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Historisches Buchcover mit Frau am Schachbrett
Geilmann: Veras Vermächtnis
Vera Menchik-Stevenson (1906 – 1944) war die erste Schachweltmeisterin. Sie konnte den Titel im Jahre 1927 erringen und 17 Jahre lang verteidigen. Außerdem gelang es ihr, namhafte Meisterspieler wie Max Euwe, Samuel Reshevsky, Frederick Yates, Edgar Colle, Karel Opocensky, Sir George Thomas, Akiba Rubinstein und Sultan Khan in hochklassigen Turnieren zu besiegen. Sie war insoweit die mit großem Abstand stärkste Spielerin ihrer Zeit und ist bis heute ein großes Vorbild. Heute kennen Vera, die im Alter von nur 38 Jahren einem Luftangriff auf London zum Opfer fiel, aber nur wenige Schachexperten. Dieses Buch soll hier ein wenig abhelfen. Die Biografie zeichnet die wesentlichen Stationen ihres Lebens nach und dokumentiert einige wichtige Partien.   Ulrich Geilmann wurde 1963 in Essen geboren und wohnt am Niederrhein. Er ist diplomierter Raumplaner und im öffentlichen Dienst tätig. Als profunder Hobbyschachspieler, ehemaliger Schachbundesligafunktionär sowie Mitglied der Emanuel Lasker Gesellschaft kennt sich Geilmann in der Schachszene gut aus und hat inzwischen mehrere Schachbücher geschrieben. Es ist bereits das siebente Schachbuch im Joachim Beyer Verlag. 254 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Jörg Palitzsch im Januar 2026 Ulrich Geilmann widmet sich in seinem Buch „Veras Vermächtnis“ dem Leben und der Bedeutung von Vera Menchik-Stevenson, der ersten Schachweltmeisterin der Geschichte. Die Biografie zeichnet ihren Weg von der Kindheit in Russland über den Neuanfang in England über ihre internationalen Turniererfolge und ihrem Tod während des Zweiten Weltkriegs nach. Der Autor folgt auf rund 150 Seiten einer klaren chronologischen Struktur, die es erleichtert, sowohl die persönliche Entwicklung als auch die schachliche Laufbahn Menchiks nachzuvollziehen. Neben den biografischen Stationen wird auch der historische Kontext ausführlich berücksichtigt, ergänzt durch unzählige Fotos. Geilmann stellt dar, unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen Menchik aufwuchs und wie ungewöhnlich ihre Karriere in einer von Männern dominierten Schachwelt war. Gleichzeitig vermeidet er eine rein symbolische Darstellung und betont stattdessen ihre spielerische Stärke und ihre konstanten Erfolge auf hohem Niveau, angereichert mit zahlreichen Diagrammen. Menchik dominierte nicht nur den Frauenschach, sondern gewann auch zahlreiche Partien gegen führende Meister ihrer Zeit. Dies wird anhand konkreter Turnierergebnisse und ausgewählter Partien belegt. Ein wesentlicher Bestandteil des Buches ist die umfangreiche Partiensammlung, die auf 100 Seiten einen großen Raum einnimmt. Diese richtet sich vor allem an schachlich interessierte Leser mit Spielerfahrung und bleibt insgesamt gut verständlich und nachvollziehbar. Die Partien ergänzen die biografischen Kapitel und verdeutlichen die praktische Stärke Menchiks am Brett. Leser, die sich ausschließlich für die Lebensgeschichte interessieren, können diesen Abschnitte auch getrennt vom Haupttext lesen, eine kleine Aufgabensammlung führen weiter in den Stil von Vera Menchik-Stevenson ein. Der Schreibstil ist sachlich und zurückhaltend, Geilmann verzichtet auf Dramatisierungen und konzentriert sich auf überprüfbare Fakten, was dem Buch einen dokumentarischen Charakter verleiht. Ergänzt wird die Biografie durch einen Ausblick auf den heutigen Stand des Frauenschachs, der Menchiks historische Rolle in einen größeren Zusammenhang einordnet. Insgesamt bietet „Veras Vermächtnis“ eine fundierte und gut recherchierte Darstellung einer bedeutenden, heute weniger bekannten Schachpersönlichkeit. Das Buch eignet sich sowohl für Schachspieler, die sich für die Geschichte interessieren, als auch für Leser, die sich mit den Lebenswegen von Frauen in außergewöhnlichen gesellschaftlichen Positionen beschäftigen. Es leistet einen Beitrag dazu, Vera Menchiks Leistungen angemessen zu würdigen und sie wieder stärker ins Bewusstsein der Schachöffentlichkeit zu rücken.

27,80 €*
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Weißer Schachkönig auf Brett vor Buchcover
Palitzsch: Zerbrechliche Genies
Das Spiel der Könige, der Genies und der Tragödien Dieses Buch erzählt von Persönlichkeiten, deren Leben ebenso dramatisch war wie ihre Partien. Von Genies, die im Licht aufstiegen – und im Dunkel verschwanden. Paul Morphy, das Wunderkind, das in Einsamkeit verstummte. Harry Nelson Pillsbury, ein Stern, der früh verglühte. Bobby Fischer, der nach seinem historischen Sieg aus der Schachwelt einfach verschwand. Von Eva Moser, die viel zu früh starb. Und von vielen anderen, die nicht nur Gegner, sondern auch ihre eigenen Dämonen besiegen mussten. Politik und Geschichte prägten ihre Schicksale. Der Kalte Krieg, die Weltkriege, politische Verfolgung – sie bestimmten Karrieren und Leben. Alexander Aljechin, Viktor Kortschnoi und Michail Tal: Namen, die Schachgeschichte schrieben und zugleich Opfer ihrer Zeit wurden. Doch nicht nur Männer litten. Schachspielerinnen kämpften zusätzlich gegen Unsichtbarkeit. Ihre Talente blieben oft ungewürdigt, ihre Namen vergessen. Diskriminierung, fehlende Ressourcen und gesellschaftliche Zwänge hielten viele zurück. Dieses Buch ist keine Sammlung von Erfolgsstorys. Es ist ein Mosaik aus Schicksalen, gezeichnet von Ruhm und Leid. Es zeigt, wie verletzlich Genies sind – und wie sehr äußere Mächte ihr Leben bestimmen. Schach ist nicht nur ein Spiel. Schach ist auch ein Spiegel des menschlichen Dramas.146 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag

22,80 €*
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Porträt eines nachdenklichen Schachspielers, Schachfiguren
Krallmann & Müller: Europameister Matthias Blübaum
Sein Weg zum Kandidatenturnier Matthias Blübaums Erfolge wirken wie eine Sensation. Er wird nur drei Jahre nach seinem ersten Titelgewinn zum zweiten Mal Europameister. Als großer Außenseiter startete er beim „Fide Grand Swiss", besiegte Spieler der Weltelite und qualifizierte sich fürs Kandidatenturnier. Wo liegt das Geheimnis seines phänomenalen Aufstiegs? Dieser Frage gehen die Autoren Matthias Krallmann und Karsten Müller nach. Endspielspezialist Karsten Müller untersucht Blübaums ausgefeilte Endspieltechnik. Und sein früherer Trainer, Matthias Krallmann, analysiert Veränderungen in seinem Eröffnungsrepertoire und in neuen strategischen Motiven, mit denen Blübaum in den letzten Jahren viele Partien gewonnen hat. Versuchen Sie selbst, die kleinen Kombinationen zu entdecken, mit denen Blübaum seine Gegner besiegt. Beim Kandidatenturnier im Frühjahr 2026 geht er als dritter deutscher Spieler überhaupt an den Start. Vor ihm hatten es nur die inzwischen verstorbenen Legenden Wolfgang Uhlmann (1971) und Robert Hübner (1971, 1980, 1983 und 1991) geschafft, diese Qualifikation zu schaffen. Man darf gespannt sein, wie die Reise von Matthias Blübaum weitergehen wird.   144 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Andreas Wittek im Dezember 2025 Dieses Schachlehrwerk umfasst 143 Seiten und ist in 18 Kapitel gegliedert. Ein Inhaltsverzeichnis befindet sich auf Seite 5, eine ausführliche Zeichenerklärung auf Seite 6, wissenswerte Informationen über die beiden Autoren Matthias Krallmann und Karsten Müller sind auf den Seiten 141 bis 143 einsehbar. Das erste Kapitel „Metamorphosen" gestaltet sich im Stil eines einleitenden Vorworts und beschreibt die wesentlichen Veränderungen der Lebenssituation von Matthias Blübaum seit dem Jahr 2022. Ein erstes Buch über seine Schachkarriere mit dem Titel „Schachtraining mit Matthias Blübaum – Sein Weg zum Europameistertitel" ist zu dieser Zeit erschienen. Nach dem Europameistertitel im Frühling 2022 sowie einem Master-Abschluss in Mathematik an der Universität Bielefeld im Sommer 2022 hat Blübaum sich dazu entschieden, vorläufig einige Jahre als ein Schachprofi zu leben. Spätestens mit dem Gewinn des zweiten Europameistertitels im Jahr 2025 ist deutlich geworden, dass dies die richtige Entscheidung war. Auf der Homepage des Deutschen Schachbundes ist für den Dezember 2025 folgendes zu lesen: 1. GM Vincent Keymer 2776 Elo-Punkte 2. GM Matthias Bluebaum 2679 Elo-Punkte 3. GM Alexander Donchenko 2661 Elo-Punkte Das heißt, Vincent Keymer ist unangefochten die deutsche Nummer 1, Matthias Blübaum die deutsche Nummer 2. Verhältnismäßig neu ist, dass Blübaum auf „Twitch" einen Teil seiner Partien selber veröffentlicht und gleichzeitig kommentiert. Dabei benutzt er den Namen „KeinSehrStarkerSpieler". Diese bewusste Untertreibung von Blübaum geht zurück auf eine Aussage von Arkadij Naiditsch, der gegen Blübaum mehrmals verloren hat, ihn als Schachspieler jedoch nicht respektiert. Die in dem Schachbuch auf den Seiten 9 bis 92 zusammengestellten Blübaum-Partien sind von Krallmann kommentiert, die auf den Seiten 93 bis 99 abgebildeten fünf Blühbaum-Endspiele von Müller. Die von Blübaum selber relativ ausführlich kommentierten zwei Partien auf den Seiten 100 bis 106 haben mir persönlich wirklich gut gefallen, weil Blübaum meines Erachtens in der Lage ist, sowohl die eigenen Gedankengänge klar darzulegen, als auch sich in die Gedankengänge des jeweiligen Gegners achtsam hineinzutasten. Vor diesem von mir geschilderten Hintergrund halte ich die ebenfalls von Blübaum mit Anmerkungen versehenen drei Partien der Europameisterschaft 2025 für absolut lesenswert, beziehungsweise, zum Nachspielen unbedingt empfohlen (Seite 115 bis Seite 124). Auf den Seiten 132 bis 140 kommentiert Krallmann sechs Partien von Blübaum, die dieser bei dem FIDE Grand Swiss 2025 in Samarkand gespielt hat. Gerade, weil Blübaum sich durch die Qualifikation für das Kandidatenturnier im Frühjahr 2026, in den erlauchten Kreis der acht Anwärter aufgestiegen ist, welche den Herausforderer des amtierenden Weltmeisters Dommaraju Gukesh ausspielen, hätten die Erklärungen der Partieanalysen von Krallmann meiner Meinung nach deutlich ausführlicher sein können / sein müssen. Denn dann wären die positionellen Pläne / die taktischen Konzepte / die strategischen Ideen, die hinter einem einzelnen speziellen Zug von Blübaum oder seines jeweiligen Gegners stehen, für die Leser / die Leserinnen noch besser nachvollziehbar. Die abgedruckten Partien in diesem Buch sind mit QR-Codes ausgestattet, was das Nachspielen der „Blübaum-Partien" auf fast allen modernen Smartphones und / oder einem Tablet-Computer ermöglicht.

24,80 €*
Tipp
Porträt eines Mannes mit Bart und Filmstreifen-Collage
Müller: Bobby Fischer 60 beste Partien (gebunden)
Es gibt wohl keinen anderen Spieler, der die Schachwelt in so vielen Bereichen und derart einschneidend verändert hat – wie Robert James Fischer, für den sich unter den Schachspielern der Welt der Name Bobby Fischer eingebürgert hat. Von seinen spektakulären Erfolgen sind besonders seine geradezu deklassierenden Siege gegen gleich drei sowjetische Großmeister Anfang der Siebziger hervorzuheben, eine Art Wachablösung im Kampf um den Weltmeistertitel, den die Sowjets seit mehr als zwei Jahrzehnten quasi abonniert hatten. Dies löste einen weltweiten Schach-Boom aus, obwohl es genauer heißen muss: Es löste einen Schach-Boom speziell in der westlichen Welt aus, denn in der Sowjetunion mit Millionen von Vereinsspielern war ein solcher Boom ja offenbar kaum noch erforderlich. Viele Spieler aller Klassen haben wegen der damaligen Ereignisse rund um Bobby Fischer überhaupt erst mit dem königlichen Spiel begonnen. Seine Partien sind legendär, und da sie natürlich schon in etlichen Werken ausgiebig analysiert und ausführlich kommentiert wurden, liegt die Frage nahe: Was soll ein weiteres Buch da überhaupt noch bringen? Der Hamburger Großmeister Karsten Müller hat die seiner Meinung nach 60 in- struktivsten Partien Bobby Fischers ausgewählt und diese einmal mit verschiedenen neueren Engines geprüft. Dabei sind ihm zwar zahlreiche Fehler in den alten Analysen aufgefallen, aber Bobbys Partien strahlen ungeachtet dessen immer noch im alten Glanz oder sogar noch heller. Denn selbst der strenge Blick von Spitzen-Programmen stößt nur selten auf Fehler, und entsprechend kann jeder Leser mehr denn je aus diesen Partien lernen, um seine eigene Spielstärke erfolgsorientiert zu verbessern. Nicht allein die zahlreichen im Buch gebotenen Fotos von fast allen Gegnern Fischers versetzen den Leser zurück in ‚alte Schachzeiten' sondern auch die in vielen Partien eingefügten Zitate. So erhalten selbst jüngere Spieler einen guten Eindruck davon, wie es in der Schachwelt zuging, als es beispielsweise noch Hängepartien gab und kein Spieler sich vor der Analyse drücken konnte, indem er diesen Job einfach an seinen Computer delegiert.232 Seiten, gebunden, Joachim Beyer Verlag   Rezension von Christian Hoethe im September 2022 Den meisten Schachspielern ist Fischers Klassiker „Meine 60 denkwürdigen Partien“ natürlich ein Begriff. – Wozu braucht es also ein Buch, das auf den ersten flüchtigen Blick nur eine Wiederholung dessen darstellt? Als definitiver Fan von Fischers Spielweise muss ich gestehen, dass ich mich genau das fragte, als mir das Buch vorlag. Fasziniert war ich sogleich, als ich das Vorwort Karsten Müllers las und er dort dieselbe Frage stellte und sie direkt selbst beantwortete. Dabei hat sich der bekannte Hamburger Großmeister und Autor Dr. Karsten Müller nicht nur die Mühe gemacht, das gesamte Schaffen Fischers neu zu beleuchten und die seiner Meinung nach 60 instruktivsten Partien des ehemaligen Weltmeisters einer kritischen Analyse zu unterziehen. Dabei hat er, unterstützt von den modernsten Computer-Engines der Welt, bemerkenswerte Entdeckungen zutage gefördert und interessante Schlussfolgerungen gezogen, die er mit seinen Lesern und allen Fischer-Fans teilen möchte. Vielmehr bestand die erweitere Absicht des Autors auch darin, den Leser - frei nach Vidmar - in „goldene Schachzeiten“ zurückzuversetzen, in eine Zeit, in der Hängepartien üblich waren und sich kein Spieler mit einer Engine bewaffnet vor einer eigenständigen Analyse drücken konnte. All dies gelingt ihm anhand der zahlreichen im Buch enthaltenen Fotos überraschend gut, darunter nicht nur viele unbekannte Aufnahmen von Fischer selbst, sondern auch insbesondere von seinen durchweg namhaften Gegner. Ich muss gestehen, dass mir diese Art der schachhistorischen Nostalgie und persönlichen Note überaus gefallen hat. Dieser Eindruck verstärkte sich zusätzlich beim Lesen des Geleitwortes von Großmeister Dr. Robert Hübner, das sich einerseits kurz mit dem „Mythos Fischer“, aber auch mit der Partienauswahl und -kommentierung durch Karsten Müller befasst. Die Entscheidung Karsten Müllers für ein „reines Schachbuch“ über Fischer wird dabei zu Recht als Kompliment Hübners an den Autor ausgedrückt. Wer sich nun die Frage stellt, wie groß die Anzahl der Partien-Überschneidungen zu Fischers „Meine 60 denkwürdigen Partien“ ist, kann sich entspannt zurücklehnen, denn es gibt nur 16 derartige Fälle. Die übrigen 44 Partien hielt Karsten Müller aus anderen Gründen für instruktiver, zumal Fischers Werk auch im Jahr 1967 endet und Müller somit aus einem anderen Fundus auszuwählen vermochte. Die Partiekommentare bleiben in der überwiegenden Zahl der Fälle angenehm auf das Wesentliche reduziert, so dass der rote Faden des Spielgeschehens nie verlorengeht und der Leser sich hervorragend von Müller durch die Partien geleitet fühlt. Das Buch aus dem renommierten Joachim Beyer Verlag macht dank seiner Übersichtlichkeit und dem Hardcover einen sehr hochwertigen Eindruck. Wer sich einzelne oder gar alle Partien „to go“, sprich unterwegs, ansehen möchte, vermag dies anhand der QR-Codes, die sich über jeder Partie befinden. Etwas schade und damit der einzige Kritikpunkt von mir ist, dass sich aufgrund des Druckbildes vereinzelt leere Seiten im Buch finden. Hier wären ggf. Kurzbiographien ausgewählter Fischer-Gegner möglich gewesen. Vielleicht ist das eine Anregung für die Zweitauflage? Insgesamt ein ebenso gutes wie überraschendes Buch zu Fischer, das mit einer leichten und angenehmen nostalgischen Note daherkommt!   Rezension von Jörg Palitzsch im August 2022 Bobby Fischer war und ist eine Projektionsfläche und regt immer noch dazu an, sich mit ihm zu beschäftigen. 2014 kam der Film „Baueropfer – Spiel der Könige“ in die Kinos, Thema war der Kampf um die Weltmeisterschaft 1972 in Reykjavik, und im Knesebek-Verlag erschien jüngst eine Graphic Novel unter dem Titel „Bobby Fischer, Eine Schachlegende zwischen Genie und Wahnsinn“. Auch in zahlreichen Büchern steht Fischer im Mittelpunkt, er selbst hat unter anderem Lehrbücher veröffentlicht und das Werk „Meine 60 denkwürdigen Partien“ von 1957 bis 1967, noch vor seinem Sturm auf die WM-Krone. Mit seinem Buch „Bobby Fischer, 60 beste Partien“ hat Schachgroßmeister und Autor Karsten Müller nun ein weiteres Werk dem Fischer-Universum hinzugefügt. Er hat 60 der instruktivsten Partien Fischers ausgewählt und mit verschiedenen neueren Engines geprüft, heißt es im Vorwort. Dabei seien zwar Fehler in alten Analysen aufgefallen, aber Fischers Partien würden ungeachtet dessen immer noch im alten Glanz oder noch heller strahlen. Denn selbst der strenge Blick von Spitzen-Programmen sei nur selten auf Fehler gestoßen, dementsprechend könne jeder Leser aus diesen Partien lernen, um seine eigene Spielstärke zu verbessern. Hilfreich sind QR-Codes, mit denen man jede der Partien, die von 1963 bis 1992 reichen, auf das Handy holen und nachspielen kann. Sieben der Partien sind aus dem Jahre 1972 gegen Boris Spasski in Reykjavik und sechs gegen Spasski von 1992 in Sveti Stefan/Belgrad. Im Geleitwort betont Schachgroßmeister Robert Hübner, Müllers Arbeit sei vorzüglich dazu geeignet, einen ersten Zugang zu Fischers Meisterschaften zu gewinnen. Die Kommentare sind kurz und knapp gehalten, die wichtigsten Angaben der Rechner mitgeteilt und man wird nicht durch eine Unmenge von Varianten abgelenkt. Gleichwohl gibt es an einigen Stellen eine vertiefte Analyse, mit denen man die Gedankengänge hinter der Zügen nachverfolgen kann. Ein zusätzliches Plus sind die im Buch verteilten, rund 50 zum Teil ganzseitigen Fotos von Fischers Gegnern. Dazu kommen Zitate, die Fischers Spiel kommentieren. Dies lässt eine große Schachepoche mehr als erahnen, im Zusammenspiel mit den Partien kann man sich in eine Schachwelt vertiefen, die mit ihren Protagonisten und Bobby Fischer an der Spitze bis heute von ihrer Faszination nichts eingebüßt hat.    

