Ostern 2026 gewann Vincent Keymer das Freestyle-Open in Karlsruhe vor Magnus Carlsen und vielen weiteren Weltklassespielern. Vincent kontrollierte das Feld mit einer reifen, abgeklärten Performance. Wie war dieser Erfolg und sein kontinuierlicher Aufstieg in die Weltelite möglich? Dieser Fragestellung gehen zwei Autoren nach und beantworten sie.Matthias Krallmann analysiert Vincents Entwicklung chronologisch über einen Zeitraum von acht Jahren. Alles begann ebenfalls in Karlsruhe beim Grenke Chess Open 2018, in dem Vincent als Dreizehnjähriger ebenso glücklich wie sensationell siegte. Danach führte ihn sein Weg bis nach Samarkand in Usbekistan und Chennai in Indien, wo Vincent in der Heimatstadt von Vishy Anand seinen größten Erfolg feierte. Krallmann zeigt wiederkehrende strategische Elemente in Vincents Spielstil auf und schildert den maßgeblichen Einfluss von seinem Trainer Peter Leko.Vincents Spiel basiert auf seiner ausgezeichneten Technik, die sich in der Vorteilsverwertung und damit insbesondere im Endspiel offenbart. Dr. Karsten Müller analysiert Vincents Endspiele genau. Viele Jahre war der renommierte Endspielexperte Müller immer wieder bei Vincent zu Hause zu Gast und hat am Brett intensiv mit ihm gearbeitet. Es gibt viele Partien, in denen sich zeigt, wie sehr Vincent von diesen intensiven Trainingseinheiten profitiert hat. Die goldenen Regeln des Endspiels gelten im Freestyle-Schach ebenso wie im klassischen Schach. Deswegen analysiert Großmeister Müller in diesem Buch auch Keymers Freestyle-Partien. 219 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Andreas Wittek im Juni 2026 In dieser Publikation wird von den zwei Autoren Krallmann / Müller der „schachliche Lebensweg" des aktuell besten deutschen Schachspielers, Vincent Keymer, anhand seiner schachlichen Erfolge seit 2018 mithilfe prägnanter Partien dargestellt. Entscheidenden Einfluss auf Vincent Keymers Weg in die Weltspitze hat sein Trainer Peter Leko, der ihn seit 2017 betreut. Vincent Keymer wurde am 15. November 2004 in Mainz geboren. Er lebt heute in Wien. Aufgewachsen ist Vincent in Saulheim, einer Gemeinde mit rund 8000 Einwohnern, die südwestlich von Frankfurt am Main liegt. Vincent sorgte erstmals für Aufmerksamkeit in der Schachszene, als er 2013 und 2014 Deutscher Meister in der Altersklasse U10 wurde. Mit der deutschen U18-Nationalmannschaft gewann er 2015 und 2017 jeweils den Europameistertitel. Seinen IM-Titel errang er 2017; mit 13 Jahren wurde er damit der jüngste deutsche Internationale Meister. Vincent erzielte seine erste Großmeisternorm im Jahr 2018. Seine zweite Großmeisternorm erspielte er im Juli 2018, die dritte Großmeisternorm im Oktober 2019. Im Februar 2020 wurde ihm im Alter von 15 Jahren der Großmeistertitel verliehen. 2025 gewann Keymer das Chennai Grand Masters in der Heimatstadt von Viswanathan Anand, vor mehreren indischen Weltklassespielern. Durch diesen Turniersieg verbuchte er viele Elo-Punkte für sich und er stieg erstmals in die Top 10 der Weltrangliste auf. Seitdem hat sich Keymer in der Weltspitze etabliert. Dass er sich in den nächsten Jahren für ein Kandidatenturnier qualifizieren wird, erscheint sehr wahrscheinlich. Das Schachbuch umfasst 220 Seiten. Ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis befindet sich auf Seite 5, ein Quellenverzeichnis auf Seite 216. Mir persönlich haben die beiden Kapitel 24. „Vincent Keymer als Reflektor" (Seite 165-186) und 25. „Vincent Keymers Endspiele" (Seite 187-205) wirklich gut gefallen. Besonders die Partie Vincent Keymer (2403) vs. Gabor Papp (2604), Karlsruhe 2018, Königsindisch (E67), empfinde ich als sehr lehrreich, weil Keymer gegen einen sehr starken Großmeister einen beeindruckenden Endspielsieg erringt (Seite 168-170). Interessant ist hierbei, dass Müller diese Partie nicht allein kommentiert hat, sondern dass Keymer selbst insgesamt neun kurze Kommentareinschübe sowie vier Variantenhinweise zu dieser außergewöhnlichen Partie beigesteuert hat. Wenn ein Schachgroßmeister seine eigene Partie kommentiert, beziehungsweise mitkommentiert, erhält das Ganze eine besondere Qualität. Da die einzelnen Kapitel zum Teil sehr umfangreiche Variantenbäume zu Keymers Partien enthalten, ist dieses Druckwerk vor allem fortgeschrittenen Schachspielern und fortgeschrittenen Schachspielerinnen zu empfehlen.
Wolfgang Uhlmann, Wolfgang Unzicker u.v.a. – Spieler, die mit Leidenschaft und Können die Grundlage für das moderne deutsche Schach legten. Ein packendes Stück Zeit- und Kulturgeschichte für alle, die Schach nicht nur als Spiel auf 64 Feldern, sondern als kulturelles Gut und Sport begreifen. Bei diesem Buch arbeiten die ausgewiesenen Schachexperten und Buchautoren Dr. Karsten Müller und Ulrich Geilmann erstmals zusammen. Dabei schlägt das Werk die Brücke zwischen historischer Erzählung, Trainingsmaterial und hochklassiger Partienanalyse: Während Ulrich Geilmann die biografischen Fäden zieht, den Stil der Kommentare prägt und die Schicksale hinter den Figuren lebendig macht, liefert „Endspielpapst" Dr. Karsten Müller den tiefen fachlichen Einblick. Jedem Großmeister sind dabei drei sorgfältig ausgewählte Top-Partien gewidmet. Die Leser erwartet eine exzellente Mischung aus weltberühmten Glanzpartien der Schachgeschichte und bisher wenig beachteten Perlen, die hier erstmals im Detail gewürdigt werden. Abgerundet wird diese Zeitreise durch eine Fülle an Bildmaterial: Zahlreiche historische Fotos und seltene Autogramm-Abbildungen lassen die Atmosphäre der damaligen Turniersäle wieder aufleben und machen das Buch zu einem unverzichtbaren Schatz für Sammler und Liebhaber der deutschen Schachhistorie. 210 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Andreas Wittek im Juni 2026 Die beiden Autoren Müller / Geilmann widmen sich mit ihrem Buch den „deutschen Großmeistern", die vor 1950 geboren und unter schwierigen historischen Konstellationen zu den Trägern einer neuen deutschen Schachära, zum einen in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und zum anderen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), wurden. Folgende „deutsche Großmeister" werden der Reihe nach vorgestellt: Efim Bogoljubow (*1889), Friedrich Sämisch (*1896), Wolfgang Unzicker (*1925), Lothar Schmid (*1928), Wolfgang Pietzsch (*1930), Klaus Viktor Darga (*1934), Wolfgang Uhlmann (*1935), Burkhard Malich (*1936), Hans Joachim Hecht (*1939), Helmut Pfleger (*1943), Vlastimil Hort (*1944), Nikolai Shalnev (*1944), Lev Gutman (*1945), Mikhail Tseitlin (*1947), Robert Hübner (*1948), Lutz Espig (*1949). Müller / Geilmann haben ebenso die Meisterspieler berücksichtigt, welche nicht in Deutschland geboren wurden, jedoch irgendwann in ihrem Leben deutsche Staatsbürger geworden sind. Der Text dieser besonderen „Deutschen Schachhistorie" hat einem Umfang von 209 Seiten. Ein Inhaltsverzeichnis befindet sich auf der Seite fünf, ein Vorwort auf den Seiten sechs und sieben, ein detailliertes Quellenverzeichnis auf den Seiten zweihundertsieben bis zweihundertneun. Neben den zahlreichen Fotos enthalten fast alle dieser sechzehn Kurzbiographien eingescannte Originalunterschriften der „deutschen Schachmeister", was dem Ganzen einen schönen persönlichen Charakter vermittelt. Eine gute, einsehbare Übersicht, welche die zwei schachlichen Kontrahenten benennt, die jeweilige Eröffnung, Ort + Jahr des Wettkampfgeschehens, sowie die dazugehörige Seitenzahl im Buch, steht auf den Seiten zweihundertvier und zweihundertfünf niedergeschrieben. Eine im gleichen Stil erstellte Übersicht bezüglich der Endspiele ist auf der Seite zweihundertsechs zu finden. Das vorliegende Druckwerk enthält zweiundfünfzig Partien samt zwölf Endspielanalysen aus der Turnierpraxis von Robert Hübner und Vlastimil Hort, die jeweils mit QR-Codes versehen sind. Dies bietet allen schachintertessierten Lesern / Leserinnen eine praktische Alternative, sowohl die Schachpartien