Euwe: Urteil und Plan im Schach

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Euwe: Urteil und Plan im Schach


Urteil und Plan im Schach richtet sein Augenmerk auf einen besonders wichtigen Moment im Verlauf der Partie: wenn nach vollendeter Entwicklung der Übergang von der Eröffnung ins Mittelspiel ansteht und der Spieler einen stellungsgemäßen Plan für das weitere Vorgehen entwickeln muss. Eine solche Planung ist gekoppelt an eine genaue Stellungsbeurteilung: Erst wenn der Spieler die charakteristischen Merkmale seiner Position erfasst hat, kann er einen korrekten strategischen Plan entwerfen, der im Einklang mit der Stellung die Partie folgerichtig fortsetzt. Natürlich ist diese Erkenntnis nicht neu, sie basiert auf der Positionslehre des ersten Weltmeisters, Wilhelm Steinitz. Max Euwe hat die Thematik für zeitgenössische Leser ausführlich aufbereitet und zahllosen aufstrebenden Spielern erstmals gezeigt, wie sich die wesentlichen Denkprozesse der Meister inhaltlich darstellen. Urteil und Plan im Schach zählt zu Euwes besten Werken und gilt als zeitloser Klassiker von unverminderter Gültigkeit.
Der Holländer Machgielis (Max) Euwe (1901–1981), fünfter Weltmeister der Schachgeschichte (1935–37), hat vor allem durch eine enorme schachliterarische Leistung nachhaltig gewirkt und zur Popularisierung des Schachs beigetragen. Seine Publikationen zeichnen sich durch eine didaktisch geschickte und anschauliche Darstellung aus und sie decken alle Phasen der Partie ab, zudem tragen die hervorragenden analytischen Fähigkeiten Euwes wesentlich zur Qualität seiner Werke bei. 
Dieses Standardlehrbuch zum planvollen Spiel liegt nun – nahezu 60 Jahre nach der deutschen Erstausgabe (1956) – in der 6. Auflage vor. Auch dem heutigen schachlichen Nachwuchs wird es den Weg weisen, zur rechten Zeit Urteil und Plan walten zu lassen.


184 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag


 


Rezension:


In einer 6. Auflage 2015 neu im Handel verfügbar ist der Schachbuch-Klassiker "Urteil und Plan" von Max Euwe. Das Werk ist als Imprint des Schachverlag Ullrich im Joachim Beyer Verlag erschienen. "Urteil und Plan" gilt als eines der besten Bücher Max Euwes, des 5. Weltmeisters in der Schachgeschichte. In seiner 1. Auflage aus dem Jahre 1956 umfasste es neun Abschnitte, deren Inhalte ich etwas weiter unten bezeichne. Nach dem Tode Euwes, aber mit seiner Genehmigung, ist ein zehnter Abschnitt hinzugekommen, der von Kurt Richter verfasst worden ist und "Fünf erläuternde Partien" enthält.

Wenn man - vor allem junge - Spielerinnen und Spieler, die zwar schon regelkundig sind, aber noch keine Erfahrung gesammelt haben, am Schachbrett beobachtet, so stellt man oft ein Phänomen fest: Die Hand des am Zug befindlichen Kontrahenten kreist über dem Schachbrett wie ein Geier am Himmel über der Savanne. Unentschlossen tendiert sie mal zur einen und dann wieder zu einer anderen Figur. Die Hand ist ein Indikator der Gedanken, denn so, wie sie sich verhält, läuft gerade auch der Gedankenprozess ab. Das Spiel bleibt planlos, die Merkmale der Stellung werden unzureichend erkannt und zur Basis der kommenden Entscheidungen gemacht.
Genau hier setzt "Urteil und Plan" an. Es ist ein Lehr- und für den erfahrenen Spieler auch ein Trainingsbuch zum praktischen Positionsspiel. Ich möchte das Werk als einen Praxiskurs bezeichnen, der nicht nur Kenntnisse zur Spielführung, vor allem im Mittelspiel, verschafft, sondern Struktur in das Spiel des Lesers bringt und ihm die Chance gibt, Intuition zu entwickeln.

Ich möchte ein zweites Phänomen ansprechen, diesmal auf das Fernschachspiel bezogen.
Aus dem Fernschach sind heute Computer als Hilfsmittel nicht mehr wegzudenken, sie gehören schlicht dazu. Sofern es ausnahmsweise keine ausdrücklichen Be-schränkungen gibt, gilt dies vorneweg auch für die Engines, also die Programme, die aus einer Stellung heraus die besten Züge und Zugfolgen zu errechnen versuchen.
Zu den modernen Herausforderungen an den Fernschachspieler zählt heute der möglichst effektive und effiziente Einsatz seiner Engine oder Engines. Die Methode, den Computer in einer einfachen Stellungsanalyse brutal alles durchrechnen zu lassen, stößt sehr schnell in verschiedener Hinsicht an ihre Grenzen. Der so handelnde Spieler wird spielerisch nicht weiterkommen und es werden ihm auch größere Erfolge verwehrt bleiben. Aber warum ist dies so? Das ist so, weil er nicht nach dem Prinzip Urteil und Plan handelt. Er setzt sein Hilfsmittel, die Engine, nicht so qualifiziert und wirksam ein wie seine klüger handelnden Mitbewerber, er wird tendenziell hinter diesen zurückbleiben.
Das Buch "Urteil und Plan" orientiert sich am folgenden Prinzip: Es werden Beispiele aus der Praxis durchgegangen, um bestimmte darin erreichte Stellungen auf ihre besonderen Merkmale, von Euwe auch als "Fingerzeige" bezeichnet, zu untersuchen, um nach deren Feststellung den richtigen Plan für das weitere Vorgehen abzuleiten. Der Leser erlernt und vertieft, wie man Schach planvoll spielt, wie man die stellungsgerechten Urteile und Entscheidungen trifft und er prägt sich automatisch nach und nach Stellungs- und Vorgehensmuster ein, die ihm im Laufe der Zeit vermehrt ein intuitives Handeln ermöglichen werden.

