonderes Flair erkennbar machen. Zu meinen Lieblingspassagen im Buch gehört die Schilderung, wie John Nunn im Jahr 1987 als Teilnahmebedingung ein beheizbares Hotelzimmer genannt hat, weil er eine schlechte Erfahrung sich nicht wiederholen lassen wollte. Entgegen der Zusicherung kam es anders, wobei auch widrige Umstände eine Rolle spielten. Im Ergebnis musste er sich zunächst mit einem kalten Zimmer zufriedengeben. Nach ein paar Tagen durfte er es gegen ein beheizbares Zimmer eintauschen, das aber ein kleines und fensterloses Loch war. Und auch für die Mahlzeiten stand nur ein unbeheizter Raum zur Verfügung. Verärgert nahm er zukünftig nicht mehr teil, bis er dann aber doch der Anziehungskraft der Veranstaltung wieder erlag. Auch nett zu lesen ist ein Beispiel aus dem schwierigen Verhältnis zwischen Karpov und Kortschnoi. Im Turnier 1971/72 spielten beide um den Sieg, Karpov hatte eine Hängepartie zu bestreiten, aus der er den vollen Punkt brauchte. Kortschnoi hatte das Nebenzimmer im Hotel, in dem er seinem Zimmernachbarn deutlich machen wollte, dass ihn seine Hängepartie und seine Analysen nicht interessierten und er sich lieber der Musik hingab. Diese drehte er dann entsprechend voll auf … Dieses „nette“ Verhältnis wird auch schon mal in Partiekommentaren deutlich, die Brustkern und Wallet nicht selten übernommen haben. Es ist nicht oft zu lesen, dass ein Spieler wie hier Kortschnoi seinen Gegner am Brett als „Bleichgesicht“ tituliert. Bleiben wir bei Kortschnoi, um auch ein beispielhaftes Wort über den „geschichtlichen“ Informationsgehalt von „100 Jahre Schachturniere in Hastings“ zu verlieren. Das Werk hält Einträge zur Schachgeschichte in einer hohen Zahl fest. Kortschnois Flucht in die Niederlande, deren Vorbereitung und die Unterstützung durch Schachfreunde sowie die Gründe und die Umstände seiner Übersiedlung in die Schweiz werden beschrieben. Sein beeindruckendes Lebenswerk im Schach bis ins hohe Alter hinein wird ausführlich dargestellt. In Passagen wie diesen hat „100 Jahre Schachturniere in Hastings“ einen bedeutenden schachhistorischen Wert. Informationen dieser Art enthält das Werk in Hülle und Fülle. Manche davon, neben den ganz persönlichen Episoden aus der Erinnerung einzelner Spieler, sind das Ergebnis der Insider-Stellung Jürgen Brustkerns und seiner Kontakte. Aber auch Norbert Wallet hat persönlich erfahrenes Material beigetragen. Sehr nett zu lesen ist ein von ihm mit Dr. Helmut Pfleger geführtes Interview, natürlich über Hastings, Dr. Pflegers persönliche Erfahrungen und Erinnerungen, Verhältnisse zu Spielern etc. Die Partien dienen in erster Linie dazu, den Spielern, denen die Autoren einen eigenen Beitrag im Buch gewidmet haben, eine ehrende Referenz zu erweisen und den Leser zugleich zu unterhalten. Daneben aber erfüllen nicht wenige von ihnen auch eine Aufgabe zur historischen Dokumentation. Dies gilt besonders, wenn keine schon früher veröffentlichte Kommentierung nur übernommen worden ist. Von diesen Duellen wären sonst sicher irgendwann etliche in Vergessenheit geraten oder wären nur als eine unter Millionen in Datenbanken verblieben. Die Autoren haben zur Auswahl der mit Beiträgen hervorzuhebenden Persönlichkeiten Kriterien angewandt, die sich nicht allein an deren Renommee als Spieler orientieren. Sonst hätten bis auf Bobby Fischer alle früheren Weltmeister ein kleines Porträt erhalten müssen, denn alle sind sie dem Ruf nach Hastings gefolgt. Ein wichtiger Punkt für die Entscheidung zur Aufnahme war offenkundig auch die Bedeutung einer Persönlichkeit für Hastings wie auch für das britische Schach. Textbeiträge, um zahlreiche Fotos ergänzt, und kommentierte Partien sind gekonnt miteinander verzahnt, so dass die Elemente wie aus einem Guss erscheinen. Sprachlich hat das Werk allgemein viel zu bieten. Wer Spaß an gekonnten Formulierungen und einer insgesamt „geschmeidigen“ Sprache hat, wird beim Lesen von „100 Jahre Schachturniere in Hastings“ auch daran seine Freude haben. Fide-Meister und Schachtrainer Brustkern ist Pädagoge, Wallet hat u.a. Literaturgeschichte studiert und arbeitet als Journalist. Bekannt geworden ist er auch als Autor von Schach-Artikeln. Auf den letzten Seiten des Werkes findet der Leser ein Verzeichnis aller Sieger und Nächstplatzierten (Hauptturnier). Fazit: „100 Jahre Schachturniere in Hastings“ ist ein gelungenes Werk, das besonders jedem Schachfreund empfohlen werden kann, der sich für Schachhistorie interessiert. Historische Fakten, aber auch Erinnerungen und Erzählungen aus dem persönlichen Erfahrungsschatz etlicher Spielerpersönlichkeiten, sind von den Autoren akribisch aufgearbeitet und professionell in Buchform gebracht worden. Rezension von Jörg Palitzsch im August 2021 100 Jahre Schachturniere in Hastings Jürgen Brustkern, Norbert Wallet Hastings, die Stadt an der östlichen Südküste Englands, hat allerlei Sehenswürdigkeiten: The True Crime Museum, das Museum der lokalen Historie und das Schiffswrack-Museum. Vor allem aber ist Hastings durch das traditionsreichste Schachturnier der Welt bekannt geworden. 1885 erstmals als Superturnier ausgetragen, findet es seit 1919 jährlich statt, nur der Zweite Weltkrieg sorgte für eine Unterbrechung. Alle Schachweltmeister waren bis auf Bobby Fischer an der Südküste, um sich mit den besten Schachspielern zu messen. Viel geschichtlicher Stoff über das Königliche Spiel also, der jetzt in dem Buch „100 Jahre Schachturniere in Hastings“ nachzulesen ist. Der Untertitel „Wie aus Träumen Traditionen wurden“, hört sich auf den ersten Blick verheißungsvoll an – und die Erwartungen werden mehr als erfüllt. Die Autoren Jürgen Brustkern und Norbert Wallet schlagen die 100 Jahre Hastings wie ein spannendes Geschichtsbuch auf, das auf jeder der fast 300 Seiten einen neuen Aspekt beleuchtet. Brustkern kann getrost als Insider gelten. Seit 1977 fährt der Fide-Master und Schachtrainer jährlich an die englische Küste, um in Hastings mitzuspielen und Artikel über das Turnier zu veröffentlichen. Norbert Wallet ist den Lesern der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten als Hauptstadtkorrespondent bekannt, Schachspieler kennen ihn als kompetenten Autor zahlreicher Schach-Artikel. Erfreulich ist in den ersten Kapiteln des Buches der Verzicht auf eine Chronologie der Turniere. Die beiden Autoren nähern sich dem Thema Hastings über die Vergangenheit und blicken zunächst auf den Beginn der englischen Turniertradition. Dies erfolgte im Jahr 1851 mit dem ersten Meisterturnier in London. Schon seit Jahren haben damals Schachfans auf ein echtes Spitzentreffen gewartet, eingeladen wurden schließlich 16 Meisterspieler. Die Autoren vermuten, da die Hälfte von ihnen Briten waren, eine Mischung aus organisatorischen (keine hohe Anreisekosten) und sportlichen (viele gute Spieler) Gründen. Adolf Anderssen siegte, ein Triumph für das deutsche Schach. In dem Buch ist nicht nur ein Gedicht nachzulesen, das dem Sieger gewidmet war, sondern auch die von Brustkern kommentierte Notation der „Unsterblichen“ Partie zwischen Anderssen und Lionel Kieseritzky. Sie wurde außerhalb des Wettbewerbs gespielt und ging in die Schachgeschichte ein. Den Autoren verknüpfen den Aufstieg Hastings als Turnierort mit ökonomischen und politischen Voraussetzungen. Der Langzeit-Erfolg sei mit einer guten Idee verknüpft worden sowie dem Enthusiasmus der Gründerzeit. Nur so konnte die anschließende Turnierfolge auf eine stabile Grundlage gestellt werden, die Jahrzehnte getragen hat. Beschrieben werden die vielen Verästelungen menschlicher Beziehungen, die hoffnungsvollen Pläne und die Hoffnungen auf Unterstützung, die in Hastings von 5. August bis zum 1. September mit 21 Runden schließlich zu einem ersten Turnierhöhepunkt führten. „Dieses Turnier ist das bedeutendste, das jemals stattgefunden hat, wer aus ihm überlegen als Sieger hervorgeht, muss als stärkster Spieler der Welt anerkannt werden“, zitieren die Autoren den Frankfurter Generalanzeiger. Und weiter: Nach diesem Turnier war Hastings fest auf der Landkarte des internationalen Schachs eingezeichnet und sollte bis auf den heutigen Tag nicht mehr davon verschwinden. Brustkern und Wallet führen den Leser in den folgenden Kapiteln durch die ganze Geschichte Hastings. Geboten werden nicht nur spannende Partien, sondern auch zahlreiche Fotografien, die einen Eindruck der Turniere geben. Ab Seite 80 erfährt dieses Buch einen Bruch. Beschrieben werden Kämpfer, Künstler und Königsjäger – die Helden von Hastings. Beachtlich, wie die Autoren ihre Charakterstudien treffend überschreiben haben. Milan Vidmar ist der „Schachingenieur aus Slowenien“, Vera Menchik „The Queen of Hastings“. Jaques Mieses avanciert zum „letzten standhaften Schachritter“ und Judit Polgar zur „Princess of Hastings“. Ulf Andersson steigt zum „schwedischen Capablanca“ auf und Bent Larsen ist ein „wunderbar sturer Optimist“. Dazwischengeschoben, fast übersieht man es, gibt es ein vierseitiges Interview mit Großmeister Helmut Pfleger zu lesen, das Norbert Wallet führte. Pfleger war einer der ersten Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Hastings spielten, und der sich wünscht, der alten Glanz des Turniers möge zurückkehren. „Es sollte weltweite Bedeutung haben.“ Nach den mehr als 40 Portraits sind im Anhang die Sieger von Hastings aufgeführt. Ein Literaturverzeichnis mit weiterführenden Publikation runden das lesenswerte Buch ab und führen das Thema weiter. Fazit: „100 Jahre Schachturniere in Hastings“ fängt die Stimmung des Turniers auf vielseitige Weise ein. Leser, die an Schachhistorie interessiert sind, kommen genauso auf ihre Kosten, wie Leser, die bekannte Partien nachspielen wollen.