als auch die Endspiele mit einem Smartphone nachzuspielen, zu analysieren oder mit Freunden gemeinsam anzusehen, indem über die einzelnen speziellen QR-Codes eine Verbindung zum Internet hergestellt wird. Die schachlichen Kommentare von Müller / Geilmann sind meines Erachtens gut nachvollziehbar geschrieben und enthalten mitunter einen köstlichen, pointierten Humor. Selbstverständlich können die kurzen, biografischen Darstellungen den schachinteressierten Lesern / den Leserinnen nur einen schmalen Einblick zu der jeweiligen Person liefern. Aber wer sich die entsprechenden Kapitel zu den „deutschen Großmeistern" aufmerksam anschaut, erhält zumindest einen guten, ersten Eindruck von dem Leben und Wirken der „Alten Garde". Die schachlichen Schlaglichter auf die „deutschen Großmeister", wie beispielsweise Efim Bogoljubow, Lothar Schmid, Wolfgang Uhlmann, Helmut Pfleger, Vlastimil Hort, Lev Gutman, Robert Hübner haben mich inhaltlich angenehm angesprochen und in mir den Entschluß reifen lassen, daß ich mich mit diesen schachlichen Persönlichkeiten in den nächsten Wochen / den nächsten Monaten näher beschäftigen werde. Rezension von Jörg Palitzsch im Mai 2026 Mit „Die Alte Garde“ legen die renommierten Schachautoren Karsten Müller und Ulrich Geilmann ein außergewöhnliches Werk zur deutschen Schachgeschichte vor. Das Buch verbindet biografische Porträts bedeutender deutscher Großmeister mit sorgfältig ausgewählten und kommentierten Partien – und schafft damit weit mehr als eine bloße Sammlung historischer Schachpartien. Bereits das Vorwort macht deutlich, dass es den Autoren nicht allein um schachliche Leistungen geht. Die dargestellten Meister werden als Persönlichkeiten ihrer Zeit gezeigt – geprägt von Krieg, Teilung Deutschlands und gesellschaftlichen Umbrüchen. Dadurch erhält das Buch eine kulturelle und historische Tiefe, die über klassische Schachliteratur hinausgeht. Im Mittelpunkt stehen Größen wie Wolfgang Uhlmann, Wolfgang Unzicker, Robert Hübner oder Efim Bogoljubow. Jeder Spieler erhält ein eigenes Kapitel, in dem persönliche Hintergründe, charakteristische Stilmerkmale und prägende Partien dargestellt werden. Gelungen ist dabei die Balance zwischen historischer Erzählung und schachlicher Analyse. Karsten Müller bringt seine analytische Erfahrung ein und kommentiert die Partien mit fachlicher Präzision, ohne dabei den Leser zu überfordern. Die Analysen wirken instruktiv und lebendig zugleich. Ulrich Geilmann wiederum sorgt für den erzählerischen Rahmen und macht die historischen Zusammenhänge anschaulich. Positiv hervorzuheben ist die hochwertige Gestaltung des Buches. Historische Fotografien, seltene Dokumente und Autogramme verleihen dem Werk Sammlercharakter und lassen die Atmosphäre vergangener Turnierzeiten lebendig werden. Das auffällige rote Cover unterstreicht den repräsentativen Eindruck zusätzlich. Das Buch richtet sich vor allem an Schachliebhaber mit Interesse an Schachgeschichte, eignet sich aber ebenso für ambitionierte Vereinsspieler, die aus klassischen Meisterpartien lernen möchten. Anfänger könnten von einigen Analysen zwar gefordert sein, profitieren jedoch ebenfalls von den biografischen und historischen Abschnitten.
Wer diese oder jene Eröffnung lernen will, kann unter vielen oder gar Dutzenden von Lehrbüchern auswählen. Aber wie sieht es aus, wenn man sich mit der Mittelspielstrategie vertraut machen will, die in Stellungen angewendet werden sollte, die aus genau dieser oder jener Eröffnung hervorgegangen sind? Oder anders ausgedrückt: in Stellungen, die für diese oder jene Eröffnung typisch sind. Natürlich gibt es in jedem Mittelspiel-Lehrbuch die ein oder andere Stellung, die eindeutig dieser oder jener Eröffnung zugeordnet werden kann. Allerdings ist deren Zahl verschwindend gering im Umfeld von Stellungen aus all den anderen Eröffnungen, die dort exemplarisch behandelt werden. Und somit von lauter Stellungen, deren strategische Behandlung der Leser eigentlich gar nicht erlernen will. Ist beispielsweise – so fragt der Autor durchaus begründet – die Behandlung der Themen Hängebauern und Minoritätsangriff für einen e4-Spieler nicht ebenso verzichtbar, wie sie für einen d4-Spieler unerlässlich ist? – Warum sollte ein eingefleischter Anhänger indischer Eröffnungen sich für die strategischen Feinheiten von Stellungen interessieren, die aus all diesen komplizierten Damengambit-Systemen resultieren? Und natürlich auch umgekehrt: Was kann ein Spieler mit all diesen Feinheiten indischer Stellungen anfangen, der um Fianchetto-Eröffnungen prinzipiell einen großen Bogen macht? Und genau dieses ebenso auffällige wie verblüffende Vakuum im Bereich der Mittelspiel-Literatur hat den Autor zu einem Verbesserungsversuch inspiriert: Wer beispielsweise für die 'Caro-Kann-Verteidigung' typische Mittelspielstrategie lernen will, der bekommt ein Lehr- und Übungsbuch, in dem ausschließlich Caro-Kann Mittelspiele behandelt werden. Dabei geht es allerdings in diesem Buch zunächst nur um Stellungen, die nach der Hauptvariante mit 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 entstehen – bzw. solche, die aus dieser Grundstruktur hervorgehen können. Besondere Erwähnung verdient noch, dass die 100 Übungen zwecks abwechslungsreicher und entsprechend unterhaltsamer Darbietung bestimmten Themen zugeordnet wurden – beispielsweise 'Aufstiegskandidat', 'Abstiegskandidat', 'Gewaltmaßnahme oder Drucksteigerung', 'einziger Zug' – aber auch 'Scherzartikel' und dergleichen mehr. 196 Seiten, kartoniert Joachim Beyer Verlag Rezension von Jörg Palitzsch im März 2026 In der Schachliteratur gibt es eine kaum zu überblickende Fülle an Eröffnungsbüchern. Wer etwa die Caro-Kann-Verteidigung erlernen möchte, findet zahlreiche Werke, die sich detailliert mit Zugfolgen und Varianten beschäftigen. Doch sobald es um das Mittelspiel geht – insbesondere um typische Stellungen, die aus genau dieser Eröffnung hervorgehen – wird das Angebot überraschend dünn. Genau hier setzt das vorliegende Buch an und schließt eine bemerkenswerte Lücke. Großmeister Dr. Karsten Müller verfolgt in seinem Buch „Typisch Caro-Kann“ eine ebenso einfache wie überzeugende Idee. Statt allgemeine Mittelspielkonzepte anhand beliebiger Stellungen zu erklären, konzentriert sich das Buch ausschließlich auf typische Mittelspiele aus der Caro-Kann-Verteidigung. Damit richtet es sich gezielt an Spieler, die ihre Repertoire-Eröffnung nicht nur auswendig lernen, sondern wirklich verstehen wollen. Diese Spezialisierung wirkt zunächst ungewohnt, erweist sich jedoch schnell als große Stärke. Denn klassische Mittelspiel-Lehrbücher behandeln eine Vielzahl unterschiedlichster Strukturen – viele davon sind für den jeweiligen Leser schlicht irrelevant. Warum sollte sich ein e4-Spieler intensiv mit Themen wie Hängebauern oder Minoritätsangriff beschäftigen, wenn diese vor allem in d4-Systemen vorkommen? Genau diese berechtigte Kritik greift der Autor auf. Das Herzstück des Buches bilden 100 sorgfältig ausgewählte Übungsaufgaben. Diese sind nicht nur lehrreich, sondern auch kreativ strukturiert. Kategorien wie „einziger Zug“, „Gewaltmaßnahme oder Drucksteigerung“, „Aufstiegskandidat“ oder sogar „Scherzartikel“ sorgen für Abwechslung und Motivation beim Lernen. Der Fokus liegt dabei auf Stellungen aus der Hauptvariante der Caro-Kann-Verteidigung (mit 3. Springer c3 dxe4 4.Springer xe4), wodurch eine klare thematische Linie entsteht. Dieses Buch ist ein gelungener Versuch, ein bisher vernachlässigtes Gebiet der Schachliteratur systematisch zu erschließen. Es überzeugt durch seinen klaren Fokus, seine praxisnahe Herangehensweise und die sinnvolle Verbindung von Theorie und Übung. Besonders empfehlenswert ist es für Spieler, die die Caro-Kann-Verteidigung regelmäßig spielen und ihr Mittelspielverständnis gezielt vertiefen möchten. Weniger geeignet ist es hingegen für Leser, die ein allgemeines Mittelspiel-Lehrbuch suchen.
