Müller: Typisch Damengambit - Orthodoxe Variante - Effektives Mittelspieltraining
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Produktinformationen "Müller: Typisch Damengambit - Orthodoxe Variante - Effektives Mittelspieltraining"
180 Seiten, kartoniert Joachim Beyer Verlag
Rezension von Uwe Bekemann im Dezember 2025
„Typisch Damengambit, Orthodoxe Variante“ ist der neueste Band in der von GM Karsten Müller verfassten Buchreihe für ein effektives Mittelspieltraining, die vom Joachim Beyer Verlag herausgegen wird. Damit wendet sich der auch als Autor sehr erfahrene deutsche Großmeister erneut dem Damengambit zu, das er bereits 2023 in einem Band zur Abtauschvariante behandelt hatte.
„Das Wort „typisch“ im Buchtitel weist darauf hin, dass dieses Mittelspieltraining sich auf Stellungen konzentriert, die aus der Eingangszugfolge 1.d4 d5 2.c4 e6 entstehen können. Der Leser, der sich für seine Praxis auf das Damengambit spezialisiert, muss sich beim Durcharbeiten dieses Buches nicht mit Ballast befassen, der für andere Eröffnungen typische Merkmale aufweist, nicht aber für dieses Thema.
Das Werk widmet sich sowohl strategischen als auch taktischen Aspekten und Motiven, was ich etwas weiter im Text wieder aufgreifen werde.
Um es gleich vorwegzusagen: Karsten Müller fasst seinen Leser nicht mit Glacéhandschuhen an, sondern verlangt ihm einiges an Konzentration, Ausdauer und Einsatzwillen ab. Er führt ihn nicht behutsam Schritt für Schritt ins Thema ein, sondern stellt ihm – vergleichbar mit einem Wurf ins kalte Wasser – von Beginn an Aufgaben, insgesamt 102 an der Zahl. Diese Aufgaben werden anhand eines Diagramms, das eine Brettstellung aus dem Mittelspiel zeigt, definiert. Ergänzt wird diese Stellung um eine Handlungsanweisung. Manchmal erhält der Leser diese in der Form einer Fragestellung, manchmal aber auch nur in einer indirekten Fassung, indem ihm mitgeteilt wird, welche Seite am Zug ist. Beispiele für konkrete Aufträge sind etwa „nur ein weißer Zug gleicht voll aus“, „wie sollte Schwarz sich verteidigen“ oder „warum war der letzte Zug Lg4 ein verhängnisvoller Fehler“. In jedem Fall soll der Leser die Lösung am Brett finden, und natürlich bestenfalls auch begründen können. Zu erwähnen bleibt, dass die Aufgaben bestimmten thematischen Schwerpunkten zugeordnet sind, was dem Leser in manchen Fällen einen zusätzlichen Hinweis zur Lösungsrichtung geben kann.
Die Lösungen werden gesammelt gleich im Anschluss an den Abschnitt mit den Aufgabenstellungen abgebildet. Um dem Leser ein aufwändiges Suchen nach einer konkreten Lösung zu ersparen, wird bereits bei den Aufgabenstellungen der Bereich der Seiten angegeben, den er jeweils ansteuern sollte.
Die Lösungen sind durchgängig sehr ausführlich gestaltet. Karsten Müller hat einen gesunden Mix aus Text und Varianten gefunden. Ich gehe sehr davon aus, dass kaum jemand eine Lösung komplett selbst so finden wird, wie sie ihm im Buch angeboten wird. Genau das finde ich auch gut, denn es zeigt, dass auch der sehr spielstarke Leser noch einiges wird aufnehmen können.
Übrigens geht der Autor bereits in seinem Vorwort darauf ein, dass Mittelspielaufgaben schwerlich im Rahmen von Korridoren nach Spielstärke erstellt werden können. Der Leser soll sich konzentriert mit allem befassen und dabei das lösen, was er kann. Sieht er sich überfordert, soll er die jeweilige Lösung durcharbeiten und so am Beispiel lernen.