39,80 €*
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Bronstein: Das Kandidatenturnier Zürich 1953
Um die seinerzeitige Bedeutung des Kandidatenturniers Zürich 1953 heutzutage annähernd nachvollziehen zu können, empfiehlt sich ein kleines Gedankenspiel. Die 15 teilnehmenden Großmeister machten damals ziemlich genau die Hälfte aller Großmeister überhaupt aus. Um dieses Zahlenverhältnis in unserer Zeit zu erreichen, müssten etwa 750 GM (!) an den Start gehen. Darüber hinaus war ein Drittel der Teilnehmer sogar von einem ganz besonderen Kaliber: ein ehemaliger und zwei angehende Weltmeister – sowie zwei Spieler aus der Liste der so genannten 'ewigen Zweiten'. Einer von diesen, der denkbar knappe Verlierer des WM-Kampfs von 1951, David Bronstein, kam auch in Zürich auf den zweiten Platz. Anschließend schrieb er mit dem Turnierbuch sein erstes Schachbuch überhaupt. Und so ist es umso bemerkenswerter, dass es 1982 bei einer Umfrage des 'British Chess Magazine' nach dem 'besten Schachbuch' auf den – ja genau! – auf den zweiten Platz kam. Neben lebendigen Schilderungen der Turnierereignisse aus der Sicht eines Teilnehmers, enthält es alle 210 Partien, knapp die Hälfte ausführlich kommentiert, wobei des Autors Hauptaugenmerk auf Analyse und Erläuterung der Mittelspiele gerichtet war. 230 Seiten, gebunden, Joachim Beyer Verlag Rezension von Gerd Schowalter im Februar 2018 Der Beyer Verlag schaffte es wieder einmal, ein klassisches Werk der neueren Schachgeschichte zum Leben zu erwecken. Die Erstausgabe aus dem Berliner Sportverlag von 1991 war lange vergriffen, was von vielen Schachfreunden bedauert wurde. Denn das Hauptwerk des großen russischen Schachmeisters Bronstein galt in Insiderkreisen als schönstes Schachbuch aller Zeiten. Mein weitläufig Verwandter Wolfgang Unzicker, der deutsche Vorkämpfer der Nachkriegszeit, empfahl es mir vor Jahren nicht nur als schönstes, sondern wichtigstes Schachbuch, und mit dieser Meinung stand er unter den führenden Meistern nicht allein. Der Sportverlag hatte in der ersten Ausgabe noch ein eigenes Vorwort dem des Autors vorangestellt. Darin begründet er, warum die Leserschaft so lange auf eine deutsche Fassung warten musste (nur dem riesigen Umfang und der Stofffülle des Werkes geschuldet). Der Beyer Verlag verzichtet auf eine derartige Einleitung und übernimmt das Vorwort des erfahrenen Verfassers des zeitlosen Werkes, mit nur kleinen Veränderungen. Er bevorzugt auch eine zweispaltige Textgestaltung, die gegenüber der drei Spalten des Vorgängers übersichtlicher und somit besser lesbar erscheint. Dazu dient auch die Gesamtgestaltung mit blütenweißem Papier und gern gesehenem Lesebändchen. David Bronstein, ein ausgewiesener Weltklassespieler, der 1951 im Finale um die Weltmeisterschaft gegen Botwinnik mit viel Pech in den beiden letzten Partien und 12:12 Endstand nur knapp scheiterte, ist ein hervorragender Schachschriftsteller. Das beweist er auch in einer Reihe weiterer exzellenter Bücher. Er beweist stets sein großes Schachwissen, seine gewaltige Spielstärke und die Kraft seiner Analyse. Außerdem gelingt es ihm immer wieder, sich in den Leser hineinzuversetzen und sich kritisch zu hinterfragen. Sein „Kandidatenturnier Zürich 1953“ lebt davon, dass er nicht nur Augenzeuge, sondern auch Teilnehmer des bedeutenden Turniers ist. Was war das noch für ein Großereignis! Gibt es heute Hunderte von Großmeistern (Wer zählt die Völker nennt die Namen!), so machten die 15 Starter etwa die Hälfte aller damaligen Großmeister aus. Es spielten auch ein ehemaliger Weltmeister (Euwe) und zwei „ewige Zweite“ mit (Keres und er selber). Bronstein, der im Turnier den zweiten Platz belegen konnte, berichtet umfassend über alle 30 Spielrunden. Er zeigt die Ergebnisse, gibt den Turnierstand an und stellt wichtige Partien vor. Seine Glossierung ist gut nachvollziehbar und lehrreich. Auffällig ist dabei auch, mit welcher Bescheidenheit er über seine eigenen Partien spricht. Über den Turniersieger Smyslow ist er voll des Lobes. Bei den Vorberichten auf die einzelnen Spielrunden geht er mitunter sogar auf schachtheoretische Themen ein. So erörtert er beispielsweise die Frage des Anzugsvorteils in einer Schachpartie oder die Blockade als Element strategischen Planes. Fazit: Wie bereits ausgeführt, ist dieses Schmuckstück eines Schachbuches auch eines der besten aller Zeiten. Weltklassespieler David Bronstein (1924-2006) denkt darin in erster Linie an den interessierten Leser. Das Buch, von ihm selbst in der Entstehung immer wieder selbstkritisch korrigiert und verbessert, spricht für sich selbst. So musste der Verlag keine großen Veränderungen vornehmen. Dieses Schachbuch erfreut nicht nur den Büchersammler, sondern auch den Schachspieler und -praktiker. Bronstein doziert nicht nur ausführlich über das Mittelspiel, sondern lässt auch sein Wissen um das Endspiel einfließen. Das geschieht z. B. in der Partie Nr. 150 Gligoric – Euwe („Das beste Endspiel des Turnier“, hier fehlt das „s“, das in der Erstausgabe vorhanden ist). Der Nachspielende kann durch die 207 (von 210) ausgewählten und hervorragend kommentierten Glanzpartien der damaligen Weltklasse durchaus profitieren. Hilfreich ist auch der Anhang mit Eröffnungsregister. Hier wird auf die Nummerierung der Partien hingewiesen. Vielleicht hätte dieser Hinweis schon am Anfang des Anhangs erscheinen sollen, um dem Leser nicht erst beim zweiten Blick klar zu machen, dass mit den Nummern nicht die Seiten, sondern die Partien gemeint sind. Ansonsten ist die Zusammenstellung geglückt, wobei die kommentierten Partien fett gedruckt aufgeführt sind. Alles in allem: Großes Lob für diese schöne Neuauflage eines klassischen Schachbuches. Rezension von Ottmar Walther im Februar 2017 Vom 30. August bis 23. Oktober 1953 spielten die 15 besten Spieler der Welt in einem doppelrundigen Turnier (!) aus, wer der Herausforderer des amtierenden Weltmeisters Botwinnik sein würde. Also 30 Runden zu spielen – wenn man bedenkt, dass heute das WM-Match nur noch über 12 Runden geht ...! Um es vorwegzunehmen: Am Ende gewann Smyslow souverän mit 18:12 und 2 Punkten Vorsprung vor den punktgleichen 2.-4. Keres (der ewige Zweite!), Bronstein und Reshevsky (16 Punkte) und 5. Petrosian (15). Smyslow konnte im folgenden Jahr gegen Botwinnik nur ein 12:12 erreichen, gewann aber im nächsten Zyklus den WM-Titel. Bronstein spielte später auch 12:12 gegen Botwinnik und Petrosian konnte dessen lang dauernde Herrschaft auf dem WM-Thron schließlich 1963 beenden. Es waren also die Spieler am Start, die für eine ganze Generation das Weltschach prägten. David Bronstein gehörte nicht nur zur Weltspitze im Schach, sondern auch zu der der Schach-Autoren. Sein flüssiger, auch für den Laien verständlicher Stil ist etwas ganz besonders und wurde bis auf den heutigen Tag nur von wenigen Autoren erreicht. Daher ist es kein Wunder, dass sein Turnierbuch Zürich 1953 zu den Klassikern der Schachliteratur gehört. Es wurde und wird bis auf den heutigen Tag wieder und wieder von starken Großmeistern empfohlen oder als ein Buch bezeichnet, das ihnen auf dem Weg nach oben geholfen hat. Nun wird vielleicht mancher Schachfreund stutzig werden und fragen, was denn ein mehr als sechzig Jahre altes Buch ihm heute noch geben kann? Nun, sicher hat sich die Theorie seitdem erheblich weiterentwickelt und man wird vergeblich nach Eröffnungsanregungen suchen. Aber Eröffnung ist nicht alles, das Mittelspiel ist mindestens genauso wichtig und wird nur zu oft vernachlässigt. Und für dieses gibt Bronstein wertvolle Erklärungen, Anregungen und Analysen, die das Buch alleine schon lesenswert machen. Beim Erklären der wichtigen Bereiche wird der Leser nicht wie so oft einfach nur mit Referenzpartien abgespeist, sondern erklärt ausführliche und verständliche Erläuterungen, die ihm auch für sein eigenes Spiel helfen. Er muss sich auch nicht durch einen Wust an Varianten quälen, sondern erhält stets ausgezeichnete verbale Kommentare. Ich bin immer sehr skeptisch wenn es heißt, ein Buch habe für (fast) jeden etwas zu bieten. Aber dieses Buch ist eine Ausnahme. Leser – auch Hobbyspieler – die gerne Meisterpartien nachspielen, werden gewiss auf ihre Kosten kommen und die Kommentare genießen. Aber auch Spieler von hoher Klubstärke finden in Bronsteins Kommentaren eine Menge von Informationen zu positionellen Aspekten, die manches einschlägige Lehrbuch in den Schatten stellen. Fazit: Ein "stressfreies", aber anregendes Buch, das jeder interessierte Schachfreund lesen kann und sollte!
