Müller: Karsten Müller - Endspieltraining
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Produktinformationen "Müller: Karsten Müller - Endspieltraining"
192 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag
Rezension von Uwe Bekemann im Dezember 2025
Mit diesem Werk geht der deutsche Großmeister und anerkannte Endspielexperte Karsten Müller auf die Besonderheiten der Endspiele ein, die in Konstellationen auftreten, in denen beide Seiten mit einem oder beiden Türmen und einer oder mehreren Leichtfiguren ausgestattet sind. In insgesamt 15 Kapiteln behandelt er die verschiedenen möglichen Materialverteilungen, von Turm und Läufer gegen Turm und Läufer bis Turm und zwei Läufer gegen Turm und Läufer und Springer oder auch gegen Turm und zwei Läufer.
Erschienen ist dieses Spezialwerk in 2025 im Joachim Beyer Verlag.
Kategorisieren möchte ich dieses Buch als Lehr-, Arbeits- und auch Übungs- bzw. Trainingsbuch. Was es für den einzelnen Leser in erster Linie ist, hängt auch von seinen eigenen schon entwickelten Fähigkeiten ab. Dieser sollte bereits über allgemeine Kenntnisse zur Endspielführung verfügen, um voll mit dem angebotenen Stoff umgehen zu können.
Karsten Müller möchte eine Lücke in der Endspielliteratur füllen, denn Arbeiten wie seine, die so explizit auf die Besonderheiten der behandelten Konstellationen eingehen, gibt es in dieser Form nicht. Dies ist durchaus erstaunlich, weil diese Materialverhältnisse in der Praxis sehr oft vorkommen.
Die Kapitel beginnen mit einer Darstellung der Besonderheiten des jeweiligen Endspieltyps, mit der Beschreibung strategischer Prinzipien und ggf. auch mit der Formulierung von Faustregeln, die sich der Leser einprägen kann. Müller benennt die Endspieltypen dabei teilweise auch mit Namen, die sich regelmäßig an Weltklassespielern orientieren, die besondere Fertigkeiten in deren Behandlung unter Beweis gestellt haben. Auf diese Weise schafft er auch eine Kategorisierung, die dem Leser eine gedankliche Stütze anbietet und auch eine Vergleichbarkeit von Stellungstypen herstellt. Darauf wird in der Folge verschiedentlich zurückgegriffen.
Dieser Einleitung schließt sich die intensive Besprechung der Stellungen an, wobei Müller ausgewählte Beispiele aus der Meisterpraxis nutzt. Zumeist passiert dies anhand von Partiefragmenten, teilweise aber auch an vollständigen Partien, über die Müller dann auch die mögliche Entstehung des besprochenen Endspieltyps zeigen möchte. Abgeschlossen wird ein Kapitel mit dem Leser angebotenen Lösungsaufgaben. Die zu analysierende Stellung wird über ein Diagramm eingeführt, eine spezifisch formulierte Aufgabe richtet die Suche des Lesers aus. Die Lösungen sind unterschiedlich ausführlich und sind gesammelt im Anschluss an das Kapitel 15 abgebildet.
Nicht selten sind es Feinheiten, die darüber entscheiden, ob eine Stellung aus einer bestimmten Materialkonstellation zum Gewinn geführt oder remis gehalten werden kann. So kann beispielsweise die Aktivität in Endspielen Turm und Springer gegen Turm und Springer entscheiden. Oder wie es in Karsten Müllers Faustregel heißt: Eine leichte Initiative wiegt schwer!
Nicht zuletzt diese Feinheiten haben mich zu meiner Aussage oben bewogen, dass der Leser bereits allgemeine Endspielkenntnisse aufgebaut haben sollte, um möglichst gut von diesem Werk profitieren zu können. Beispielsweise sollte er grundlegende Aspekte einer Konstellation wie auch typische Manöver kennen und auch den Wert von Figuren relativ einschätzen können.