Wie schon eingangs erwähnt, schult „Typisch Damengambit“ sowohl die strategischen als auch die taktischen Fähigkeiten. Dies wird schon anhand der Handlungsanweisungen zu den Aufgabenstellungen deutlich, aber auch in einzelnen Lösungen, dort dann auch sehr praxisorientiert dargestellt. Ich möchte hierzu 2 Beispiele aufführen, die den Aspekt veranschaulichen.
- Lösung zur Aufgabe 24: „Bei vollem Figurenbestand ist der Kampf um eine mögliche Umformung der Bauernstruktur in vollem Gange, wobei (…) Isolani und Hängebauern entstehen können.
- Lösung zur Aufgabe 28: „Die momentane Ausgeglichenheit dieser Stellung ist insofern trügerisch, als Weiß bei der geringsten Ungenauigkeit in Nachteil geraten kann. Der Grund liegt (…)
Dieses Werk ist zudem auch angenehm zu lesen und bisweilen sogar mit einem Schuss Humor geschrieben. So stellt Karsten Müller auf Seite 85 fest: „Bekanntlich gibt es ‚mysteriöse Turmzüge‘, deren Sinn – außer dem Spieler selbst – niemandem verständlich ist. Hier aber hast Schwarz sich soeben einen ‚mysteriösen Damenzug‘ einfallen lassen (…)
Zu ergänzen bleibt, dass jeder Aufgabenstellung ein QR-Code beigefügt ist, über den sich der Leser zu einem Online-Angebot von Chessbase führen lassen kann, wenn er sich online mit den Stellungen befassen möchte.
Fazit: "Typisch Damengambit, Orthodoxe Variante erlaubt ein gezieltes Mittelspieltraining zu Stellungen, die aus der Zugfolge 1.d4 d5 2.c4 e6 entstehen. Das Buch ist anspruchsvoll und aufgrund seiner verschiedenen Möglichkeiten der Nutzung – vom Arbeitsbuch bis zum Lehrbuch – für grundsätzlich jeden Spieler geeignet, zumindest ab Klubniveau. Die Beschäftigung mit ihm macht Spaß, weil es zudem nett geschrieben ist und einen zusätzlichen Unterhaltungswert hat.
Rezension von Andreas Wittek im November 2025
Die Spielweise 3. ... Sf6 bezeichnete Großmeister Siegbert Tarrasch (1862–1934) als „orthodox", weil er diesen schwarzen Plan für altmodisch hielt. So entstand die Bezeichnung des Systems:
1. d2–d4 d7–d5
2. c2–c4 e7–e6
3. Sb1–c3 Sg8–f6
Das „Damengambit" ist eine häufig gespielte Schacheröffnung aus der Gruppe der „Geschlossenen Spiele" und unter den ECO-Codes D06 bis D69 rubriziert. Die Hauptzugfolge ist:
1. d2–d4 d7–d5
2. c2–c4
Jede Hauptvariante des „Abgelehnten Damengambits" ist unter den ECO-Codes D30 bis D69 klassifiziert, welche mit den folgenden Zügen beginnen:
1. d2–d4 d7–d5
2. c2–c4 e7–e6
Das „Abgelehnte Damengambit" gilt heute als eine der beständigsten Eröffnungen und ist ein häufiger Gast in Wettkämpfen auf den verschiedensten Ebenen, ja sogar bei einigen Schachweltmeisterschaften der vergangenen Jahre.