38,00 €*
Geilmann: Jüdische Schachmeister aus Deutschland
Die Rolle, die insbesondere jüdische Meisterspieler, Problemkomponisten, Turnierorganisatoren, Verleger, Autoren und Mäzene für die Entwicklung des Schachs in Deutschland gespielt haben, ist bislang kaum systematisch zusammengefasst und illustriert worden. Diesem Manko soll mit diesem Buch ohne Anspruch auf Vollständigkeit ein wenig abgeholfen werden. Der Autor – Ulrich Geilmann – war bislang eher für belletristische Themen bekannt. Seine Einzelwerke fanden ihre Leserschaft v. a. bei den Schachfans, die das königliche Spiel einmal aus einer anderen Perspektive erleben wollten. Geilmann spricht nun wieder den schachhistorisch interessierten Spieler an. Ulrich Geilmann wurde 1963 in Essen geboren und wohnt am Niederrhein. Er ist diplomierter Raumplaner und im öffentlichen Dienst tätig. Als profunder Hobbyschachspieler und Mitglied der Emanuel Lasker Gesellschaft kennt sich Geilmann in der deutschen Schachszene gut aus. War er doch zwischen 2007 und 2016 Teamchef einer Schachbundesligamannschaft und bis 2023 Vizepräsident des Schachbundesliga e. V..210 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Jörg Palitzsch im November 2024 In seinem Buch „Jüdische Schachmeister aus Deutschland“ beleuchtet Ullrich Geilmann ein faszinierendes und zugleich berührendes Kapitel der Schachgeschichte, das von tragischen Schicksalen, großen Talenten und herausragenden intellektuellen Leistungen geprägt ist. Der ehemalige Vizepräsident der Schachbundesliga e.V. porträtiert jüdische Schachmeister wie Siegbert Tarrasch, Emanuel Lasker, Bruno Moritz und Hans Berliner und zeigt eindrucksvoll ihre bedeutende Rolle und Mitwirkung in der Entwicklung des deutschen und internationalen Schachs. Die sorgfältig zusammengestellten Kurzbiografien lassen die Lebensgeschichten dieser Schachgrößen lebendig werden und offenbaren nicht nur ihre schachlichen Errungenschaften, sondern auch die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen, denen sie sich zu ihrer Zeit stellen mussten. Geilmann verbindet historische Perspektiven mit taktischem Tiefgang und hat für Schachliebhaber eine Fülle an Material bereitgestellt: 47 Partien und 55 Schachaufgaben, die zum Nachdenken und Analysieren einladen und Einblicke in die Spielstrategien dieser Meister bieten. Ein umfangreiches Partien- und Literaturverzeichnis ermöglicht eine Vertiefung in die einzelnen Biografien. Hinzu kommt eine Einführung in das Thema. Ein Fokus des Buches liegt auf dem Leben von Emanuel Lasker, dem zweiten offiziellen Schachweltmeister, der für seine originellen und strategischen Partien bekannt war und als eine der größten Figuren der Schachgeschichte gilt. Auch Siegbert Tarrasch, dessen Einfluss auf die Theorie und Didaktik des Schachs bedeutend war, wird mit Tiefe und Respekt gewürdigt. Hinzu kommen eher unbekannte Namen, die Ullrich Geilmann mit zahlreichen Fußnoten dem Leser nahebringt. Das 208-seitige Buch ist eine wertvolle Sammlung für Schachbegeisterte und Historiker gleichermaßen. Die Mischung aus biografischen Einblicken und anspruchsvollen Partien schafft ein Leseerlebnis, das sowohl Wissen vermittelt als auch den Geist herausfordert. Für Spieler und Leser, die mehr über die jüdischen Wurzeln und die Geschichte des Schachs erfahren möchten, ist dieses Buch eine unverzichtbare Lektüre. Geilman, bislang als Autor belletristischer Schachbücher bekannt, spricht nun wieder den schachhistorisch interessierten Leser an. Rezension von Stefan Liebig im Oktober 2024 In seinem neuesten Werk „Jüdische Schachmeister aus Deutschland“ setzt sich Ulrich Geilmann mit der bedeutenden Rolle jüdischer Schachspieler, Turnierorganisatoren, Autoren und Mäzene für die Entwicklung des Schachs in Deutschland auseinander. Bislang wurde diese Thematik nur sporadisch behandelt. Der Autor wirkt dem entgegen, indem er die Lebensgeschichten von 35 jüdischen Schachpersönlichkeiten präsentiert. Geilmann hat schon eine ganze Reihe – auch im Schach-Magazin 64 vorgestellte – Bücher veröffentlicht. Neben seinem belletristischen Schwerpunkt, etwa „Petersburger Rochade“ oder „Aljechin“, veröffentlichte er auch Biografien von Boris Spasski und Sultan Khan. Nun widmet er sich also einem weiteren Sachbuch und spricht gezielt die schachhistorisch interessierten Leser an. Er hat gründlich recherchiert und trägt sowohl bekannte Größen wie Emanuel Lasker, Siegbert Tarrasch und Richard Teichmann als auch weniger bekannte Persönlichkeiten in seinen Berichten zusammen. Der Autor beschäftigt sich auch mit Spielern, die ins Exil gegangen sind. Eine verständliche Entscheidung, denn Spieler, die nicht durchgehend in Deutschland lebten oder den Glauben wechselten, hatten dafür oft gravierende Gründe. Solche Entscheidungen könnten oft aus Verfolgung und Bedrohung resultieren, besonders im Kontext des aufkommenden Nationalsozialismus. Geilmann ergänzt die Kurzbiografien um analysierte Schachpartien, die die Leistungen der dargestellten Meister hervorheben und die Leser sowohl unterhalten als auch fordern sollen. Zudem bietet das Buch 55 Schachaufgaben, die aus den Spielen der Porträtierten stammen. Zusätzlich stellt der Autor weitere Persönlichkeiten vor, die keinen eigenen Abschnitt erhalten haben, um sicher zustellen, dass ihre Beiträge nicht in Vergessenheit geraten. Das absolut lesenswerte Buch ist somit nicht nur eine Würdigung jüdischer Schachmeister, sondern auch eine wertvolle Ergänzung zur in diesem Bereich noch ergänzungswürdigen Schachliteratur. Nebenbei liefert es sehenswerte und für die Schachentwicklung interessante Partien. Rezension von Uwe Bekemann im August 2024 Mit „Jüdische Schachmeister aus Deutschland“ begibt sich der Autor Ulrich Geilmann, der seine Autorentätigkeit bislang vor allem auf belletristische Werke konzentrierte, auf das Gebiet der Sachbücher zum Schachspiel. Seine neue Arbeit ist 2024 im Joachim Beyer Verlag erschienen. Der Leser erhält Kurzbiografien zu 35 Schachspielern mit deutschen Wurzeln, soweit sie jüdischem Glaubens waren. Mit Schachspielern sind dabei nicht nur meisterliche Könner auf den 64 Feldern gemeint, sondern auch Turnierorganisatoren, Verleger, Autoren und Mäzene wie auch Problemkomponisten. Sie alle haben die Entwicklung des Schachspiels in Deutschland mehr oder weniger intensiv beeinflusst. Zu den Porträtierten zählen sehr bekannte Persönlichkeiten wie natürlich Emanuel Lasker, Siegbert Tarrasch, Johannes Zukertort, Jacques Mieses oder Richard Teichmann, aber auch Schachenthusiasten, deren Namen mir bisher unbekannt waren. Es ist der offenkundig intensiven Recherchearbeit des Autors zu verdanken, dass auch für die weniger bekannten Persönlichkeiten so viel Stoff zusammengetragen werden konnte, dass sich zumindest eine Kurzbiografie lohnte. Die verwendeten Quellen hat Geilmann jeweils in Fußnoten bezeichnet, die einer breiten Palette zuzuordnen sind. Ob eine porträtierte Persönlichkeit nicht durchgängig in Deutschland gelebt hat oder vielleicht auch zu einem anderen Glauben konvertiert ist, spielte keine Rolle in den Aufnahmekriterien des Autors. Soweit die Quellenlage dies zuließ, hat Geilmann die Kurzbiografien um Partien ergänzt, wobei die Kommentierung aus seiner eigenen Feder stammt. Die Beschäftigung mit diesen Duellen, die teilweise schon (mehrfach) in der Literatur abgebildet worden sind, dient der Unterhaltung des Lesers, aber auch der Veranschaulichung, wie hoch die Leistungen der alten Meister teilweise auch heute noch einzuschätzen sind. Ebenfalls der Unterhaltung, aber auch der Herausforderung des Lesers, dienen insgesamt 55 an diesen gerichtete Schachaufgaben, die Geilmann aus dem Wirken des jeweils Porträtierten abgeleitet hat. Entsprechend kommt auch die Beschäftigung mit dem Schachspiel selbst in diesem Buch nicht zu kurz. In Ergänzungen werden dem Leser weitere Personen nähergebracht, für die der