Brinckmann: Siegbert Tarrasch - Lehrmeister der Schachwelt

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Reihe: "Meilensteine des Schach" Band 12 Siegbert Tarrasch (1862-1934), zu seiner Zeit... mehr
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Reihe: "Meilensteine des Schach" Band 12

Siegbert Tarrasch (1862-1934), zu seiner Zeit apostrophiert als Praeceptor Germaniae (lat. Lehrmeister Deutschlands), hat durch seine Schriften weit über die Grenzen Deutschlands hinaus gewirkt, Generationen von aufstrebenden Schachspielern nachhaltig beeinflusst und erheblich zur Popularisierung des Schachs beigetragen. Sein wegweisendes Lehrbuch Das Schachspiel (1931) hat bis in die Gegenwart etliche Neuauflagen oder Bearbeitungen erlebt, und viele kleine und große Meister des Spiels hatten ihre schachlichen Wurzeln in der Tarrasch-Schule. Daher mag auch die im Buchtitel vorgenommene geografische Ausdehnung auf die gesamte Schachwelt weithin  berechtigt sein. Obschon Tarrasch immer ein Amateur war und den größten Teil seines Lebens als Allgemeinmediziner in Nürnberg praktizierte, daher beruflichen Verpflichtungen häufig Priorität einräumen musste, gehörte er für rund 20 Jahre zu den vier besten Spielern der Welt. Den Zenit seiner Schachlaufbahn erreichte er mit den Turniersiegen in Wien 1898 und Monte Carlo 1903, in dieser Phase wurde er gar mit dem Prädikat „Turnierweltmeister“ bedacht.

 

Alfred Brinckmanns Kollektion der besten 63 Tarrasch-Partien, 1963 in erster Auflage erschienen, blieb für gut vier Jahrzehnte das einzige Werk über Tarrasch in deutscher Sprache. Die aktuell vorliegende Zweitauflage enthält nach wie vor die biografische Einleitung und eine Reihe kommentierter Endspiele (Manuskripte aus Tarraschs Nachlass), die den zentralen Partieteil einrahmen. Der letztere ist nun gründlich überarbeitet worden hinsichtlich der Kommentare und Varianten, die im Lichte heutiger Analysen vielfach umgeschrieben oder ergänzt werden mussten. Dafür wurden einige wenige Partien (Gesamtzahl nun 58) und das Kapitel „Lieder ohne Worte“ (mit 15 Partien ohne verbale Erläuterungen) gestrichen. Die so erneuerte Partiesammlung wird hoffentlich dazu beitragen, das Leben und Werk des großen, vielleicht größten Schach-Lehrmeisters nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

 

204 Seiten, kartoniert, Joachim Beyer Verlag

 

 

 

Rezension

 

Siegbert Tarrasch, Lehrmeister der Schachwelt“ von Alfred Brinckmann war lange das einzige deutschsprachige Buch über den „Praeceptor Germaniae“, seine Erstauflage stammt aus dem Jahre 1963. In der Reihe „Meilensteine des Schach“ ist es vom Joachim Beyer Verlag als Imprint des Schachverlag Ullrich mit einer überarbeiteten Neuauflage 2015 herausgegeben worden.

 

Dieses auch schachgeschichtlich interessante Werk ist quasi runderneuert worden. Auf den ersten Blick fallen das moderne Schriftbild und die gleichfalls modern gestalteten Diagramme auf. Dem entsprechend ist ein neuer Schriftsatz erstellt worden, die Diagramme sind allesamt neu erarbeitet und eingefügt worden. Der Verlag hat dabei eine hohe Sorgfalt an den Tag gelegt, woran nichts ändert, dass ich auf Seite 198 einen kleinen Diagrammfehler entdeckt habe (eine weiße Dame kommt schwarz daher).

 

Im Vordergrund aber steht natürlich die inhaltliche Modernisierung. Aus den ehemals 63 enthaltenen Partien sind durch Streichung nun 58 geworden, die auch hinsichtlich der Aktualität der Kommentare angefasst worden sind. Leider gibt das Werk keine Auskunft darüber, wer diese Arbeit geleistet hat, aber er hat seine Sache gut gemacht. So fällt auf, dass auch kleinere Änderungsbedarfe erkannt worden sind, wie beispielsweise solche aufgrund des Übergangs vom 20. auf das 21. Jahrhundert.

 

Der Leser erhält fein kommentierte Partien, deren Kommentare nicht vom Dogmatismus beherrscht werden, für den der Name Tarrasch steht. Vielmehr ist die Kommentierung, die teilweise auch auf fremde Kommentare wie etwa solche von Tartakower zurückgreift, neutral gehalten. Sie nimmt Tarraschs Ansichten und Aussagen ergänzend auf.

 

Die kommentierten Partien unterhalten als solche, das Werk somit insgesamt als gut gemachte Partiensammlung. Zusätzlich interessant werden sie über eine teilweise feinsinnige Textunterhaltung, die sich vom schlichten Verlauf der Spiele loslöst. Tarrasch, dem nicht nur seine feste Position im Meinungsstreit über „das richtige Positionsspiel“ zugeschrieben wird, sondern auch eine erhebliche Arroganz, kommt nicht direkt zu Wort, sondern wird selbst zitiert. Gegenmeinungen, auch teilweise feinzüngig und pointiert geäußert, kommen auf die gleiche Weise zum Zuge. So ergibt sich ein insgesamt buntes Bild, das in Sachen Schach, Schachhistorie und Streit über die „richtige“ Spielanlage im Schach eine sehr kurzweilige Unterhaltung bietet.

 

Aus der Erstauflage erhalten geblieben ist eine biografische Einleitung, während ein Abschnitt mit unkommentierten Partien entfernt worden ist. Weiter erhalten geblieben sind mehrere Endspiele aus Tarraschs Nachlass, die sich an die kommentierten Partien anschließen. Abgeschlossen wird dieser Bereich durch die Komposition eines sogenannten Turmgambits, die dem Wiener Georg Marco zugeschrieben wird. Humoristisch ironisch werden die Extrempositionen von Tarrasch darin aufs Korn genommen. Dessen Namen erkennt man nur, indem man ihn als Teil aus einem orientalischen Fantasienamen herausliest. In dieser Fantasiepartie gewinnt Tarrasch mit u.a. einem Sextupelbauern, nachdem er sich in deren Verlauf fortwährend selbst bestätigt und widerlegt. Das nicht selten selbstgefällige Schwarz-Weiß-Urteil Tarraschs, das man heute vermutlich als etwas „verbohrt“ bezeichnen würde, wurde ihm so übersteigert als Spiegelbild vorgehalten.

 

Aus meiner ganz persönlichen Sicht zählt „Siegbert Tarrasch, Lehrmeister der Schachwelt“ zu den interessantesten Neuauflagen in der Verlagsreihe „Meilensteine des Schach“, so wie der Porträtierte selbst zweifellos zu den ganz großen und schillernden Personen der Schachwelt zu zählen ist. Das Buch ist sehr unterhaltsam und vermittelt auch ein Feeling des damaligen „Systemstreits“ in der Schachwelt, an dem Tarrasch prägend beteiligt war. Die Partiensammlung ist alles andere als „Museumsschach“; nicht zuletzt die moderne Überarbeitung macht das Werk zu einem interessanten Element der aktuellen Schachliteratur.

 

Uwe Bekemann, Januar 2016

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