38,00 €*
Schwarzer Springer auf Schachbrett mit Reiterschatten
Voggenauer & Peters: 64 Unsterbliche Schachpartien
In Zeiten, in denen nahezu alle jemals gespielten und einigermaßen bedeutsamen Schachpartien auf Knopfdruck digital zur Verfügung stehen, und beliebig verästelte, rechnergenerierte Analysen – inklusive weitreichender Kommentare – per Mausklick abrufbar sind, schlägt dieses Buch einen anderen Weg ein: Den Nachspielenden soll die Ästhetik des königlichen Spiels in überschaubarer Art und Weise vor Augen geführt werden. 64 Unsterbliche Schachpartien ist eine Sammlung schachlicher Kunstwerke aus 400 Jahren Schachgeschichte: Von den alten Meistern aus der Zeit eines Ruy López im Spanien des 16. Jahrhunderts – bis in die Gegenwart des aktuellen Weltmeisters Ding Liren aus China findet man hier nachvollziehbar kommentierte Partien, die allesamt Geschichte geschrieben haben. Diese stammen nicht immer aus den Wettkämpfen der Giganten des Schachsports, denn Glanzpartien wurden über die Jahrhunderte nicht nur in den großen Turniersälen auf die Bretter gezaubert. Aber selbstverständlich finden sich hier auch fast alle Weltmeister der Geschichte, neben den weithin bekannten Heroen wie Lasker, Capablanca oder Fischer auch die oft vom Vergessen bedrohten Genies wie Anderssen, Morphy oder Steinitz. Abgerundet wird die Sammlung durch historische Abrisse der jeweiligen Schachepochen und Einblicke in die Biographien der Meister und Meisterinnen hinter den Partien und an den Brettern. Die Autoren, Roland Voggenauer und Carsten Peters, zählen sich zu der Masse der schachbegeisterten Amateure, denen sie mit dieser Sammlung einen soliden Überblick über die Perlen des Schachsports geben wollen. 220 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Jörg Palitzsch im November 2024 Roland Vogenauer und Carsten Peters präsentieren mit „64 unsterbliche Schachpartien“ ein Werk, das sowohl Schachliebhaber als auch Historiker in Interesse entfacht. Die Autoren haben eine Sammlung von Partien zusammengestellt, die die Entwicklung des Schachspiels über 400 Jahre hinweg dokumentiert. Jede Partie steht nicht nur für sich als kunstvoller Höhepunkt, sondern erzählt auch von den jeweiligen Epochen, den prägenden Spielern und dem Wandel des Denkens in der Schachwelt. Das Buch ist chronologisch aufgebaut und nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Schachgeschichte, beginnend mit den klassischen Partien der alten Meister wie der Begegnung zwischen Smith und Philidor in London 1790. Diese frühen Beispiele zeigen, wie das strategische Verständnis der Zeit aussah und wie Schach sich als intellektuelle Kunst etablierte. Mit den Kapiteln über die ersten Schachprofis, darunter Wilhelm Steinitz und Harry Nelson Pillsbury, dokumentieren die Autoren den Übergang zu einer systematischen Herangehensweise an das Spiel. Hier erfährt man, wie Steinitz die Grundsätze der Positionslehre einführte, die bis heute das Fundament des modernen Schachs bilden. Besonders aufschlussreich ist der Abschnitt über die Spieler der „neuen Schulen“ und die technischen Revolutionen, die mit Persönlichkeiten wie Botwinnik und Capablanca verbunden sind. Die Partie Botwinnik gegen Capablanca 1943 in Montevideo ist ein Paradebeispiel für die aufkommende Wissenschaftlichkeit im Schach. Das Buch endet mit den modernen Giganten wie Fischer und Spasski, deren Duell in Reykjavik 1972 eines der berühmtesten Schachereignisse überhaupt ist, und schließlich mit den neuen Meistern wie Magnus Carlsen. Dessen Partie gegen Boris Gelfand 2014 in Zürich demonstriert, wie weit die Schachwelt seit den Tagen von Philidor gekommen ist. Ein großer Pluspunkt des Buches sind die historischen Einordnungen und Abrisse, die jeder Partie vorangestellt sind. Vogenauer und Peters verknüpfen die Partien geschickt mit den Zeitumständen und den Biografien der Spieler. So entsteht ein lebendiges Bild der Entwicklung des Spiels und der Persönlichkeiten, die es geprägt haben. Die größte Stärke des Buches liegt in seiner Vielseitigkeit. Es ist gleichermaßen ein Lehrbuch, ein Geschichtsbuch und eine Sammlung ästhetischer Höhepunkte. Jede Partie wird detailliert kommentiert, wobei die Autoren eine Balance zwischen technischen Analysen und narrativen Erläuterungen finden, die sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Spieler ansprechen. Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass einige der Kommentierungen für absolute Neulinge im Schach etwas anspruchsvoll sein könnten. Für Leser, die keine Erfahrung mit Schachnotation oder strategischen Konzepten haben, wäre ein einleitendes Kapitel zu den Grundlagen des Spiels hilfreich gewesen. Trotzdem: „64 unsterbliche Schachpartien“ ist ein bemerkenswertes Werk der Schachliteratur. Es verbindet kunstvolle Partien mit einem tiefen historischen Verständnis und würdigt die Meister, die das Spiel geprägt haben. Für jeden, der sich für die Geschichte des Schachs interessiert, ist dieses Buch ein absolutes Muss. Es wird den Leser inspirieren, die Schönheit und Tiefe des Schachspiels neu zu entdecken. Eine wahre Schatzkammer schachlicher Kunstwerke – eine Reise durch die Epochen, die nicht nur das Spiel, sondern auch die Spieler selbst unsterblich macht. Rezension von Stefan Liebig im November 2024 Liebhaber von Partiesammlungen kommen mit diesem Buch voll auf ihre Kosten. Es möchte den Lesern die Schönheit und Tiefe des Schachspiels auf eine zugängliche und ästhetische Weise näherbringen. Und ob man es glaubt oder nicht, die Auswahl beginnt mit folgenden Zügen: 1.e4 e5 2. Lc4 Sc6 3.Df3?! d6? 4.Dxf7 matt, gespielt zwischen „irgendwer“ und „irgendwer“, überall, jederzeit. Dem Schäfermatt, folgen dann das Narrenmatt sowie die zweifelhafte Damiano-Verteidigung. Doch keine Sorge – das Niveau der Partien steigert sich rapide, denn „64 Unsterbliche Schachpartien“ ist eine Sammlung von Meisterwerken aus 400 Jahren Schachgeschichte. Ergänzt wird die Sammlung durch historische Einblicke in die jeweiligen Epochen der Schachgeschichte sowie Portraits der Meister und Meisterinnen hinter den Partien. Die Auswahl der Partien reicht von den frühen Aufeinandertreffen der Schachmeister der Renaissance, wie Ruy López im Spanien des 16. Jahrhunderts, bis hin zu Partien vieler berühmter Weltmeister wie Lasker, Capablanca und Fischer und dem (noch) amtierenden chinesischen Weltmeister Ding Liren. Die Partien sind sorgfältig kommentiert und mit Kurzporträts der Meister versehen, sodass ihre historische Bedeutung und strategische Tiefe für den Leser verständlich werden. Die Autoren, Roland Voggenauer und Carsten Peters, sind selbst begeisterte Amateure, die mit diesem Werk allen Schachinteressierten einen umfassenden Überblick über einige der größten und faszinierendsten Partien der Schachgeschichte bieten möchten.

27,80 €*
Buchcover: Jüdische Schachmeister aus Deutschland
Geilmann: Jüdische Schachmeister aus Deutschland
Die Rolle, die insbesondere jüdische Meisterspieler, Problemkomponisten, Turnierorganisatoren, Verleger, Autoren und Mäzene für die Entwicklung des Schachs in Deutschland gespielt haben, ist bislang kaum systematisch zusammengefasst und illustriert worden. Diesem Manko soll mit diesem Buch ohne Anspruch auf Vollständigkeit ein wenig abgeholfen werden. Der Autor – Ulrich Geilmann – war bislang eher für belletristische Themen bekannt. Seine Einzelwerke fanden ihre Leserschaft v. a. bei den Schachfans, die das königliche Spiel einmal aus einer anderen Perspektive erleben wollten. Geilmann spricht nun wieder den schachhistorisch interessierten Spieler an. Ulrich Geilmann wurde 1963 in Essen geboren und wohnt am Niederrhein. Er ist diplomierter Raumplaner und im öffentlichen Dienst tätig. Als profunder Hobbyschachspieler und Mitglied der Emanuel Lasker Gesellschaft kennt sich Geilmann in der deutschen Schachszene gut aus. War er doch zwischen 2007 und 2016 Teamchef einer Schachbundesligamannschaft und bis 2023 Vizepräsident des Schachbundesliga e. V..210 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Jörg Palitzsch im November 2024 In seinem Buch „Jüdische Schachmeister aus Deutschland“ beleuchtet Ullrich Geilmann ein faszinierendes und zugleich berührendes Kapitel der Schachgeschichte, das von tragischen Schicksalen, großen Talenten und herausragenden intellektuellen Leistungen geprägt ist. Der ehemalige Vizepräsident der Schachbundesliga e.V. porträtiert jüdische Schachmeister wie Siegbert Tarrasch, Emanuel Lasker, Bruno Moritz und Hans Berliner und zeigt eindrucksvoll ihre bedeutende Rolle und Mitwirkung in der Entwicklung des deutschen und internationalen Schachs. Die sorgfältig zusammengestellten Kurzbiografien lassen die Lebensgeschichten dieser Schachgrößen lebendig werden und offenbaren nicht nur ihre schachlichen Errungenschaften, sondern auch die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen, denen sie sich zu ihrer Zeit stellen mussten. Geilmann verbindet historische Perspektiven mit taktischem Tiefgang und hat für Schachliebhaber eine Fülle an Material bereitgestellt: 47 Partien und 55 Schachaufgaben, die zum Nachdenken und Analysieren einladen und Einblicke in die Spielstrategien dieser Meister bieten. Ein umfangreiches Partien- und Literaturverzeichnis ermöglicht eine Vertiefung in die einzelnen Biografien. Hinzu kommt eine Einführung in das Thema. Ein Fokus des Buches liegt auf dem Leben von Emanuel Lasker, dem zweiten offiziellen Schachweltmeister, der für seine originellen und strategischen Partien bekannt war und als eine der größten Figuren der Schachgeschichte gilt. Auch Siegbert Tarrasch, dessen Einfluss auf die Theorie und Didaktik des Schachs bedeutend war, wird mit Tiefe und Respekt gewürdigt. Hinzu kommen eher unbekannte Namen, die Ullrich Geilmann mit zahlreichen Fußnoten dem Leser nahebringt. Das 208-seitige Buch ist eine wertvolle Sammlung für Schachbegeisterte und Historiker gleichermaßen. Die Mischung aus biografischen Einblicken und anspruchsvollen Partien schafft ein Leseerlebnis, das sowohl Wissen vermittelt als auch den Geist herausfordert. Für Spieler und Leser, die mehr über die jüdischen Wurzeln und die Geschichte des Schachs erfahren möchten, ist dieses Buch eine unverzichtbare Lektüre. Geilman, bislang als Autor belletristischer Schachbücher bekannt, spricht nun wieder den schachhistorisch interessierten Leser an. Rezension von Stefan Liebig im Oktober 2024 In seinem neuesten Werk „Jüdische Schachmeister aus Deutschland“ setzt sich Ulrich Geilmann mit der bedeutenden Rolle jüdischer Schachspieler, Turnierorganisatoren, Autoren und Mäzene für die Entwicklung des Schachs in Deutschland auseinander. Bislang wurde diese Thematik nur sporadisch behandelt. Der Autor wirkt dem entgegen, indem er die Lebensgeschichten von 35 jüdischen Schachpersönlichkeiten präsentiert. Geilmann hat schon eine ganze Reihe – auch im Schach-Magazin 64 vorgestellte – Bücher veröffentlicht. Neben seinem belletristischen Schwerpunkt, etwa „Petersburger Rochade“ oder „Aljechin“, veröffentlichte er auch Biografien von Boris Spasski und Sultan Khan. Nun widmet er sich also einem weiteren Sachbuch und spricht gezielt die schachhistorisch interessierten Leser an. Er hat gründlich recherchiert und trägt sowohl bekannte Größen wie Emanuel Lasker, Siegbert Tarrasch und Richard Teichmann als auch weniger bekannte Persönlichkeiten in seinen Berichten zusammen. Der Autor beschäftigt sich auch mit Spielern, die ins Exil gegangen sind. Eine verständliche Entscheidung, denn Spieler, die nicht durchgehend in Deutschland lebten oder den Glauben wechselten, hatten dafür oft gravierende Gründe. Solche Entscheidungen könnten oft aus Verfolgung und Bedrohung resultieren, besonders im Kontext des aufkommenden Nationalsozialismus. Geilmann ergänzt die Kurzbiografien um analysierte Schachpartien, die die Leistungen der dargestellten Meister hervorheben und die Leser sowohl unterhalten als auch fordern sollen. Zudem bietet das Buch 55 Schachaufgaben, die aus den Spielen der Porträtierten stammen. Zusätzlich stellt der Autor weitere Persönlichkeiten vor, die keinen eigenen Abschnitt erhalten haben, um sicher zustellen, dass ihre Beiträge nicht in Vergessenheit geraten. Das absolut lesenswerte Buch ist somit nicht nur eine Würdigung jüdischer Schachmeister, sondern auch eine wertvolle Ergänzung zur in diesem Bereich noch ergänzungswürdigen Schachliteratur. Nebenbei liefert es sehenswerte und für die Schachentwicklung interessante Partien. Rezension von Uwe Bekemann im August 2024 Mit „Jüdische Schachmeister aus Deutschland“ begibt sich der Autor Ulrich Geilmann, der seine Autorentätigkeit bislang vor allem auf belletristische Werke konzentrierte, auf das Gebiet der Sachbücher zum Schachspiel. Seine neue Arbeit ist 2024 im Joachim Beyer Verlag erschienen. Der Leser erhält Kurzbiografien zu 35 Schachspielern mit deutschen Wurzeln, soweit sie jüdischem Glaubens waren. Mit Schachspielern sind dabei nicht nur meisterliche Könner auf den 64 Feldern gemeint, sondern auch Turnierorganisatoren, Verleger, Autoren und Mäzene wie auch Problemkomponisten. Sie alle haben die Entwicklung des Schachspiels in Deutschland mehr oder weniger intensiv beeinflusst. Zu den Porträtierten zählen sehr bekannte Persönlichkeiten wie natürlich Emanuel Lasker, Siegbert Tarrasch, Johannes Zukertort, Jacques Mieses oder Richard Teichmann, aber auch Schachenthusiasten, deren Namen mir bisher unbekannt waren. Es ist der offenkundig intensiven Recherchearbeit des Autors zu verdanken, dass auch für die weniger bekannten Persönlichkeiten so viel Stoff zusammengetragen werden konnte, dass sich zumindest eine Kurzbiografie lohnte. Die verwendeten Quellen hat Geilmann jeweils in Fußnoten bezeichnet, die einer breiten Palette zuzuordnen sind. Ob eine porträtierte Persönlichkeit nicht durchgängig in Deutschland gelebt hat oder vielleicht auch zu einem anderen Glauben konvertiert ist, spielte keine Rolle in den Aufnahmekriterien des Autors. Soweit die Quellenlage dies zuließ, hat Geilmann die Kurzbiografien um Partien ergänzt, wobei die Kommentierung aus seiner eigenen Feder stammt. Die Beschäftigung mit diesen Duellen, die teilweise schon (mehrfach) in der Literatur abgebildet worden sind, dient der Unterhaltung des Lesers, aber auch der Veranschaulichung, wie hoch die Leistungen der alten Meister teilweise auch heute noch einzuschätzen sind. Ebenfalls der Unterhaltung, aber auch der Herausforderung des Lesers, dienen insgesamt 55 an diesen gerichtete Schachaufgaben, die Geilmann aus dem Wirken des jeweils Porträtierten abgeleitet hat. Entsprechend kommt auch die Beschäftigung mit dem Schachspiel selbst in diesem Buch nicht zu kurz. In Ergänzungen werden dem Leser weitere Personen nähergebracht, für die der Autor kein eigenes Kapitel einfügen konnte. Auch in diesen Fällen wirkt er einem Vergessen in der Schachwelt entgegen. „Jüdische Schachmeister aus Deutschland“ ist kein politisches Buch, aber es ist ein Buch, das der Politik näher kommt als die meisten anderen Schachbücher. Ich habe oben schon erwähnt, dass Geilmann seine Kurzporträts unabhängig davon erstellt hat, ob die Porträtierten durchgängig in Deutschland gelebt haben oder den jüdischen Glauben im Laufe ihres Lebens abgelegt haben. Diese Entscheidung ist natürlich vollends nachvollziehbar, denn beispielsweise eine Auswanderung oder auch eine Abkehr vom Glauben konnte allein die Konsequenz aus Verfolgung, Entrechtung und Gefahr für Leib und Leben der Menschen sein, die ihnen in Deutschland drohten. Nicht von ungefähr fallen zahlreiche Auswanderungen in die Zeit des (aufziehenden) Nationalsozialismus. Ulrich Geilmann hat ein sehr informatives und auch unterhaltsames Werk geschaffen, das eine bisher in der Literatur klaffende Lücke geschlossen hat. Und er sorgt dafür, dass die Anstrengungen und Leistungen der jüdischen Schachmeister, denen das Schachspiel in Deutschland sehr viel zu verdanken hat, in Ehren gehalten und nicht vergessen werden. Fazit: Ich empfehle dieses Werk jedem Schachfreund, der auch schachhistorisch interessiert ist.