Autor kein eigenes Kapitel einfügen konnte. Auch in diesen Fällen wirkt er einem Vergessen in der Schachwelt entgegen. „Jüdische Schachmeister aus Deutschland“ ist kein politisches Buch, aber es ist ein Buch, das der Politik näher kommt als die meisten anderen Schachbücher. Ich habe oben schon erwähnt, dass Geilmann seine Kurzporträts unabhängig davon erstellt hat, ob die Porträtierten durchgängig in Deutschland gelebt haben oder den jüdischen Glauben im Laufe ihres Lebens abgelegt haben. Diese Entscheidung ist natürlich vollends nachvollziehbar, denn beispielsweise eine Auswanderung oder auch eine Abkehr vom Glauben konnte allein die Konsequenz aus Verfolgung, Entrechtung und Gefahr für Leib und Leben der Menschen sein, die ihnen in Deutschland drohten. Nicht von ungefähr fallen zahlreiche Auswanderungen in die Zeit des (aufziehenden) Nationalsozialismus. Ulrich Geilmann hat ein sehr informatives und auch unterhaltsames Werk geschaffen, das eine bisher in der Literatur klaffende Lücke geschlossen hat. Und er sorgt dafür, dass die Anstrengungen und Leistungen der jüdischen Schachmeister, denen das Schachspiel in Deutschland sehr viel zu verdanken hat, in Ehren gehalten und nicht vergessen werden. Fazit: Ich empfehle dieses Werk jedem Schachfreund, der auch schachhistorisch interessiert ist.
30,00 €*
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Knaak & Starke: Ein langes Schachjahrhundert 2001 - 2020
Dieses Buch ist eine Fortsetzung des Werkes „Ein langes Schachjahrhundert 1894 - 2000". Die einzelnen Jahresbeiträge von 2001 bis 2020 sind wieder in der gleichen Art und Weise wie zuvor aufgebaut: Einem umfangreichen zeitgeschichtlichen Teil schließen sich ein Nachruf auf bedeutende Persönlichkeiten und ein kompakter Sportteil an. Danach werden die wichtigsten Schachereignisse eines Jahres gewürdigt, gefolgt von Schachnachrichten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie einem Nachrichtenblock im Telegrammstil. Den Abschluss des Textteils bilden die Top Ten der Welt für die Monate Januar und Juli sowie ein Nachruf. Jedes Jahr wird von einem statistischen Teil mit Tabellen und Endständen bedeutender Turniere abgeschlossen. Über das ganze Jahr verteilt befinden sich Schachpartien durchlaufend in der rechten Spalte. Im Vergleich zum Vorgängerbuch gibt es eine stärkere Gewichtung auf Schach, was u.a. wegen viel mehr Turnieren im Topbereich notwendig geworden ist. Außerdem wird jetzt dem nationalen Schach – vor allem Deutschlands, aber auch Österreichs und der Schweiz – mehr Raum gewidmet. Und im Unterschied zum oben genannten ersten Buch (mit jährlich ein bis zwei Partien) sind diesmal pro Jahr durchschnittlich fünf Partien ausgewählt worden – viele davon in Wahlen zur Partie des Jahres ganz weit oben stehend. Mit vielen Diagrammen und Einführungen zu jeder Partie wird das Nachspielen vom Blatt ermöglicht. Das erwartet Sie: • 20 Jahrestexte Zeitgeschichte inklusive Sport, Kuriosa, Nachruf • die wichtigsten Schachereignisse sowie die Top Ten Januar und Juli • neu: Schachnachrichten Deutschland/Österreich/Schweiz • Tabellen der wichtigsten Turniere und Matches • 100 sorgfältig ausgewählte Partien des Jahres plus Einführung404 Seiten, gebunden, Grossformat, Joachim Beyer Verlag Rezension von Uwe Bekemann im Dezember 2023 Mit „Ein langes Schachjahrhundert 2001-2020" von Rainer Knaak und Burkhard Starke (+ 23.2.2021), Joachim Beyer Verlag 2022, möchte ich heute ein ganz besonderes Schachbuch besprechen. Es verbindet die allgemeine Zeitgeschichte mit der Geschichte des Schachspiels und hat mich in Vorbereitung dieser Rezension komplett in seinen Bann gezogen. Zunächst zum Titel: Auf den fast 400 Seiten des Werkes findet der Leser, in chronologischer Reihenfolge der Jahre, eine Zusammenfassung wichtiger zeitgeschichtlicher Ereignisse wie auch aus der Welt des Schachspiels. Aus dieser sind es u.a. Turniere, Partien und (Spieler-)Persönlichkeiten, über die die Autoren schreiben, und zwar allesamt aus dem Zeitraum 2001-2020 und nicht etwa aus 100 Jahren. Es gibt jedoch aus 2002 schon einen ersten Band „Ein langes Schachjahrhundert 1894-2000", der die Namensgebung somit erklären kann. Man fragt sich, wo die Jahre geblieben sind, wenn man liest, dass die Geschichte für 2001 mit den Terroranschlägen „nine eleven" eingeführt wird, für 2002 mit der Euro-Einführung und für 2003 mit der Erweiterung der Europäischen Union um 10 Länder sowie mit der Katastrophe der US-Raumfähre Columbia. Dies gilt aber nicht nur für das Weltgeschehen allgemein, sondern auch für das Schachspiel. Liegt es wirklich schon 18 Jahre zurück, dass Garri Kasparow mit Linares 2005 sein letztes Turnier bestritten hat, und die Weltmeisterschaft zwischen Viswananthan Anand und Wladimir Kramnik in Bonn und die Schacholympiade in Dresden, beide 2008, vor 15 Jahren in Deutschland ausgetragen worden sind? Die Autoren haben ein Buch zum Schmökern, zum Nachschlagen, zum Sich-Erinnern und nicht zuletzt zur unterhaltsamen Entspannung geschaffen. Neben viel Lesestoff und Tabellen enthält es über die Seiten hinweg 100 denkwürdige Partien, wobei deren entscheidende Momente als Kurzkommentar vorangestellt sind. Zahlreiche Diagramme unterstützen beim Nachspielen mit und ohne Brett. Es ist als echter Allrounder auch als anspruchsvolles Geschenk für passionierte Schachspieler geeignet. Fazit: Wie meiner Besprechung unschwer zu entnehmen sein wird, bin ich von diesem Buch begeistert. Entsprechend kann ich es demjenigen, der sich von meiner Beschreibung angesprochen fühlt, ohne Wenn und Aber empfehlen. Rezension von Jörg Palitzsch im Januar 2023 Ein Nachschlagewerk zur Zeitgeschichte, ein spannendes Lesebuch, ein Schachbuch, in dem die wichtigsten Turniere und Partien zu finden sind. Die Fortsetzung des opulenten Werkes „Ein langes Schachjahrhundert 1894-2000“ ist nicht nur für Leser historischer Ereignisse, sondern auch für Schachhistoriker interessant, die sich mit Tabellen, Diagrammen und Endständen informieren wollen. „Ein langes Schachjahrhundert 2001-2020“ der beiden Autoren Rainer Knaak und Burkhard Starke, er verstarb im Februar 2021, weist allerdings einige Änderungen auf. Dem Schachspiel wurde weitaus mehr Platz eingeräumt als im ersten Band, neu sind Schachnachrichten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auf fast jeder Seite gibt es Diagramme und Einführungen in ausgewählte Partien, die ein Nachspielen möglich machen. Am Ende sind alle 100 Partien aufgelistet. Eingebettet sind diese Partien in kurze und knapp gehaltene Ereignisse aus aller Welt. Dabei werden der Tourismus, die Weltraumforschung und selbst die Nobelpreise nicht ausgespart. Selbst ein Blick wird auf die Bildung, die Wirtschaftskriminalität und Migration geworfen. Hinzu kommen kurze Biografien verstorbener Schachspieler. Sehr umfangreich ist die Sport-Rubrik, die sich, außer den Notizen zu den Schachereignissen, erfreulicherweise im Rahmen halten. Wenn auch die Anordnung der einzelnen Kapitel auf den ersten Blick etwas ungeordnet wirkt, so folgt sie doch einem einfachen Prinzip. Kein Jahr ist wie das andere, es wurden in der Auswahl unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt und erhebliche Erweiterungen hinzugefügt. Hier gleicht dieses Werk ganz dem Abspiel einer Schachpartie, die sich nach den ersten Zügen immer weiter aufbaut. Elo-Listen und vor allem die informativen Spielerbiografien sind ein echter Lesergewinn. Dabei sind Anand, Carlsen, Caruana, Karjakin, Kramnik und Topalow, über die man viel erfahren kann. Fazit: „Ein langes Schachjahrhundert 2001-2020“ hat die Ausstrahlung eines Lexikons, geht mit seinen umfangreichen Informationen allerdings einen großen Schritt weiter. Mit dem Vorgängerband wird ein Bogen in die Schachwelt der Gegenwart geschlagen, die nicht minder spannend ist. Darüber hinaus hat das Buch auf 400 Seiten einen hohen Unterhaltungswert.