Das Bundle beinhaltet folgende Bücher:Eröffnungen - Englische Eröffnung Band 1 SymetrievarianteEröffnungen - Englische Eröffnung Band 2 Systeme nach 1.c4 e5Eröffnungen - Englische Eröffnung Band 3 Systeme nach 1.c4 Sf6
Vera Menchik-Stevenson (1906 – 1944) war die erste Schachweltmeisterin. Sie konnte den Titel im Jahre 1927 erringen und 17 Jahre lang verteidigen. Außerdem gelang es ihr, namhafte Meisterspieler wie Max Euwe, Samuel Reshevsky, Frederick Yates, Edgar Colle, Karel Opocensky, Sir George Thomas, Akiba Rubinstein und Sultan Khan in hochklassigen Turnieren zu besiegen. Sie war insoweit die mit großem Abstand stärkste Spielerin ihrer Zeit und ist bis heute ein großes Vorbild. Heute kennen Vera, die im Alter von nur 38 Jahren einem Luftangriff auf London zum Opfer fiel, aber nur wenige Schachexperten. Dieses Buch soll hier ein wenig abhelfen. Die Biografie zeichnet die wesentlichen Stationen ihres Lebens nach und dokumentiert einige wichtige Partien. Ulrich Geilmann wurde 1963 in Essen geboren und wohnt am Niederrhein. Er ist diplomierter Raumplaner und im öffentlichen Dienst tätig. Als profunder Hobbyschachspieler, ehemaliger Schachbundesligafunktionär sowie Mitglied der Emanuel Lasker Gesellschaft kennt sich Geilmann in der Schachszene gut aus und hat inzwischen mehrere Schachbücher geschrieben. Es ist bereits das siebente Schachbuch im Joachim Beyer Verlag. 254 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Jörg Palitzsch im Januar 2026 Ulrich Geilmann widmet sich in seinem Buch „Veras Vermächtnis“ dem Leben und der Bedeutung von Vera Menchik-Stevenson, der ersten Schachweltmeisterin der Geschichte. Die Biografie zeichnet ihren Weg von der Kindheit in Russland über den Neuanfang in England über ihre internationalen Turniererfolge und ihrem Tod während des Zweiten Weltkriegs nach. Der Autor folgt auf rund 150 Seiten einer klaren chronologischen Struktur, die es erleichtert, sowohl die persönliche Entwicklung als auch die schachliche Laufbahn Menchiks nachzuvollziehen. Neben den biografischen Stationen wird auch der historische Kontext ausführlich berücksichtigt, ergänzt durch unzählige Fotos. Geilmann stellt dar, unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen Menchik aufwuchs und wie ungewöhnlich ihre Karriere in einer von Männern dominierten Schachwelt war. Gleichzeitig vermeidet er eine rein symbolische Darstellung und betont stattdessen ihre spielerische Stärke und ihre konstanten Erfolge auf hohem Niveau, angereichert mit zahlreichen Diagrammen. Menchik dominierte nicht nur den Frauenschach, sondern gewann auch zahlreiche Partien gegen führende Meister ihrer Zeit. Dies wird anhand konkreter Turnierergebnisse und ausgewählter Partien belegt. Ein wesentlicher Bestandteil des Buches ist die umfangreiche Partiensammlung, die auf 100 Seiten einen großen Raum einnimmt. Diese richtet sich vor allem an schachlich interessierte Leser mit Spielerfahrung und bleibt insgesamt gut verständlich und nachvollziehbar. Die Partien ergänzen die biografischen Kapitel und verdeutlichen die praktische Stärke Menchiks am Brett. Leser, die sich ausschließlich für die Lebensgeschichte interessieren, können diesen Abschnitte auch getrennt vom Haupttext lesen, eine kleine Aufgabensammlung führen weiter in den Stil von Vera Menchik-Stevenson ein. Der Schreibstil ist sachlich und zurückhaltend, Geilmann verzichtet auf Dramatisierungen und konzentriert sich auf überprüfbare Fakten, was dem Buch einen dokumentarischen Charakter verleiht. Ergänzt wird die Biografie durch einen Ausblick auf den heutigen Stand des Frauenschachs, der Menchiks historische Rolle in einen größeren Zusammenhang einordnet. Insgesamt bietet „Veras Vermächtnis“ eine fundierte und gut recherchierte Darstellung einer bedeutenden, heute weniger bekannten Schachpersönlichkeit. Das Buch eignet sich sowohl für Schachspieler, die sich für die Geschichte interessieren, als auch für Leser, die sich mit den Lebenswegen von Frauen in außergewöhnlichen gesellschaftlichen Positionen beschäftigen. Es leistet einen Beitrag dazu, Vera Menchiks Leistungen angemessen zu würdigen und sie wieder stärker ins Bewusstsein der Schachöffentlichkeit zu rücken.
