Müller & Geilmann: Die Alte Garde - Deutsche Großmeister
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Produktinformationen "Müller & Geilmann: Die Alte Garde - Deutsche Großmeister"
210 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag
Rezension: veröffentlicht in der Schattenblick-Druckausgabe Nr. 185 vom 15. August 2026
Jene Meister, die im verdienstvollem Schaffensdrang und jeder auf seine Weise das deutsche Schach nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geprägt und weiterentwickelt haben, sind entweder bereits verstorben oder nur mehr greis und inaktiv. Welch eine aufbruchsvolle Zeit, aus den Trümmern und Scherben eines kulturellen Erbes wieder auf dem Pfad einer erfolgreichen Schachnation zurückzukehren, und dieser Weg war schwer, steinig und von der Teilung in zwei Staaten überschattet. Der Gespaltenheit zum Trotz vollzog sich in den beiden deutschen Staaten nicht nur eine Rückbesinnung auf die alten Zeiten von Erfolg und Prestige, Neues wurde geschaffen in Theorie und Praxis auf internationaler Ebene.
Es sind immer Persönlichkeiten, die dem Schach in einer Epoche eine wegweisende Richtung geben, doch wer erinnert sich noch an ihre Namen und Leistungen. Es scheint verloren zu gehen, was Deutschland einst zu einer Ideenschmiede mit weltweiter Ausstrahlung machte, jetzt, wo der Tod diese Vertreter aus dem Gedächtnis der Lebenden wegzutilgen droht.
Wie notwendig und von unschätzbarem Wert erweist sich das aus der Feder des Autorengespanns Karsten Müller und Ulrich Geilmann verfasste Werk "Deutsche Großmeister - Die Alte Garde", um diesem Vergessen vorzubeugen und daran zu erinnern, was in deutschen Landen in Sachen Schach an Gedankengut und unbestrittener Kreativität gefördert wurde. Der schwere Stand und Start im deutschen Schach zeigt sich auch daran, dass mit Emanuel Lasker der einzige deutsche Weltmeister wegen seiner jüdischen Abstammung vor den Nazis emigrieren musste und die große Zukunftshoffnung Klaus Junge in den letzten Kriegswochen noch zu Tode kam.
Wie angesichts der stattlichen Zahl an Meistern nicht anders möglich, beschränkten sich die Autoren auf Kurzbiografien und die wichtigsten Etappen ihrer Lebenswege; charmant zu erfahren, welche Zentren des Schachdenkens sich dabei in Deutschland gebildet haben und welche Mühen und Hindernisse zu meistern waren, um vor allem in der DDR infolge der Reisebeschränkungen die individuellen Lebenspfade dem Schachspiel widmen zu können.
Durchleuchtet wird sowohl die Zeit während des Nationalsozialismus als auch der Neubeginn nach dem Kriegsende in den unterschiedlichsten Lebensläufen. Die Autoren hatten sich dabei darauf verständigt, jene Meister ins Augenmerk zu nehmen, die vor 1950 geboren wurden und somit die kritischen Jahre der Nazidiktatur zum größten Teil noch miterlebt hatten oder unter den schwierigen Bedingungen der neuen Friedensordnung ihren Weg gehen mussten.
Im Reigen jener Meister finden sich unter anderem auch die Namen von Efim Bogoljubow und des kürzlich verstorbenen Vlastimil Hort, welche die deutsche Staatsbürgerschaft annahmen und ihr Wirken auf dem Brett hierzulande ausübten.
Gewidmet wurden jenen Köpfen aus der deutschen Hochblüte mindestens drei hervorragende Partien, die, mit bemerkenswerter Einsicht und Klarheit kommentiert, das Geschehen auf dem Brett prägnant widerspiegeln.
Jedes Jahrzehnt schreibt seine eigene Geschichte, im Zusammenhang ergibt sich eine historische Erzählung und Brücke, um anhand der biografischen Fäden deutlich zu machen, welchen Weg das deutsche Schach insgesamt genommen hat, um die Spur der alten Zeit weiterzuverfolgen und moderne Aspekte der Schachentwicklung einzubauen.
Diese Reise durch die Zeit- und Kulturgeschichte wird angereichert durch eine Fülle an Bildmaterial, um die Atmosphäre wieder aufleben zu lassen, die in den Turniersälen geherrscht hatte und einen Eindruck davon zu gewinnen, dass deutsche Meister auf ihre spezifische Art mitgewirkt hatten an der Erhaltung einer langen Tradition, deren Wurzeln in Deutschland weit zurückreichen.
Für jeden Liebhaber der deutschen Schachhistorie ein wahrer Schatz und Genuss.
Rezension von Andreas Wittek im Juni 2026
Die beiden Autoren Müller / Geilmann widmen sich mit ihrem Buch den „deutschen Großmeistern", die vor 1950 geboren und unter schwierigen historischen Konstellationen zu den Trägern einer neuen deutschen Schachära, zum einen in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und zum anderen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), wurden.
Folgende „deutsche Großmeister" werden der Reihe nach vorgestellt:
Efim Bogoljubow (*1889), Friedrich Sämisch (*1896), Wolfgang Unzicker (*1925), Lothar Schmid (*1928), Wolfgang Pietzsch (*1930), Klaus Viktor Darga (*1934), Wolfgang Uhlmann (*1935), Burkhard Malich (*1936), Hans Joachim Hecht (*1939), Helmut Pfleger (*1943), Vlastimil Hort (*1944), Nikolai Shalnev (*1944), Lev Gutman (*1945), Mikhail Tseitlin (*1947), Robert Hübner (*1948), Lutz Espig (*1949).