Schachweltmeisterschaft 2008:
- Halbslawische Verteidigung [D49], in Partie 3
- Abgelehntes Damengambit [D37], in Partie 4
- Halbslawische Verteidigung [D49], in Partie 5
- Abgelehntes Damengambit (Wiener Variante) [D39], in Partie 8
- Halbslawische Verteidigung (Moskauer Variante) [D43], in Partie 9
Schachweltmeisterschaft 2010:
- Lasker-Verteidigung im Abgelehnten Damengambit [D57], in Partie 12
Schachweltmeisterschaft 2014:
Abgelehntes Damengambit [D37], in Partie 3
Abgelehntes Damengambit [D37], in Partie 8
Schachweltmeisterschaft 2018:
Abgelehntes Damengambit [D37], in Partie 2
Abgelehntes Damengambit [D37], in Partie 7
Das neu publizierte Druckwerk aus dem Joachim Beyer Verlag von Karsten Müller mit dem Titel „Typisch Damengambit – Orthodoxe Variante (1.d4 d5 2.c4 e6) – Effektives Mittelspieltraining" ist ein eigens zugeschnittenes „Lernkompendium für das Mittelspiel des Abgelehnten Damengambits", es umfasst 180 Seiten.
Dabei geht Müller in diesem Buch ausschließlich auf die „Orthodoxe Variante" ein, das heißt auf Stellungen, die aus dieser Grundstruktur hervorgehen können. Ausgenommen ist hierbei die „Abtauschvariante", denn diese hat der Autor bereits in einem gesonderten Band erörtert.
Auf Seite 5 ist ein Inhaltsverzeichnis niedergeschrieben, ein Vorwort auf Seite 6 und Seite 7, eine genaue Zeichenerklärung auf Seite 9, ein Quellenverzeichnis auf Seite 178.
Dieses „Mittelspielbuch des Damengambits – Orthodoxe Variante" enthält 102 Mittelspielaufgaben, welche mit QR-Codes versehen sind.
Über QR-Codes sind zu allen von Müller ausgewählten 102 Partien bei Chessbase Schachdiagramme sowie eine Reihe wichtiger Varianten verknüpft. Dies bietet dem Schachinteressierten / der Schachinteressierten eine komfortable Möglichkeit, besondere Stellungen einer Partie wahlweise der schwarzen Seite oder der weißen Seite virtuell aufzustellen und genauer zu studieren.
Ein relativ ausführlicher Erklärungstext zu den einzelnen speziellen Mittelspielpartien ist in dem Lösungsteil des Schachbuchs von Müller auf den Seiten 39 bis 177 zu finden.
Müller beschreibt beispielsweise positionelle Feinheiten bei der konkreten Mittelspielstellung, in der von ihm dargelegten ersten Partie „Kowsarinia – Malakhov", St. Petersburg 2014, gut nachvollziehbar.
Malakhov zieht, im siebten Zug dieser Partie, mit dem schwarzen Königsspringer vom Feld f6 zu dem Feld e4 und wendet, unter Berücksichtigung der vorherigen Züge in der Partie 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 Le7 5.Lg5 0-0 6.e3 h6 7.Lh4 Se4, eine Variante der „klassischen Lasker-Verteidigung im Abgelehnten Damengambit" [D57] an.
Müllers genauen Analyse nach zufolge, ab dem 16. Partiezug von Schwarz, verdienen vier schachliche Denkfiguren jeweils Beachtung, mit denen Weiß eine „befriedigende Verteidigung" aufbauen könnte.
Es empfiehlt sich, jede einzelne spezielle Partie am Computer und / oder mit dem eigenen dreidimensionalen Schachbrett in Ruhe nachzuspielen, um ein Gefühl für spezifische potenzielle Stellungsmuster zu entwickeln, ja im Laufe der Zeit entwickeln zu können.
Da die Aufgaben ziemlich anspruchsvoll sind, ist dies kein Anfängerbuch, sondern klar ein Lehrwerk für Schachinteressierte einer höheren Stufe, das heißt, einer höheren Leistungsklasse. Müller gibt seine hauptsächliche Zielgruppe der Leser / Leserinnen dieses Schachbuchs, auf Seite 6 im Vorwort, mit einer Elo-Zahl von 1400 bis 2000 an. Bei der „Elo-Zahl" handelt es sich um eine Maßzahl, für die individuelle Spielstärke.