Das Spiel der Könige, der Genies und der Tragödien Dieses Buch erzählt von Persönlichkeiten, deren Leben ebenso dramatisch war wie ihre Partien. Von Genies, die im Licht aufstiegen – und im Dunkel verschwanden. Paul Morphy, das Wunderkind, das in Einsamkeit verstummte. Harry Nelson Pillsbury, ein Stern, der früh verglühte. Bobby Fischer, der nach seinem historischen Sieg aus der Schachwelt einfach verschwand. Von Eva Moser, die viel zu früh starb. Und von vielen anderen, die nicht nur Gegner, sondern auch ihre eigenen Dämonen besiegen mussten. Politik und Geschichte prägten ihre Schicksale. Der Kalte Krieg, die Weltkriege, politische Verfolgung – sie bestimmten Karrieren und Leben. Alexander Aljechin, Viktor Kortschnoi und Michail Tal: Namen, die Schachgeschichte schrieben und zugleich Opfer ihrer Zeit wurden. Doch nicht nur Männer litten. Schachspielerinnen kämpften zusätzlich gegen Unsichtbarkeit. Ihre Talente blieben oft ungewürdigt, ihre Namen vergessen. Diskriminierung, fehlende Ressourcen und gesellschaftliche Zwänge hielten viele zurück. Dieses Buch ist keine Sammlung von Erfolgsstorys. Es ist ein Mosaik aus Schicksalen, gezeichnet von Ruhm und Leid. Es zeigt, wie verletzlich Genies sind – und wie sehr äußere Mächte ihr Leben bestimmen. Schach ist nicht nur ein Spiel. Schach ist auch ein Spiegel des menschlichen Dramas. 146 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Claudia Mocek im Februar 2026 (Erschienen in der Bietigheimer Zeitung am 24. Februar 2026) „Zerbrechliche Genies. Das Spiel der Könige, der Genies und der Tragödien“ lautet der Titel des neuen Buchs von Jörg Palitzsch. Auf 146 Seiten zeichnet der ehemalige stellvertretende BZ-Redaktionsleiter und Ingersheimer Autor die Biografien von über 45 Schach-Genies nach – vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Wilhelm Steinitz, Alexan der Aljechin und Levon Grigori: den Autor interessieren nicht nur die Siege, Titel und erfolgreichen Strategien der meist männlichen Protagonisten, die dem Leser anhand von ausgewählten Spielzügen aufzeigt. Überblicksartig rekonstruiert er deren Karriereentwicklungen vor dem Hintergrund der jeweiligen politischen und historischen Ereignisse. Psychische Belastungen Darüber hinaus interessiert er sich für die psychischen Belastungen des Schachspiels: „Schach fordert außergewöhnliche mentale Fähigkeiten, die in die Isolation oder mentale Instabilität treiben“, schreibt der Autor. Als tragische Beispiele führt er etwa Wunderkind Paul Morphy, Harry Nelson Pillsbury und Reuben Fine an. Außerdem geht Palitzsch der Frage nach, ob die geistige Anstrengung zum Beispiel beim Blindschach Geisteskrankheiten ausgelöst haben kann. Dabei spielt mindestens einer der Spieler aus dem Gedächtnis ohne das Schachbrett anzuschauen. Die Züge werden angesagt. Der Autor beschäftigt sich auch mit den stillen Heldinnen – Frauen in der Männerdomäne Schach: Ljudmila Rudenko, Vera Menchik und Eva Moser. Sie hatten nicht den gleichen Zugang zu Ressourcen wie Männer, wurden auch medial weniger wahrgenommen. „Viele Frauen in der Schachwelt wurden oft im Schatten der männlichen Spieler übersehen“, schreibt Palitzsch. Ein weiteres Hindernis seien auch die sozialen Erwartungen gewesen, gesellschaftliche Normen hätten Frauen daran gehindert, sich ganz dem Schach zu widmen. Mit seinem neuen Buch will der passionierte Schachspieler Palitzsch, nach seiner kulturgeschichtlichen Liebeserklärung ans Schach („64 Felder erobern die Welt“) und seinen 20 Kurzgeschichten (20 Antworten auf d2- d4) rund um das Spiel der Könige, zeigen, „wie zerbrechlich und verletzbar Genies sein können“. Für Jörg Palitzsch steht fest: „Schach ist nicht nur ein Spiel.“ Rezension von Stefan Liebig im Februar 2026 Zerbrechliche Genies von Jörg Palitzsch ist mehr als nur eine Sammlung von Porträts berühmter Schachspieler: Es ist eine einfühlsame und facettenreiche Auseinandersetzung mit dem oft schmalen Grat zwischen Brillanz und Tragik im Leben herausragender Talente des 64-Felder-Spiels. Der Autor versteht es, das Schachspiel in einen größeren biografischen und gesellschaftlichen Kontext zu stellen, indem er die Lebenswege von Persönlichkeiten beleuchtet, deren Karrierehöhepunkte und privaten Abgründe gleichermaßen faszinieren. Palitzsch nimmt den Leser mit auf eine Reise durch das Schach des 19., 20. und frühen 21. Jahrhunderts, indem er Geschichten von Spielern wie Paul Morphy, Harry Nelson Pillsbury oder Bobby Fischer aufblättert - Figuren, die durch ihre Partien oder ihre Persönlichkeit Legendenstatus erlangten, zugleich aber oft unter dem Druck ihrer Zeit oder inneren Konflikten litten. Ein besonderer Reiz des Werks liegt in der Spannweite der behandelten Schicksale: Von einem Wunderkind, das früh verstummt, über einen Weltmeister, der nach seinem Triumph in die Isolation ging, bis zu weniger bekannten Spielern, deren Namen im Schatten der Geschichte verblassen - Palitzsch zeigt, dass Schach nicht nur ein Spiel der Züge ist, sondern auch tief im persönlichen Drama verwurzelt sein kann. Die Kapitel sind dabei erzählerisch so aufgebaut, dass sie sowohl strategisch denkende Schachbegeisterte als auch Leser ansprechen, die weniger mit der Materie vertraut sind, aber Interesse an menschlichen Geschichten haben. Besonders gelungen ist die Balance zwischen historischem Überblick und individueller Nähe: Der Autor bietet genügend Hintergrund, um die Einflüsse politischer und gesellschaftlicher Umfelder zu verstehen, lässt dabei aber die persönlichen Emotionen und inneren Kämpfe seiner Protagonisten niemals aus dem Blick. Die Geschichten werden so nicht nur zu Anekdoten großer Partien, sondern zu Reflexionen über Genialität, Ambition, Scheitern und menschliche Verletzlichkeit Aspekte, die oft im Schatten der reinen Gewinn- oder Verluststatistik stehen. Insgesamt ist — “Zerbrechliche Genies —“ein reichhaltiges und nachdenklich stimmendes Buch, das klassischen schachhistorischen Stoff mit psychologischer Tiefe verknüpft. Es eignet sich für Leser, die neben strategischen Einsichten auch ein Verständnis für die Persönlichkeit hinter der Figur suchen, und bietet sowohl Kennern als auch neugierigen Einsteigern eine lohnenswerte Lektüre, die das Schachspiel als Spiegel menschlicher Lebenswege reflektiert.
bestehend aus: Schachfiguren 2030 im StoffsäckchenStaunton-Form, Vollkunststoff, elfenbein und schwarz, König 93 mm, mit Filz zusätzliche Dame je Farbe Schachuhr DGT1001 schwarz Schachplan faltbarbeige mit dunkelbraunen Aufdruck, mittig faltbar, Brettgröße 490 x 490 mm, Feld 55 mm, verschweißter Weich-PVC mit starker Kartoneinlage Schachlehrbuch für Kinder - Anfänger Aufkleber Schach macht Spaß Schlüsselanhänger mit Holzfigur