49,00 €*
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Knaak & Starke: Ein langes Schachjahrhundert - Bundle 2 Bände
Band 1: 572 Seiten, gebunden, Grossformat, Joachim Beyer VerlagBand 2: 404 Seiten, gebunden, Grossformat, Joachim Beyer Verlag
75,00 €* 95,00 €* (21.05% gespart)
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Knaak & Starke: Ein langes Schachjahrhundert 1894 - 2000
Das zwanzigste Jahrhundert brachte nicht nur in solchen Bereichen eine wahrlich sprunghafte Entwicklung mit sich, die von allgemeinem Interesse sind (wie dem historischen und wissenschaftlichen), sondern auch in solchen, die nur für geringe Teile der Weltbevölkerung von Bedeutung sind – wie beispielsweise für das eingeschworene Völkchen der Schachspieler. Es kommt selbstredend einer Mammutaufgabe gleich, über diesen Zeitraum von gleich mehreren (Schach-)Epochen einen Überblick bieten zu wollen, und entsprechend war gleich ein ganzes Team von Autoren am Werk – außer den auf dem Titel genannten auch die bekannten Meisterspieler Albin Pötsch, Martin Breutigam und Gisbert Jacoby. Das fertige Produkt bietet eine solche Fülle von Partien und Informationen, dass wohl kaum ein wichtige Frage offen bleibt. So wurden 150 herausragende Partien dieses Jahrhunderts sorgfältig ausgewählt und (mit mehr als 700 Diagrammen) versehen. Ausführliche Kommentare zu diesen Partien finden Sie auf jeder Mega-Database von ChessBase. Auch werden fast 100 Spitzenspieler dieser Zeit mit Kurzbiografien und Porträtfotos gewürdigt. Und auch für Leser, die ein Interesse an zusätzlichen Informationen haben, bietet dieses Buch eine wahre Fundgrube. So gibt es alle FIDE-Weltranglisten (Top Ten) seit deren Einführung 1970; 100 Turniertabellen von allen Weltmeisterschaften, Schacholympiaden und sonstigen Topturnieren; einen Blick auf Schach-Rekorde (wie z.B. im Simultan und Blind-Simultan) sowie das Erscheinen wichtiger Schachbücher. Abgerundet wird das Ganze von Kuriositäten und markanten Ereignissen aus der Sportgeschichte ganz allgemein – sowie der Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts, wobei insbesondere Ereignisse und Entwicklungen mit Bezug zum Schach oder zum Sport allgemein berücksichtigt wurden. Grossformat 21,4 x 30,1 cm, 1,9 kg ! 572 Seiten, gebunden, Leseband, Joachim Beyer Verlag Rezension von Jörg Palitzsch im Januar 2018 Das 20. Jahrhundert war eine Zeit der politischen Umwälzungen, gesellschaftlicher Veränderungen, aber vor allem ein Jahrhundert der Kriege. Wer dieses Jahrhundert mit den Epochen der Schachgeschichte verschränken will, steht vor einer Mammutaufgabe. Die Autoren Rainer Knaak (Großmeister) und Burkhard Starke, bis 1971 Spieler der Leipziger Oberliga, haben sich dieser Aufgabe gestellt und mit „Ein langes Schachjahrhundert 1894 – 2000“ ein umfassendes Nachschlagewerk niedergeschrieben, das jetzt in zweiter Auflage im Joachim Beyer Verlag erschienen ist. Mit Beginn des 20. Jahrhundert starb 1900 in London Ex-Schachweltmeister Wilhelm Steinitz. Er wurde 1894 von Emanuel Lasker von Thron gestoßen, der diesen Titel anschließend 27 Jahre lang bis 1921 behauptete. Während die Welt langsam aus den Fugen geriet, etwa durch den Burenkrieg, den Boxeraufstand und den Ersten Weltkrieg, prägten das Schachspiel in den Anfangsjahren des Jahrhunderts große Persönlichkeiten. José Raúl Capablanca betrat 1901 die Bühne und wurde mit 13 Jahren Landesmeister von Kuba. 20 Jahre später durfte Alexander Aljechin – den Wirren der Oktoberrevolution entkommen – aus Russland ausreisen, und siegte 1921 in Turnieren in Budapest und Den Haag. Das Buch „Ein langes Schachjahrhundert“ nimmt den Leser auf vielen Seiten mit durch die Epochen. Für jedes Jahr von 1894 bis 2000 gibt es zwischen zwei und fünf Seiten, einige wenige Jahre, wie etwa 1914, 1941 oder 1958 werden mit sechs Seiten abgedeckt, reichlich Lesestoff allemal. Aufgearbeitet werden, wie in einer Enzyklopädie, die wichtigsten politischen und sportlichen Aspekte aus weltweit ganz unterschiedlichen Ländern, ebenso die Nobelpreise und Todestage. Hinzu kommen 100 Turniertabellen von allen Weltmeisterschaften, Olympiaden und hochkarätigen Turnieren, Elolisten und die Top-Ten der besten Schachspieler, gelistet ab dem Jahre 1971. Schon allein aus diesen Gründen ist das Buch ein Gewinn, weil es dem Leser zu unterschiedlichen Themen einen schnellen Überblick verschafft. Der eindeutige Schwerpunkt liegt auf der Schachhistorie. Beim Blick in die Geschichte sind die Jahre der Nazi-Diktatur von 1933 von besonderer Bedeutung. Mit der Umbildung zum totalitären Einheitsstaat wurden die Rechte der Juden immer weiter eingeschränkt, was sich nachhaltig und negativ auf das Schachleben in Deutschland ausgewirkt hat. Detailliert wird in dem Buch auf die Opfer der Rassenpolitik hingewiesen. Auf Lasker, der aus dem Land vertreiben wurde, ebenso wie auf Rudolf Spielmann und Jacques Mieses. Die Arbeiterschachvereine wurden aufgelöst und nach und nach ging die einst große Schachnation im Terror der Nazis unter. Die Beschreibungen des Schachgeschehens der Jahre von 1933 bis 1945 zählen zu den interessantesten Beiträgen in dem Buch und regen zu einer weiteren Beschäftigung mit dem Thema an. Geschichtsinteressierte Schachspieler werden ebenso im Jahr 1972 tiefer einsteigen, als sich Bobby Fischer, ausgestattet mit einer unglaublichen Elozahl von 2785 aufmachte, die sowjetische Vormachtstellung im Schach mit seinem Sieg gegen Weltmeister Boris Spasski im isländischen Reykjavik zu brechen. Dieser Nervenkrieg, politisch von beiden Seiten ausgeschlachtet und mittlerweile auch Stoff für einen gelungenen Kinofilm, wird in diesem Buch dicht gedrängt und kenntnisreich erzählt. Auch hier gilt: Die komprimierte Form kann Anregung sein, sich weiter mit den spannenden Schachgeschichten dieses Jahrhunderts auseinanderzusetzen. Dazu dient eine vierseitige Literaturliste mit Buchempfehlungen, wobei auf eine Auflistung der ausgewerteten Schachliteratur verzichtet wurde, da sie, so die Autoren, zu umfangreich ausgefallen und dennoch unvollständig geblieben wäre. Dies ist kein Manko, weil das Buch dem Schachspieler noch viele andere Dinge bietet. Zum Beispiel, über alle Jahre verteilt, 150 herausragende Partien dieses Jahrhunderts mit mehr als 700 Diagrammen. Die Kommentierung dieser Partien sind auf einer DVD mit dem Titel „Mega Database 2018“ von ChessBase zu finden, die man im Fachhandel beziehen kann. Lesenswert sind zudem insgesamt 95 alphabetisch geordnete Kurzbiografien von Alexander Aljechin bis Johann Hermann Zuckertort, die sich, jeweils mit einem Porträtfoto versehen, über rund 50 Seiten erstrecken. Fazit: „Ein langes Schachjahrhundert 1894 – 2000“ ist kein Lesebuch, sondern ein opulentes Nachschlagewerk mit vielen Facetten. Die kompakten Verflechtungen der Schachgeschichte mit den politischen Ereignissen eines ganzen Jahrhunderts entwerfen ein lebendiges Bild, zeigen viele Zusammenhänge und gehen in ihrer Fülle weit über ähnlich aufgemachte Bücher hinaus. Das Buch zeigt, wenn auch verkürzt, wie sich Schach verändert hat. Von der individuellen menschlichen Denkleistung hin zum Schachspiel gegen unbestechliche Computerprogramme. Spannend wird die Fortschreibung bis zum Jahr 2100 sein.