30,00 €*
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Daniel: Alexander Aljechin - Biografie des 4. Schachweltmeisters
Daniel: Alexander Aljechin - Biografie des 4. Schachweltmeisters
Alexander Aljechin (1892–1946), der 4. Schachweltmeister, hat ein Leben voller Höhen und Tiefen durchlebt. Geboren als wohlhabender russischer Aristokrat, verlor er durch die Oktoberrevolution Hab und Gut und suchte – von brennendem Ehrgeiz getrieben – sein Heil auf den 64 Feldern des Schachbretts, wo er schon früh eine außergewöhnliche Begabung zeigte. Seine Genialität entlud sich in zahllosen brillanten Partien und glanzvollen – aber positionell untermauerten – Kombinationen, bis heute zählt er zu den überragenden Angriffsspielern der Schachgeschichte. Aber auch durch seine Kommentierungskunst hat er nachhaltige Zeichen gesetzt, seine Partiesammlungen und Turnierbücher bieten eine zu seiner Zeit erstaunliche Fülle an Analysen, die selbst heutige Leser noch zu faszinieren vermögen. Seinem schachlichen Genie stehen die menschlichen Schwächen gegenüber, er galt als egozentrisch und jähzornig, entwickelte eine verhängnisvolle Neigung zu Alkohol und Nikotin, und er kollaborierte mit den Nazis. Von der Schachwelt geächtet, starb er krank, verarmt und einsam in einem portugiesischen Seebad. Der Autor skizziert in diesem Buch die Vita dieser widersprüchlichen und schillernden Persönlichkeit, deren schachliche Leistungen die Zeiten zweifellos überdauern werden. 1. Auflage 2012, 128 Seiten, gebunden

13,95 €* 24,80 €* (43.75% gespart)
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Kohlmeyer, Weltmeister lehren Schach
Kohlmeyer: Weltmeister lehren Schach
Weltmeister haben einen reichhaltigen Erfahrungsschatz. Sie beherrschen nicht nur die Theorie, sondern auch auf dem Gebiet der Psychologie können sie jedem Schachfreund eine Menge beibringen. Das fand in der Literatur bisher wenig Aufmerksamkeit.Schachweltmeister berichten in diesem Buch, wie sie sich auf Turniere vorbereiten, was sie während eines Wettkampfes erleben und wie sich ihr Tagesablauf gestaltet. Viele der zahlreichen Glanzpartien werden von den Champions selbst kommentiert.Die Beiträge von Steinitz, Lasker, Capablanca, Aljechin, Euwe, Botwinnik, Smyslow, Tal, Petrosjan, Spasski, Fischer, Karpow, Kasparow, Kramnik, Anand, Khalifman, Ponomarjow, Kasimdschanow und Topalow bieten Schachfreunden jeder Spielstärke viel Erfahrung, Erkenntnisgewinn und praktische Hinweise.   Mit beigelegter CD-ROM und vielen Partien von Steinitz bis Ponomarjow im CBH- CBF- und PGN-Format.   304 Seiten, gebunden, Joachim Beyer Verlag    

13,95 €* 29,80 €* (53.19% gespart)
Kohlmeyer: Bobby Fischer Genie zwischen Ruhm und Wahn
Kohlmeyer: Bobby Fischer Genie zwischen Ruhm und Wahn
Er hatte einen höheren Intelligenzquotienten als Albert Einstein und war die schillerndste Figur des Schachs. Kein Weltmeister beeinflusste das Spiel so wie Bobby Fischer. Gleichwohl war der Amerikaner auch umstritten wie kein anderer Schachspieler. Der Berliner Schachpublizist Dagobert Kohlmeyer beschreibt in diesem Buch die Glanzleistungen und verschiedenen Facetten des Genies. Er zeigt das Profil eines Menschen, der auf seinem Spezialgebiet Außergewöhnliches leistete und die größten Triumphe feierte, aber im normalen Leben nicht zurechtfand. In der Schacharena wurde Bobby Fischer bewundert, für sein eigensinniges Verhalten erntete er Kopfschütteln.Nach dem WM-Sieg 1972 tauchte Fischer unter, hatte Psychosen und schockierte die Welt mit bizarren politischen Äußerungen. Zeit seines Lebens war er auf der Flucht vor der Wirklichkeit. Eine Heimat hatte der Ruhelose nicht. Das bestätigten dem Autor viele Persönlichkeiten, die Fischers Weg kreuzten. Sein Zuhause war allein das Schach. Bobby Fischers wahres Testament sind seine genialen Partien. 190 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag   Rezension: Nicht nur Schachspieler halten Bobby Fischer (1943-2008) für die fähigste und zugleich kontroverseste Figur der jüngsten Schachgeschichte. Er gehört für immer zu den größten Stars des Sports wie Muhammad Ali, Björn Borg oder Mark Spitz. Genie und Wahnsinn zeichnen ihn aus und wie kaum ein anderer polarisiert er über seinen Tod hinaus bis heute die öffentliche Meinung. Der Autor legt eine fesselnd geschriebene Biografie vor, die die wichtigsten Stationen des Weltmeisters von 1972 von vielen Seiten beleuchtet. Ergänzt durch Erinnerungen einiger Zeitgenossen Fischers, z.B. von Boris Spasski. Der Autor webt hier wichtige Partien Fischers in seinen Ausführungen mit ein, die insbesondere aktiven Spielern einen Einblick in Fischers Virtuosität gewähren. Carl Münzel , im Juni 2013   Rezension: Dagobert Kohlmeyer  ist der bekannteste Schachjournalist im deutschsprachigen Raum und einer der fleißigsten.  Jetzt hat er ein Buch über Bobby Fischer vorgelegt.  Um es gleich vorweg zu sagen: Es ist ein großartiges Buch:  facettenreich, spannend, teils tiefschürfend – teils locker erzählend, fehlerkorrigierend, klischeeabbauend und im unnachahmlichen Stil des Autors  so geschrieben, dass das Lesen zum Genuss wird. Mit diesem Buch wird das Leben des vielleicht größten, sicherlich aber faszinierendsten Schachspielers aller Zeiten durchmessen. Fischer war eine schillernde  Figur mit großartigen Licht- aber auch gravierenden Schattenseiten.  Beides, das Positive und das Negative seiner Persönlichkeit, wird im Buch herausgearbeitet. Fischer war einerseits auf geniale Weise extrem im Schach und andererseits auf erschreckende Weise extrem außerhalb des Schachs. Experten haben ihn als schizoid bezeichnet, ausgestattet  mit übergroßer Ich-Bezogenheit und ausgeprägtem Verfolgungswahn. Manche seiner Meinungen konnte man nicht nur nicht teilen, sondern musste sie verabscheuen. So leugnete er etwa den Holocaust und applaudierte den Terroristen des 11. September. Mit dieser ihm eigenen Mischung aus Fähigkeit und Exzentrizität schaffte es Fischer, Schach immer zu etwas Besonderem zu machen, er musste sich nur ans Brett  setzen. Seiner Aura konnten sich auch jene nicht entziehen, die einen etwas entfernteren Bezug zum Spiel hatten. Das Buch geht auch der Frage nach, warum das so war. Für mich war es Fischers 1972er Wettkampf gegen Spasski in Reykjavik, der die Grundlage für mein bis heute anhaltendes Interesse für das Schach in zahlreichen seiner Facetten  legte, von Kunst und Wissenschaft bis Sport, Spiel und Spannung . Weltweit nahmen viele Menschen, und nicht nur Schachfans, an diesem Ereignis Anteil. Ein solches Echo fand dieser Zweikampf, dass die Berichterstattung über die Geschehnisse  auf einer  kleinen europäischen Insel in der New York Times zeitweise die Meldungen über den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf auf Seite 2 verwies. Es war die Goldene Ära des Schachs. Es war das, was Bobby Fischer mitnahm, als er ging. Vorausgegangen war die aus heutiger Sicht nur als monumentaler Fehler zu bezeichnende Entscheidung der FIDE, Fischer 1975 den Weltmeistertitel abzuerkennen. Natürlich war die Entscheidung formal korrekt, bewirkte aber, dass die Schachwelt auf Jahrzehnte dem ausgefallenen Match zwischen Fischer und Karpow nachtrauerte. Ein Match, das laut Anatoli Karpow nicht normal hätte enden können  „Entweder sie schleppen mich ins Krankenhaus oder ihn ins Irrenhaus.“ Das ist sicher übertrieben, zeigt aber doch, welch epische Titanenschlacht auch er erwartete. Viele Weggefährten Bobby Fischers und andere, am Schachgeschehen Beteiligte kommen im Buch zu Wort und liefern  auch bisher noch unbekannte Details, interessante Einschätzungen, unterhaltsame Episoden aus dem Leben Fischers  im und außerhalb des Schachs. Das Buch profitiert hier enorm  davon, ja es gibt ihm ein Alleinstellungsmerkmal, dass sein Autor mit den meisten herausragenden Persönlichkeiten des Schachs der letzten Jahrzehnte bekannt ist oder war, mit vielen  sogar befreundet.  So hat er auf dem kurzen Dienstweg  oft leichten, jedenfalls aber überhaupt Zugang zu Personen, die über Bobby Fischer Lesenswertes beizutragen vermögen. Zudem scheut  sich D. Kohlmeyer  bei Interviews  nicht, fernab ausgetretener Pfade, unkonventionelle Fragen zu stellen. All  das macht das Buch zu einem echten Kohlmeyer. Die Persönlichkeit des Autors schimmert an vielen Stellen erfreulich durch, da auch einige seiner Erlebnisse zur Sprache kommen. Nach dieser Einschätzung, hier noch ein paar Fakten zum Buch im Kurzdurchlauf: Es enthält 48 Kapitel auf 190 Seiten, 51 Abbildungen in Schwarz/Weiß, 8 vollständige Partieanalysen von Fischers Partien gegen Byrne, Tal, Benkö. Petrosjan und Spasski, teils mit den immer lehrreichen Anmerkungen von Artur Jussupow. Ferner gibt es ausführliche Interviews mit Fischer Biograph Frank Brady, dem kürzlich verstorbenen Fischer-Freund und Schachschiedsrichter des Jahrhunderts Lothar Schmid, dem Matchdirektor  beim Fischer-Comeback Janos Kubat, Ex-FIDE-Präsident Fridrik Olafsson, sowie  weitere  Gespräche mit zahlreichen Zeitzeugen wie Jewgeni Wasjukow, Vlastimil Hort, Juri Awerbach, Anatoli Karpov  nebst einschlägiger  O-Töne von Viswanathan Anand, Peter Leko, Boris Spasski u.a. Obwohl ich bereits viel über Fischer gelesen habe, konnte ich dennoch manches hinzulernen und fand insbesondere die Darstellung von Fischers Jahren im Untergrund, die Informationen über seine Mutter und Herbert Bastians  erstaunliche Funde über Fischers berühmten und bisher als Patzer in die Schachgeschichte eingegangenen Läuferzug gegen Spasski faszinierend, um nur einmal drei Aspekte zu benennen. Letztlich gilt gerade auch bei Bobby Fischer der Satz des Autors in seinen Danksagungen am Ende des Buches: „Selbst wenn man sich viele Jahre mit Bobby Fischer beschäftigt hat, überrascht er einen immer wieder aufs Neue. Ganz ergründen wird man das Wirken des 11. Weltmeisters der Schachgeschichte wohl nie.“ Diese Sätze münden in die letzten Worte des Autors im Buch: „Bobby, see you later.“ Sie sind berührend und sagen viel auf einmal. Professor Christian Hesse, Im Mai 2013

19,80 €*
Buchcover mit Porträt, Kinderfoto und lila Schriftzug
Kohlmeyer: Magnus Carlsen - kam, zog und siegte
Magnus Carlsen ist stärkster Schachspieler der Gegenwart. In überlegener Manier gewann der Norweger Ende 2013 das WM-Match gegen Viswanathan Anand und läutete damit eine neue Ära ein. Carlsens Spiel zeichnet sich durch Originalität und Gedankentiefe, große Dynamik und Präzision aus.Noch ehe der Großmeister mit 22 Jahren die Schachkrone eroberte, zählte ihn das US-Magazin „Time" zu den hundert berühmtesten Menschen der Erde. Garri Kasparow schrieb: „Ich hatte Gelegenheit, Carlsen zu trainieren. Sein intuitiver Stil bewahrt das Geheimnisvolle des Schachs. Er ist ebenso charismatisch und unabhängig wie talentiert. Wenn er die Faszination für das Schach wiedererweckt, werden wir bald in der Carlsen-Epoche leben." Diese Worte sind nun Realität.Der bekannte Berliner Schachpublizist Dagobert Kohlmeyer beschreibt in diesem Buch Magnus Carlsens Weg vom Wunderkind bis zum Weltmeister. Dabei zeichnet er den kometenhaften Aufstieg eines jungen Schachspielers nach, der am Brett gnadenlos, aber im normalen Leben durchaus freundlich sein kann.Fünfzig ausgewählte Partiebeispiele belegen Carlsens meisterhaftes Können und sein einmaliges Schachverständnis. Sie sind chronologisch geordnet: von den Frühwerken bis zu allen WM-Begegnungen mit Anand sowie dem ersten Turnier nach dem Titelgewinn. Etliche Spiele hat der Figurenkünstler selbst erklärt, interessante Kommentare speziell für das Buch steuerte Großmeister Artur Jussupow bei. unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 2014, vormals ISBN 978-3-940417-57-2 240 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Andreas Wittek im Oktober 2025 50 ausgewählte Partien von Sven Magnus Øen Carlsen werden in diesem schönen Schachlehrwerk kommentiert. Diese Partien sind in chronologischer Reihenfolge angeordnet: Vom ersten veröffentlichten Spiel des Norwegers bis zu all seinen WM-Begegnungen mit Viswanathan Anand sowie dem ersten Turnier nach dem Titelgewinn. Mit dem Gewinn der Schach-WM 2013 in Chennai hat Magnus Carlsen sich seinen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert. Eine Reihe von Partien hat er selbst erklärt. Großmeister Artur Jussupow beteiligte sich ebenfalls mit aufschlussreichen Erläuterungen zur „Schachkunst von Magnus Carlsen". Das Schachbuch zu Magnus Carlsen umfasst 240 Seiten. Ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis befindet sich auf den Seiten fünf und sechs, ein überschaubares Partienverzeichnis auf den Seiten 237 und 238, eine Angabe zur verwendeten Literatur auf Seite 239. Mir persönlich gefällt der angenehme Schreibstil von Kohlmeyer und besonders gefreut habe ich mich darüber, alle zehn Partien der Schach-WM 2013 in dieser Publikation zu finden, welche noch dazu für die Leser / Leserinnen in einer leicht verständlichen Sprache dargestellt werden. Magnus Carlsen ist bis zum heutigen Tag der stärkste Schachspieler. Er ist seit dem Jahr 2013 die unüberholte Nummer 1 in der Weltrangliste des klassischen Schachs! Carlsens Schachspiel zeichnet sich durch Originalität und Gedankentiefe, große Dynamik und außergewöhnliche Präzision aus. Wer bereit ist, sich mit der „Schachkunst von Magnus Carlsen" in diesem Buch intensiv zu beschäftigen, der wird sich mithilfe dieses Druck-Erzeugnisses in die positionellen Konzepte / in die taktischen Motive / in die strategischen Ideen von Carlsen bis zu einem gewissen Grad hineindenken können; er wird aber vor allem garantiert einiges dazulernen, was das eigene Schachspiel deutlich verbessert.  