Endspiele mit Turm und Leichtfiguren gegen Turm und Leichtfiguren treten in der Praxis überraschend häufig auf – sogar häufiger als die klassischen reinen Turmendspiele, die lange als Königsdisziplin galten. Dennoch hat die Fachliteratur diesen komplexen und facettenreichen Konstellationen bisher nur wenig Beachtung geschenkt. Genau hier setzt dieses Werk an: Es schließt eine empfindliche Lücke und erschließt ein Gebiet, das für ambitionierte Spieler von enormer praktischer Bedeutung ist. Die Besonderheit dieser Endspiele liegt in ihrer Vielfalt. Und da verschiedene Materialkonstellationen nach jeweils eigenen Faustregeln und Plänen verlangen, werden diese systematisch herausgearbeitet, um dem Leser einen umfassenden Orientierungsrahmen zu bieten. Besonderes Augenmerk liegt auf der Unterscheidung bei der Konstellation 'Turm und Springer gegen Turm und Läufer'. Je nachdem, ob die Springer- oder die Läuferseite Vorteil hat, verlaufen diese Endspiele völlig unterschiedlich. In der Praxis erweist sich diese Differenzierung als außerordentlich nützlich, um typische Pläne, Stärken und Schwächen beider Seiten realistisch einschätzen zu können. Darüber hinaus werden auch Konstellationen mit je zwei Türmen und Leichtfiguren auf beiden Seiten behandelt. Diese Stellungen tragen oft noch deutlicheren Mittelspielcharakter, zumal das Mattpotenzial größer und die taktischen Möglichkeiten zahlreicher sind. Jedes Kapitel ist nach demselben bewährten Prinzip aufgebaut: Zunächst werden instruktive Praxisbeispiele präsentiert, die ausführlich analysiert und kommentiert sind. Im Anschluss folgen sorgfältig ausgewählte Aufgaben, mit denen das Gelernte aktiv gefestigt werden kann. Wer sich ernsthaft mit diesen Aufgaben auseinandersetzt, schult sein Verständnis für Feinheiten, die in praktischen Partien häufig den Ausschlag geben. Mit diesem Buch erhalten alle, die ihre Endspieltechnik verfeinern und entsprechende Fortschritte erzielen möchten, ein systematisches Nachschlagewerk, einen praxisnahen Trainingskurs und eine wertvolle Inspirationsquelle zugleich.192 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Uwe Bekemann im Dezember 2025 Mit diesem Werk geht der deutsche Großmeister und anerkannte Endspielexperte Karsten Müller auf die Besonderheiten der Endspiele ein, die in Konstellationen auftreten, in denen beide Seiten mit einem oder beiden Türmen und einer oder mehreren Leichtfiguren ausgestattet sind. In insgesamt 15 Kapiteln behandelt er die verschiedenen möglichen Materialverteilungen, von Turm und Läufer gegen Turm und Läufer bis Turm und zwei Läufer gegen Turm und Läufer und Springer oder auch gegen Turm und zwei Läufer. Erschienen ist dieses Spezialwerk in 2025 im Joachim Beyer Verlag. Kategorisieren möchte ich dieses Buch als Lehr-, Arbeits- und auch Übungs- bzw. Trainingsbuch. Was es für den einzelnen Leser in erster Linie ist, hängt auch von seinen eigenen schon entwickelten Fähigkeiten ab. Dieser sollte bereits über allgemeine Kenntnisse zur Endspielführung verfügen, um voll mit dem angebotenen Stoff umgehen zu können. Karsten Müller möchte eine Lücke in der Endspielliteratur füllen, denn Arbeiten wie seine, die so explizit auf die Besonderheiten der behandelten Konstellationen eingehen, gibt es in dieser Form nicht. Dies ist durchaus erstaunlich, weil diese Materialverhältnisse in der Praxis sehr oft vorkommen. Die Kapitel beginnen mit einer Darstellung der Besonderheiten des jeweiligen Endspieltyps, mit der Beschreibung strategischer Prinzipien und ggf. auch mit der Formulierung von Faustregeln, die sich der Leser einprägen kann. Müller benennt die Endspieltypen dabei teilweise auch mit Namen, die sich regelmäßig an Weltklassespielern orientieren, die besondere Fertigkeiten in deren Behandlung unter Beweis gestellt haben. Auf diese Weise schafft er auch eine Kategorisierung, die dem Leser eine gedankliche Stütze anbietet und auch eine Vergleichbarkeit von Stellungstypen herstellt. Darauf wird in der Folge verschiedentlich zurückgegriffen. Dieser Einleitung schließt sich die intensive Besprechung der Stellungen an, wobei Müller ausgewählte Beispiele aus der Meisterpraxis nutzt. Zumeist passiert dies anhand von Partiefragmenten, teilweise aber auch an vollständigen Partien, über die Müller dann auch die mögliche Entstehung des besprochenen Endspieltyps zeigen möchte. Abgeschlossen wird ein Kapitel mit dem Leser angebotenen Lösungsaufgaben. Die zu analysierende Stellung wird über ein Diagramm eingeführt, eine spezifisch formulierte Aufgabe richtet die Suche des Lesers aus. Die Lösungen sind unterschiedlich ausführlich und sind gesammelt im Anschluss an das Kapitel 15 abgebildet. Nicht selten sind es Feinheiten, die darüber entscheiden, ob eine Stellung aus einer bestimmten Materialkonstellation zum Gewinn geführt oder remis gehalten werden kann. So kann beispielsweise die Aktivität in Endspielen Turm und Springer gegen Turm und Springer entscheiden. Oder wie es in Karsten Müllers Faustregel heißt: Eine leichte Initiative wiegt schwer! Nicht zuletzt diese Feinheiten haben mich zu meiner Aussage oben bewogen, dass der Leser bereits allgemeine Endspielkenntnisse aufgebaut haben sollte, um möglichst gut von diesem Werk profitieren zu können. Beispielsweise sollte er grundlegende Aspekte einer Konstellation wie auch typische Manöver kennen und auch den Wert von Figuren relativ einschätzen können. Das schönste Beispiel für einen ausgezeichnet postierten „schlechten Springer“ habe ich auf Seite 132 im Kapitel 11 gefunden. Hier steht der Springer, ein „Riese“, auf a1, also auf einem Feld, das dem Anfänger als grundsätzlich wenig geeignetes Feld vermittelt wird, weil er von hier aus nur zwei Felder anvisiert. Im Buchbeispiel aber deckt er das immens wichtige Feld c2, nimmt damit der gegnerischen Initiative die Kraft und lässt Weiß letztendlich gewinnen. Der Leser kann sich den besprochenen Beispielen wie auch den Aufgaben auch online widmen. Er findet bei diesen jeweils einen QR-Code, über den er zum Onlinebereich von Chessbase geführt wird. Fazit: „Karsten Müller – Endspieltraining (Turm und Leichtfiguren gegen Turm und Leichtfiguren)“ ist ein ausgezeichnetes Spezialwerk zur Endspielführung in den im Titel aufgeführten Konstellationen. Je nach eigenen Fähigkeiten des Lesers ist es als Lehr-, Arbeits- und auch Übungs- bzw. Trainingsbuch einzuordnen. Rezension von Andreas Wittek im Dezember 2025 Nahezu jeder wirklich schachinteressierte Mensch im deutschsprachigen Raum kennt die außerordentlich guten Endspielbücher von Juri Lwowitsch Awerbach (1922–2022) aus dem Sportverlag Berlin der DDR. Nur nebenbei bemerkt: Der Verlag wurde 1990, nach der Wiedervereinigung Deutschlands, im Zuge der Umstrukturierungen der DDR-Medienlandschaft eingestellt. Das ist nun 35 Jahre her. Heute im Jahr 2025 gibt es nicht mehr allzu viel deutschsprachige Verlage, die sehr gute Schachbücher herausbringen. Der größte Teil der Schachliteratur wird mittlerweile in englischer Sprache veröffentlicht. Umso wichtiger erscheint mir deshalb die neuste Publikation aus dem Joachim Beyer Verlag zum Thema „Schachendspiele" von Karsten Müller, mit dem Titel „Endspieltraining – Turm und Leichtfiguren gegen Turm und Leichtfiguren". Das vorliegende Schachlehrwerk hat insgesamt 191 Seiten und ist in 15 Kapitel gegliedert. Ein Inhaltsverzeichnis befindet sich auf den beiden Seiten 5 und 6, ein Vorwort auf Seite 8 und 9, ein Lösungsteil zu einzelnen speziellen Endspielaufgaben auf den Seiten 159 bis 187, ein Quellenverzeichnis auf Seite 188. Müller weist zu Recht im Vorwort des Buches auf den Umstand hin, dass Endspiele mit Turm und Leichtfiguren gegen Turm und Leichtfiguren in der Spielpraxis erstaunlich oft auftreten. Diese sind seiner Meinung nach sogar häufiger anzutreffen, als die klassischen, reinen Turmendspiele, die jeder Schachfreund / jede Schachfreundin aus Lehrbüchern kennt und nicht selten für die Königsdisziplin hält. Eine Besonderheit in dem vorliegenden Druckwerk besteht darin, dass Müller die Kategorie „Turm und Springer gegen Turm und Läufer" noch weiter differenziert, nämlich dahingehend, ob die Seite mit dem Springer oder die Seite mit dem Läufer im Vorteil