Nichtsdestotrotz kann ebenfalls ein Schachspieler / eine Schachspielerin mit weniger Wissen sich an diesen Aufgaben versuchen, wenn derjenige / diejenige dazu bereit ist, sich das für die Lösung / das Verständnis dieser Aufgaben notwendige schachliche Wissen in kleinen Schritten zu erarbeiten.
Diesen gedanklichen Hintergrund offensichtlich berücksichtigend, schreibt Müller auf Seite 7 (Zitat): „Und darum ein guter Rat – ganz gleich, welche Spielstärke Sie auf die Matte bringen. Nehmen Sie die Beschäftigung mit jeder einzelnen Aufgabe ernst, aber lassen Sie diese auf keinen Fall in Folter ausarten! Sobald Sie auf allzu große Hindernisse bzw. Widerstände stoßen, nehmen Sie sich einfach die Freiheit: Schlagen Sie die Lösung auf und funktionieren Sie das Testbuch in ein Lehrbuch um!"
Dieses Schachbuch überzeugt durch seine originelle und zugleich augenzwinkernde Herangehensweise an ein scheinbar trockenes Thema: das Mittelspiel im Damengambit, genauer das Orthodoxen Damengambit mit 1. d4 d5 2. c4 e6, und solchen Stellungen, die aus dieser Grundstruktur hervorgehen. Schon der Einstieg von Autor GM Dr. Karsten Müller mit dem Vergleich zum Französischlernen zeigt den leisen Humor und die sprachliche Wendigkeit des Autors. Wer hier ein konventionelles Schachlehrbuch erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt – der Autor denkt didaktisch wie sprachlich in Bildern und Analogien, die den Leser sofort in den Bann ziehen.
Mit bemerkenswerter Klarheit legt der Verfasser dar, dass es zwar unzählige Werke über Eröffnungen gibt – also über den „Sprachunterricht“ des Schachs –, dass aber eine systematische, strukturierte Behandlung der Mittelspielprinzipien spezifischer Eröffnungen weitgehend fehlt. Gerade dieses „auffällige Vakuum“ will das Buch füllen. Dabei zeigt sich, dass hier jemand schreibt, der nicht nur didaktisches Feingefühl, sondern auch ein tiefes Verständnis für die praktischen Bedürfnisse von Schachspielern besitzt.
102 Aufgaben, jeweils versehen mit einem QR-Code zum Scannen, führen weit ins Thema hinein, bieten eine vom Buch unabhängige Bearbeitung und Analyse. Besonders hervorzuheben ist die Ehrlichkeit des Autors im Umgang mit seinem Publikum. Er verschweigt nicht, dass die Arbeit mit einem reinen Übungsbuch sowohl für schwächere als auch für stärkere Spieler eine Herausforderung sein kann. Er ruft deshalb zu einer Balance aus Ehrgeiz und Gelassenheit auf. Eine wohltuend Perspektive in einer Disziplin, die allzu oft in dogmatische Trainingsmethoden, also starr sowie unflexibel und an bestimmte Glaubenssätze oder Regeln gebunden sind. Die Empfehlung des Autors, das Buch bei Bedarf einfach vom Test- zum Lehrbuch „umzufunktionieren“, wirkt sympathisch und pragmatisch zugleich.
Das Buch vermittelt das Gefühl, dass hier kein trockener Theoretiker, sondern ein erfahrener Praktiker am Werk ist. Als erfahrener Schachspieler und Autor vermittelt Karsten Müller für Aufstiegs- und Abstiegskandidaten nicht nur komplexe Inhalte verständlich, sondern auch die Haltung, mit der man Schach – und vielleicht auch das Lernen selbst – angehen sollte: mit Neugier, Geduld und einer Prise Humor.