Müller / Geilmann haben ebenso die Meisterspieler berücksichtigt, welche nicht in Deutschland geboren wurden, jedoch irgendwann in ihrem Leben deutsche Staatsbürger geworden sind.
Der Text dieser besonderen „Deutschen Schachhistorie" hat einem Umfang von 209 Seiten. Ein Inhaltsverzeichnis befindet sich auf der Seite fünf, ein Vorwort auf den Seiten sechs und sieben, ein detailliertes Quellenverzeichnis auf den Seiten zweihundertsieben bis zweihundertneun.
Neben den zahlreichen Fotos enthalten fast alle dieser sechzehn Kurzbiographien eingescannte Originalunterschriften der „deutschen Schachmeister", was dem Ganzen einen schönen persönlichen Charakter vermittelt.
Eine gute, einsehbare Übersicht, welche die zwei schachlichen Kontrahenten benennt, die jeweilige Eröffnung, Ort + Jahr des Wettkampfgeschehens, sowie die dazugehörige Seitenzahl im Buch, steht auf den Seiten zweihundertvier und zweihundertfünf niedergeschrieben. Eine im gleichen Stil erstellte Übersicht bezüglich der Endspiele ist auf der Seite zweihundertsechs zu finden.
Das vorliegende Druckwerk enthält zweiundfünfzig Partien samt zwölf Endspielanalysen aus der Turnierpraxis von Robert Hübner und Vlastimil Hort, die jeweils mit QR-Codes versehen sind.
Dies bietet allen schachintertessierten Lesern / Leserinnen eine praktische Alternative, sowohl die Schachpartien als auch die Endspiele mit einem Smartphone nachzuspielen, zu analysieren oder mit Freunden gemeinsam anzusehen, indem über die einzelnen speziellen QR-Codes eine Verbindung zum Internet hergestellt wird.
Die schachlichen Kommentare von Müller / Geilmann sind meines Erachtens gut nachvollziehbar geschrieben und enthalten mitunter einen köstlichen, pointierten Humor.
Selbstverständlich können die kurzen, biografischen Darstellungen den schachinteressierten Lesern / den Leserinnen nur einen schmalen Einblick zu der jeweiligen Person liefern.
Aber wer sich die entsprechenden Kapitel zu den „deutschen Großmeistern" aufmerksam anschaut, erhält zumindest einen guten, ersten Eindruck von dem Leben und Wirken der „Alten Garde".
Die schachlichen Schlaglichter auf die „deutschen Großmeister", wie beispielsweise Efim Bogoljubow, Lothar Schmid, Wolfgang Uhlmann, Helmut Pfleger, Vlastimil Hort, Lev Gutman, Robert Hübner haben mich inhaltlich angenehm angesprochen und in mir den Entschluß reifen lassen, daß ich mich mit diesen schachlichen Persönlichkeiten in den nächsten Wochen / den nächsten Monaten näher beschäftigen werde.
Mit „Die Alte Garde“legen die renommierten Schachautoren Karsten Müller und Ulrich Geilmann ein außergewöhnliches Werk zur deutschen Schachgeschichte vor. Das Buch verbindet biografische Porträts bedeutender deutscher Großmeister mit sorgfältig ausgewählten und kommentierten Partien – und schafft damit weit mehr als eine bloße Sammlung historischer Schachpartien.
Bereits das Vorwort macht deutlich, dass es den Autoren nicht allein um schachliche Leistungen geht. Die dargestellten Meister werden als Persönlichkeiten ihrer Zeit gezeigt – geprägt von Krieg, Teilung Deutschlands und gesellschaftlichen Umbrüchen. Dadurch erhält das Buch eine kulturelle und historische Tiefe, die über klassische Schachliteratur hinausgeht. Im Mittelpunkt stehen Größen wie Wolfgang Uhlmann, Wolfgang Unzicker, Robert Hübner oder Efim Bogoljubow. Jeder Spieler erhält ein eigenes Kapitel, in dem persönliche Hintergründe, charakteristische Stilmerkmale und prägende Partien dargestellt werden. Gelungen ist dabei die Balance zwischen historischer Erzählung und schachlicher Analyse.
Karsten Müller bringt seine analytische Erfahrung ein und kommentiert die Partien mit fachlicher Präzision, ohne dabei den Leser zu überfordern. Die Analysen wirken instruktiv und lebendig zugleich. Ulrich Geilmann wiederum sorgt für den erzählerischen Rahmen und macht die historischen Zusammenhänge anschaulich.
Positiv hervorzuheben ist die hochwertige Gestaltung des Buches. Historische Fotografien, seltene Dokumente und Autogramme verleihen dem Werk Sammlercharakter und lassen die Atmosphäre vergangener Turnierzeiten lebendig werden. Das auffällige rote Cover unterstreicht den repräsentativen Eindruck zusätzlich.
Das Buch richtet sich vor allem an Schachliebhaber mit Interesse an Schachgeschichte, eignet sich aber ebenso für ambitionierte Vereinsspieler, die aus klassischen Meisterpartien lernen möchten. Anfänger könnten von einigen Analysen zwar gefordert sein, profitieren jedoch ebenfalls von den biografischen und historischen Abschnitten.