ist. Müller begründet seinen Standpunkt, indem er auf seine Erfahrungen in Trainingskursen verweist, wo sich der differenzierte Ansatz über viele Jahre hinweg bewährt hat. Dieser komplexere Ansatz ermöglicht es, typische Pläne, Stärken und Schwächen der jeweiligen Seite besser zu verstehen und die praktischen Gewinnchancen realistischer einzuschätzen. In dem elften Kapitel „Die Materialverteilung Turm + zwei Läufer gegen zwei Springer mit den Läufern im Vorteil" hat mir eine von Müller sehr ausführlich kommentierte Partie des World Cups 2007, Magnus Carlsen vs Michael Adams, Nimzowitsch-Indische Verteidigung (E36), besonders gut gefallen! Der 17-Jährige Magnus Carlsen besiegt den 36-Jährigen englischen Großmeister Michael Adams in einem ausgesprochen lehrreichen Duell, das auf den Seiten 131 bis 135 studiert werden kann.Mit jedem elektronischen Gerät, welches in der Lage ist, einen QR-Code zu scannen, lassen sich alle kommentierten Partien des Buches und jede einzelne der 55 dazu gestellten Aufgaben im Internet nachlesen / nachspielen. Das ist ganz praktisch, wenn man zu Hause ist oder beispielsweise in einem Café oder unterwegs in der Bahn oder in einem Bus. Rezension von Jörg Palitzsch im November 2025 Mit „Endspieltraining“ legt Großmeister Dr. Karsten Müller ein Werk vor, das eine seit langem bestehende Lücke in der Endspielliteratur schließt. Während klassische Turmendspiele ausführlich in Lehrbüchern behandelt werden, fristeten die komplexen Konstellationen „Turm und Leichtfigur gegen Turm und Leichtfigur“ bislang ein eher stiefmütterliches Dasein – obwohl gerade diese Stellungen in der Praxis überraschend häufig vorkommen. Autor Karsten Müller, weltweit anerkannter Endspielexperte, widmet sich diesem Themenfeld und zeigt eindrucksvoll, wie reichhaltig, dynamisch und strategisch anspruchsvoll solche Endspiele sein können. Der Autor verfolgt auf 190 Seiten und in 15 Kapiteln einen systematischen Ansatz. Statt sich in zahllosen Varianten zu verlieren, formuliert Müller klare, praxistaugliche Leitlinien, die sich oft von der Konstellation „Turm + Leichtfigur“ auf „Turm + zwei Leichtfiguren“ übertragen lassen. Eine interessante und in der Ausbildung äußerst hilfreiche Differenzierung betrifft die Endspiele „Turm und Springer gegen Turm und Läufer“: Müller behandelt diese getrennt danach, welche Seite Vorteile anstrebt. Dieser Ansatz wirkt zunächst ungewöhnlich, erweist sich jedoch als äußerst lehrreich, da er typische Pläne, Motive und Gewinnwege beider Seiten klar herausarbeitet. Auch schwierigere Konstellationen mit Türmen auf beiden Seiten werden behandelt – ein Bereich, der häufig noch eine mittelspielartige Komplexität besitzt und im praktischen Spiel entscheidend sein kann. Das Buch überzeugt zudem durch seine didaktische Struktur, also den systematischen Aufbau einer Unterrichtseinheit in Phasen, um die Lernziele zu erreichen. Jedes Kapitel beginnt mit sorgfältig ausgewählten Praxisbeispielen, die ausführlich analysiert werden. Anschließend folgen Trainingsaufgaben, die zum eigenständigen Denken und Verinnerlichen der Ideen anregen. Müller betont zu Recht, dass wahre Verbesserung nicht durch passives Lesen, sondern durch aktives Lösen entsteht. Die Beispiel-Partien führen den Leser in die Endspielwelt von Casablanca, von Carlsen, Fischer und vielen mehr, ohne die Materialverteilung und Vorteile aus den Augen zu verlieren. Dadurch weitet sich die Handhabung des Buches vom Nachschlagewerk zum Trainingskurs mit viel Praxis bis hin zu einer Quelle voller Inspiration. Selbstverständlich versehen mit QR-Codes, die zum Lesen auf dem Smartphone inzwischen zum Standard eines guten Schachbuches gehören. So gibt Müllers „Endspieltraining“ weit mehr als einen oberflächlichen Überblick, sondern ist profundes Arbeitsbuch für ernsthafte Schachspieler, die ihr Endspielverständnis vertiefen möchten. Das Werk überzeugt sowohl durch inhaltliche Tiefe als auch durch klare, praxisorientierte Didaktik. Ein unverzichtbarer Begleiter für alle, die Endspiele nicht nur überleben, sondern auch gewinnen wollen.
Die Eröffnung 1.d4 Sf6 2.f3!? gründet auf der Idee, nach den weiteren Zügen 2... d5 3.e4 dxe4 4.Sc3 die Grundstellung des Blackmar-Diemer-Gambits zu erreichen, wie sie normalerweise aus der Zugfolge 1.d4 d5 2.e4!? dxe4 3.Sc3 Sf6 4.f3 entsteht. Obwohl diese Spielweise nicht neu ist, findet sich bis heute keine systematische Darstellung der Varianten, die sich ergeben, wenn Schwarz nicht mit 2... d5 oder 3... dxe4 fortsetzt. Zwar können einige dieser Varianten auch über halboffene Spiele wie die Pirc-Verteidigung erreicht werden, doch der Großteil der möglichen Verteidigungen stellt in theoretischer Hinsicht weitgehend Neuland dar. Diese Lücke will die vorliegende Arbeit schließen. Darüber hinaus werden die bekannten Abspiele des Blackmar-Diemer-Gambits auf Grundlage des aktuellen Standes der Theorie einer kritischen Prüfung unterzogen und hier auch einige Neuerungen vorgeschlagen. Das Buch besteht aus vier Teilen. Während sich der I. Teil anderen Antworten auf 1.d4 Sf6 2.f3!? als 2... d5 widmet, werden im II. Teil die schwarzen Möglichkeiten betrachtet, nach 2... d5 3.e4 dem Übergang ins Blackmar-Diemer-Gambit, den das Schlagen auf e4 zur Folge hätte, aus dem Weg zu gehen. Teil III behandelt dann die verschiedenen Ablehnungen des Blackmar-Diemer-Gambits nach 3... dxe4 4.Sc3, Teil IV seine Annahme durch 4... exf3 5.Sxf3. Um das Bild zu vervollständigen, werden in einem Nachtrag zum klassischen Eingang ins Blackmar-Diemer-Gambit mit 1.d4 d5 2.e4!? dxe4 noch die Varianten vorgestellt, die nicht in die Grundstellung nach 3.Sc3 Sf6 4.f3 führen. Neben dem ursprünglichen Blackmar-Gambit 3.f3?! ist hier vor allem das Lemberger Gegengambit 3.Sc3 e5!? zu nennen, das aufgrund seiner Bedeutung eine genauere Darstellung verdient. Abschließend erfährt Ignatz von Popiels Polnischer Angriff mit 3.Sc3 Sf6 4.Lg5, der Emil Josef Diemer einst zu seiner eigenen Spielweise mit 4.f3 inspirierte, die ihm gebührende Würdigung. 397 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Uwe Bekemann im August 2025 Was kann der passionierte Freund des Blackmar-Diemer-Gambits (BDG) spielen, wenn der die schwarzen Steine führende Gegner sich anschickt, durch die Wahl von 1…Sf6 zum Spielverderber zu werden? Das BDG kommt standardmäßig über die Zugfolge 1. d4 d5 2. e4 dxe4 3. Sc3 Sf6 4. f3 exf3 auf das Brett. Nach 1…Sf6 scheint diese Entwicklung erst mal vom Tisch zu sein. Wenn Weiß der damit ausgesprochenen Einladung zum Beispiel in eines der indischen Systeme folgt, kommt es zu Stellungen, die wenig mit den Charaktereigenschaften jener im BDG gemein haben. Also warum nicht mit 2.f3 antworten, um die Möglichkeit des Übergangs ins BDG weiterleben zu lassen, hat sich David Egner gefragt, und sich daraufhin in eine tiefe Untersuchung und Erprobung seiner Ideen und Erkenntnisse begeben. Diese hat er im 2025 im Joachim Beyer Verlag erschienenen Buch „Neue Wege im Blackmar-Diemer-Gambit“ aufbereitet. Mit ihm betritt er Neuland; soweit er sich mit Entwicklungen außerhalb der schwarzen Fortsetzungen 2…d5 oder 3…dxc4 mit Übergang ins BDG befasst, schließt er eine Lücke, denn es ist kein Vorgängerwerk bekannt, in dem eine systematische Behandlung der dann entstehenden Varianten erfolgt ist. In seiner Grundstruktur ist das Buch in 4 Teile gegliedert. Teil 1 befasst sich mit den Zügen abweichend von 2…d5. Im Teil 2 behandelt Egner die Folgen, wenn Schwarz