27,80 €*
Tipp
Buchcover mit Schachkönigin und Titel
Ehn, Jungwirth & Ragger: Eva Moser - Phantasie und Präzision auf dem Schachbrett
Eva Moser war ein Jahrhunderttalent des österreichischen Schachs. Schon wenige Monate, nachdem sie das Spiel im Alter von zehn Jahren kennengelernt hatte, gewann sie bereits die österreichische Jugendstaatsmeisterschaft. Das wiederholte sie in den folgenden Jahren sieben Mal. 1998 konnte sich die junge Kärntnerin mit der Silbermedaille bei der Europameisterschaft der Mädchen unter 16 Jahren im steirischen Mureck erstmals international in Szene setzen. Ihre Begeisterung für Schach war grenzenlos und so stürzte sie sich mit großem Erfolg in die internationale Turnier- und Open-Szene. Als erster Österreicherin wurde ihr im Jahr 2003 der Frauen-Großmeistertitel verliehen und 2004 folgte der internationale Meistertitel bei den Männern. Im selben Jahr wurde sie Zweite bei der österreichischen Staatsmeisterschaft der Männer, die in „allgemeine Klasse" umbenannt werden musste, und rückte auf Platz 22 der Weltrangliste der Frauen vor. Zwei Jahre später war ihr erneuter Anlauf zum Staatsmeistertitel von Erfolg gekrönt. Trotz stärkster Konkurrenz kürte sie sich bei der Staatsmeisterschaft 2006 als erste Frau in Österreich zur Staatsmeisterin der allgemeinen Klasse. Bei der Europameisterschaft der Frauen in Dresden 2007 gelang ihr die Qualifikation zur K.O.-Weltmeisterschaft der Frauen, bei der sie 2008 in der ersten Runde gegen Lilit Mkrtchian denkbar knapp ausschied. Von ihren zahlreichen Turniererfolgen ragt besonders der im Großmeisterturnier von Augsburg 2013/14 heraus, bei dem sie eine erste „männliche" Großmeisternorm erzielte und ihr eine unsterbliche Partie mit fünf Damen am Brett gelang. Bei all diesen Erfolgen beeindruckte die Art, wie sie sie erreichte. Trotz ihrer freundlichen kollegialen Art war sie am Schachbrett eine „Löwin", die kompromissloses, kämpferisches Schach mit ausgezeichneten Endspielkenntnissen zu verbinden wusste; die Zahl ihrer Remispartien ist sehr gering. Das Studium der Eröffnungstheorie reichte ihr bald nicht mehr, sie begann früh, eigene Wege zu gehen und setzte auf ihre Kreativität. „Phantasie statt Theorie" lautete ihr Motto. Neben ihrer Schachkarriere schloss Eva Moser das Studium der Betriebswirtschaft ab und arbeitete bis zu ihrem allzu frühen Tod in der Redaktion des österreichischen Schachmagazins „Schach Aktiv".   200 Seiten, 53 Farbfotos, gebunden, Grossformat, Leseband, Joachim Beyer Verlag   Rezension von Jörg Palitzsch im Juni 2021 Auf die Frage, welche Pläne sie für die Zukunft habe, antwortete Eva Moser dem Autor und Schachjournalisten Michael Ehn in einem Interview, sie wolle nach dem Gymnasium auf alle Fälle beruflich etwas mit Schach machen, zuerst müsse sie aber ihre Spielstärke erhöhen. Dieses Gespräch fand 1998 im südoststeierischen Mureck statt, wo die europäischen Jugendmeisterschaften ausgetragen wurden. Die junge Schachspielerin, die Ehn eine „Löwin“ nennt, errang bei diesem Turnier die Silbermedaille. Welchen grandiosen Erfolgsweg die 1982 geborene Eva Moser zurücklegte, beschreiben die Autoren Michael Ehn, Kurt Jungwirth und Markus Ragger eindringlich und aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. So führt Ehn in fünf Kapiteln in das Thema 100 Jahre Frauenschach in Österreich ein und steckt damit den geschichtlichen Rahmen ab. Sein Interview und die Gespräche, die er mit Moser führte, zeigen – wie die Erinnerungen des Präsidenten des österreichischen Schachbundes und langjährigen Vizepräsident der FIDE Kurt Jungwirth – mit welcher Kraft und Ausdauer es die brillante Schachspielerin aus dem Kärtnerland schaffte, sich den Ruf eines Jahrhunderttalents zu erarbeiten. „Es gibt kreative Geister, Ausnahmetalente, die ihre Genialität jung ausspielen“, so Jungwirth. Sie verlassen die Bühne des Lebens zu früh, als Frühvollendete. Und Ehn ergänzt: „Sie nutze ihre Bedenkzeit oft bis zur Neige, spielte kompromissloses, kämpferisches Schach und erreichte viele komplexe Stellungen. Schnelle, billige Remisen gab es bei ihr nicht.“ Vertieft wird diese Spielweise in vier Kapiteln, die Schachgroßmeister Markus Ragger beigetragen hat. Er nimmt die Lieblingseröffnungen von Eva Moser unter die Lupe, erläutert auf 80 Seiten ihr spannendsten Partie-Momente und Endspiele. Dieser genaue Blick wird erweitert durch die 15 besten Partien, die Ragger zusammen mit Moser kommentiert hat. Ergänzend dazu gibt es einen 16-seitigen Farbteil, der mit über 50 Fotos mit dem Tag der Taufe beginnt und bis ins Jahr 2013 reicht. Fazit: Eva Moser starb Ende März 2019 mit 36 Jahren an den Folgen von Leukämie. Das Buch über sie ist ein Denkmal an eine bis heute inspirierende Schachspielerin.    

38,00 €*
Gelbes Buchcover mit Foto: zwei indische Schachspieler
Geilmann: Der indische Meister Malik Mir Sultan Khan
1929 betritt Malik Mir Sultan Khan die Weltbühne und erspielt sich bemerkenswerte Turniererfolge. Der junge Mann, der zu dem Gefolge eines indischen Diplomaten gehört, zählt vorübergehend zu den zehn besten Schachspielern der Welt. Die erstaunliche Karriere endet abrupt im Jahre 1933. Khan kehrt zusammen mit seinem Herrn nach Britisch-Indien zurück. Er verstirbt dort im Jahre 1966, ohne dass er noch einmal international in Erscheinung trat. Dieses Buch zeichnet den außergewöhnlichen Lebensweg dieses Schachmeisters, soweit es die schmale Quellenlage zulässt, nach.   Ulrich Geilmann (Aljechin – Leben und Sterben eines Schachgenies, Aljechins Ring – Operation Botwinnik) wurde 1963 in Essen geboren und wohnt am Niederrhein. Er ist diplomierter Stadtplaner und im öffentlichen Dienst tätig. Geilmann ist Hobbyschachspieler, Vizepräsident des Schachbundesliga e. V. und Mitglied der Emanuel Lasker Gesellschaft. Er war Teamchef einer Schachbundesligamannschaft und berichtet mit einem launigen Erzählstil regelmäßig im Internet über seine Erlebnisse auf Schachturnieren und abseits der Bretter.224 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag   Rezension von Jörg Palitsch im Juni 2018 Es gibt in diesem Buch ein Foto des Schachspielers Malik Mir Sultan Khan, das sich von allen anderen Fotos unterscheidet: Der Inder sitzt lächelnd vor einer Siegertrophäe. Auf den zahlreichen anderen Fotos sieht man ihn hochkonzentriert oder es sieht manchmal auch so aus, als ob er nie richtig dazugehört. Etwa auf einem Foto, das ihn mit Vera Menchik, Géza Maróczy und Alexander Aljechin zeigt, gegen den Sultan Khan mit den schwarzen Figuren spielt. Der Inder schaut etwas abwesend drein. Das Lächeln auf dem Siegerfoto mag dagegen dadurch ausgelöst worden sein, dass Sultan Khan zu diesem Zeitpunkt, August 1932, die Britischen Meisterschaft mit 8,5/11 Punkten in London gewonnen hatte, vielleicht auch, weil er wusste, dass er seinen Zenit erreicht hatte. Tatsächlich war der Inder aber bescheiden, zuvorkommend und spielte nur für den Diplomaten Nawab Malik Sir Umar Hayat Khan Tiwana, zu dessen Gefolge er als Diener gehörte und der ihn mit nach England brachte. Ulrich Geilmann hat nach zwei Büchern, in denen Aljechin im Mittelpunkt stand, ein drittes Buch über Malik Mir Sultan Khan geschrieben. Er rückt den Meisterspieler damit wieder in das Licht der Schachöffentlichkeit, die zum größten Teil nichts über den Inder weiß, der vorübergehend aber zu den zehn besten Schachspielern der Welt zählte und die Szene in England mit seinen Erfolgen kräftig durcheinanderbrachte. Der Autor, unter anderem Vizepräsident der Schachbundesliga, greift, wie auch in seinen beiden Büchern zuvor, in „Der indische Meister Malik Mir Sultan Kahn, Leben und Wirken“ zu einem literarischen Trick. Er schlüpft in die Rolle eines Samuel Ian Bradshaw, der in der Ich-Form über eine Schiffsreise berichtet, auf der er Sultan Khan kennenlernt. Dieser befindet sich nach seinen Erfolgen in England auf der Rückreise in seine Heimat und damit sind die Grundlagen für die Geschichte gelegt. Geilmann grenzt die Geschichte zeitlich sehr eng ein und beginnt sie zu erzählen als sie im Grunde schon vorbei ist. In einer Anmerkung zum Auftakt des Buches weist der Autor den Leser auch darauf hin, dass die Handlung frei erfunden ist und es sich bei dem Buch um reine Unterhaltungsliteratur handelt, die sich zwar auf historische Fakten berufen kann, gleichzeitig aber fiktive Elemente enthält. Dieser Kniff macht es einfach, Figuren auftreten zu lassen, die gar nicht existieren und Gespräche wiederzugeben, die gar nicht stattgefunden haben. Der Verlauf der Story erleidet dadurch allerdings keinen Nachteil, ganz im Gegenteil. Es wird ein überaus sympathisches Bild von Sultan Khan gezeichnet, der, geboren 1905, in jungen Jahren zunächst die indische Schachvariante erlernte. Geilmann lässt dies die Hauptfigur geschickt selbst erklären, was durchaus authentisch wirkt. So kennt das indische Schach keinen Doppelschritt des Bauern von der Grundstellung aus. Ebenso kann der Bauer, wenn er die letzte Reihe erreicht hat, nicht beliebig umgewandelt werden, sondern immer nur in die Figur, die zu Partiebeginn auf dieser Linie stand. Sultan Khan musste sich also nicht nur auf das europäische Schach einstellen. Fremd waren ihm auch, so Geilmann in seiner Geschichte, die Notation, die Lehre der Eröffnungen und das Positionsspiel. Der Inder war vielmehr ein Meister des Endspiels, er spielte intuitiv und konnte eine für ihn verloren geglaubte Partie doch noch in einen Sieg wenden. In England explodierte Sultan Khan förmlich. Im Tabellenteil lässt sich nachlesen, wie der Inder ab 1928 an die Spitze rückte und erste Plätze bei der Britischen Meisterschaft in Ramsgate 1929, in Cambridge 1932, in Hastings 1933 und 1935 in Delhi erzielte. So schnell und intensiv der schachspielende Diener auf sich aufmerksam machte, so schnell war er nach der Rückkehr mit seinem Herrn nach Britisch-Indien auch schon wieder vergessen. International trat Sultan Khan nie mehr in Erscheinung, er verstarb 1966. Der Autor lässt den Leser mit der Geschichte nicht allein. Neben Partiefragmenten und Analysen gibt es eine umfangreiche Sammlung von über 180 Partien, die der Inder in der Zeit von 1928 bis 1935 gegen die führenden Schachspieler ausgetragen hat. Spielt man diese Partien nach, spürt man etwas von der Intuition Sultan Khans, der oft mit einem hoch aufgetürmten Turban am Schachbrett saß. Ulrich Geilmann bezieht am Ende auch Stellung. So habe der Weltschachverband 1950 offiziell 27 noch lebenden Weltklassespielern den Titel „Großmeister“ verliehen. „Khan hätte den Ehrentitel ebenfalls verdient“. Fazit: Ulrich Geilmann hat die dürre Quellenlage über Malik Mir Sultan Khan gekonnt ausgeschöpft und daraus eine Geschichte im Plauderton gezimmert, ohne geschwätzig zu wirken. Lobenswert ist die Partien-Sammlung, die einem den vergessenen Schachspieler näherbringen und zeigen, wie schnell sich Khan mit den Spieltechniken auf der europäischen Schachbühne zurechtfand und Erfolg hatte.

19,80 €*
Koblenz: Schach lebenslänglich - Erinnerungen eines Erfolgstrainers
Koblenz: Schach lebenslänglich - Erinnerungen eines Erfolgstrainers
Alexander Koblenz stellt in seinem Buch eine Reihe selbstloser Romantiker, ja glühender Fanatiker vor, die trotz der verächtlich herablassenden Haltung ihrer Umgebung, trotz der zermürbenden Kämpfe am Schachbrett und der im Alter drohenden Armut ihrem geliebten Beruf in einem jahrzehntelangen schweren Lebenskampf unverbrüchlich die Treue hielten. Zu diesen Bekennern gehört auch der Autor des vorliegenden Buches. Als junger Mann verzichtete er auf eine ehrenvolle, gesicherte Laufbahn und wandte sich, von der Verständnislosigkeit seiner Umgebung begleitet, einer ungewissen Zukunft entgegen. Auf dem dornigen Lebensweg eines Berufsschachmeisters erfuhr er alle damit verbundene Unbill, zweifelte aber keinen Augenblick an der Richtigkeit seiner Wahl. Vielseitig begabt und kämpferisch von Natur, hat Alexander Koblenz auch als Schachjournalist und Schachtrainer Hervorragendes geleistet. Er war es, der Michail Tal auf dem Weg von der Schulbank zur Weltmeisterschaft als Ratgeber begleitete. Gerade in seiner Eigenschaft als Pädagoge bewährte er sich ganz besonders – dank seiner Herzensgüte, seiner ständigen Hilfsbereitschaft und der seltenen Fähigkeit, ganz im Schüler aufzugehen. 244 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag   Rezension von Uwe Bekemann im März 2015 Mit dem Namen Alexander Koblenz verbindet man als erfahrener Schachanhänger drei Dinge: 1.Starker sowjetischer Großmeister. 2.Autor mehrerer ausgezeichneter Schachbücher. 3.Langjähriger Trainer von Michail Tal. In seinem Buch „Schach lebenslänglich“ kommt alles von dem zusammen. Das Werk ist jüngst in seiner 3. Auflage als Imprint des Schachverlags Ullrich im Joachim Beyer Verlag erschienen. Es trägt den Untertitel „Erinnerungen eines Erfolgstrainers“. In seinen Vorauflagen habe ich das Buch nicht gekannt. Für mich waren seine Inhalte somit Neuland, soweit ich im Laufe der Jahrzehnte nicht aus anderen Quellen etwas dazu erfahren habe. Es gehört zu jenen Werken, die ich im Zuge der Vorbereitung dieser Rezension komplett durchgearbeitet habe, wobei aber nicht wirklich von Arbeit zu sprechen ist. „Schach lebenslänglich“ ist ein Lesebuch zum Schach, bereichert um etliche herausragende Beispiele aus der Turnierpraxis (im Wesentlichen Partieauszüge, in denen etwas ganz Besonderes passiert ist). Das Buch ist so interessant und fesselnd geschrieben, dass ich gerne alles daraus erfahren wollte. Koblenz schildert zahlreiche Momente der Schachgeschichte, die er persönlich miterlebt hat. Kurioses, Witziges, Spannendes, Ärgerliches, Erstaunliches – alles findet seine Plätze im Werk. In den meisten Fällen war er Beteiligter oder Zeuge eines Vorgangs, sodass er dem Leser alles quasi aus erster Hand liefern kann. Meine Lieblingsepisode hat er allerdings nicht als Zeitzeuge begleitet, sondern „nur“ selbst erfahren, und zwar von Eduard Lasker. Sie betrifft dessen Namensvetter, Ex-Weltmeister Emanuel Lasker. Ich möchte sie kurz schildern: Während einer Atlantikreise forderte ein Fahrgast ihn (Anmerkung UB: Emanuel Lasker) zu einer Schachpartie auf. Lasker erzählte dem neuen Bekannten, auch er habe seinerzeit gern Schach gespielt. „Dann gebe ich Ihnen eine Dame vor“, sagte der Reisegefährte, der das Interesse des Neulings wecken wollte. Lasker willigte ein und verlor zwei Partien nacheinander. „Das Spiel ohne Dame“, sagte er darauf zu seinem Partner, „scheint gewisse Vorteile zu bieten, vielleicht deshalb, weil der König in der Ausgangsstellung nicht durch die Dame in seiner Bewegungsfreiheit behindert wird. Gestatten Sie, dass jetzt ich ohne Dame spiele!“ „Das ist ja lächerlich!“ antwortete der Passagier. „Ich habe Sie zweimal ohne Dame besiegt, und jetzt wollen Sie mir vorgeben! Das ist absurd!“ Lasker blieb jedoch bei seinem Vorschlag. Schließlich willigte der Partner ein, verlor einige Partien. Diese Zeilen und deren Fortsetzung finden sich im Übergang der Seiten 198, 199. Den klaren Schwerpunkt im Werk bilden die Erzählungen, die das Verhältnis und die Zusammenarbeit Alexander Koblenz / Michail Tal betreffen. Koblenz hat den auch in Deutschland sehr beliebten Ex-Weltmeister von jungen Jahren an betreut und ihm große Dienste geleistet, um Weltmeister zu werden sowie zahlreiche andere große Erfolge zu erzielen. Ein wenig erinnert die Beziehung zwischen beiden an ein Vater-Sohn-Verhältnis, Tal tituliert seinen Trainer respektvoll als „Maestro“. Als Leser spürt man, dass Koblenz emotional gebunden ist, wenn seine Erzählungen Michail Tal betreffen. Es ist wie eine schützende Hand, die er über seinen Schützling hält, selbst beim Schreiben von „Schach lebenslänglich“. Emanuel Lasker, Eduard Lasker, Alexander Aljechin, Efim Bogoljubow, Leonid Bronstein, Juri Awerbach, Michail Botwinnik, Bobby Fischer, Paul Keres, Max Euwe – dies ist nur eine Auswahl der großen Namen der Schachgeschichte, zu denen der Leser viel erfährt, oft auch sehr Menschliches. Die erwähnten Beispiele aus der Turnierpraxis betten sich durchgehend in den Text ein. So entsteht ein symbiotisches, ein inhaltlich sehr harmonisch gestaltetes Werk. Und wenn Sie eine Vermutung haben sollten, wie die Beispiele aus der Praxis Michail Tals überwiegend aussehen: Ja, diese trifft zu! Spektakuläre Opferwendungen und Bewunderung auslösende Kombinationen, das Salz in der Suppe der besonderen Partien und eine Spezialität des Ex-Weltmeisters, in „Schach lebenslänglich“ finden sie eine neue Präsentationsplattform. Fazit: „Schach lebenslänglich“ ist ein Werk, das gleichermaßen unterhält wie informiert. Es widmet sich in erster Linie Personen und Episoden der Schachgeschichte, mit einem besonderen Schwerpunkt zu Michail Tal. Die Gegenstände der Beschreibungen stammen zumeist aus dem persönlichen Erleben des Autors. Auf den Punkt gebracht ist das Werk ein Schach-Lesebuch, in dem sich Beispiele aus der Spielpraxis in die Unterhaltung eingliedern. Ich empfehle dieses Buch demjenigen zum Kauf, der Plaudereien mit historischem Hintergrund mag.