35,00 €* 69,00 €* (49.28% gespart)
Vidmar: Goldene Schachzeiten
Vidmar: Goldene Schachzeiten Mit Milan Vidmars Erinnerungen tauchen wir ein in ein längst vergangenes, „goldenes“ Zeitalter des Schachs, das den Leser noch heute in seinen Bann zieht. In seinen Schilderungen werden die alten Schachlegenden wieder lebendig, die die großen Turniere im Zeitraum 1900 bis 1940 dominiert haben und mit denen er sich am Brett so manchen Kampf geliefert hat. 35 Partien und Partiefragmente, meist mit eigener Beteiligung und von ihm selbst mit luziden Kommentaren versehen, sind eingebettet in Erzählungen, die die faszinierende Atmosphäre in den Turniersälen und Schachcafés jener Tage widerspiegeln. Es sind nostalgisch anmutende Memoiren, die aber keineswegs frei sind von kritischen Gedanken, etwa wenn Vidmar über Auswüchse und Entartungen des Spitzenschachs in der Nachkriegszeit sinniert. Seine Ausführungen sind von bemerkenswerter Weitsicht, und manche seiner Befürchtungen und Klagen haben bis heute ihre Berechtigung nicht verloren. Dieses fesselnde Alterswerk Vidmars, ein gutes Jahr vor seinem Tod erschienen, ist ein unvergänglicher Klassiker der Schachliteratur und eine unverzichtbare Lektüre für den historisch interessierten Schachfreund. Zeitzeugen, die über die besagte versunkene Ära des Schachs authentisch berichten könnten, sind längst ausgestorben. Vidmar war einer der letzten, und er gehörte zu den Wenigen, die vorzüglich schreiben und dabei glänzend unterhalten konnten. Auch Sie sollten nicht zögern, sich in die „goldenen Schachzeiten“ entführen und verzaubern zu lassen! 280 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Uwe Bekemann im August 2016 Zur Vorbereitung dieser Rezension habe ich das Werk „Goldene Schachzeiten“ mit dem Untertitel „Erinnerungen“ von Milan Vidmar komplett durchgearbeitet. So ist es zu erklären, dass deren Abschluss etwas auf sich warten lassen hat, denn die jetzt aktuelle 4. Auflage ist bereits im fortgeschrittenen Jahr 2015 auf den Markt gekommen. Damit wird ein Klassiker im Joachim Beyer Verlag als Imprint des Schachverlags Ullrich wieder neu verfügbar. Milan Vidmar, geboren 1885 und gestorben 1962, war nie Schachprofi, und doch zählte er in seinen besten Zeiten zur Weltspitze. Er hat mit den größten Meistern der Vergangenheit gerungen und ihnen oftmals auch die Grenzen aufgezeigt. Von Beruf war er Ingenieur der Elektrotechnik und dann auch Hochschullehrer. Geld verdient hat er auch als Autor, „Goldene Schachzeiten“ war sein letztes Buch. Wer wie Vidmar über Jahre hinweg aktiv und intensiv ins Turniergeschehen eingebunden war, kann viel erzählen. Und genau das macht er in „Goldene Schachzeiten“. Er hat sehr viele Schachgrößen kennen gelernt, am und auch abseits des Brettes. Er berichtet von Freundschaften und persönlichen Abneigungen, von generösem Verhalten und unschicklichem Tun, von meisterhaften Einfällen bis groben Patzern – schlicht, er berichtet von allem. Das Werk ist in neun Kapitel gegliedert. Das Inhaltsverzeichnis sieht diesbezüglich wie folgt aus: 1. Nottingham 1936 2. Ein gewaltiges Ringen um die Weltmeisterschaft 3. Die Schachsirene 4. Erinnerungen an S. Tarrasch 5. Das Berufsschachmeisterproblem 6. Die den großen Meistern tickende Uhr 7. Das Fallenstellen in der großen Schachpartie 8. Das Ende eines Weltmeistertraumes 9. Ist das heutige hohe Schach krank? Mehrere Kapitel bedürfen ein paar weiterer Worte, damit sich der Leser dieser Rezension etwas darunter vorstellen kann bzw. einen Anhalt findet, worum es darin geht. Im 3. Kapitel geht es um Lockungen und Verführungen des Schachspiels. Es geht darin also nicht um die Sirene als technisches Gerät auf den Dächern des Landes, sondern um Sirengesänge nach mythologischem Vorbild. Milan Vidmar zählte zu den Bewunderern Siegbert Tarraschs. Und doch hat er sich dessen Ungnade eingefangen, als er in einer für ihn gewonnenen Stellung ein Remisangebot des großen Lehrmeisters abgelehnt und ihn dann geschlagen hat. Die Erinnerungen des Autors sind ambivalent, aber nicht nachtragend. Samuel Reshevsky – dessen Identität wird aber erst im Verlauf des 6. Kapitels gelüftet – schlug als angeblich erst Fünfjähriger alle Gegner, die ihm am Brett gegenüber Platz nahmen. Alle, nein, nicht alle, denn Vidmar machte dem Lauf ein Ende, ganz zur Enttäuschung des Kindes. Das Alter und dessen Auswirkungen auf die Spielstärke ist ein Kernpunkt aus den Erinnerungen Vidmars, die in diesem Kapitel dem Vergessen trotzen. Die über dem 9.Kapitel thronende Frage, ob das heutige hohe Schach krank ist, ist aus der Sicht unserer Tage wie das Anschauen des Spielberg-Klassikers „Zurück in die Zukunft“. Vidmar konnte die Entwicklung des Schachspiels natürlich nicht vorausschauen, aber er haderte etwas mit Dingen, die heute nicht nur Realität, sondern auch völlig normal sind. Er sinniert über Bedenkzeitregeln, den „Unfug des Sekundantenwesens“, über das Fernschachspiel und einiges mehr. Besonders haben mich seine Gedanken zum Fernschach interessiert. Im Ergebnis stellt er für sich fest, dass die Fernschachspieler kein besseres Schach als die Spieler am Brett spielen, sie diesen nicht wirklich ebenbürtig sind und das Fernschachspiel wichtige Fähigkeiten des Brettschachs, z.B. das Rechenvermögen mittels Vorstellungskraft, nicht abverlangt. Und er berichtet über seine eigenen Fernschach-Erfahrungen. Man muss Vidmar nicht in allen Punkten zustimmen, aber man kann ihm nicht absprechen, an Nahtstellen von kontroversen Sichtweisen angesetzt zu haben. „Goldene Schachzeiten“ ist ein gelungenes Potpourri aus Berichten und Erzählungen und 35 kommentierten Partien und Partiefragmenten. Das Werk ist höchst unterhaltsam und vermittelt den Eindruck der allzeit authentischen Darstellung. Viel davon betrifft natürlich das Leben und das Wirken Milan Vidmars selbst, aber seine Ausführungen sind zugleich ein weit geöffnetes Fenster in vergangene (Schach-)Zeiten, die vielleicht goldener waren als heute, vielleicht aber auch nicht. Fazit: „Goldene Schachzeiten“ ist ein Buch, das ich demjenigen wärmstens empfehlen kann, den auch die historische wie die nostalgische Seite des Schachspiels fasziniert. Milan Vidmar hat als Zeuge der Zeitgeschichte Wichtiges, Interessantes oder auch „nur“ Unterhaltsames für ihn zusammengetragen und nett, teilweise auch brillant in Worte gefasst.