Das schönste Beispiel für einen ausgezeichnet postierten „schlechten Springer“ habe ich auf Seite 132 im Kapitel 11 gefunden. Hier steht der Springer, ein „Riese“, auf a1, also auf einem Feld, das dem Anfänger als grundsätzlich wenig geeignetes Feld vermittelt wird, weil er von hier aus nur zwei Felder anvisiert. Im Buchbeispiel aber deckt er das immens wichtige Feld c2, nimmt damit der gegnerischen Initiative die Kraft und lässt Weiß letztendlich gewinnen.
Der Leser kann sich den besprochenen Beispielen wie auch den Aufgaben auch online widmen. Er findet bei diesen jeweils einen QR-Code, über den er zum Onlinebereich von Chessbase geführt wird.
Fazit: „Karsten Müller – Endspieltraining (Turm und Leichtfiguren gegen Turm und Leichtfiguren)“ ist ein ausgezeichnetes Spezialwerk zur Endspielführung in den im Titel aufgeführten Konstellationen. Je nach eigenen Fähigkeiten des Lesers ist es als Lehr-, Arbeits- und auch Übungs- bzw. Trainingsbuch einzuordnen.
Nahezu jeder wirklich schachinteressierte Mensch im deutschsprachigen Raum kennt die außerordentlich guten Endspielbücher von Juri Lwowitsch Awerbach (1922–2022) aus dem Sportverlag Berlin der DDR. Nur nebenbei bemerkt: Der Verlag wurde 1990, nach der Wiedervereinigung Deutschlands, im Zuge der Umstrukturierungen der DDR-Medienlandschaft eingestellt.
Das ist nun 35 Jahre her. Heute im Jahr 2025 gibt es nicht mehr allzu viel deutschsprachige Verlage, die sehr gute Schachbücher herausbringen. Der größte Teil der Schachliteratur wird mittlerweile in englischer Sprache veröffentlicht. Umso wichtiger erscheint mir deshalb die neuste Publikation aus dem Joachim Beyer Verlag zum Thema „Schachendspiele" von Karsten Müller, mit dem Titel „Endspieltraining – Turm und Leichtfiguren gegen Turm und Leichtfiguren".
Das vorliegende Schachlehrwerk hat insgesamt 191 Seiten und ist in 15 Kapitel gegliedert. Ein Inhaltsverzeichnis befindet sich auf den beiden Seiten 5 und 6, ein Vorwort auf Seite 8 und 9, ein Lösungsteil zu einzelnen speziellen Endspielaufgaben auf den Seiten 159 bis 187, ein Quellenverzeichnis auf Seite 188.
Müller weist zu Recht im Vorwort des Buches auf den Umstand hin, dass Endspiele mit Turm und Leichtfiguren gegen Turm und Leichtfiguren in der Spielpraxis erstaunlich oft auftreten. Diese sind seiner Meinung nach sogar häufiger anzutreffen, als die klassischen, reinen Turmendspiele, die jeder Schachfreund / jede Schachfreundin aus Lehrbüchern kennt und nicht selten für die Königsdisziplin hält.
Eine Besonderheit in dem vorliegenden Druckwerk besteht darin, dass Müller die Kategorie „Turm und Springer gegen Turm und Läufer" noch weiter differenziert, nämlich dahingehend, ob die Seite mit dem Springer oder die Seite mit dem Läufer im Vorteil ist.
Müller begründet seinen Standpunkt, indem er auf seine Erfahrungen in Trainingskursen verweist, wo sich der differenzierte Ansatz über viele Jahre hinweg bewährt hat. Dieser komplexere Ansatz ermöglicht es, typische Pläne, Stärken und Schwächen der jeweiligen Seite besser zu verstehen und die praktischen Gewinnchancen realistischer einzuschätzen.
In dem elften Kapitel „Die Materialverteilung Turm + zwei Läufer gegen zwei Springer mit den Läufern im Vorteil" hat mir eine von Müller sehr ausführlich kommentierte Partie des World Cups 2007, Magnus Carlsen vs Michael Adams, Nimzowitsch-Indische Verteidigung (E36), besonders gut gefallen!
