Geilmann: Veras Vermächtnis
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Produktinformationen "Geilmann: Veras Vermächtnis"
254 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag
Rezension von Jörg Palitzsch im Januar 2026
Ulrich Geilmann widmet sich in seinem Buch „Veras Vermächtnis“ dem Leben und der Bedeutung von Vera Menchik-Stevenson, der ersten Schachweltmeisterin der Geschichte. Die Biografie zeichnet ihren Weg von der Kindheit in Russland über den Neuanfang in England über ihre internationalen Turniererfolge und ihrem Tod während des Zweiten Weltkriegs nach. Der Autor folgt auf rund 150 Seiten einer klaren chronologischen Struktur, die es erleichtert, sowohl die persönliche Entwicklung als auch die schachliche Laufbahn Menchiks nachzuvollziehen.
Neben den biografischen Stationen wird auch der historische Kontext ausführlich berücksichtigt, ergänzt durch unzählige Fotos. Geilmann stellt dar, unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen Menchik aufwuchs und wie ungewöhnlich ihre Karriere in einer von Männern dominierten Schachwelt war. Gleichzeitig vermeidet er eine rein symbolische Darstellung und betont stattdessen ihre spielerische Stärke und ihre konstanten Erfolge auf hohem Niveau, angereichert mit zahlreichen Diagrammen. Menchik dominierte nicht nur den Frauenschach, sondern gewann auch zahlreiche Partien gegen führende Meister ihrer Zeit. Dies wird anhand konkreter Turnierergebnisse und ausgewählter Partien belegt.
Ein wesentlicher Bestandteil des Buches ist die umfangreiche Partiensammlung, die auf 100 Seiten einen großen Raum einnimmt. Diese richtet sich vor allem an schachlich interessierte Leser mit Spielerfahrung und bleibt insgesamt gut verständlich und nachvollziehbar. Die Partien ergänzen die biografischen Kapitel und verdeutlichen die praktische Stärke Menchiks am Brett. Leser, die sich ausschließlich für die Lebensgeschichte interessieren, können diesen Abschnitte auch getrennt vom Haupttext lesen, eine kleine Aufgabensammlung führen weiter in den Stil von Vera Menchik-Stevenson ein.
Der Schreibstil ist sachlich und zurückhaltend, Geilmann verzichtet auf Dramatisierungen und konzentriert sich auf überprüfbare Fakten, was dem Buch einen dokumentarischen Charakter verleiht. Ergänzt wird die Biografie durch einen Ausblick auf den heutigen Stand des Frauenschachs, der Menchiks historische Rolle in einen größeren Zusammenhang einordnet.
Insgesamt bietet „Veras Vermächtnis“ eine fundierte und gut recherchierte Darstellung einer bedeutenden, heute weniger bekannten Schachpersönlichkeit. Das Buch eignet sich sowohl für Schachspieler, die sich für die Geschichte interessieren, als auch für Leser, die sich mit den Lebenswegen von Frauen in außergewöhnlichen gesellschaftlichen Positionen beschäftigen. Es leistet einen Beitrag dazu, Vera Menchiks Leistungen angemessen zu würdigen und sie wieder stärker ins Bewusstsein der Schachöffentlichkeit zu rücken.








