Snosko-Borowski: Eröffnungsfallen am Schachbrett

Snosko-Borowski: Eröffnungsfallen am Schachbrett
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Eugene Snosko-Borowski: Eröffnungsfallen am Schachbrett

 

„Fallen“ im Schach entziehen sich einer präzisen Definition. Überwiegend handelt es sich um attraktive Abspiele taktischer Natur, die zunächst ungefährlich und häufig verführerisch erscheinen, da sie gutes Spiel oder gar Vorteil versprechen. Doch infolge einer kleinen Unachtsamkeit münden diese schnell in eine mehr oder minder große Katastrophe, zumindest materiell oder positionell nachteilig für das „Opfer“. Fallen gelten zweifellos als besonders reizvoll, wenn sie den Gegner mit List und Tücke ins Verderben locken. Und auch die Schadenfreude, angeblich die schönste aller Freuden, mag unterschwellig dazu beitragen, dass Fallenspielerei im Schach und insbesondere in der Eröffnung vom Betrachter mit einem spezifischen Vergnügen wahrgenommen wird.

 

Der Autor und nachfolgende Bearbeiter haben für dieses Buch insgesamt 234 Fallen zusammengetragen, geordnet nach Eröffnungen, ausführlich kommentiert und aktualisiert sowie mit gelegentlichen Denksportaufgaben angereichert, und ein einleitendes Kapitel mit weiteren Beispielen vermittelt die Grundgedanken des Fallenspiels. Der Leser erhält hierdurch einen Überblick über die wichtigsten Eröffnungen mit dem Augenmerk auf die Gefahren, die in Gestalt von verborgenen Fallstricken allgegenwärtig lauern können, die er aber nach eingehender Lektüre des Buchs sicher erkennen und umgehen wird, wenn er ihnen am Brett begegnet. 

 

Der Schachmeister Eugène Snosko-Borowski (1884-1954) war ein in Paris lebender Exilrusse, der nach der Russischen Revolution nach Frankreich ausgewandert war und in Deutschland insbesondere durch seine Bücher bekannt geworden ist. Diese waren vornehmlich auf den Vereinsspieler zugeschnitten, sowie in einem gefälligen und flüssigen Stil geschrieben, was ihnen eine außergewöhnliche Popularität verlieh. Zu seinen beliebtesten Werken gehört nach wie vor So darfst Du nicht Schach spielen (in unserem Verlag erhältlich). Aber auch das nun in der 17. Auflage (!) vorliegende Werk über Eröffnungsfallen (deutsche Erstausgabe 1939) ist ein unverwüstlicher Klassiker und hat schon viele Generationen von Schachspielern begeistert.

 

136 Seiten, gebunden, Joachim Beyer Verlag

 

 

 

Rezension:

 

Wenn ein Schachbuch in einer 17. Auflage erscheint, dann muss es gut sein. Und historische Wurzeln muss es auch haben, denn die vorherigen Auflagen werden sich nicht nur innerhalb von ein paar Wochen verkauft haben. Und so ist es auch bei „Eröffnungsfallen am Schachbrett“ von Eugéne Snosko-Borowski, dessen erste deutsche Auflage im Jahre 1939 auf den Markt gekommen ist. Neu erschienen ist es im Joachim Beyer Verlag als Imprint des Schachverlag Ullrich.
Was ist eine Falle, was ist keine, sondern vom Gegner einfach nur schlecht gespielt? Um diese Frage beantworten zu können, muss zunächst eine Definition des Begriffes „Falle“ her. Der Rückentext des Werkes gibt sie uns. Danach handelt es sich bei Fallen überwiegend „um attraktive Abspiele taktischer Natur, die zunächst ungefährlich und häufig verführerisch erscheinen, da sie gutes Spiel oder gar Vorteil versprechen. Doch infolge einer kleinen Unachtsamkeit münden diese schnell in eine mehr oder minder große Katastrophe, zumindest materiell oder positionell nachteilig für das ‚Opfer’“.
In „Eröffnungsfallen am Schachbrett“ haben der Autor des Urwerkes und Bearbeiter nachfolgender Ausgaben insgesamt 234 solcher Fallen zusammengetragen. Sie sind eröffnungsthematisch sortiert und werden jeweils mit ihrer vollen Zugfolge dargestellt. Die Darstellung entspricht also dem Anfang einer kommentierten Partie, denn der Leser bekommt natürlich über die reine Zugfolge hinaus auch noch Hinweise, Erklärungen und kurze Analysevarianten. Unregelmäßig eingestreut findet er zudem noch insgesamt 53 Fragen im Text, deren Beantwortung ihm zu einem besseren Verstehen verhelfen soll und für die er die Lösungen gesammelt am Ende des Buches findet.

Unterteilt ist das Werk in sechs Teile mit den folgenden Überschriften:

I. Grundgedanken einiger Fallen
II. Offene Spiele
III. Halboffene Spiele
IV. Geschlossene Spiele
V. Moderne Eröffnungen
VI. Positionsfallen.

Im 1. Teil werden einfache theoretische Hinweise gegeben, die für eine Reihe von Fallen Gültigkeit besitzen. So wird das Manöver eines Dameschachs von h4 bzw. h5 aus erläutert oder die Schwäche des Feldes f2 bzw. f7 thematisiert.
Unter „Moderne Eröffnungen“ im 5. Teil fallen vor allem die Indischen Verteidigungen. Im 6. Teil werden unter „Positionsfallen“ solche Abspiele behandelt, die auf positionelle Konsequenzen abzielen, beispielsweise auf das Aussperren einer gegnerischen Figur vom Spiel.

Eröffnungsfallen sind auch deshalb attraktiv, weil sie einen schnellen Vorteil in der Partie versprechen. Sie zu kennen heißt sie bei Gelegenheit einsetzen zu können, heißt aber auch sie vermeiden zu können, wenn der Gegner sie anstrebt.
Sicherlich wäre es eine naive Vorstellung, die allesamt im Buch vorgestellten Fallen auswendig lernen zu können, um zu schnellen Siegen zu kommen. Soweit sie aber nach dem eigenen Repertoire des Spielers eine praktische Relevanz besitzen, also mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in seiner Partie auf das Brett kommen können, sollte er sich sehr wohl als aktiv wie auch passiv Beteiligter gut damit auskennen.

 

„Eröffnungsfallen am Schachbrett“ hat auch einen hohen Unterhaltungswert. Es ist locker geschrieben, enthält zu den oben genannten Teilen wie auch zu einzelnen Eröffnungen wie einzelnen Fallen selbst zusätzlich textliche Informationen und bedient auch noch eine uns Menschen implementierte Art der Freude, die Schadenfreude. Hier kann man sie ausleben, ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

 

Das Buch ist in der bekannt guten technischen Qualität des Verlages gefertigt worden. Ein fester Einband wird auch dann noch standhalten, wenn es hunderte Male aus dem Regal gezogen worden ist. Es gibt eine anspruchsvolle Bindung und auch ein Lesebändchen fehlt nicht. Druck und Papier sind „top“.

 

Fazit: „Eröffnungsfallen am Schachbrett“ ist ein Klassiker, der in seiner 17. Auflage neu auf den Markt gekommen ist. Ich bin davon überzeugt, dass dieses Buch in das Regal jedes Turnierspielers gehört, und soweit die darin abgebildeten Eröffnungsfallen in seinem Repertoire liegen, gehört deren ausreichende Kenntnis in seinen Kopf.

Natürlich kann ich dieses Werk zum Kauf empfehlen.

 

Uwe Bekemann, Januar 2015

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