Krallmann & Müller: Europameister Matthias Blübaum
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Produktinformationen "Krallmann & Müller: Europameister Matthias Blübaum"
Rezension:veröffentlicht in der Schattenblick-Druckausgabe Nr. 185 vom 15. August 2026
Es hat lange gedauert, bis wieder ein deutscher Meister seinen Weg ins Kandidatenturnier [1] schaffte. Nach Wolfgang Uhlmann und Robert Hübner ist Matthias Blübaum die dritte deutsche Hoffnung auf den WM-Titel. Eine interessante Persönlichkeit, die 2022 und 2025 zum Europameister aufstieg und damit nicht nur in Deutschland zur festen Größe wurde.
Bereits vor vier Jahren war ein Buch über Blübaum [2] erschienen. Nach seinem Einstieg ins Kandidatenturnier und weiteren Meilensteinen war die Zeit nunmehr gekommen, ihm ein weiteres Buch zu widmen, um seinen schillernden Stil und die Etappen seines Erfolges aufzuzeigen. Auch dieses Mal hat sein einstiger Mentor Matthias Krallmann in Zusammenarbeit mit dem Endspielexperten Karsten Müller zur Feder gegriffen, um den Sprung seines Zöglings zur Spitze des deutschen Schachspiels und zum internationalen Ruhm nachzuzeichnen.
Dabei ging es dem Autorengespann auch um die Metamorphosen im Spiel Blübaums, welche Eröffnungen er inzwischen favorisiert, welchen Varianten er nunmehr den Zuschlag gibt und welche Intention möglicherweise dahintersteht. Herausgekommen ist ein facettenreiches Werk mit kleinen Kombinationen, strategischen Erläuterungen zum AlphaZero-Plan, Beispielen des Zentrumsdurchbruchs und Kostproben seiner Endspielkunst.
Neben Analysen von Krallmann und Müller, der vor allem Blübaums Endspiele einer akribischen Prüfung unterzieht, gewinnt das Buch an Wert durch die Kommentierung einiger Partien durch den Großmeister selbst, der einen Rundumblick zu strategischen und taktischen Momenten in seinen Partien bietet und so den Leser hineinzieht in den Kosmos seiner Überlegungen, darunter auch eine ausgewählte Partie aus dem Freestyle Chess.
Spezielles Augenmerk wurde natürlich auf seinen erneuten EM-Sieg in Eforie Nord 2025 gerichtet, die krisenhaften Augenblicke ebenso wie die fulminanten Siege. Hübsch abgerundet wird das Buch mit einem inhaltsreichen Interview nach seinem EM-Sieg. Ein rundum gelungenes Werk über die in der Jetztzeit größte Hoffnung im deutschen Schach auf den Thron, das einen erhellenden Einblick liefert in das schachliche Denken Blübaums, seine Fehlzüge ebenso schonungslos analysiert wie seinen Einfallsreichtum ehrt.
Und so war dieses Buch bei seinem Erscheinen unter anderem als perspektivisches Sprungbrett konzipiert für das im März auf Zypern stattfindende Kandidatenturnier. Der Wettkampf gegen die absolute Weltspitze endete für Blübaum allerdings mit einem mageren Ergebnis von 6,0 aus 14 möglichen Punkten. Dass sich ein deutscher Großmeister seit Robert Hübner im Jahre 1990 wieder bis in den Elitezirkel vorkämpfen konnte, war eine kleine Sensation, Größeres war ihm freilich nicht beschieden.
Seine Niederlagen gegen Fabiano Caruana und Anish Giri verdeutlichten den Unterschied zu den internationalen Schlachtschiffen im Schach. Kein Sieg fiel auf seine Seite, aber die zwölf Remisen und der geteilte 6. Platz lassen zumindest ahnen, dass man Blübaum nicht zum letzten Mal im Kandidatenrennen gesehen hat.
Anmerkungen:
[1] Für Neueinsteiger in die Schachwelt sei hier angemerkt, dass es sich bei einem Kandidatenturnier um den mit Abstand wichtigsten Wettkampf handelt, erhält doch sein Sieger das Recht, den amtierenden Weltmeister zu einem direkten Kampf um den Titel herauszufordern.