nach 2…d5 3.e4 den Übergang ins BDG verweigert, indem er abweichend von 3…dxe4 antwortet. Der 3. Teil widmet sich der Möglichkeit, dass Schwarz nach dem Erreichen der Grundstellung des BDG das Weiterschlagen auf f3 verweigert, um den erlangten Mehrbauern unter günstigen Umständen gleich wieder zurückzugeben. Zuvor betrachtet der Autor noch kurz die Möglichkeit, dass Weiß auf 4.Sc3 verzichtet. Teil 4 behandelt die Annahme des Gambits mit 4…exf3 und dann 5.Sxf3. Im Anschluss an diese vier Teile geht der Autor in einem Nachtrag auf die Geschichte des BDG ein, wobei er auch mögliche Übergänge in andere Eröffnungssysteme behandelt und sich zudem mit einer gewissen Ausführlichkeit mit dem Lemberger Gegengambit 3…e5 und dem Polnischen Angriff mit 3…Sf6 4.Lg5 befasst. Zum Inhalt resümierend ist festzuhalten, dass der Leser mit „Neue Wege im Blackmar-Diemer-Gambit“ gleich zwei bemerkenswerte systematische Darstellungen zur Eröffnungstheorie zum BDG erhält. Dies ist einerseits der Komplex hat 1.d4 Sf6 2.f3, für den es bisher keine vergleichbare Veröffentlichung gab. Andererseits ist dies eine aktuelle und umfassende Erörterung der Theorie des BDG, bekannter Ablehnungen des Gambits sowie früher Abweichungen. Und mit 2.f3 auf 1.d4.Sf6 erhält er eine sicher manchen Gegner überraschende Fortsetzung an die Hand, deren Folgen er selbst auf der Basis einer guten Vorbereitung mittels des vorliegenden Buches versiert wird behandeln können, während so mancher Gegenüber nicht selten vom zweiten Zug an auf sich selbst gestellt sein wird, und dies womöglich in den Gefilden des scharfen BDG. Egner gibt an, dass er vor mehr als 15 Jahren begonnen hat, sich mit dem BDG zu beschäftigen, und dass es ihn von Beginn an fasziniert hat. Praktisch erproben konnte er es auch in Bolivien, wo er von 2008 bis 2011 gelebt hat. Sein Werk basiert auf eigenen Untersuchungen, praktischen Erfahrungen, früheren Veröffentlichungen anderer Autoren sowie Computeranalysen, und somit einer breiten Grundlage. Er schreibt in einem Mix aus Text und Varianten. Die Varianten nehmen einen breiten Raum ein, ohne aber die Darstellung zu dominieren. Für mich ist der Mix angesichts der Art dieses Werkes gut gelungen. Die Verwendung von Computervarianten ist nicht gleichbedeutend mit der schlichten Übernahme dieser Rechenergebnisse durch den Autor, worauf er explizit hinweist. Oft genug weicht die aufgenommene Empfehlung von der zunächst von der Engine als angeblich beste Fortsetzung ab. Die Bewertung durch die Brille des Spielers/Autors wurde nicht durch die Engines „überschrieben“, sondern führte demnach auch immer wieder zu Neubewertungen eben auch durch die Maschine. Für mich hat „Neue Wege im Blackmar-Diemer-Gambit“ das Zeug zu einem neuen Standardwerk. Das Buch behandelt ein Spektrum, das sich auf alles im und um das BDG herum bezieht. Es stellt die Theorie, auch soweit die Wege früher schon von anderen behandelt worden sind, auf eine aktuelle Stufe. Dies wird auch anhand von einigen Neuerungen deutlich, die der Autor anbietet. Egner geht nicht davon aus, dass seine Bewertungen und Empfehlungen immer der Weisheit letzter Schluss sind, aber dies ist für mich selbstverständlich. Die Diskussionen um das BDG werden weitergehen, vielleicht auch neue Fahrt aufnehmen. Wer sich erstmals mit dem BDG befassen möchte ist mit der Wahl dieses Buches sehr gut ausgerüstet. Wer schon zu den passionierten Anhängern des Gambits zählt, erhält ein bemerkenswertes Update. Und wer das BDG über den Weg 1.d4 Sf6 2.f3 auf das Brett bekommen möchte, bekommt eine systematische Darstellung der Möglichkeiten und Folgen dazu. Ein Variantenverzeichnis und ein Quellenverzeichnis auf den letzten Buchseiten runden das durchweg gelungene Werk ab. Fazit: Für mich ist „Neue Wege im Blackmar-Diemer-Gambit“ eine klare Kaufempfehlung. Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schachversand Ullrich (www.schachversand-ullrich.de) zur Verfügung gestellt. Rezension von Jörg Palitzsch im April 2025 Einmal in Verruf geraten wird eine Eröffnung nur selten wieder den Weg zurück in die segenreichen Gefilde der Akzeptanz finden. Dies gilt im Besonderen für das Blackmar-Diemer-Gambit, das allzu romantisch und wild anmutet und einen Bauern für ein lediglich ungefähres Ziel opfert. Seine Anhängerschaft hält dennoch seit Jahrzehnten an diesem forschen Vorgehen fest, hatte doch der Vordenker dieses Gambits Emil Josef Diemer mit seiner Maxime, "vom ersten Zug an auf Matt" zu gehen, bereits früh erklärt, dass der direkte Königsangriff die Investition eines Bauern auf jeden Fall aufwiegen würde. Nun, das Königsgambit hatte im 19. Jahrhundert einen ähnlichen Anspruch erhoben und für eine lange Ära der Kombinationssiege die Turnierhallen mit seinem Geist beherrscht, bis Analytiker der Gegenseite all die Tropfen Gifts darin neutralisierten. Lediglich die positionelle Anwendung des Bauernopfers wird heutzutage noch als legitim erachtet. Beim Blackmar-Diemer-Gambit fehlten und fehlen jedoch die Meister und Verfechter auf höchster Ebene, wie sie das Königsgambit in seiner Blütezeit vorweisen konnte. Hinzu kam beim Blackmar-Diemer-Gambit, dass die analytische Beweisführung in der Fachliteratur den Fauxpas beging, Turnierpartien aufzuzeigen, die zum großen Teil unter Amateuren gespielt wurden, wobei sich Schwarz etliche eklatante Fehlzüge leistete und so quasi ins offene Messer des Blackmar-Diemer-Gambits lief. Bei besserer Verteidigung wäre diese Klinge wohl stumpf und unbrauchbar geblieben. So einfach lässt sich einerseits der Wert und die Anwendbarkeit eines Gambits nicht belegen, aber andererseits auch nicht ein abschließendes Urteil über ein System fällen, das immerhin unter starken Klubspielern hohen Zuspruch genießt. Ein weiterer Makel im Blackmar-Diemer-Gambit war seine eher lückenhafte Systematisierung, was den Standards für eine Theoriebildung zuwiderlief. Daher sah sich David Egner berufen, "Neue Wege im Blackmar-Diemer-Gambit" zu beschreiten und unter Umgehung einiger starker Erwiderungen von Schwarz im üblichen Aufbau nunmehr mit 1.d4 Sf6 2.f3!? eine möglicherweise verbesserte Konzeption ins Gespräch zu bringen. Diese Zugfolge ist keineswegs neu und auch nicht von Egner erfunden worden. Schon früher hatte man gelegentlich so gespielt, aber der Autor legte den Fokus mehr auf ein systematisches Verzeichnis der einzelnen Varianten und machte sie so mit textlich-strategischer Untermauerung erstmals einer Überprüfbarkeit zugänglich. Egner betont ausdrücklich, dass seine Analysearbeit nicht das letzte Wort in dieser Eröffnung bedeutet, hingegen Fragen aufwirft und damit den wie Pech und Schwefel an der Eröffnung klebenden Verruf der alten Zeit kritisch untersucht und auf ein aktualisiertes Podest hebt. In seinem Urteil hat sich Egner nicht blind und voreingenommen auf die Seite des Blackmar-Diemer-Gambits geschlagen, um auf Teufel komm raus seine Brauchbarkeit zu belegen. Vielmehr hat er die kritischen Abspiele und Entgegnungen von Schwarz, welche die Kompensation für den weißen Bauern in Frage stellen, deutlich herausgearbeitet und auch nicht darauf verzichtet, die Ablehnungen des Gambits ebenso unter die Lupe zu nehmen. Es ist immer leicht zu behaupten, ein Gambit sei widerlegt, weil die Großmeister es nicht spielen. Auch das Königsgambit wurde für tot erklärt und hat später auch unter Mithilfe namhafter Großmeister eine positionelle Renaissance erfahren. Und so ist es keineswegs ausgeschlossen, dass