19,80 €*
Dietze: Schachphänomen Paul Morphy
Dietze: Schachphänomen Paul Morphy
Paul Charles Morphy gehört, verglichen mit berühmten Zeitgenossen wie Adolph Anderssen oder Howard Staunton, eher zu den ,rätselhaften’ Spielerpersönlichkeiten der Schachgeschichte. Ein solches Schicksal bleibt zumeist jenen Größen vorbehalten, in deren Lebenslauf es früher oder später heißt: zeigte psychische Auffälligkeiten; kapselte sich zusehends ab; wurde schwermütig, ein Sonderling, ein Einzelgänger …  Kurz – all jenen, die höchst unfreiwillig die Volksweisheit zu nähren und sie somit am Leben zu erhalten haben, gemäß derer Wahnsinn und Genie dicht beieinander liegen. Nun ist es nicht das Ziel dieses Buch, die mehr oder weniger obskuren Bereiche von Morphys Leben auszuleuchten, schließlich ist es keine psychologische Studie, sondern ein Schachbuch. Und in diesem soll keine Seelenforschung betrieben werden, sondern es soll einzig und allein um eine möglichst verlässliche Beantwortung der Frage gehen, was es denn nun mit dem Schachspieler Morphy tatsächlich auf sich hatte. Zu diesem Zweck hat der Autor – ein Schachhistoriker, dessen Interesse schon immer speziell jenem amerikanischen ,Superstar’ des 19. Jahrhunderts galt, der wohl mit Recht als einer der ,ungekrönten Weltmeister’ angesehen werden darf – nicht nur 100 von dessen aussagekräftigsten Partien zusammengetragen, sondern auch sehr detailliert dessen Lebensweg nachgezeichnet – und zwar von der Entdeckung des Wunderkindes bis hin zu seinem frühen Tod. Das Ergebnis ist ein überaus lebendiger Einblick in einen äußerst interessanten Abschnitt der Schachgeschichte, der es sicherlich nicht verdient hat, schlichtweg in Vergessenheit zu geraten.   148 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag    Rezension von Jörg Palitzsch im April 2018  Der 1837 in New Orleans geborene und mit nur 47 Jahren an einem Schlaganfall gestorbene Paul Charles Morphy gilt als einer der größten Schachspieler. Er spielte in der kurzen Zeit seines Wirkens Partien, die zu den schönsten zählen. Der Autor Otto Dietze hat mit „Schachphänomen Paul Morphy“ ein stimmiges Bild über den Amerikaner geschrieben und einen Einblick in dessen Spielkunst gegeben. Im April 2017 feierte Dietze seinen 90. Geburtstag, er hat sich als Publizist und Übersetzer russischer und englischer Schachliteratur einen Namen gemacht. Im speziellen hat er sich mit Forschungen über Paul Morphy beschäftigt, was in dem Buch kenntnisreich zutage tritt. Zwar ist der Text in verkürzter Form bereits 1996 in der Rochade Europa erschienen, wurde aber für die erste Buchauflage von dem Schachbuchautor Lothar Nikolaiczuk überarbeitet und ergänzt. Herausgekommen ist eine Lebensbeschreibung Morphys, die sich nicht allein an den biografischen Daten abarbeitet. Dietze verknüpft Fakten des Amerikaners mit 100 kommentierten Parteien. Ohne Effekthascherei, der man bei Paul Morphy schnell erliegen könnte, ist es eine spannende Erzählung über einen ungewöhnlichen Schachspieler, der als der „ungekrönte Weltmeister“ gilt. Morphys internationale Schachkarriere währte kaum sechs Monate, als er ab Juni 1858 in England und Frankreich alles besiegte, was Rang und Namen hatte. Darunter Adolf Anderssen, der ebenfalls als „ungekrönter Weltmeister“ galt. Das Ergebnis des Wettkampfes in Paris war deutlich. Morphy gewann mit 7:2 bei zwei Remis. Zu einem Duell mit Howard Staunton, der zwischen 1843 und 1851 als stärkster Schachspieler der Welt galt, kam es unterdessen nicht. Der Engländer ging ihm geschickt aus dem Weg. So kehrte Paul Morphy im Mai 1859 nach New York zurück und ihm wurde einen triumphaler Empfang bereitet. Trotz allen Erfolges nahm er an keinen offiziellen Wettkämpfen mehr teil. Bis zu seinem frühen Tod wurde er schwermütig und litt an Verfolgungswahn. Fazit: Eine von Max Euwe kommentierte Partie Morphys gegen De Riviére, eine von Morphy kommentierte Partie zwischen McDonnell und Labourdonnais sowie 20 Aufgaben über Schlusskombinationen des weltmeisterlich spielenden Amerikaner runden den positiven Eindruck des Buches ab.   Rezension von Heinz Däubler im Juni 2017Paul Morphy – Ein SchachphänomenIm Vorgriff auf die 180. Wiederkehr des Geburtstags des „ungekrönten Weltmeisters“ Paul Charles Morphy ist 2016 im Joachim-Beyer-Verlag Otto Dietze „Schachphänomen Paul Morphy“ erschienen. Der Verlag kann sich glücklich schätzen, mit dem Schachhistoriker Otto Dietze – ehrenamtlicher Schachtrainer, der schon 20 Schachbücher aus dem Russischen und Englischen übersetzt hat – einen Experten gewinnen zu können, dessen Interesse schon immer dem amerikanischen Schach-Superstar des 19. Jahrhunderts galt und sich als Mitglied des Förderkreises für Schachgeschichtsforschung speziell mit Forschungen über PaulMorphy beschäftigt hat.Das vorliegende Büchlein ist umso wertvoller, als es nur eine bescheidene Anzahl von meist vergriffenen Büchern gibt, die sich mit Leben und Spiel des genialen Amerikaners beschäftigen. Anhand von 100 augewählten Partien, die der bekannte Schachbuchautor Lothar Nikolaiczuk unter Nutzung moderner Schachprogramme kritisch durchleuchtet hat, wird das schachliche Vermächtnis Morphys und sein Leben abgebildet. Zur Klarstellung sei vermerkt, dass es sich hierbei nicht um eine psychologische Studie, sondern in erster Linie um ein Schachbuch handelt.Als Quintessenz der angebotenen Partien lassen sich einige Schlussfolgerungen ziehen, die für den Schachspieler von heute durchaus lehrreich sind. So kann festgestellt werden, dass die wunderbaren Kombinationen Morphys nicht aus dem Nichts kommen, sondern Ergebnis eines gediegenen Positionsverständnisses sind. Was dessen Klarheit anbelangt, war er seinen Zeitgenossen wohl 50 Jahre voraus. Dabei hat er Mittel angewendet, die auch heute zu beachten sind:- Rasche Figurenentwicklung- Eroberung des Zentrums- Einsatz von BauernhebelnFazit: Ein bemerkenswertes Buch über Leben und schachliches Wirken des besten Spielers des 19. Jahrhunderts und unbedingt lesenswert.  Rezension von Uwe Bekemann im Mai 2016 Mit „Schachphänomen Paul Morphy“ hat der Joachim Beyer Verlag als Imprint des Schachverlags Ullrich eine Neuerscheinung mit Alleinstellungspotenzial herausgebracht. Sein Autor ist der Schachhistoriker Otto Dietze, den schachlichen Teil hat der bekannte Autor Lothar Nikolaizcuk überarbeitet – überarbeitet deshalb, weil das Werk auf Material beruht, das die Zeitschrift Rochade bereits im Jahr 1996 veröffentlicht hat. Das Werk ist eine lebendige und unterhaltsame Hommage an Paul Morphy, der vor rund 150 Jahren als weltbester Schachspieler angesehen wurde. Es bildet eine Einheit aus 100 Partien des Meisters, von denen sehr viele kommentiert sind, persönlichen und schachhistorischen Daten, narrativen Elementen und etwas Fotomaterial. Überwiegend sind die Partien mit Textkommentaren versehen, teilweise auch im Informator-Stil, also um Schachsymbole ergänzt, kommentiert worden. Abgerundet wird der Inhalt um 20 an den Leser gerichtete Aufgabenstellungen, die er im „Morphy-Stil“ absolvieren soll. Auch dieses Element erfüllt in meinen Augen einen Auftrag zur Unterhaltung, ein Schulungsanspruch ist damit nicht verbunden. Morphy, der schon in sehr jungen Jahren sein meisterliches Spiel zeigte und dem ein nur kurzes Leben von rund 47 Jahren beschieden war, zeigt sich im Porträt des Werkes als außergewöhnlicher Spieler, der in Sachen des positionellen Verständnisses den Kontrahenten seiner Zeit voraus war, und als angenehmer sowie ehrenhafter Mensch. Seine Sehnsucht nach einem Match gegen Howard Staunton, das ihm die Chance gegeben hätte, in den Augen der Öffentlichkeit als – allerdings inoffizieller, weil es den Titel noch nicht gab – Weltmeister angesehen zu werden, blieb unerfüllt. Auch andere Größen der damaligen Zeit, darunter auch Staunton und Anderssen, werden im Werk charakterlich beschrieben. Staunton kommt dabei nicht allzu gut weg, Anderssen dagegen umso besser. Staunton hat sich wohl auf ein intrigierendes Taktieren verlegt, um einem Wettkampf gegen Morphy auszuweichen, den er offenbar als überlegen fürchtete. Auch „Schachphänomen Paul Morphy“ kann nicht klären, warum Morphy sich nach einer Rückkehr nach einem von Schach geprägten Aufenthalt in Europa und schließlich vollständig vom Schachspiel abgewendet hat, will es aber auch nicht. Vielleicht gab es auch einen Zusammenhang mit der Enttäuschung über Stauntons Verweigerungshaltung, aber dies ist Spekulation. Nur am Rande und damit auf eine sehr verantwortungsvolle Weise erwähnt Dietze, dass Morphy gegen Ende seines Lebens mit geistigen Problemen zu tun hatte. Aus heutiger Sicht sind viele der abgebildeten Partien mit großen Fehlern belastet. Dies mindert ihren Unterhaltungswert in keiner Weise, kann ihn teilweise sogar dadurch steigern. Die Fehler sind im Kontext der Zeit zu würdigen. Erst die nachfolgend eingetretene enorme Entwicklung der Schachtheorie macht es uns möglich, viele der damaligen „Patzer“ so zu abstrahieren, dass wir sie nach positionellen Regeln etc. bewerten können. „Schachphänomen Paul Morphy“ nimmt einen ungefährdeten Platz in der aktuellen Schachliteratur ein, der von keinem anderen Werk berührt wird. Wer, und dies besonders auf Deutsch, von Morphy mehr erfahren und wer von dessen Spiel bestens unterhalten werden möchte, macht mit dieser Neuerscheinung einen sehr guten Griff. Auf ein gleichartiges anderes Werk kann er nicht ausweichen. Fazit: „Schachphänomen Paul Morphy“ ist aus meiner Sicht eine schachhistorisch wertvolle Arbeit mit einem zudem hohen Unterhaltungswert.

19,80 €*
Brinckmann: Grossmeister Bogoljubow
Brinckmann: Grossmeister Bogoljubow
Reihe: "Meilensteine des Schach" Band 11 Diese Partiesammlung aus dem Jahre 1953, die sich dem Schaffen des Großmeisters Efim Bogoljubow (1889-1952) widmet, füllt eine Lücke in der Schachliteratur, denn es ist nach wie vor das einzige Buch in deutscher Sprache über den aus der Ukraine stammenden Weltklassespieler. Der Autor A. Brinckmann präsentiert nach einer kurzen Biografie und Charakterisierung seines Protagonisten sowie einer Auflistung seiner Match- und Turnierergebnisse eine (kommentierte) Auswahl von 50 seiner besten Partien. Weitere 14 unkommentierte Partien mit bemerkenswerten Spielzügen beschließen das Buch.    Bogoljubow war Berufsschachspieler, seinen größten Triumph feierte er in Moskau 1925 (1. Platz vor Lasker und Capablanca). Sein grundsätzlich gesunder Spielstil war vornehmlich positionell ausgerichtet, während seine großen taktischen Fähigkeiten sich insbesondere dann entfalteten, wenn er seine Gegner strategisch überspielt hatte. Nur seine allzu optimistische Grundhaltung und eine daraus erwachsene, zur Leichtfertigkeit neigende Spielweise kostete ihn manchen Punkt und war auch verantwortlich für schwankende Turnierresultate.   Wer indes seine besten Partien  nachspielt, wird auf eine Quelle erbaulicher Unterhaltung und gehaltvoller Instruktion stoßen. Sie für nachfolgende Generationen verfügbar zu machen und damit ein Stück schachlicher Zeitgeschichte zu konservieren, ist das Anliegen dieses Buches.     Alfred Brinckmann (1891-1967), deutscher Schachmeister, IM-Titel 1953; Funktionär, Journalist und Autor zahlreicher Schachbücher (Lehrbücher, Biografien und Turnierbücher). Der 1. Platz in Berlin 1927 vor Bogoljubow, Nimzowitsch und Sämisch war sein größter Erfolg.   148 Seiten, kartoniert   Rezension: Erst durch das Werk „Großmeister Bogoljubow“ ist mit bewusst geworden, dass ich von diesem großen Meister der Vergangenheit noch nie eine Partiensammlung oder eine Biografie in deutscher Sprache gesehen habe, obwohl ich mich schon über Jahrzehnte hinweg intensiv mit dem Schachspiel befasse. Der Rückentext des Buches stellt heraus, dass es nach wie vor das einzige deutschsprachige Buch über Bogoljubow ist.   Diese Partiensammlung stammt aus dem Jahre 1953, ist also gleich nach dem Tode Bogoljubows in 1952 erschienen. Der Käufer erhält das Werk, das von Alfred Brinckmann geschrieben worden ist, heute in einer neu bearbeiteten Auflage 2015. Erschienen ist es in der Reihe „Meilensteine des Schach“ im Joachim Beyer Verlag als Imprint des Schachverlags Ullrich. Wenn ich „Großmeister Bogoljubow“ mit einem einzigen Satz charakterisieren sollte, so sähe dieser wie folgt aus: ein sehr unterhaltsames Werk aus kommentierten Partien, zahlreichen Erzählungen und Daten zur Geschichtsschreibung des Schachspiels. Auf den Punkt gebracht und auf das Wesentliche konzentriert ist das Buch genau das. Einer kurzen Beschreibung mit der Überschrift „Der Meister und der Mensch“ zur Vita des Porträtierten schließen sich mehrere Seiten mit Ergebnisdaten zur Turnierpraxis Bogoljubows an. Dem folgt als dritter Teil und damit als Kernstück die Sammlung aus 48 kommentierten Partien des Meisters. 12 „Schnappschüsse und Momentaufnahmen“ schließen das Werk ab; bei ihnen handelt es sich um bemerkenswerte Züge, die Bogoljubow in weiteren Partien gespielt hat und die in Fragmenten abgebildet sind. Bei der Betrachtung der Auflistung der Turniererfolge Bogoljubows fällt auf, dass er außerhalb der ersten Jahre seiner Karriere ganz überwiegend in Deutschland gespielt hat. Dies ist dadurch erklärlich, dass er hier seine Wahlheimat gefunden hat, wenn zu Beginn auch wohl nicht so ganz freiwillig. Er war Teilnehmer des Kongresses in Mannheim 1914 und wurde bei Kriegsausbruch kaserniert. In Deutschland fand er dann seine Frau, sodass der aus der Ukraine stammende gebürtige Russe seine Zelte dauerhaft hier aufschlug.   Die 48 Partien im Buch sind sehr unterhaltsam kommentiert. Alfred Brinckmann hat teilweise Originalkommentare verwendet, wie er schreibt, aber offenkundig auch selbst viel beigetragen. Er war Internationaler Meister, Journalist und Buchautor, was ihn zum Schreiben einer bemerkenswerten Partiensammlung befähigte. Die Kommentierung ist textlich geprägt. Analysen bleiben in einer überschaubaren Tiefe. Eingeleitet wird eine Partie mit einer kurzen Erzählung, die auf mich fast noch mehr Reiz ausgeübt hat als die Darstellung des Verlaufs. Brinckmann verwendet eine sehr blumige Sprache, er arbeitet viel mit Metaphern. Der damaligen Zeit dürfte es geschuldet sein, dass es hin und wieder leicht verschroben klingt. Das Werk ist eben authentisch, auch in den Formulierungen.   Nicht originalgetreu sind die eingearbeiteten Diagramme. Diese zeichnen sich durch eine zeitgemäße, eine moderne Optik aus. Hier also hat der Verlag dem Nutzen für den Leser Vorrang vor einem historischen Erscheinungsbild eingeräumt.  Wenn man ein Buch über Bogoljubow schreibt oder ein solches dann rezensiert, darf natürlich der vielleicht berühmteste Satz aus dem Mund des Meisters nicht fehlen. „Mit Weiß gewinne ich, weil ich Weiß habe. Mit Schwarz – weil ich Bogoljubow bin.“ Diese Aussage mag etwas überheblich klingen, ist aber eine feinsinnige Spielerei. Auf Russisch heißt „bog“ Gott und „ljubow“ heißt Liebe. Also …   Fazit: „Großmeister Bogoljubow“ ist ein Buch zur ausgezeichneten Unterhaltung im und zum Schach. Es setzt Efim Bogoljubow ein Denkmal, als Spieler und auch als einem sympathischen Menschen. Die aktuelle Neuausgabe 2015 erhält ein in meinen Augen sehr erhaltenswertes Werk für die Nachwelt und macht es für die Gegenwart erst wieder neu verfügbar. Uwe Bekemann, September 2015  