[2] Siehe die Rezension zu diesem 2022 im Joachim Beyer Verlag erschienenen Buch des Autorenteams Blübaum/Müller/Krallmann mit dem Titel "Schachtraining mit Matthias Blübaum - Sein Weg zum Europameistertitel" im Schattenblick unter:
www.schattenblick.de → Infopool → Schach und Spiele → Schach
REZENSION/017: Blübaum/Müller/Krallmann - Schachtraining mit Matthias Blübaum (SB)
https://www.schattenblick.de/infopool/schach/schach/srez0017.html
Dieses Schachlehrwerk umfasst 143 Seiten und ist in 18 Kapitel gegliedert. Ein Inhaltsverzeichnis befindet sich auf Seite 5, eine ausführliche Zeichenerklärung auf Seite 6, wissenswerte Informationen über die beiden Autoren Matthias Krallmann und Karsten Müller sind auf den Seiten 141 bis 143 einsehbar.
Das erste Kapitel „Metamorphosen" gestaltet sich im Stil eines einleitenden Vorworts und beschreibt die wesentlichen Veränderungen der Lebenssituation von Matthias Blübaum seit dem Jahr 2022. Ein erstes Buch über seine Schachkarriere mit dem Titel „Schachtraining mit Matthias Blübaum – Sein Weg zum Europameistertitel" ist zu dieser Zeit erschienen.
Nach dem Europameistertitel im Frühling 2022 sowie einem Master-Abschluss in Mathematik an der Universität Bielefeld im Sommer 2022 hat Blübaum sich dazu entschieden, vorläufig einige Jahre als ein Schachprofi zu leben. Spätestens mit dem Gewinn des zweiten Europameistertitels im Jahr 2025 ist deutlich geworden, dass dies die richtige Entscheidung war.
Auf der Homepage des Deutschen Schachbundes ist für den Dezember 2025 folgendes zu lesen:
1. GM Vincent Keymer 2776 Elo-Punkte
2. GM Matthias Bluebaum 2679 Elo-Punkte
3. GM Alexander Donchenko 2661 Elo-Punkte
Das heißt, Vincent Keymer ist unangefochten die deutsche Nummer 1, Matthias Blübaum die deutsche Nummer 2.
Verhältnismäßig neu ist, dass Blübaum auf „Twitch" einen Teil seiner Partien selber veröffentlicht und gleichzeitig kommentiert. Dabei benutzt er den Namen „KeinSehrStarkerSpieler". Diese bewusste Untertreibung von Blübaum geht zurück auf eine Aussage von Arkadij Naiditsch, der gegen Blübaum mehrmals verloren hat, ihn als Schachspieler jedoch nicht respektiert.
Die in dem Schachbuch auf den Seiten 9 bis 92 zusammengestellten Blübaum-Partien sind von Krallmann kommentiert, die auf den Seiten 93 bis 99 abgebildeten fünf Blühbaum-Endspiele von Müller.
Die von Blübaum selber relativ ausführlich kommentierten zwei Partien auf den Seiten 100 bis 106 haben mir persönlich wirklich gut gefallen, weil Blübaum meines Erachtens in der Lage ist, sowohl die eigenen Gedankengänge klar darzulegen, als auch sich in die Gedankengänge des jeweiligen Gegners achtsam hineinzutasten.
Vor diesem von mir geschilderten Hintergrund halte ich die ebenfalls von Blübaum mit Anmerkungen versehenen drei Partien der Europameisterschaft 2025 für absolut lesenswert, beziehungsweise, zum Nachspielen unbedingt empfohlen (Seite 115 bis Seite 124).
Auf den Seiten 132 bis 140 kommentiert Krallmann sechs Partien von Blübaum, die dieser bei dem FIDE Grand Swiss 2025 in Samarkand gespielt hat. Gerade, weil Blübaum sich durch die Qualifikation für das Kandidatenturnier im Frühjahr 2026, in den erlauchten Kreis der acht Anwärter aufgestiegen ist, welche den Herausforderer des amtierenden Weltmeisters Dommaraju Gukesh ausspielen, hätten die Erklärungen der Partieanalysen von Krallmann meiner Meinung nach deutlich ausführlicher sein können / sein müssen. Denn dann wären die positionellen Pläne / die taktischen Konzepte / die strategischen Ideen, die hinter einem einzelnen speziellen Zug von Blübaum oder seines jeweiligen Gegners stehen, für die Leser / die Leserinnen noch besser nachvollziehbar.
Die abgedruckten Partien in diesem Buch sind mit QR-Codes ausgestattet, was das Nachspielen der „Blübaum-Partien" auf fast allen modernen Smartphones und / oder einem Tablet-Computer ermöglicht.