Die "geierähnlich" kreisende Hand des Spielers wird weichen, der Fernschachspieler wird seine Engine auf bestimmte Züge ansetzen und viele andere dabei ausblenden, somit sein Hilfsmittel Engine viel effektiver und effizienter einsetzen.
Das markanteste Beispiel für diese Variante meiner Ausführungen habe ich auf Seite 71 f. gefunden. Hier macht Euwe den Leser zunächst intensiv mit dem Beispiel der Betrachtung vertraut, bis er zur kritischen Stellung kommt. Diese untersucht er nach den Kriterien des Positionsspiels und kommt auf sieben zu berücksichtigende Besonderheiten. Er stellt dann die Frage, ob aus einem materiellen Standpunkt heraus ein bestimmter gegnerischer Zug für den am Zug befindlichen Spieler eine Bedrohung ist. Die Stellung ist komplex, die Antwort nicht leicht. Auf einem analytischen Weg stellt er dann fest, dass der geprüfte Zug eine Bedrohung ist, der Spieler also etwas dagegen tun muss. Und nun kommt die Aussage, die den interessierten Fernschachspieler aufhorchen lassen sollte: "(…) diese Erkenntnis macht es bereits überflüssig, Züge wie Ta8-c8 oder b6-b5 zu erwägen." In diesem Fall bleiben nur vier Bauernzüge als spielbar übrig. Wenn ich mich nicht verzählt habe, stehen in der fraglichen Stellung 38 regelgerechte Züge zur Verfügung. Der mit Urteil und Plan handelnde Fernschachspieler blendet 34 Züge aus und setzt seine Engine auf die vier Züge an, die eventuell helfen können, nutzt deren Kapazitäten optimal. Der Spieler mit der "brutalen Rechenmethode" aber wird nur einen Bruchteil dieses Nutzens ziehen können, da sich die Engine auch an auszuschließenden Zügen abarbeitet, und dieser Effekt verstärkt bzw. potenziert sich mit dem Fortgang einer Zugfolge.

Die Themen in den schon erwähnten ursprünglichen Buchkapiteln, hier "Abschnitte" genannt, ergeben sich aus dem folgenden Überblick, der sich an das Inhaltsverzeichnis anlehnt:

Abschnitt I: Forciertes Matt oder großer materieller Vorteil
Abschnitt II: Die Bauernmehrheit auf dem Damenflügel
Abschnitt III: Der Angriff auf dem Damenflügel
Abschnitt IV: Springer gegen schlechten Läufer
Abschnitt V: Die Schwächung der Königsstellung
Abschnitt VI: Der Angriff auf die feindliche Königsstellung
Abschnitt VII: Schwache Bauern
Abschnitt VIII: Starke Felder
Abschnitt IX: Offene Linien
Und hinzu kommt, wie oben schon angemerkt, Abschnitt X: Fünf erläuternde Partien, von Kurt Richter.

Euwe ist ein Meister des Schreibens. Er versteht es ausgezeichnet, alles so einfach, klar und nachvollziehbar zu erklären, dass man als Leser das Gefühl hat, sich gerade mit einer der einfachsten Sachen der Welt zu befassen. Ich stelle seine Kunst des Erklärens auf eine Stufe mit jener von Mark Dvoretski, wenn ich einen aktuellen meisterlich schreibenden Autor zum Vergleich heranziehen darf.

"Urteil und Plan" ist "kein Buch für eine Nacht". Dieses Werk verlangt ein Studium. Der Leser muss Zeit investieren, um den richtigen Nutzen aus ihm ziehen zu können. Und meines Erachtens verlangt es nach Wiederholung, es sollte also mehrfach durchgearbeitet werden. Die dafür aufzubringende Disziplin wird durch den unterhaltsamen Schreibstil Euwes gestützt.

Fazit: "Urteil und Plan" ist ein heute wie schon früher ausgezeichnetes Buch zum praktischen Positionsspiel. Es ist zugleich das Bindeglied zwischen Theoriewerken, die sich den verschiedenen Methoden des Positionsspiels widmen, und der praktischen Partie des Lesers.
Jeder Spieler unterhalb des Meisterlevels wird von diesem Werk profitieren, wenn er ernsthaft damit arbeitet. Der Fernschachspieler, der die vorgestellte Methode richtig auslegt und anwendet, wird zudem zu einem besseren und vor allem wirkungsvolleren Einsatz seiner Engine als Hilfsmittel in seiner Partie kommen.
Für mich ist "Urteil und Plan" eine klare Empfehlung für jeden Spieler, der die ersten Anfangsgründe gerade hinter sich gelassen hat und noch nicht zum Meisterspieler geworden ist.


 


Uwe Bekemann, Juli 2015

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