19,80 €*
Brinckmann: Siegbert Tarrasch - Lehrmeister der Schachwelt
Brinckmann: Siegbert Tarrasch - Lehrmeister der Schachwelt
Reihe: "Meilensteine des Schach" Band 12 Siegbert Tarrasch (1862-1934), zu seiner Zeit apostrophiert als Praeceptor Germaniae (lat. Lehrmeister Deutschlands), hat durch seine Schriften weit über die Grenzen Deutschlands hinaus gewirkt, Generationen von aufstrebenden Schachspielern nachhaltig beeinflusst und erheblich zur Popularisierung des Schachs beigetragen. Sein wegweisendes Lehrbuch Das Schachspiel (1931) hat bis in die Gegenwart etliche Neuauflagen oder Bearbeitungen erlebt, und viele kleine und große Meister des Spiels hatten ihre schachlichen Wurzeln in der Tarrasch-Schule. Daher mag auch die im Buchtitel vorgenommene geografische Ausdehnung auf die gesamte Schachwelt weithin  berechtigt sein. Obschon Tarrasch immer ein Amateur war und den größten Teil seines Lebens als Allgemeinmediziner in Nürnberg praktizierte, daher beruflichen Verpflichtungen häufig Priorität einräumen musste, gehörte er für rund 20 Jahre zu den vier besten Spielern der Welt. Den Zenit seiner Schachlaufbahn erreichte er mit den Turniersiegen in Wien 1898 und Monte Carlo 1903, in dieser Phase wurde er gar mit dem Prädikat „Turnierweltmeister“ bedacht.   Alfred Brinckmanns Kollektion der besten 63 Tarrasch-Partien, 1963 in erster Auflage erschienen, blieb für gut vier Jahrzehnte das einzige Werk über Tarrasch in deutscher Sprache. Die aktuell vorliegende Zweitauflage enthält nach wie vor die biografische Einleitung und eine Reihe kommentierter Endspiele (Manuskripte aus Tarraschs Nachlass), die den zentralen Partieteil einrahmen. Der letztere ist nun gründlich überarbeitet worden hinsichtlich der Kommentare und Varianten, die im Lichte heutiger Analysen vielfach umgeschrieben oder ergänzt werden mussten. Dafür wurden einige wenige Partien (Gesamtzahl nun 58) und das Kapitel „Lieder ohne Worte“ (mit 15 Partien ohne verbale Erläuterungen) gestrichen. Die so erneuerte Partiesammlung wird hoffentlich dazu beitragen, das Leben und Werk des großen, vielleicht größten Schach-Lehrmeisters nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.   204 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag       Rezension „Siegbert Tarrasch, Lehrmeister der Schachwelt“ von Alfred Brinckmann war lange das einzige deutschsprachige Buch über den „Praeceptor Germaniae“, seine Erstauflage stammt aus dem Jahre 1963. In der Reihe „Meilensteine des Schach“ ist es vom Joachim Beyer Verlag als Imprint des Schachverlag Ullrich mit einer überarbeiteten Neuauflage 2015 herausgegeben worden. Dieses auch schachgeschichtlich interessante Werk ist quasi runderneuert worden. Auf den ersten Blick fallen das moderne Schriftbild und die gleichfalls modern gestalteten Diagramme auf. Dem entsprechend ist ein neuer Schriftsatz erstellt worden, die Diagramme sind allesamt neu erarbeitet und eingefügt worden. Der Verlag hat dabei eine hohe Sorgfalt an den Tag gelegt, woran nichts ändert, dass ich auf Seite 198 einen kleinen Diagrammfehler entdeckt habe (eine weiße Dame kommt schwarz daher). Im Vordergrund aber steht natürlich die inhaltliche Modernisierung. Aus den ehemals 63 enthaltenen Partien sind durch Streichung nun 58 geworden, die auch hinsichtlich der Aktualität der Kommentare angefasst worden sind. Leider gibt das Werk keine Auskunft darüber, wer diese Arbeit geleistet hat, aber er hat seine Sache gut gemacht. So fällt auf, dass auch kleinere Änderungsbedarfe erkannt worden sind, wie beispielsweise solche aufgrund des Übergangs vom 20. auf das 21. Jahrhundert. Der Leser erhält fein kommentierte Partien, deren Kommentare nicht vom Dogmatismus beherrscht werden, für den der Name Tarrasch steht. Vielmehr ist die Kommentierung, die teilweise auch auf fremde Kommentare wie etwa solche von Tartakower zurückgreift, neutral gehalten. Sie nimmt Tarraschs Ansichten und Aussagen ergänzend auf. Die kommentierten Partien unterhalten als solche, das Werk somit insgesamt als gut gemachte Partiensammlung. Zusätzlich interessant werden sie über eine teilweise feinsinnige Textunterhaltung, die sich vom schlichten Verlauf der Spiele loslöst. Tarrasch, dem nicht nur seine feste Position im Meinungsstreit über „das richtige Positionsspiel“ zugeschrieben wird, sondern auch eine erhebliche Arroganz, kommt nicht direkt zu Wort, sondern wird selbst zitiert. Gegenmeinungen, auch teilweise feinzüngig und pointiert geäußert, kommen auf die gleiche Weise zum Zuge. So ergibt sich ein insgesamt buntes Bild, das in Sachen Schach, Schachhistorie und Streit über die „richtige“ Spielanlage im Schach eine sehr kurzweilige Unterhaltung bietet. Aus der Erstauflage erhalten geblieben ist eine biografische Einleitung, während ein Abschnitt mit unkommentierten Partien entfernt worden ist. Weiter erhalten geblieben sind mehrere Endspiele aus Tarraschs Nachlass, die sich an die kommentierten Partien anschließen. Abgeschlossen wird dieser Bereich durch die Komposition eines sogenannten Turmgambits, die dem Wiener Georg Marco zugeschrieben wird. Humoristisch ironisch werden die Extrempositionen von Tarrasch darin aufs Korn genommen. Dessen Namen erkennt man nur, indem man ihn als Teil aus einem orientalischen Fantasienamen herausliest. In dieser Fantasiepartie gewinnt Tarrasch mit u.a. einem Sextupelbauern, nachdem er sich in deren Verlauf fortwährend selbst bestätigt und widerlegt. Das nicht selten selbstgefällige Schwarz-Weiß-Urteil Tarraschs, das man heute vermutlich als etwas „verbohrt“ bezeichnen würde, wurde ihm so übersteigert als Spiegelbild vorgehalten. Aus meiner ganz persönlichen Sicht zählt „Siegbert Tarrasch, Lehrmeister der Schachwelt“ zu den interessantesten Neuauflagen in der Verlagsreihe „Meilensteine des Schach“, so wie der Porträtierte selbst zweifellos zu den ganz großen und schillernden Personen der Schachwelt zu zählen ist. Das Buch ist sehr unterhaltsam und vermittelt auch ein Feeling des damaligen „Systemstreits“ in der Schachwelt, an dem Tarrasch prägend beteiligt war. Die Partiensammlung ist alles andere als „Museumsschach“; nicht zuletzt die moderne Überarbeitung macht das Werk zu einem interessanten Element der aktuellen Schachliteratur.   Uwe Bekemann, Januar 2016

19,80 €*
Budrich & Schulte: Das war Klaus Junge
Budrich & Schulte: Das war Klaus Junge
Reihe: "Meilensteine des Schach" Band 03   Partien und Aufzeichungen Es war auf dem Neujahrstag vor nunmehr 90 Jahren, als ein großes, vielleicht das größte deutsche Schachtalent (nach Lasker und Tarrasch) das Licht der Welt erblickte. Klaus Junge war indes nur ein kurzes Leben vergönnt. Am 18. April 1945 starb der 21-Jährige kurz vor Kriegsende einen sinnlosen Heldentod im Felde, bevor seine Schachlaufbahn ihren Zenit hätte erreichen können. Bereits früh vom Vater schachlich geprägt und trainiert, war Klaus Junges Entwicklung im Schach rasant vorangeschritten. Er war erst 13, als eine erste Gewinnpartie von ihm in einer Hamburger Schachspalte erschien. Mit 18 hatte er Großmeisterstärke erreicht und wurde von einem Aljechin als der kommende Weltmeister gesehen. Gerühmt wurde auch seine frühe spielerische Reife, die sich vor allem im Endspiel zeigte. Eine komplexe Variante der Halbslawischen Verteidigung, später nach Botwinnik benannt, wurde von Klaus Junge in die Turnierpraxis eingeführt (Stammpartie gegen Rudolf Palme, Bad Elster 1941). Er berechtigte zu den allergrößten Hoffnungen, nur gegen das Schicksal war das Endspiel letztlich nicht zu gewinnen. Bereits 11 Jahre nach seinem tragischen Tod, 1956, erschien dieses Buch über Klaus Junge. Es berichtet über den Lebensweg von Klaus Junge und enthält 40 ausführlich kommentierte Partien, in die auch Anmerkungen von Junge selbst eingeflossen sind. Zudem wurde eine Abhandlung von Klaus Junge „Fernschach – Brettschach“ aufgenommen, eine Übersicht über seine Schachlaufbahn sowie Turniertabellen beschließen das Buch. Durch die aktuelle Neuauflage wird eine gefragte Biografie (und Partiesammlung) der heutigen Schachgeneration wieder zugänglich, aber auch die Erinnerung wachgehalten an einen jungen Schachstern, der allzu früh verglühte im Feuer eines weltumspannenden Wahnsinns.98 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Andreas Wittek im Oktober 2025 Das kleine Schachlehrwerk von Budrich / Schulte mit dem Titel „Das war Klaus Junge – Partien und Aufzeichnungen" umfasst 100 Seiten. Ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis befindet sich auf den Seiten fünf und sechs. Die weitere Gliederung des Schachbuchs sieht folgendermaßen aus: Kapitel 1 „Die ersten Schritte" (Seite 7 bis 11), Kapitel 2 „Der Weg zur deutschen Meisterschaft" (Seite 12 bis 29), Kapitel 3 „Internationale Anerkennung" (Seite 30 bis 52), Kapitel 4 „Großmeister Klaus Junge" (Seite 53 bis 71), Kapitel 5 „Klaus Junge und das Fernschach" (Seite 72 bis 86). Die beiden Autoren kommentieren insgesamt 40 Partien von Junge, einige sogar relativ ausführlich. Die wohl berühmteste Partie von Junge „Dr. Aljechin – Junge, Salzburg 1942, Damengambit" ist auf den Seiten 44 bis 46 zu finden (Partienummer 20). Am 11. Juni 1942 spielte Alexander Alexandrowitsch Aljechin (1892–1946), der damalige amtierende Schachweltmeister, gegen den 18-jährigen Klaus Junge (1924–1945). In einem zähen positionellen Ringen gewann Junge diese Partie mit Schwarz! Dadurch hatte Junge definitiv bewiesen, dass er das Potential zu einem Weltklassespieler besaß. Am Schluss des Druckwerks, auf den Seiten 87 bis 91, befindet sich ein Artikel von Junge zum Thema „Fernschach – Brettschach". Aus schachhistorischer Sicht ist dieser Text meines Erachtens sogar in der heutigen Zeit noch lesenswert, denn er lässt erahnen, welche große geistige Brillanz sich bezüglich der Schachkunst in Junge befunden hat. Junges Schachlaubahn wird von Budrich / Schulte auf Seite 92 und Seite 93 kurz dargestellt. Eine Reihe von Meisterschaften mit dazugehörigen Kreuztabellen, an denen Junge teilgenommen hat, stehen auf den Seiten 94 bis 97. Ich bedanke mich an dieser Stelle sowohl bei den zwei Autoren Budrich / Schulte als auch bei dem Joachim Beyer Verlag für dieses Druck-Erzeugnis, denn es gibt im deutschsprachigen Raum nur sehr wenig Literatur zu Klaus Junge. Bei dieser Gelegenheit sei noch ein kleiner Hinweis gestattet: Auf dem You Tube Kanal von „Perlen vom Bodensee" ist ein sehr instruktives Video mit dem Titel „Als Klaus Junge (18) den Weltmeister besiegte" zu entdecken.

19,80 €*
Capablanca: 75 seiner schönsten Partien
Capablanca: 75 seiner schönsten Partien
Reihe: "Meilensteine des Schach" Band 01 José Raúl Capablanca (1888-1942), das kubanische Schachgenie, gehörte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den Lichtgestalten der Schachwelt. Vielfach als Wunderkind gepriesen, begann seine kometenhafte Karriere im Turnierschach mit dem allseits unerwarteten Sieg im hochkarätig besetzten Turnier zu San Sebastian 1911. Die Serie seiner Erfolge resultierte im Gewinn des WM-Titels 1921 und nochmals im überwältigenden Sieg von New York 1927, aber auch nach seinem Titelverlust triumphierte er in diversen Turnieren, zuletzt in Moskau 1936 und (gemeinsam mit Botwinnik) in Nottingham 1936. Seine Partien manifestieren eine besondere Harmonie und Leichtigkeit, die Logik seines strategisch-planvollen Spiels wirkt bestechend, seine präzise Technik in der Umsetzung kleiner Vorteile beeindruckt. In der Verteidigung kaltblütig agierend und im Angriff beherzt zupackend, demonstrierte „Capa“ außerdem eine nahezu perfekte Beherrschung des Endspiels.  Die vorliegende Partiesammlung (in der deutschen Fassung um 25 Partien reduziert gegenüber der englischen Erstausgabe von 1947) bietet eine chronologische Auswahl der schönsten Partien Capablancas, vom Wettkampf gegen Corzo 1901 bis zu seinen letzten Partien vor dem zweiten Weltkrieg. Die Partiekommentare wurden von Harry Golombek verfasst, während Jules du Mont einen Gedenkartikel beigesteuert hat. Mit dem aktuellen Nachdruck dieses lange vergriffenen Klassikers ist ein Buch wieder erhältlich, das Capablancas Erbe, die unvergänglichen Meisterwerke seiner Schachkunst, vor der Vergessenheit bewahrt. Es dürfte auch auf die heutige Generation der Schachspieler seinen tiefen Eindruck nicht verfehlen.   194 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag    Rezension von Heinz Däubler im Mai 2019 Der Joachim-Beyer-Verlag ist bekannt dafür, dass er dem geneigten Schachfreund vergriffene historische Schachliteratur durch eine Neuauflage zugänglich macht. Etliche solcher Werke hat der Verlag mit der Serie „Meilensteine des Schachs“ zum Leben erweckt. Aus dieser Reihe stellen wir „J. R. Capablanca – 75 seiner schönsten Partien. Ausgewählt von H. Golombek“ als vierte unveränderte deutsche Auflage vor. Das Kultbuch rückt den dritten Weltmeister der Schachgeschichte José Raúl Capablanca, dessen Geburtstag sich Ende letzten Jahres zum 130. Mal jährte, ins rechte Licht. Aufgelegt wurde die erste Ausgabe 1947 in englischer Sprache, die 100 der besten Capablanca-Partien enthielt. Mit der Herausgabe der ersten deutschen Übersetzung 1980 wurde die Partienanzahl auf 75 reduziert. Für den Schachfreund von heute stellt sich die Frage, ob einem solchen Werk mehr als nur historische Bedeutung zukommt. Dies ist zweifellos der Fall. Meister von heute sind sich in der Beurteilung einig, dass auch Nachfolgegenerationen von alten Meister lernen sollten. Dies trifft in besonderer Weise auf die Ideenfindung im Mittelspiel sowie auf exakte Endspielführung zu. Der Autor hat das Werk chronologisch aufgebaut. Es bettet die exzellenten Partien in die Beschreibung von Capablancas schachlichem Werdegang ein. In den zehn Kapiteln „Die frühen Jahre“, „Schnelle Entfaltung“, „Auf dem Weg zur Weltmeisterschaft“, „Weltmeister“, „Sieg und Niederlage“, „Versuche der Rehabilitation“, „1929 – Ein reiches Jahr“, „Prolog des Abschieds“, „Siegreiche Rückkehr“ und „Der letzte Akt“ zeichnet er Capablancas Leben und Wirken trefflich nach. Was sonst noch gefällt: – Übersetztes Vorwort aus 1. Englischer Auflage 1947 – Mehrseitige Gedenkrede auf Capablanca von J. duMont – Ausführliche Kreuztabellen von Capablancas Turnieren Fazit: Ein feiner Klassiker, der in keiner Schachbibliothek fehlen sollte, und absolut lesenswert.