Der 17-Jährige Magnus Carlsen besiegt den 36-Jährigen englischen Großmeister Michael Adams in einem ausgesprochen lehrreichen Duell, das auf den Seiten 131 bis 135 studiert werden kann.
Mit jedem elektronischen Gerät, welches in der Lage ist, einen QR-Code zu scannen, lassen sich alle kommentierten Partien des Buches und jede einzelne der 55 dazu gestellten Aufgaben im Internet nachlesen / nachspielen. Das ist ganz praktisch, wenn man zu Hause ist oder beispielsweise in einem Café oder unterwegs in der Bahn oder in einem Bus.
Rezension von Jörg Palitzsch im November 2025
Mit „Endspieltraining“ legt Großmeister Dr. Karsten Müller ein Werk vor, das eine seit langem bestehende Lücke in der Endspielliteratur schließt. Während klassische Turmendspiele ausführlich in Lehrbüchern behandelt werden, fristeten die komplexen Konstellationen „Turm und Leichtfigur gegen Turm und Leichtfigur“ bislang ein eher stiefmütterliches Dasein – obwohl gerade diese Stellungen in der Praxis überraschend häufig vorkommen. Autor Karsten Müller, weltweit anerkannter Endspielexperte, widmet sich diesem Themenfeld und zeigt eindrucksvoll, wie reichhaltig, dynamisch und strategisch anspruchsvoll solche Endspiele sein können.
Der Autor verfolgt auf 190 Seiten und in 15 Kapiteln einen systematischen Ansatz. Statt sich in zahllosen Varianten zu verlieren, formuliert Müller klare, praxistaugliche Leitlinien, die sich oft von der Konstellation „Turm + Leichtfigur“ auf „Turm + zwei Leichtfiguren“ übertragen lassen. Eine interessante und in der Ausbildung äußerst hilfreiche Differenzierung betrifft die Endspiele „Turm und Springer gegen Turm und Läufer“: Müller behandelt diese getrennt danach, welche Seite Vorteile anstrebt. Dieser Ansatz wirkt zunächst ungewöhnlich, erweist sich jedoch als äußerst lehrreich, da er typische Pläne, Motive und Gewinnwege beider Seiten klar herausarbeitet. Auch schwierigere Konstellationen mit Türmen auf beiden Seiten werden behandelt – ein Bereich, der häufig noch eine mittelspielartige Komplexität besitzt und im praktischen Spiel entscheidend sein kann.
Das Buch überzeugt zudem durch seine didaktische Struktur, also den systematischen Aufbau einer Unterrichtseinheit in Phasen, um die Lernziele zu erreichen. Jedes Kapitel beginnt mit sorgfältig ausgewählten Praxisbeispielen, die ausführlich analysiert werden. Anschließend folgen Trainingsaufgaben, die zum eigenständigen Denken und Verinnerlichen der Ideen anregen. Müller betont zu Recht, dass wahre Verbesserung nicht durch passives Lesen, sondern durch aktives Lösen entsteht.
Die Beispiel-Partien führen den Leser in die Endspielwelt von Casablanca, von Carlsen, Fischer und vielen mehr, ohne die Materialverteilung und Vorteile aus den Augen zu verlieren. Dadurch weitet sich die Handhabung des Buches vom Nachschlagewerk zum Trainingskurs mit viel Praxis bis hin zu einer Quelle voller Inspiration. Selbstverständlich versehen mit QR-Codes, die zum Lesen auf dem Smartphone inzwischen zum Standard eines guten Schachbuches gehören.
So gibt Müllers „Endspieltraining“ weit mehr als einen oberflächlichen Überblick, sondern ist profundes Arbeitsbuch für ernsthafte Schachspieler, die ihr Endspielverständnis vertiefen möchten. Das Werk überzeugt sowohl durch inhaltliche Tiefe als auch durch klare, praxisorientierte Didaktik. Ein unverzichtbarer Begleiter für alle, die Endspiele nicht nur überleben, sondern auch gewinnen wollen.
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