Staudte & Milescu: Das 1x1 des Endspiels
Produktinformationen "Staudte & Milescu: Das 1x1 des Endspiels"
Das 1 x 1 ist die Grundlage der Rechenkunst. Nun muss man ja auch im Schach rechnen und dies besonders im Endspiel.
Rezension von Uwe Bekemann im Dezember 2025
Es ist ein Glücksfall für die Schachfreunde, dass der Joachim Beyer Verlag immer mal wieder betagte Schätzchen aus der Welt der Schachbücher neu auflegt. So geschehen ist es auch mit „Das 1x1 des Endspiels“ von Staudte und Milescu, nunmehr mit seiner 4. Auflage zu erwerben. Dieses Werk ist schon 1965 vom Verlag de Gruyter mit seiner 1. Auflage in die Schachwelt gegeben worden. Wie der Untertitel bestätigt, versteht es sich als „Lehr- und Lesebuch der Endspielkunst“. Es ist keine systematische Darstellung der Endspiele, sondern bietet Beispiele an, die den Leser anleiten und ihm ausgewählte Endspielregeln aufzeigen und veranschaulichen. Und wie der unvergessene Kurt Richter bereits 1964 in seinem Vorwort hervorhob, ist dieses Schachbuch „höchst vergnüglich“ zu lesen.
Das Buch ist in 14 Kapitel gegliedert, die sich an den thematischen Schwerpunkten wie beispielsweise „Kampf um das Tempo“ oder „Leicht- gegen Schwergewicht“ orientieren. In einem lockeren Erläuterungs- und Erzählstil stellen die Autoren ihre Beispiele vor. Ein Variantendickicht findet man an keiner Stelle dieser Arbeit. Sie beschränken sich auf die wesentlichen Zugalternativen und machen an diesen die zu besprechenden Regeln sowie die Besonderheiten der jeweiligen Situation fest.
Die beiden, schon verstorbenen, Autoren sind einem besonderen Konzept gefolgt. Dieses basiert darauf, dass sie Studien und Stellungen aus praktischen Partien zugrunde gelegt haben. Diese werden dann miteinander in Beziehung gesetzt. Studien stellen Kerngedanken einer Stellungsbehandlung in den Fokus, Partien zeigen praktische Umsetzungen dazu. Diese interessante Idee unterstützt den Unterhaltungswert, der Kurt Richter dazu bewegt haben dürfte, das Werk als „vergnüglich“ und lehrreich zugleich zu bewerten.
Der Joachim Beyer Verlag hat sich für die Neuausgabe offensichtlich streng an die historische Vorlage gehalten, was ich daraus schließe, dass kleine Fehler im Druck, die frühere Rezensenten aufgezeigt hatten, im Werk verblieben sind.
Ich halte es auch nicht für wichtig, dass die Varianten nicht mit Engines auf die rechnerische Genauigkeit bzw. auf eine Übereinstimmung mit Tablebases geprüft worden sind. „Das 1x1 des Endspiels“ ist ein Buch für das „menschliche Schach“, das mit den darin behandelten Regeln und Beispielen, wenn sie dem Leser in seiner eigenen Partie denn zur Verfügung stehen, heute wie damals gut und vergnüglich gespielt werden kann.
Fazit: „Das 1x1 des Endspiels“ ist ein historisches Buch, das mit seiner neuen, der vierten, Auflage vor dem Vergessen bewahrt wird. Es ist lehrreich und locker zu lesen, ist also tatsächlich auch im Sinne Kurt Richters „vergnüglich“.
Dazu ist es ein Allrounder, mit dem man als Geschenk wohl so gut wie jedem Schachfreund eine Freude machen kann.