19,80 €*
Buchcover: Friedrich Sämisch, Schachkünstler
Dombrowsky: Friedrich Sämisch - Schachkünstler auf 64 Feldern
Der Berliner Friedrich Sämisch ist ein fast vergessener Meister, der erst nach schweren Kriegsverletzungen sein Schachtalent entdeckte. Schnell stieß er in die Weltklasse vor und konnte sich auch gegen die Weltmeister Lasker, Capablanca, Aljechin und Euwe behaupten. Seine Erfolge beim Blindsimultanspiel machten ihn in Europa zum Star mit Kultstatus. Michael Dombrowsky erzählt von seinem aufregenden und tragischen Leben auch abseits der Schachfelder. Inhalt:  Vorwort Der Traum vom MeistertitelScharaden und WahrheitVom Lehrling zum Meister Schritte in die Weltklasse Die "wilden" Zwanziger1928 - Das goldene Jahr Die Zeit der Trauer Zurück in der Arena Terror regiert in Deutschland Siege am Vorabend des KriegesAuf Leben und Tod Noch ein neues LebenNekrologLiteraturverzeichnis Anhang 384 Seiten, gebunden, Verlag Sonstige

49,00 €*
Buchcover: Porträt eines Mannes am Schachbrett
Dreyer & Sieg: Emanuel Lasker - Schach, Philosophie, Wissenschaft
"Sicherlich ist Laskers Ruhm heute hauptsächlich der Tatsache zu verdanken, daß er, als einziger Deutscher, siebenundzwanzig Jahre lang Schachweltmeister war (1894-1921); länger als jeder Weltmeister vor ihm oder nach ihm. Aber eine Verkürzung seines Lebens auf diesen Aspekt übersieht, daß Lasker mit ungewöhnlicher geistiger Vielseitigkeit auch auf anderen Gebieten schöpferisch und fruchtbar tätig war. Es ist die Aufgabe dieses Bandes, Laskers Lebenswerk in diesen Bereichen nachzugehen." Sieben Autoren beschäftigen sich in diesem Band mit Emanuel Lasker, dem Schachweltmeister, Mathematiker und Philosophen – einem Intellektuellen zwischen den Welten in unruhigen Zeiten einer Zeit beschleunigten sozialen Wandels und radikaler politischer Umbrüche. 289 Seiten, kartoniert, Verlag Europäische Verlagsanstalt

18,00 €*
Buchcover: Schachfiguren und Krone, Titel von Mark Dvoretsky
Dworetski: Für Freunde und Kollegen - Beruf Trainer
Mark Dvoretski wurde 1947 in Moskau geboren. Er ist Internationaler Meister, Verdienter Trainer der UdSSR, von Russland und Georgien, und FIDE Seniortrainer. Zu Recht gilt er als einer der besten Trainer der Welt. Mehrere seiner Schüler wurden starke Großmeister: u.a. S. Dolmatov, A. Jussupow, A. Dreev, V. Zvjagintsev, E. Inarkiev. Mark Dvoretski ist auch ein außerordentlich erfolgreicher Buchautor. Für seine Bücher "Die Endspieluniversität” und "Tragikomödien im Endspiel” erhielt er 2010 von der FIDE die Boleslavsky Medaille. Dieses neue Buch hat nicht nur seine Lebenserinnerungen zum Inhalt. Die ungewöhnliche Autobiographie zeigt das Schachleben in Russland aus der Sicht des Trainers. Besonders interessant sind die Begegnungen des Autors mit den Titanen des Schachs, wie Botvinnik und Tal. Nicht nur Schachtrainer, sondern alle, die sich im Schach verbessern wollen, finden hier viele wertvolle Tipps. Aber auch weniger ambitionierte Schachfreunde können unterhaltsame Geschichten und amüsante Anekdoten aus dem Leben des berühmten Trainers genießen.   425 Seiten, gebunden, Verlag Jussupow

27,90 €*
Cover eines Schachbuchs mit Figuren, Krone und Schriftzug
Dworetski: Für Freunde und Kollegen - Publikationen
Der zweite Band besteht hauptsächlich aus Artikeln und Interviews, die in den letzten Jahren im Internet und in Schachzeitschriften veröffentlicht wurden. Aber auch frühere Publikationen sind dabei, für sie habe ich manchmal neue Schachbeispiele eingeführt. Einige Teile sind speziell für das Buch geschrieben. Hier finden Sie keine rein analytischen Arbeiten, sondern ich untersuche allgemeine Fragen. Ich sage meine Meinung, wie man unterschiedliche Probleme bei Trainern lösen kann, gebe Ratschläge zur Wahl der Schachliteratur und deren Bearbeitung, analysiere die wichtigsten Faktoren, die die Ergebnisse von einzelnen Spielern und Schachmannschaften beeinflussen. Ein Abschnitt ist dem heutigen tand des Schachs in Russland und in der Welt und deren Entwicklungsperspektiven gewidmet. Unter den Kapitelnamen finden Sie die Quelle, wo sie veröffentlicht wurde. Die meisten meiner Artikel sind in Russisch und Englisch erschienen, in diesen Fällen nenne ich beide "Adressen”. Manchmal sind einige Korrekturen (stilistische oder analytische) dem Text hinzugefügt. Falls diese Veränderungen klein und unwichtig sind, sind sie nicht hervorgehoben. In wichtigen Fällen sind sie dagegen mit einer anderen Schrift geschrieben. Die Zitate sind, wie immer, kursiv dargestellt.   372 Seiten, gebunden, Verlag Jussupow

27,90 €*
Buchcover: Dr. Max Euwe – Schachpartien
Dr. Max Euwe: Auswahl seiner besten Partien
Reihe: "Meilensteine des Schach" Band 15 Dr. Max Euwe, der holländische Schachweltmeister von 1935-37, trat zum letzten Mal 1960 bei der Schacholympiade in Leipzig für sein Heimatland am Turnierbrett an. Doch blieb er dem Weltschach verbunden und fungierte von 1970-78 als Präsident des Weltschachbundes FIDE. Hier bewies der Mathematikprofessor und Experte für Datenverarbeitung sein Verhandlungsgeschick, indem er die schwierige Aufgabe bewältigte, den Weltmeisterschaftskampf zwischen dem US-Amerikaner Robert James (Bobby) Fischer und dem Russen Boris Spasski über die Bühne zu bringen. Im November 1981 verstarb Max Euwe im Alter von achtzig Jahren. Max Euwes Partien, die Phantasie und Logik vereinen, üben einen eigenartigen Reiz aus. Das Niveau des Wettkampfes um die Weltmeisterschaft 1935 zwischen Aljechin und Euwe gilt auch heute noch als unübertroffen. So versteht es sich von selbst, dass die neu aufgelegte Partieauswahl ihren Platz in der Schachliteratur gefunden hat. In diesem Buch lebt der große Schachmeister Max Euwe ebenso weiter, wie in seinen zahlreichen schachliterarischen Werken.   200 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag   Rezension von Jörg Palitzsch im Oktober 2018 Dr. Max Euwe - Eine Auswahl seiner besten Partien Der fünfte Schachweltmeister Dr. Max Euwe (1935 bis 1937) genoss nicht nur in seiner Heimat Holland Kultstatus. Als Fide-Präsident von 1970 bis 1978 verschaffte er sich auch auf internationaler Ebene großen Respekt. In seine Zeit als FIDE-Präsident von 1970 bis 1978 fiel im Jahr 1972 auch das Weltmeisterschaftsspiel zwischen Bobby Fischer und Boris Spassky in Reykjavik, in der er eine schwierige Vermittlerrolle übernehmen musste. Dabei kam dem Mathematikprofessor und Daten-Experte sein großes Verhandlungsgeschick zugute. Euwe trat aber vor allem als Autor unzähliger Schachbücher hervor, die bis heute als Lehrmaterial dienen. Dazu zählen seine umfangreichen Theorien über das Endspiel sowie seine Abhandlungen über das Positions- und Kombinationsspiel im Schach. In einer dritten Auflage ist jetzt in der Reihe „Meilensteine des Schach“ im Joachim Beyer Verlag eine Auswahl seiner besten Partien erschienen. Im Vorspann des Buches werden die Laufbahn Euwes und sein Weg zur Weltmeisterschaft beleuchtet, die mit dem Sieg in Hastings 1934/35 die Krönung brachte. In einem weiteren Beitrag schreibt Kurt Richter über Dr. Euwe und seine Freunde, die sich mit großer Bewunderung und Hochachtung über den außergewöhnlichen Schachspieler äußerten. So etwa Großmeister Dr. Ossip Bernstein: „Für mich gibt es keine Ex-Weltmeister.“ Es sei genauso wie es im Römischen Reich hieß: semel heres -semper heres, wer einmal etwas erbt, bleibe immer Erbe. Sprich Max Euwe werde stets Weltmeister sein. Diesem Einstieg folgen vier Beiträge mit Partiebeispielen über Euwe. Tigran Petrosjan hat seine Erinnerungen mit „Ein Schüler schlägt den Meister“ und Dr. Mikhail Botwinnik „Ein unangenehmer Gegner“ überschrieben. Paul Keres erinnert sich an seine Begegnungen mit Euwe und Albric O'Kelly hat Partien ausgesucht, die Euwe als geschickten Taktiker und Psychologen zeigen. Im Hauptteil des Buches sind anschließend auf über 150 Seiten die besten Partien Euwes aufgeführt, die die herausragenden Leistungen des Holländers zeigen. Ein schwieriges aber trotzdem gelungenes Unterfangen, weil eine große Zahl an Euwe-Partien bereits veröffentlicht wurden. Fazit: Die Partien Euwes komplett abzubilden ist unmöglich, das Buch bildet sein Spielspektrum jedoch in allen Aspekten ab.