das Blackmar-Diemer-Gambit in der von Egner aufgeworfenen Neukonzeption das selbstgefällige Urteil, ein Kuckucksei im Nest der renommierten Eröffnungen zu sein, zugunsten einer ernsthaften Überprüfung überwindet. In diesem Sinne hat David Egner mit seinem Buch ein Labor errichtet, um der Frage nachzugehen, ob auf den ersten Blick kuriose Gambiteröffnungen nicht doch das Siegel der Spielbarkeit verdienen. Rezension von Andreas Wittek im Februar 2025 Das Blackmar-Diemer-Gambit ist ein von dem US-amerikanischen Schachspieler Armand Edward Blackmar (1826–1888) erfundenes und später von Emil Joseph Diemer (1908–1990) verbessertes Gambit. Es entsteht nach den Zügen: 1. d2–d4 d7–d5 2. e2–e4 d5xe4 3. Sb1–c3 Sg8–f6 4. f2–f3 e4xf3 Dieses Gambitspiel hat weltweit eine kleine, überzeugte Schar von Anhängern. David Egner möchte mit diesem Schachbuch nicht nur zeigen, dass 1. d2–d4 Sg8–f6 2. f2–f3 „spielbar" ist, sondern ebenfalls, dass es sich seiner Meinung nach um eine durchaus vollwertige und „korrekte Eröffnung" in dem Sinne handelt, dass bei stärkster Spielweise auf beiden Seiten eine zumindest ausgeglichene Stellung entsteht, Weiß jedoch in vielen Varianten ebenso in Vorteil kommt. Egner weist explizit gleich zu Anfang seines Buches darauf hin, daß er für dieses umfangreiche Textwerk, neben der einschlägigen Schachliteratur, desgleichen ausführliche Computer-Analysen zu Rate gezogen hat. Auf Seite 5 ist ein Inhaltsverzeichnis zu dem insgesamt 398 Seiten umfassenden Schachbuch zu finden. Egner hat seine Variantensammlung in vier große Teile gegliedert. Da dieses Druckwerk zu den „Neuen Wegen im Blackmar-Diemer-Gambit" ein Buch für Fachleute ist und nicht gerade wenig Geld kostet, gebe ich in meiner Rezension den schachinteressierten Lesern / Leserinnen eine genaue Angabe zu dem Inhalt der vier Teile I bis IV, mit den jeweils vier Kapiteln zu jedem einzelnen speziellen Teil. Teil I: Andere Züge als 2...d5 1.Kapitel: 2...g6 2.Kapitel: 2...d6 3.Kapitel: 2...e6 4.Kapitel: 2...c5 Teil II: Ablehnungen des Übergangs ins Blackmar-Diemer-Gambit nach 2...d5 3.e4 1.Kapitel: 3...g6 2.Kapitel: 3...e6 3.Kapitel: 3...c5 4.Kapitel: 3...e5!? Teil III: Blackmar-Diemer-Gambit I: Ablehnungen nach 3...dxe4 4.Sc3 1.Kapitel: 4...Lf5 (Wiener Verteidigung) 2.Kapitel: 4...e6 (Französische Ablehnung) 3.Kapitel: 4...c6 (O'Kelly-Verteidigung) 4.Kapitel: 4...c5 (Brombacher-Gegengambit) Teil IV: Blackmar-Diemer-Gambit II: Annahme mit 4...exf3 5.Sxf3 1.Kapitel: 5...Lf5 (Tartakower-Verteidigung) .Kapitel: 5...Lg4 (Teichmann-Verteidigung) 3.Kapitel: 5...g6 (Bogoljubow-Verteidigung) 4.Kapitel: 5...e6 (Euwe-Verteidigung) In einem Nachtrag zu seiner detaillierten Arbeit, auf Seite 348, geht Egner noch kurz auf die „Geschichte des Blackmar-Diemer-Gambits" ein und stellt die Varianten vor, die sich aus dem ursprünglichen Eingang mit 1. d2–d4 d7–d5 2. e2–e4 d5xe4 3. Sb1–c3 ergeben, sofern sie nicht in die ab Teil III analysierten Varianten münden: Nachtrag zum klassischen Eingang ins Blackmar-Diemer-Gambit 1.d4 d5 2.e4 dxe4 3.Sc3 1. Das Lemberger Gegengambit 3...e5!? 2. Der Polnische Angriff 3...Sf6 4.Lg5 Eine von Egner formulierte Schlussbetrachtung ist auf den vier Seiten 383 bis 386 zu finden. Wichtig erscheint mir in diesem Textabschnitt folgende klare Aussage von Egner (Zitat): „(...) Als eine Art „Gebrauchsanweisung" zu dem vorliegenden Buch empfehle ich daher jedem Spieler, der die Eröffnung 1.d4 Sf6 2.f3!? erlernen will, sich mit den hier präsentierten Varianten nur so weit vertraut zu machen, um in etwa zu wissen, was man auf die verschiedenen schwarzen Verteidigungen am besten antwortet (dafür dient auch das Fazit an Ende des jedes Kapitels), und dann zunächst in der Praxis seine eigenen Erfahrungen mit dieser Eröffnung zu sammeln. (...)" (Seite 385, Egner) Egner fügt am Ende seines Buches einen Anhang in spanischer Sprache von Seite 387 bis 391 hinzu. Auf den beiden Seiten 392 / 393 sind die von Egner angeführten Partien, mit Namen der beiden Kontrahenten, Ort des Wettkampfes, Jahreszahl und entsprechender Angabe der Seitenzahl im Buch. Die von Egner verwendete „Literatur und Datenbanken" stehen auf den Seiten 394 und 395. Ein „Verzeichnis der Varianten" befindet sich auf den drei Seiten 396, 397, 398. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mit dieser Publikation aus dem Joachim Beyer Verlag ein Autor eine Möglichkeit bekommen hat, ein umfangreiches Buchprojekt zu realisieren, welches von einem sehr idealistischen schachlichen Ansatz getragen wird. Ich wünsche David Egner viel Erfolg, so dass er mithilfe der Rückmeldungen von engagierten Lesern / Leserinnen seinen schachlichen Ansatz auf der Basis des „Blackmar-Diemer-Gambits" etablieren, ja möglicherweise sogar noch ausbauen kann. Rezension von Jörg Palitzsch im Februar 2025 Das Blackmar-Diemer-Gambit (BDG) ist besonders beliebt bei taktisch starken Spielern in Blitz- und Schnellschachpartien. Es ist eine mutige Wahl für Spieler, die ein aktives und kämpferisches Schach bevorzugen. Die Vorteile: Weiß bringt schnell Figuren ins Spiel, dazu gibt es viele Tricks und Fallen für Schwarz. In seinem 395-seitigen Buch „Neue Wege im Blackmar-Diemer-Gambit“ blättert David Egner, der sich selbst als „unverbesserlichen Schach-Romantiker“ bezeichnet, diese Eröffnung in all ihren Varianten auf. Sehr schnell sei die Frage aufgetaucht, wie man auch nach 1.d4 Sf6 durch Zugumstellung Varianten des BDG erreichen kann, wie sie normalerweise nach 1.d4 d5 2.e4 dxe4 3.Sc3 Sf6 4.f3 entstehen. Grundsätzlich, so Egner, stehen drei Wege offen: entweder über die Zugfolge 2.Sc3 d5 und nun 3.e4 dxe4 4.f3 oder 3.f3 nebst 4.e4, oder mittels 2.f3 d5 3.e4 dxe4 4.Sc3. All diese Wege werden mit rund 60 Partien, die von 1931, Aljechin gegen Nimzowitsch, bis ins Jahr 1988, Velimirovic gegen Bellon Lopez, reichen. Dazu kommen Erläuterungen mit zahlreichen Varianten, Kommentaren und Diagrammen. Oft gehe die BDG-Eröffnung in bekannte Varianten halboffener Spiele über, doch auch die eigenständigen Varianten haben meist einen halboffenen Charakter, so der Autor. Insofern eigne sich diese Eröffnung mehr für Spieler, die gewöhnlich mit 1.e4 eröffnen, da ihnen viele Varianten und Stellungen direkt vertraut sein werden. Gegenüber 1.e4 habe 1.d4 mit erst später folgendem e4 jedoch den Vorteil, dass sowohl den offenen Spielen als auch den unzähligen Varianten der Sizilianischen Verteidigung aus dem Wege gegangen werden könne. „Ich will mit diesem Buch nicht nur zeigen, dass 1.d4 Sf6 2.f3 spielbar ist, sondern auch, dass es sich hier um eine durchaus vollwertige und korrekte Eröffnung in dem Sinne handelt, dass bei stärkster Spielweise auf beiden Seiten eine zumindest ausgeglichene Stellung entsteht, Weiß aber in vielen Varianten auch in Vorteil kommt“, schreibt Egner in seinem Vorwort. Er selbst lebte von 2008 bis 2011 in Bolivien wo er bei den Spielern der Asociación Departamental de Ajedrez de La Paz bei den wöchentlich veranstalteten Blitzturnieren in ihrem Spiellokal das Blackmar-Diemer-Gambit testen konnte. Bei allem ist „Neue Wege im Blackmar-Diemer-Gambit“ kein einfaches Lehr-Buch. Es braucht Erfahrung und vor allem den Willen, sich mit dieser ungewöhnlichen Eröffnung längere Zeit auseinanderzusetzen. Wagt man sich allerdings in dieses von David Egner erforschte Neuland, lassen sich in der Spielpraxis überraschende Spielzüge auf das Brett zaubern.
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