24,80 €*
Rieger: Unglaubliche Schachpartien
Wer ist der chinesische Kieseritzky und wer der Don Quijote des Schachs? Kennen Sie die Men in Black der 64 Felder und beherrschen eigentlich auch Außerirdische das königliche Spiel? Was hat Garri Kasparow mit Cowboy und Indianer zu tun und weshalb hat Tigran Petrosjan einen unheimlichen Zwilling? Erleben Sie die Desperate Housewives am Schachbrett und folgen Sie Anatoli Karpow ins zauberhafte Land. In 60 unglaublichen, sensationellen und nicht immer unbedingt perfekten Partien, erleben Sie die ganze Wunderwelt des Schachs mit all seinen Facetten, die zum Schmunzeln, Staunen und Schmökern einladen. Martin Rieger (Jahrgang 1970) ist ein langjähriger Schachspieler, der beim SK Schwandorf in der Landesliga spielt172 seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Uwe Bekemann im August 2020 Der 50-jährige Vereinsspieler des SK Schwandorf, Martin Rieger, möchte die Schachwelt mit seinem Buch der unglaublichen Schachpartien erfreuen. Er macht nicht erwartete Streifzüge durch die Schachgeschichte. Sein Weg beginnt bei McDonnell – De La Bourdonnais und endet bei Michael Adams gegen Garri Kasparow und dem amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen aus Norwegen. Diese 60 besonderen Partien haben es in sich. Es sind ausnahmslos großartige Wettkampfpartien bekannter herausragender Meister früherer und heutiger Zeiten. Auch Spielerinnen werden vorgestellt, etwa in einer Partie von Zsuzsa Polgar gegen Maja Tschiburdanidse. Trotz eines Sieges von Judith Polgar, der absolut weltbesten Frau, gegen IGM Aleksandr Schirow werden die Schach spielenden Frauen nicht damit zufrieden sein. Die deutschen Meister Wolfgang Uhlmann und Robert Hübner werden gewürdigt. Aber den einzigen deutschen Weltmeister, Emanuel Lasker, sucht man vergeblich! Ganz zu schweigen von dem „Praeceptor Gemaniae“, Dr. Siegbert Tarrasch. Auch viele andere deutsche Meister hätten es verdient gehabt, in einer solchen Partiensammlung gewürdigt zu werden. Gut, jeder Autor kann für seine Auswahl andere Akzente setzen. Rieger versucht es auf seine Weise. Ich kann allerdings nicht nachvollziehen, warum er seine blumigen Überschriften in englischer Sprache vornehmen muss. Einmal verfällt er gar ins Französische (Lapin à la Gueuze“). „Hunting with the Polar Bear“ hätte er auch auf Deutsch wiedergeben können. Origineller sind dann schon die Titel „When the Pawns Go Marching In“ oder „Desperate Housewives“. Aber Zsuzsa Polgar und Maja Tschiburdanidse werden davon nicht begeistert sein! Auch „Girls just want to have Fun“ als Titel über die feine Gewinnpartie der weltbesten Spielerin Judit Polgar gegen Alexej Schirow wird die Großmeisterin wenig erfreuen können. Nun gut, Martin Rieger pflegt seinen eigenen Stil. Der ist durchaus originell, wird aber nicht alle Leser wirklich begeistern. Wie dem auch sei, er legt ein beachtenswertes Schachbuch vor, das seine Leserschaft zufrieden stellen wird. Manches kann ich aber nicht unbedingt nachvollziehen. So spricht er in einer Partie Petrosjan gegen Minasjan kurz über die „Berliner Mauer“ in der Spanischen Partie. Er erwähnt aber ihre erfolgreiche Anwendung von Kramnik gegen Kasparow im Weltmeisterkampf 2000 nur am Rande. Immerhin darf Garri Kasparow noch in der letzten Partie (gegen Mickey Adams) als stolzer Sieger erscheinen. Obwohl es sich bereits um die 2. Auflage handelt, findet sich in dem Buch nur eine einzige Partie des Weltmeisters Magnus Carlsen (gegen Sipke Ernst). Eine Reihe sauberer Diagramme unterstützt den Leser, der nicht immer Figuren auf dem Brett aufbauen möchte. Aber auf Seite 76 bei der Partie Tylkowsky gegen Antoni Wojciechowski heißt es so schön „Sehen Sie selbst:“ Aber es folgt nur die Notation (Diagramm), wobei man sich gerade dieses Diagramm gewünscht hätte. Fazit: Wenn man bedenkt, dass die meisten Bücher kleine Fehler haben, kann man dem Autor durchaus verzeihen, dass er keine Ausnahme macht. Hingegen ist seine schachlich-fachliche Behandlung des Stoffes über jeden Zweifel erhaben. Seine vorgenommene Auswahl „unglaublicher Partien“ kann der tolerante Leser akzeptieren, obgleich sie in eigenwilliger Weise vorgenommen wurde. Trotzdem handelt es sich um ein schönes Schachbuch, das gewiss seinen Platz in vielen Schachbibliotheken finden wird. Rezension von Jörg Palitzsch im August 2020 Unglaubliche Schachpartien Martin Rieger Schach muss nicht unbedingt eine ernste Sache sein. Martin Rieger, langjähriger Landesligaspieler beim SK Schwandorf, vermittelt in seinem Buch „Unglaubliche Schachpartien“ anhand von 60 Partien beste Unterhaltung und Spielwitz. Dabei sind es nicht nur die kommentierten Partien, die durch zahlreiche Diagramme ergänzt werden, sondern die facettenreichen Geschichten zu den einzelnen Wettkämpfen, die der Autor kurzweilig zu erzählen weiß. Rieger hat sich für seine Auswahl in der gesamten Schachgeschichte bedient, dafür bekannte, weniger bekannte und unbekannte Partien herausgesucht. Schon auf dem Titelbild wird man auf das Thema eingestimmt. „Heureka“ („Ich habe es gefunden“) ruft Archimedes von Syrakus in einer Badewanne voller Schachfiguren. In der ersten Partie wird der Leser anschließend auf den „Planet Iwantschuck“ entführt. Weltmeister Viswanathan Anand wird darin zitiert, wie Iwantschuk völlig betrunken ukrainische Reime gesungen und am nächsten Tag eine beindruckende Rede gehalten habe. Beeindruckend auch die Partie, die „Big Chuck“ gegen Weltmeister Garry Kasparow in Linares 1991 gespielt – und gewonnen hat. Eine weitere unglaubliche Partie trug sich im Dezember 2008 in Marienbad zu, als die 26-jährige Tschechin Jana Jackowa gegen den langjährigen Weltmeister Anatoli Karpow gewann, der zum Ende hin sein Heil in einer zerstörerischen Verteidigung suchte. Eine denkwürdige Partie fand 1992 auf der serbischen Insel Sveti Stefan. Dort trafen Bobby Fischer und Boris Spasski nochmals aufeinander, gelockt von den Dollars des Millionärs Jezdimir Vasiljeviv. Fischer gewann mit 17,5:12,5 und kassierte 5,5 Millionen Dollar. Zahlen musste er einen politischen Preis. Weil Fischer mit dem Wettkampf gegen das Wirtschaftsembargo der USA gegen Serbien-Montenegro verstieß, durfte sich einer der besten Schachspieler der Welt in seinem Geburtsland nicht mehr blicken lassen. Fazit: Martin Rieger hat eine Reihe von Partien zusammengetragen, die zum Schmunzeln, Staunen und Schmökern anregen, die nicht immer perfekt sind, aber auch Schachhistorie vermitteln. Ein kleines Manko ist, dass alle Kapitel mit englischen Kurzüberschriften versehen sind. Die reiche deutsche Sprache hätte hier auch viele Möglichkeiten geboten.
19,80 €*
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Konikowski, Bekemann: Schach-WM 2024 - Dammaraju Gukesh - Ding Liren
Weltmeisterschaften im Schach sind ein Höhepunkt für die Schachspieler- innen und Schachspieler weltweit. Sie lösen zudem ein sonst selten so ausgeprägtes Interesse der Medien aus. Das vom 25. November 2024 bis zum 12. Dezember 2024 zwischen dem amtierenden Weltmeister Ding Liren und dem indischen Herausforderer D. Gukesh ausgetragene Duell um die WM-Krone zog eine zusätzliche Aufmerksamkeit auf sich, weil es mit besonderen Vorzeichen aufwartete. So griff mit Gukesh der jüngste Herausforderer aller Zeiten nach dem Weltmeistertitel. In der langen Geschichte des Schachspiels war dies das erste Finale, in dem kein europäischer Spieler vertreten war und beide Kontrahenten aus Asien kamen. Der Titelkampf war davon geprägt, dass die Spieler versuchten, sich gegenseitig in seltene, ungewohnte Stellungen zu bringen wie auch theoretisches Neuland zu betreten. Manche Neuerung wird sicherlich in den kommenden Monaten und Jahren auf der Turnierbühne überprüft werden. Mit ihren Turnierplänen zeigten sie auch, wo das moderne Wettkampfschach steht, indem sie keine langen und von der Theorie herausgearbeiteten Varianten zu spielen versuchten, sondern neue Ideen verfolgten. Da Gukesh schon während der 14 vorgesehenen klassisch zu führenden Partien zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten wurde, musste die Entscheidung nicht über den sonst zu erwartenden Tie-Break herbeigeführt werden. In diesem Buch werden alle Wettkampfpartien im Anschluss an eine kurze Vorstellung beider Akteure ausführlich analysiert und in ebenso unterhaltsamer wie verständlicher Form kommentiert. Zusätzlich richten unsere Autoren den Blick auf das eröffnungstheoretische Umfeld, in dem die Wettkampfpartien gespielte wurden, sowie auf die Beiträge der WM-Finalisten zur Entwicklung der Eröffnungstheorie in diesen Bereichen. 