19,80 €*
Buchcover Schach Leben und Lehren, orange
Földeák: Géza Maróczy - Leben und Lehren
Reihe: "Meilensteine des Schach" Band 14 Wenn es in der Schachwelt – wie in anderen Bereichen des Lebens – neben den 'leuchtenden Stars' so etwas gibt wie 'graue Eminenzen', so gehörte der Ungar Géza Maróczy zweifellos der zweiten Kategorie an. Womit – um Missverständnissen vorzubeugen – nicht etwa gemeint ist, dass er ein zweitklassiger Spieler war. Denn immerhin erreichte er zu seiner besten Zeit etliche Siege und Spitzenplatzierungen bei den stärksten Turnieren – z.B. den 2.Platz in Nürnberg 1896 – zwar hinter Lasker, jedoch vor Tarrasch, Pillsbury, Janowski und Steinitz; den 1. Platz in Ostende 1905 vor Janowski und Tarrasch; den geteilten 1. Platz in Barmen 1905 gemeinsam mit Janowski vor Marshall usw. Und so ist es kein Wunder, dass er neben Siegbert Tarrasch als würdigster Herausforderer des gelegentlich wankenden Weltmeisters Emmanuel Lasker gehandelt wurde. Dass es jedoch nie zu einem Weltmeisterschaftskampf kam, lag vor allem daran, dass Maróczy – im Gegensatz zu Lasker – berufstätig war und nur seinen spärlichen Urlaub zum Schachspielen nutzen konnte. Seine geringere Bekanntheit lag womöglich an seinem Stil, der nicht auf Glanz und Gloria ausgerichtet war, sondern auf positionelle Präzision und geschliffene Endspielführung – eine Definition, die interessanterweise in heutiger Zeit dem Stil von keinem Geringeren als dem amtierenden 'Super-Weltmeister' Magnus Carlsen zugeordnet werden könnte. Wie auch immer gelingt es dem Autor ganz vortrefflich, uns Géza Maróczy näherzubringen, und zwar nicht allein den Schachspieler und -lehrer, sondern vor allem auch den Menschen. 176 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag Rezension von Dr. Michael Petro im Dezember 2025 Exzellenter Theoretiker und Praktiker Allseits bekannt in der Eröffnungstheorie ist die Maróczy-Struktur. Bis heute ist sie ein fester Bestandteil der Turnierpraxis. Weniger prominent ist ihr Schöpfer. Dabei war er zeitweise der beste Spieler der Welt. Ein Blick zurück in eine ferne Epoche der Schachgeschichte. Ein Zufall ebnete den Weg für Géza Maróczy (sprich: Marotsi). Im Jahr 1895 fand in Hastings eines der bis dahin stärksten Turniere der Schachgeschichte statt. Auch der Ungar Gyula Makovetz erhielt eine Einladung, konnte jedoch nicht teilnehmen. Stattdessen schlug er seinen noch unbekannten Landsmann Maróczy vor. Als „Amateur“ ohne internationale Resultate konnte der zwar nicht am Meisterturnier teilnehmen, erhielt aber einen Platz im ebenfalls gut besetzten Hauptturnier – und gewann. „Die zeitgenössischen Quellen widmeten dem temperamentvollen Spiel des jungen Meisterkandidaten hohes Lob“, wie Maróczys Biograf Walter Árpád Földeák berichtet. „Der Sieg in Hastings bedeutete für ihn das Meisterdiplom.“ Und er knüpfte erste Kontakte mit seinen künftigen Rivalen: „Der bescheidene und freundliche Mann erwarb sich während der Turnierpausen auch in leichten Partien unter den Meistern Respekt.“ Siegbert Tarrasch schenkte ihm sein Buch Dreihundert Schachpartien und lud ihn fürs kommende Jahr zum Internationalen Turnier nach Nürnberg ein. Für den jungen Ungarn blieb beides nicht folgenlos: „Ich studierte das Buch eingehend. Mein Spiel wurde durch Zauberschlag umgeformt und ruhiger. Mein Spieltempo wurde langsamer, ich verwendete mehr Zeit für die wissenschaftlichen Grundlagen der Partie, ich lernte die Stellungen erwägen und beurteilen. Auch meine Endspielkenntnisse nahmen beträchtlich zu.“ Seine akribische Vorbereitung trug Früchte: Die Siegertrophäe in Nürnberg 1896 ging zwar an Weltmeister Emanuel Lasker, aber der ungarische Neuling wurde im Feld der 19 Teilnehmer sensationeller Zweiter (vor Tarrasch). Nur dem Exweltmeister Wilhelm Steinitz musste er sich im direkten Duell geschlagen geben. Dies war der Auftakt einer bemerkenswerten Erfolgsgeschichte: Im Lauf seiner Karriere nahm er an 67 Turnieren teil und stand in mehr als der Hälfte davon auf dem Siegerpodest: 13-mal wurde er Erster, 16-mal Zweiter und siebenmal Dritter. Geboren 1870 in Szeged, 170 Kilometer nördlich von Budapest, war Géza erst mit 14 oder 15 Jahren zum Schach gekommen. Er selbst sagte dazu: „Weder väterlicher- noch mütterlicherseits gab es in meiner Familie irgendein Schachtalent.“ Als Gymnasiast maß er seine Kräfte mit Älteren in Cafés. Da der talentierte Junge bald keine gleichwertigen Gegner mehr fand, begann er, blind zu spielen. 1893 nahm er am ersten ungarischen Fernschachturnier der damaligen Zeit teil und belegte unter 19 Teilnehmern gemeinsam mit Rudolf Charousek den ersten Platz. Genauso ungewöhnlich wie sein Karrierebeginn in Hastings scheint auch seine berufliche Laufbahn gewesen zu sein. Das ungarische Wikipedia berichtet von einer Ausbildung zum Techniker, Tätigkeiten für die Budapester Wasserwerke, als Mathematiklehrer, Versicherungsbeamter und Intendant des Opernhauses. Durch die ständige Doppelbelastung von Brotberuf und Schach lassen sich die relativ seltenen Auftritte Maróczys erklären. Es scheint, dass seine Arbeitgeber die Zweitbeschäftigung nicht gern sahen und ihm bisweilen den Urlaub verweigerten, um an Turnieren teilzunehmen. Weg in die Weltspitze Ein Hemmschuh waren für Maróczy die damals oft extrem langen Turniere. Bedingt durch große Teilnehmerfelder, wobei sich die Kontrahenten oft sogar zweimal gegenübersaßen, war eine Dauer von zwei Monaten keine Seltenheit. Etwa in Wien 1898, wo er wieder als Einspringer startete und sich mit Platz 8–9 von 19 begnügen musste. Wenn er mit 20,5 aus 37 auch kein herausragendes Ergebnis erzielte, so platzierte er sich doch direkt hinter der absoluten Elite mit Tarrasch, Pillsbury, Janowski, Steinitz, Schlechter und Tschigorin. Beim Londoner Schachturnier 1899 belegte Maróczy zusammen mit Pillsbury und Janowski hinter Weltmeister Lasker den 2.–4. Platz im Feld der damals weltbesten Schachspieler. Im Juni 1900 war er beim Internationalen Schachturnier in Paris Dritter hinter Lasker und Pillsbury, im August desselben Jahres beim Internationalen Turnier in München gemeinsam mit Pillsbury und Schlechter Erster. Dazu erhielt er den Sonderpreis für die meisten gewonnenen Partien. 1901 musste Maróczy pausieren, weil ihm wegen seiner vielen Fehlzeiten der Verlust seiner Stelle drohte. Im Jahr 1902 nahm er jedoch eine Einladung zum Turnier von Monte-Carlo an und nahm unbezahlten Urlaub. Alle starken Schachmeister der damaligen Zeit nahmen teil, mit Ausnahme des Weltmeisters Lasker. Maróczy gewann das 22-köpfige Turnier, das sechs Wochen dauerte, vor Pillsbury und Janowski. Danach musste er wegen beruflicher Verpflichtungen mehrmals pausieren. Das nächste Mal saß er 1903 in Monte-Carlo am Tisch. Er startete schlecht in das doppelrundige Turnier, legte aber mit 11 aus 13 in der zweiten Hälfte mächtig zu und wurde mit 19 Punkten aus 26 Partien Zweiter hinter Tarrasch. Ein Jahr später verband er die Teilnahme in Monte-Carlo mit seinen Flitterwochen. Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen wurde der erste Platz in der letzten Runde ausgefochten, und zwar im direkten Aufeinandertreffen der beiden punktgleich Führenden. Maróczy gelang es, Frank Marshall zu bezwingen und sich den ungeteilten Sieg zu sichern. Aber es gab noch einen zweiten Erfolg: Er bekam eine Stelle als Mathematiklehrer, und die Schulferien verschafften ihm mehr Zeit fürs Schach. Die ganz großen Sprünge blieben ihm trotzdem verwehrt: 1904 lehnte er eine Einladung zum Turnier im US-amerikanischen Cambridge Springs ab, das sehr günstige Bedingungen bot. Das Preisgeld war hervorragend, er und seine Frau hätten Bahn- und Schiffstickets erster Klasse sowie Unterkunft und Vollpension während des gesamten Turniers erhalten. Aber es fiel nicht in die unterrichtsfreie Zeit und hätte mit fast vier Wochen Dauer plus Anreise zu viele Tage verschlungen. Laskers Herausforderer Das größte Schachereignis des Jahres 1905 war das internationale Turnier in Ostende. Die Zeitungen der damaligen Zeit verglichen es mit einer WM, da alle Spitzenmeister mit Ausnahme von Lasker und Pillsbury daran teilnahmen. Und es sollte ein Indiz dafür sein, wer Herausforderer des amtierenden Weltmeisters Emanuel Lasker werden sollte. Tarrasch und Maróczy galten als die Favoriten. Maróczy siegte im doppelrundigen Turnier mit einem überzeugenden Vorsprung von eineinhalb Punkten. Er gewann 16 von 26 Partien, bei sieben Remis und drei Niederlagen. Knapp einen Monat später begann in Barmen ein Turnier, bei dem fast alle Teilnehmer von Ostende antraten. Maróczy konnte seine Form, aber vor allem seinen unbändigen Kämpfergeist bestätigen: Nach einem schlechten Start erreichte er in den letzten sieben Partien 6,5 Punkte und sicherte sich gemeinsam mit Janowski den ersten Platz. Auch Lasker hielt ihn nun für den würdigsten Herausforderer, Verhandlungen begannen. Laskers Idee war es, von St. Petersburg nach San Francisco zu reisen, möglicherweise auch nach Südamerika, und in jedem größeren Schachzentrum gegen eine feste Gebühr eine oder zwei WM-Partien zu spielen. Maróczy war sogar in die USA gekommen, um mit dem dort lebenden Weltmeister über die Konditionen zu sprechen. Deshalb konnte er 1906 auch in Cambridge Springs teilnehmen, wo ihm der schon sicher scheinende Sieg entglitt. Maróczy hoffte, seine Gönner würden die von Lasker geforderte Börse aufbringen. Im April 1906 meldeten mehrere Zeitungen, dass ein Vertrag für das Match unterzeichnet worden sei und Wien, Havanna und New York als Austragungsorte feststünden. Aber das Kräftemessen kam nie zustande. Walter Árpád Földeák schreibt: „Aus der Ferne von mehr als sechzig Jahren fällt es schwer, den Gang und die innere Triebfeder der Ereignisse richtig zu erkennen oder zu beurteilen.“ Er meint, dass die Reisestrapazen und der Misserfolg in Cambridge Springs bei Maróczy Zweifel geweckt haben. Andere Quellen sehen Unruhen auf Kuba, gefolgt von einer US-amerikanischen Militärintervention, als Grund, wieder andere die Forderung Wiens, die letzten Partien des Matches zu bekommen. Und André Schulz schreibt in Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften, dass Maróczy den von Lasker geforderten finanziellen Einsatz nicht aufbringen konnte und so das Match platzte. Was auch immer der Hauptgrund gewesen sein mag: Ziemlich schnell vereinbarte der Weltmeister, der damals seine Herausforderer noch selbst bestimmen konnte, einen Titelkampf mit Frank Marshall, das Anfang 1907 stattfand. 1908 spielte er ein WM-Match gegen Tarrasch. War das für Lasker die bequemere Wahl? Im Jahr 1906 erreichte Maróczy mit 2820 seine beste historische Elo-Zahl. Insgesamt lag er in 30 Monaten zwischen 1904 und 1907 auf Platz eins der von Jeff Sonas nachträglich berechneten Weltrangliste. Neue Prioritäten Hauptereignis des Jahres 1907 war das Karlsbader Turnier. Außer Lasker und Tarrasch nahmen alle berühmten Schachspieler der Zeit teil. Mit einem halben Punkt Rückstand auf Akiba Rubinstein belegte Maróczy den zweiten Platz. Berufliche Sorgen – er hatte nur einen befristeten Vertrag – beeinträchtigten sein Spiel. Er hatte sich entschieden: gegen das Leben als Profi, für einen sorgenfreien Job und ein Leben im Kreise seiner Familie. Und endlich kam das ersehnte Angebot: eine Anstellung, noch dazu in verantwortungsvoller Position, bei der Nationalen Berufskranken- und Unfallversicherung. Damit rückte das Schach weiter in den Hintergrund. Was hätte er erreichen können, wenn er sich anders entschieden hätte? Seine Bilanz bis dato ließ sich jedenfalls sehen. Er hatte nicht nur etliche Turniersiege verbucht, sondern auch alle großen Meister der Zeit geschlagen, einschließlich des Weltmeisters. Das erhoffte ruhige Leben blieb eine Episode. Nach Ende des Ersten Weltkriegs war Ungarn kurzzeitig ein sozialistischer Staat. Maróczy ließ sich überreden, die wirtschaftliche Leitung der staatlichen Theater zu übernehmen. Als diese Räterepublik zusammenbrach, wurden ihre ehemaligen Funktionäre, Anhänger und Sympathisanten, aber auch zahllose Unbeteiligte Ziel des sogenannten Weißen Terrors. Mehr als 100.000 Menschen flohen ins Ausland, darunter eine bedeutende Zahl von Künstlern und anderen Intellektuellen. Zu ihnen zählte auch Maróczy. Die Familie lebte zunächst in Österreich, später in Deutschland, den Niederlanden und England. Um Geld zu verdienen, kehrte er ans Schachbrett zurück. Im Juni 1920, etwa zehn Jahre nach seinem letzten großen Wettbewerb, die große Bewährungsprobe: Drei europäische Schachmeister – Maróczy, Richard Réti und Savielly Tartakower – traten in Amsterdam gegen vier holländische Spieler an, darunter der junge Max Euwe. Maróczy sicherte sich zusammen mit Tartakower ungeschlagen Platz zwei hinter Réti und zeigte damit, dass er auch nach der langen Pause noch ein gefährlicher Gegner war. 1923 war ein Jahr der Erfolge: dem zweiten Platz beim Liverpool Masters hinter Mieses folgte der 1.–3. Platz in Karlsbad, gemeinsam mit Alexander Aljechin und Efim Bogoljubow. „In Karlsbad spielte er mit der Stärke, Sicherheit und Ruhe seiner Glanzzeit. Er hielt die Initiative sogar gegen die Besten, führte den Angriff mit Schärfe und Witz und zeigte absolute Sicherheit im Endspiel“, schrieb die Magyar Chess World über seine Ergebnisse. Im letzten Turnier des Jahres wurde er in Hastings Zweiter hinter Euwe. Mit diesen Ergebnissen kehrte er in die Top Ten der Weltrangliste zurück, auf Platz acht. Sein Erfolg führte zu einer Einladung, am New Yorker Großmeisterturnier 1924 in New York teilzunehmen. Alle Größen der damaligen Zeit waren versammelt, darunter der damalige Weltmeister Capablanca, Exweltmeister Lasker und der künftige Weltmeister Aljechin. Maróczy zeigte eine respektable Leistung, erhielt einen Sonderpreis für das beste Ergebnis gegen die fünf Besten und belegte den sechsten Platz des Turniers. Ende 1924 nahm er am traditionellen Weihnachtsturnier von Hastings teil. Vor dreißig Jahren hatte er am Masters dieses Turniers teilgenommen, nun gewann er ungeschlagen die Grand-Masters-Gruppe. Vor dem Turnier hatte er auf seiner Simultantournee durch England 509 Partien gewonnen, nur vier verloren und siebzig remis gespielt, womit er den damaligen Rekord von Capablanca übertraf. Danach absolvierte er auf Einladung der Zeitschrift American Chess Bulletin eine erfolgreiche amerikanische Simultantournee. Sie führte dazu, dass ihm ein Zweijahresvertrag beim Manhattan Chess Club in New York angeboten wurde, den er annahm. Auch dauerhaft wäre in Amerika für ihn und seine Familie eine gesicherte Existenz möglich gewesen. Er aber wollte in Ungarn leben, wo sich inzwischen eine Bewegung für die Rehabilitierung und Rückkehr Maróczys einsetzte. Im Juli 1926 saß er nach eineinhalb Jahren Pause wieder bei einem Einzelwettbewerb am Brett. Bei der Panamerikanischen Meisterschaft in Lake Hopatcong belegte er den zweiten Platz hinter Weltmeister Capablanca, bei der Amerikanischen Meisterschaft in Chicago wurde er Zweiter hinter Frank Marshall.Zurück in Ungarn 1927 konnte er nach Ungarn zurückzukehren. Um dieses Ereignis rankt sich eine Anekdote, die Maróczy selbst so erzählte: „Mein Freund Gyula Späth, ein Stadtrat, brachte mich nach meiner Ankunft in Győr in ein Café. Er stellte mich den besten Schachspielern der Stadt vor und präsentierte mich als einen Schiffskapitän, der so gut spielt, dass er sogar ihn fast besiegt hätte. Ich spielte eine Partie nach der anderen und gewann alle fünf oder sechs hintereinander. Die ausgezeichneten Schachspieler von Győr waren völlig verblüfft. Nach dem zehnten Zug befand sich mein letzter Gegner in einer so schlechten Stellung, dass er ausrief: ,Nur Maróczy könnte in dieser Stellung gegen dich gewinnen ...‘ Von mir ermutigt, tauschten wir die Plätze, ich übernahm seine Stellung und gewann. Dann stellte ich mich allen vor: ,Ich bin Géza Maróczy! Ein falscher Seemann, ein falscher Kapitän!‘“ Nun kam er auch – als Spieler und Kapitän – bei Schacholympiaden für Ungarn zum Einsatz. Aber seine Ergebnisse begannen nachzulassen, auch wenn immer noch vordere Plätze dabei waren. Er war inzwischen fast sechzig Jahre alt. Ein herausragender Erfolg war die Schacholympiade in Hamburg 1930: Am ersten Brett gewann er sechs Partien, spielte viermal remis und musste sich nur zweimal geschlagen geben. Mit diesem Ergebnis hatte er einen wesentlichen Anteil am zweiten Platz der ungarischen Nationalmannschaft – hinter Polen und vor Deutschland. 1936 nahm er an seinen letzten großen Wettkämpfen teil. In Dresden, wo Aljechin gewann, belegte er den 3.–4. Platz; in Zandvoort, wo auch Weltmeister Euwe antrat, den 5.–6. Platz. Bei der inoffiziellen Schacholympiade in München sollte er nur Mannschaftskapitän sein, war aber von der dritten Runde an dabei und verlor nur einmal, bei zwei Siegen und acht Unentschieden. Im Alter von 66 Jahren konnte er mit der ungarischen Mannschaft den Gewinn der Goldmedaille feiern. 1951 ist er in Budapest gestorben. Der ehemalige Weltmeister Capablanca sagte 1942 in einem Interview über Maróczy: „Als Schachspieler braucht er nur ein wenig mehr Fantasie und Angriffsgeist. Sein Stellungsurteil, die einzigartige Eigenschaft eines wahren Meisters, ist in den Feinheiten des Kampfes auf dem Brett tadellos. Er spielt mit Präzision und ist ein hervorragender Experte im Endspiel.“ Zu seinen Stärken zählte auch das Schreiben. Er galt als führender Theoretiker und Pädagoge. Fast vier Jahrzehnte lang führte er seine berühmte Spalte in der Zeitung Pesti Hirlap, in Schachzeitschriften war er ebenfalls präsent. Hinzu kamen viel gelesene Bücher, sein Werk über Paul Morphy erschien auch auf Deutsch und Russisch. Eine Sammlung seiner besten Partien fand genauso einen deutschen Verleger wie seine Monografie über die Französische Verteidigung, die sogar 2020 neu aufgelegt wurde. Von seinen Ratschlägen profitierten Max Euwe und die erste Weltmeisterin, Vera Menschik, mit denen er in seiner Exilzeit eng zusammenarbeitete. Vor allem leistete er einen Beitrag zur Schachtheorie mit der Maróczy-Struktur, die er zwar nicht als Erster spielte, aber eingehend analysierte. Mit Weiß hatte er sie in Turnierpartien übrigens nie auf dem Brett. Heute spielt sie der polnische Weltklassespieler Jan-Krzysztof Duda mit beiden Farben hervorragend. BU: Die bislang einzige deutschsprachige Biografie ist im Joachim Beyer Beyer Verlag erschienen. Rezension von Jörg Palitzsch im April 2018 Der deutsche Schachmeister Richard Teichmann hatte eine hohe Meinung über den ungarischen Großmeister Géza Maróczy. „Maróczy ist ein profunder Spieler und er spielt das Endspiel sehr gut. In seiner besten Form ist er ein sehr gefährlicher Gegner in dieser Art von Turnier“, sagte er 1911 am Rande des Internationalen Turniers in San Sebastián. Und José Raúl Capablanca, Schachweltmeister von 1921 bis 1927, erinnerte sich in einem Radiobetrag mit dem Titel „Lecciones elementales de ajedrez“: „Sein (Maróczys) positionelles Urteil, die höchste Qualität des wahren Meisters, war ausgezeichnet. Als sehr präziser Spieler und ausgezeichneter Endspielkünstler wurde er als Experte für Königinnenspiele berühmt.“ In der Serie „Meilensteine des Schach“ ist jetzt das 1971 erschienene Buch von Walter Árpád Földeák über den ungarischen Schachspieler Géza Maróczy in einer zweiten und überarbeiteten Auflage erschienen. Géza Maróczy betrat 1895 in Hastings die internationale Schachbühne, er war damals 25 Jahre alt. Dieses Turnier dokumentiert bis heute in vielerlei Hinsicht einen Wandel im Schach. Weltmeister Wilhelm Steinitz hatte einige Zeit davor seinen Titel an den jungen Emanuel Laser verloren. Hastings war auch der Beginn von Kur- und Hafenstädten als Austragungsort von Turnieren, die bis dahin zumeist im Großstädten stattfanden. Auch die romantische Schachauffassung war in den Hintergrund gerückt, Strategie und Positionsspiel hielten Einzug. Dies kam der schachlichen Rezeptur von Géza Maróczy sehr entgegen. Ihm war es möglich Schwächen zu überspielen, sie in eine Verteidigung zu drehen, die Initiative zu ergreifen und das Spiel so zu gewinnen. Er vertrat die Ansicht, eine solide Verteidigung könne dazu führen, dass der Gegner zu viele Risiken eingeht. Und Maróczy setzte auf Endspiele mit einer starken Dame, die ihm zeigte, welche Schwächen der Gegner hat. Als er 1905 das Turnier in Ostende gegen den Amerikaner Frank Marshall gewann, gaben ihm seine Zeitgenossen den Titel „Der Kaiser der Damenendspiele“. In vielen Partien des Buches, die Autor Földeák zusammengetragen hat, lässt sich dieser Spielstil nachvollziehen. Géza Maróczy, so schreibt der slowenische Schach-Großmeister Milan Vidmar in seinen Schacherinnerungen, habe jedes Turnier mit dem Aufgebot all seiner Kräfte ohne zu wanken durchgekämpft und nur auf das Ziel, den ersten Preis, ausgerichtet. So war es auch 1895 in Hastings: Für das Turnier wurden 22 Schachmeister zugelassen, um es zeitlich nicht zu lang werden zu lassen. Spielern, denen abgesagt wurde, spielten in einem parallel ausgetragenen Hauptturnier, das von Maróczy gewonnen wurde. 1924 setzte er sich in Hastings dann „regulär“ an die Spitze. Es wurde in zwei Gruppen gespielt. Mit Savielly Tartakower, der den Begriff der „Hypermodernen Schule“ prägte und Sieger der anderen Gruppe war, spielte Maróczy noch eine Partie, die remis endete. Walter Árpád Földeák, der unter anderem 1952 das Buch „Hundert preisgekrönte Schachpartien“ vorgelegt hat, zeichnet in „Géza Maróczy – Leben und Lehren“ den schwierigen Lebensweg des Ungarn auf, der für kurze Zeit als ernstzunehmender Herausforderer des deutschen Weltmeisters Emmanuel Lasker galt. Nur war Maróczy, im Gegensatz zu Lasker, beruflich stark eingebunden und auch nicht mit den nötigen finanziellen Mitteln ausgestattet, die es ihm erlaubt hätten, sich ausschließlich auf das Schachspiel zu konzentrieren. Materielle Sorgen zwangen ihn, 1920 Ungarn zu verlassen, unter anderem verbrachte er die Zeit bis 1928 in Holland, Deutschland und Amerika. Inzwischen 50 Jahre nahm er immer noch an Turnieren teil, musste aber oft genug den jüngeren Spielern die ersten Plätze überlassen. 1928 kehrte er in seine Heimat zurück und unterstützte die ungarischen Meister bei den FIDE-Olympiaden und der Münchner Olympiade 1936. Danach zog sich Maróczy vom aktiven Spiel zurück und widmete sich seinen literarischen Tätigkeiten. Er führte Schachspalten in Zeitungen und analysierte dafür über 2000 Partien. Er veröffentlichte Schachbücher, darunter eine der besten Sammlungen der Spiele des amerikanischen Meisters Paul Morphy. Maróczy, Ikone des ungarischen Schachs und unermüdlicher Lehrmeister, starb 1951 mit 81 Jahren in Budapest. „Ich sterbe gern, denn die Welt ist so hässlich geworden“, soll er am Ende gesagt haben. Der Beschreibung des Lebensweges schließt sich im Buch ein 73-seitiger Lehrteil mit rund 35 Partien an. Sie zeigen nicht nur die präzise Spielweise Maróczys, sondern auch seine analytische Urteilskraft über Partien, die er für die Zeitschriften Pesti Hirlap (Pester Journal) und Békés geschrieben hat. Fazit: Géza Maroczy war um 1900 einer der besten Spieler der Welt. Das Buch von Walter Árpád Földeák beleuchtet die spielerische als auch menschliche Seite des großen Ungarns mit allem Respekt und wahrt so das Andenken an eine große Persönlichkeit.

19,80 €*