111 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Jörg Palitzsch im April 2025 Der neue Weltmeister kommt aus Indien und heißt seit dem 12. Dezember 2024 Dommaraju Gukesh. In einem Wettkampf über 14 Partien auf der zu Singapur gehörenden Insel Sentosa setzte sich der Herausforderer gegen den Titelverteidiger Ding Liren aus China in einem kräftezehrenden und keineswegs leicht voraussagbaren Match auf knappe und ungemein dramatische Weise durch. Damit avancierte Gukesh mit 18 Jahren zum jüngsten klassischen Weltmeister in der Schachgeschichte. Was alles auf dem Weg zum WM-Kampf geschah, die Etappen, Einzelheiten und Vorbereitungen, samt einem kurzen Portrait der beiden Kontrahenten, die konträren Einschätzungen der Experten im Vorlauf, kurzum der Rahmen der Handlung und der Herzschlag der ausgetragenen Partien, über all das berichten Jerzy Konikowski und Uwe Bekemann in ihrem unprätentiös titulierten Buch "Schach-WM 2024" mit kundiger Feder und analytischem Verstand. Weltmeisterschaften stellen in der Regel das Treffen der beiden besten Schachmeister der Welt dar. Was auf den Brettern gespielt wird, hat auch immer eine eröffnungstheoretische Note. Auch davon findet sich in dem Werk eine alle Neugier zufriedenstellende Expertise. Schon im Vorfeld hatte der Kampf um die Krone die Gemüter erregt, weil der weltbeste Schachspieler Magnus Carlsen 2023 mehr oder weniger überraschend von seiner Titelverteidigung zurücktrat und dafür zweifelhafte Gründe angab. Dass er sich jedem Herausforderer überlegen fühlte und keinen Reiz noch Nutzen darin gesehen hatte, Zeit und Mühe in ein Geschäft zu investieren, das ihn persönlich nicht weiterbringen würde, klingt im Argumentationsaufbau verdächtig nach Ohrenschmeichlerei, Dinge mit einem Ethos zu erklären, die wohlweislich profaner sind. Der Vergleich mit Bobby Fischer hinkt indes. Der US-Amerikaner verweigerte sein Erscheinen am Wettkampfort nicht allein aus psychologischen Motiven, sondern weil er das Gewicht seiner Verhandlungsposition gegen den Weltschachbund FIDE falsch eingeschätzt hatte. Unterhalb seiner gestellten Bedingungen wollte er schlichtweg nicht spielen. Dagegen dürfte Carlsen monetäre Gründe für seine Absage im Kopf gehabt haben. Wie auch immer: Auf Sentosa wurde nichtsdestotrotz hervorragendes Schach gespielt. Obgleich Ding Liren ab Januar 2024 keinen Sieg mehr in einer Turnierpartie vorweisen konnte und dafür ein Formtief, auch gesundheitliche Probleme verantwortlich machte, zeigte er sich gegen den Inder von seiner kämpferischen Seite. Tatsächlich wurden fünf der vierzehn Partien entschieden, kein schlechtes Ergebnis für einen WM-Kampf, nur dass die Mehrzahl der Siegespartien auf eine Zeitmisere beider zurückzuführen war. Überhaupt fiel das Zeitmanagement der Akteure erstaunlich mangelhaft aus. Der Auftakt lief jedoch nach den Erwartungen des Titelträgers. In der Eröffnung überspielt, leistete sich Gukesh einen schweren Fehler, wodurch die Niederlage nicht mehr aufzuhalten war. Nach einem anschließenden Remis in Runde 2 traf es Ding Liren bitter. In der dritten Wettkampfpartie blieben ihm schon beim 18. Zug nur mehr 27 Minuten Restbedenkzeit. In dieser Bedrängnis kostete ihn ein eklatanter Fehlzug die Partie und erlaubte Gukesh den Ausgleich, der damit seine erste klassische Turnierpartie gegen den Chinesen gewann. Danach folgten sieben Remissen in Folge, eher farblos heruntergespielt, risikoarm und fade. Nur einmal kam es zum Funkenschlag. Auf dem Brett lag ein Sieg für den Inder in greifbarer Nähe, aber in Zeitnot verpasste er ihn und leistete sich wenig später einen zweiten Fauxpas. Statt Kapital daraus zu schlagen, war es nun an Ding Liren, aufgrund der tickenden Uhr am Siegeszug vorbeizugehen. Die Partien 11 und 12 gewannen je Gukesh und Ding Liren. Mit gleichem Konto ging es in die Schlussrunde. In der letzten Wettkampfpartie hätte der Chinese den Zweikampf ins Tie-Break befördern können, wenn ihm nicht im 55. Zug in nahezu ausgeglichener Stellung ein schrecklicher Fehler unterlaufen wäre, der ihn seiner Krone beraubte und Gukesh den Lorbeerkranz aufsetzte. Alles in allem war es ein spannender Wettkampf, auch wenn die Uhr allzu oft den Takt angab und so den Eindruck eher eines Stolperns als eines glatten Erfolgs erweckte. Die Autoren haben sich die größte Mühe gegeben, den Verlauf der Kämpfe analytisch aufzuarbeiten und die Stimmung während der einzelnen Partien einzufangen. Die Höhepunkte, obzwar rar gesät, kamen dennoch gut zu Wort. Was die Analyse der Partien attraktiv macht, ist das Dokumentieren der Alternativzüge der Kontrahenten aus vorangegangenen Turnieren zumeist der beiden letzten Jahre, so dass der Leser nachvollziehen kann, mit welchen Neuerungen im Gepäck die Spieler auf die Insel gekommen waren. Für eine grundlegende Einordnung der neuen Züge in die Theorie war die Zeit bis zum Erscheinen des Buches zu kurz, aber schon jetzt lässt sich sagen, dass schillernde Einfälle diesen Wettkampf nicht prägten. Es waren mehr oder weniger Abweichungen um Nuancen aus früheren Begegnungen zwischen Titelaspirant und Champion, nichts, das Analytiker zwingen müsste, neue Eröffnungsbücher zu schreiben. Im Fazit blieb die Arbeit jedoch unvollständig. Im Wesentlichen fehlte, wenngleich dieser Punkt in der Fachpresse zuvor hinlänglich erörtert wurde, die in einem derart wichtigen Buch über den WM-Kampf eigentlich zu erwartende Bedeutung des Rückzugs von Carlsen. Es wäre wert gewesen, den Gerüchten dazu Raum zu geben und einige namhafte Stimmen exemplarisch zu nennen. Rezension von Andreas Wittek im Februar 2025 Das Buch „Schach-WM 2024" ist eine Schilderung des Wettkampfs um die höchste Schachkrone, zwischen dem Herausforderer Dommaraju Gukesh aus Indien und dem Titelverteidiger Ding Liren aus China, geschrieben in der Art eines informativen Schachlehrwerks. Ein Druck-Erzeugnis, zu einer Schachweltmeisterschaft zu konzipieren, ist nach meinem Dafürhalten eine gute Sache: Im Internet ist über dieses „Schachliche Ereignis" weltweit sehr zeitnah und ausführlich berichtet worden. Aber eine nachgelagerte Dokumentation hat den Vorteil, zum einen viele Aspekte, die erst nach dem Weltmeisterschaftskampf bekannt werden, mit zu berücksichtigen und zum anderen dieses größte schachliche Ereignis des Jahres 2024 vom Gesamtergebnis her zu betrachten und zu bewerten. Und nicht nur aus dem momentanen Geschehen der einzelnen Wettkampfpartien heraus, wie es hauptsächlich in den tagesaktuellen Meldungen im deutschsprachigen Raum durch die Videokanäle auf „YouTube" beispielsweise von The Big Greek, GM Huschenbeth, JanistanTV geschehen ist. Das Druckwerk aus dem Joachim Beyer Verlag zur „Schach-WM 2024" umfaßt einhundertelf Seiten: Ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis befindet auf den Seiten fünf und sechs, eine ausführliche Zeichenerklärung auf Seite sieben, ein aussagekräftiges Eröffnungsregister mit Partienummern auf Seite einhundertzehn, ein Quellenverzeichnis auf Seite einhundertelf. Konikowski / Bekemann schreiben auf Seite neun (Zitat): „Auf dem Weg zur Entscheidung versuchten sich die Kontrahenten gegenseitig mit neuen Ideen und seltenen Eröffnungswegen in die Partie zu überraschen und aus der Vorbereitung zu bringen." So haben Dommaraju Gukesh und Ding Liren die Schachwelt mit teilweise hochklassigem Schach in unbekannten Stellungen unterhalten, aber desgleichen mit spannenden Situationen, die beide lieber vermieden hätten, wie zum Beispiel einigen Ungenauigkeiten und deutlichen Fehlern in den Partien sowie in den Zeitnotphasen. Konikowski / Bekemann laden dazu ein, alle WM-Partien am heimischen Brett nachzuspielen oder am eigenen Bildschirm zu verfolgen, sich mit anderen Schachinteressierten darüber zu unterhalten und vielleicht für das eigene Eröffnungsrepertoire inspirieren zu lassen. Ihre Analysen plus Kommentare sollen dabei helfen, möglichst keine Facetten dieses Schachkampfes zu übersehen und ebenso verborgene Möglichkeiten sichtbar zu machen. Die zwei Autoren weisen darauf hin, daß sie ihre Kommentare zu allen vierzehn Partien jeweils um Varianten aus früher von beiden Kontrahenten ausgetragenen Spielen ergänzen, wobei sie sich allerdings auf den Zeitraum der letzten 2 Jahre konzentrieren. Konikowski / Bekemann verfolgen hiermit zwei Ziele: Einerseits wollen sie die Beiträge beider Weltklasseschachspieler zur Entwicklung der Eröffnungstheorie würdigen, andererseits möchten sie dem Leser / der Leserin ebenfalls Hinweise geben, welche ihm / ihr einen Einblick in den jeweiligen Stand der Theorie eröffnen und auf diese Weise Repertoireempfehlungen geben. Die Erklärungen der Partieanalysen hätten meiner Meinung nach ausführlicher sein können, denn dann wären die Pläne / die Konzepte / die Ideen, die hinter einem einzelnen speziellen Zug von Dommaraju Gukesh oder Ding Liren stehen, für die Leser / die Leserinnen noch besser nachvollziehbar. Wer bereit ist, sich mit der Schachkunst von Dommaraju Gukesh und mit der Schachkunst von Ding Liren in dem Buch „Schach-WM 2024" intensiv zu beschäftigen, der wird sich mithilfe dieser schriftlichen Publikation, in die unterschiedlichen strategischen Perspektiven dieser beiden Spitzenspieler bis zu einem gewissen Grad hineindenken können; er wird aber vor allem einiges dazulernen, was sicher das eigene Schachspiel verbessert.
15,00 €*
























